Die Atoss-Aktie ist nach den Quartalszahlen um mehr als 10 % in die Höhe gestiegen. Die Freude schien jedoch schnell verpufft.
Warum gute Zahlen oft ignoriert werden
An der Börse lassen sich immer wieder dieselben Phänomene beobachten. Unternehmen liefern mehrere Quartale, teilweise sogar 2 oder 3 Jahre hintereinander konsequent ab, aber der Kurs tritt trotzdem auf der Stelle.
Irgendwann kommt jedoch der Punkt, an dem die Realität nicht mehr ignoriert werden kann. Plötzlich setzt sich die Aktie in Gang und die Kurse steigen stark an.
Umgekehrt geschieht häufig dasselbe. Das gilt vor allem für den breiten Markt. Die Kurse steigen immer weiter, obwohl die dunklen Wolken längst am Horizont erkennbar sind. Probleme werden ignoriert, bis es einfach nicht mehr möglich ist.
Die Börse ist im kurzfristigen Zeitfenster nicht nur ineffizient, sie ist geradezu ignorant.
Auf den ersten Blick hört sich das unglaublich an, aber Beispiele dafür gibt es einige.
Expedia hat beispielsweise nach dem geschäftlichen Einbruch 2020 schnell wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden und 2022 einen Rekordgewinn eingefahren.
Die Aktie trat trotzdem auf der Stelle und der Kurs pendelte um die 90 USD.
Das geschieht erschreckend oft
Im Geschäftsjahr 2023 konnte der Gewinn um weitere 43 % gesteigert werden und das Unternehmen verdiente mehr als anderthalbmal so viel wie 2019 – dennoch trat die Aktie weitgehend auf der Stelle und lag weit unter dem Kurs von 2019.
Irgendwann konnte die gute Entwicklung nicht mehr ignoriert werden und der Kurs kletterte innerhalb von etwa 20 Monaten von unter 100 auf über 300 USD.
Selbstverständlich hinkt der Vergleich zwischen zwei Unternehmen immer. Im Fall von Expedia und Atoss hat das Geschäftsmodell auch nichts miteinander zu tun, aber die zugrundeliegenden Dynamiken sind ähnlich.
Ebenso wie damals Expedia liefert auch Atoss konsequent ab. Dennoch bewegt sich die Aktie nicht nach oben.
Das hat verschiedene Gründe. Aus meiner Sicht war die Aktie vor dem Kurssturz der letzten Monate mit einem KGV von fast 50 überbewertet. Aber die zugrunde liegende geschäftliche Entwicklung ist gut und durch den Kurssturz ist die Bewertung inzwischen auch wieder moderat.
Gewinn fast verdreifacht
Derzeit notiert die Aktie auf ungefähr demselben Niveau wie 2020, schließlich geht die Angst um, dass Atoss durch KI disruptiert wird. Seitdem hat sich das Ergebnis jedoch nahezu verdreifacht und wie wir später noch sehen werden, scheint diese Erfolgsserie auch nicht abzureißen.
Es ist vollkommen sicher, dass es Unternehmen gibt, die durch KI mittelfristig obsolet werden. Aber es ist wohl ebenso sicher, dass es nicht jedes Software-Unternehmen treffen wird.
Es gilt abzuwägen. So manch ein vermeintlicher KI-Verlierer wird an der Börse eine regelrechte Renaissance erleben, sobald sich herausstellt, dass das Geschäft doch nicht den Bach heruntergeht.
Atoss Software ist eines der bedeutendsten Unternehmen für Workforce Management.
Das Unternehmen liefert Software sowie Beratungslösungen für bedarfsgerechten Personaleinsatz. Das umfasst alle Themen, vom klassischen Arbeitszeitmanagement über Personaleinsatzplanung und HR Analytics bis hin zu strategischer Kapazitäts- und Bedarfsplanung – sowohl in der Cloud als auch vor Ort.
Derzeit hat das Unternehmen mehr als 18.000 Geschäftskunden, wovon fast 16.000 die Cloud nutzen. In Summe beschäftigen die Kunden von Atoss mehr als 4 Millionen Mitarbeiter.
Die Net Retention Rate lag zuletzt bei 113 %. Das bedeutet, dass die Bestandskunden ihr Geschäft mit Atoss weiter ausbauen. Von Abkehr also keine Spur.
Gut in das laufende Geschäftsjahr gestartet
Wie wir seit dem 24. April wissen, hat sich der positive Trend auch im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres fortgesetzt.
Das hat einen Kurssprung von etwa 78