Auto1 hat eine erhebliche Korrektur vollzogen, scheint jetzt aber wieder durchzustarten. Ist jetzt der richtige Einstiegszeitpunkt?
Der lange Weg nach unten und warum dort Gelegenheiten entstehen
Es sah fast so aus, als würde sich Auto1 in die lange Reihe gescheiterter Börsengänge in Deutschland einreihen. Denn nach dem Auftakt auf dem Börsenparkett ging es mit den Kursen über Monate hinweg nur abwärts und die Aktie verlor mehr als 90 % an Wert.
Darauf folgte eine mehr als zweijährige Phase, die ich gerne als „Ausblutung“ bezeichne. Die große Panik ist zwar verflogen, aber Rallyes fallen immer wieder in sich zusammen und am Ende werden neue Tiefs erreicht.
In dieser Phase werfen die meisten Anleger das Handtuch, bis nur noch die investiert sind, die vom Unternehmen überzeugt sind oder die Position längst abgeschrieben haben.
Das ist das Fundament, auf dem nach derartigen Kursverlusten, ein neues Pflänzchen keimt.
Ich hatte Mitte 2024 („Auto1: Ist das die Wende?“) und Anfang 2025 („Turnaround bei Auto1: Diese Zahlen lassen aufhorchen!“) bei Kursen von etwa 7 und 20 Euro darauf hingewiesen, dass der Turnaround bei Auto1 in vollem Gange sein könnte. Anschließend kletterte der Kurs auf mehr als 30 Euro.
Nachdem der Kurs zuletzt wieder zurückgekommen ist, könnten Anleger eine zweite Chance erhalten.
In den USA längst ein Erfolgsmodell
Damals hatte ich aufgezeigt, dass Auto1 endlich den Sprung in die Profitabilität vollzogen hat und die Prognosen vermutlich zu niedrig sind. Diese These hat sich als richtig herausgestellt, doch dazu später mehr.
Darüber hinaus setzt das Unternehmen auf ein altbewährtes Geschäftsmodell aus den USA.
Dort gibt es eine ganze Reihe von großen Autohändlern, die auf faire und transparente Preise setzen, darunter beispielsweise Lithia oder Carvana.
Lithia Motors kauft Fahrzeuge an, checkt sie komplett durch und verkauft sie für einen Festpreis. Der Kunde kann sich sicher sein, dass der Zustand des Fahrzeugs in Ordnung und wie beschrieben ist. Ob er den Preis annimmt oder nicht, ist seine Wahl. Jeder weiß, dass Lithia keine Mondpreise verlangt, denn die Margen sind nicht sehr hoch.
Dadurch hat man eine Vertrauensbasis geschaffen und kann Fahrzeuge auch problemlos online verkaufen. Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber der Anteil der ungesehen über das Internet gekauften Fahrzeuge steigt unaufhörlich.
Auto1 versucht, dieses Konzept auch in Europa umzusetzen. Wenn man damit Erfolg hat, ist das Geschäft stark skalierbar. Der Markt für Gebrauchtwagen ist gigantisch und vermutlich so stark fragmentiert wie kaum ein anderer.
Das Unternehmen betreibt zwei klar abgegrenzte Geschäftsbereiche, die jeweils eine besondere Rolle im Gebrauchtwagenmarkt spielen. Der erste Bereich, das sogenannte „Merchant“-Geschäft, hat sich als bedeutende Großhandelsplattform für Gebrauchtfahrzeuge in Kontinentaleuropa etabliert. Der zweite Bereich, Autohero, kann als europäisches Pendant zu Carvana betrachtet werden und zielt darauf ab, den fragmentierten Einzelhandelsmarkt für Gebrauchtwagen zu revolutionieren.
Endlich schwarze Zahlen
Auto1 konnte den Umsatz in den letzten fünf Jahren von 4,78 auf 8,17 Mrd. Euro deutlich steigern.
Der Sprung in die Profitabilität ist 2024 gelungen. Damals erzielte der Konzern ein Ergebnis von 0,09 Euro, im Geschäftsjahr 2025 waren es bereits 0,35 Euro je Aktie.
Wie üblich, kommt es in der ersten Phase, nachdem erstmals schwarze Zahlen geschrieben werden, zu erheblichen Gewinnsprüngen.
Doch auch abseits davon ist die Entwicklung beeindruckend. Das abgelaufene Geschäftsjahr verlief für das Unternehmen sehr dynamisch. Die Gesamtzahl der verkauften Fahrzeuge stieg um 22,1 % auf 842.271 Einheiten – ein klares Signal für die anhaltend hohe Nachfrage und die wachsende Marktdurchdringung.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Entwicklung im Retail-Segment. Mit einem Plus von 36,4 % auf 101.539 Fahrzeuge wuchs dieses Segment deutlich schneller als das Merchant-Geschäft, das mit 740.732 verkauften Einheiten ebenfalls solide um 20,4 % zugelegt hat.
Dynamische Entwicklung
Der Umsatz konnte um 30,3 % auf 8,17 Mrd. Euro gesteigert werden. Das Bruttoergebnis kletterte um 36,7 % auf 990,6 Mio. Euro und das bereinigte EBITDA sogar um 80,8 % auf 197,5 Mio. Euro. Das unterstreicht die zunehmende operative Hebelwirkung des Geschäftsmodells.
Die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich um 70 Basispunkte auf 2,4 % – in einem margenarmen Markt wie dem Gebrauchtwagenhandel ein relevanter Fortschritt auf dem Weg zur nachhaltigen Profitabilität.
Das Portfolio der Händlerfinanzierung wuchs um 41,3 % auf 303 Mio. Euro, während das Kundenfinanzierungsportfolio über die Plattform Autohero um 50,2 % auf 549 Mio. Euro zulegte. Damit entwickelt sich das Fintech-Segment zunehmend zu einer eigenständigen Ertragssäule, die langfristig zur Diversifikation der Erlösbasis beitragen könnte.
Der Blick nach vorn
Im laufenden Geschäftsjahr dürften sich diese Trends überwiegend fortsetzen.
Auto1 strebt an, das Wachstum des Konzerns nachhaltig weiterzuführen und dabei die bislang erreichten Profitabilitätskennzahlen pro verkauftem Fahrzeug zu verbessern.
Im Hinblick auf die Anzahl an verkauften Fahrzeugen geht der Konzern für das Merchant Segment von 815.000 bis 865.000 Fahrzeugen aus. Im Retail-Segment sollen 125.000 bis 135.000 Fahrzeuge verkauft werden. Insgesamt werden damit 940.000 bis 1.000.000 abgesetzte Fahrzeuge prognostiziert.
Das Wachstum soll durch eine höhere Auslastung der bestehenden Filialen und eine kontinuierliche, schrittweise Erweiterung des gesamten Fulfillment-Netzwerks erreicht werden.
Für das Rohergebnis wird in beiden Segmenten und auch insgesamt ein Anstieg erwartet. Infolgedessen soll das Rohergebnis der Gruppe für 2026 bei 1,1 bis 1,2 Mrd. Euro liegen, was einem Anstieg um 11 – 21 % entsprechen würde.
Das bereinigte EBITDA der Gruppe im Geschäftsjahr 2026 wird zwischen EUR 250 Mio. und EUR 275 Mio. prognostiziert, was einem Anstieg um 27 – 39 % entsprechen würde.
Dazu passen die Konsensschätzungen, die einen Gewinnsprung von 0,35 auf 0,61 Euro je Aktie vorsehen. Dadurch würde das KGV schlagartig von 56,6 auf 32,5 sinken.

Gelingt jetzt ein Ausbruch über 20 Euro, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 22,50 – 23,50 Euro. Darüber wären Kursgewinne in Richtung 25,50 und möglicherweise sogar 29,50 – 31,00 Euro denkbar.
Fällt die Aktie hingegen unter 18,50 Euro, ist der Ausbruch vorerst gescheitert.
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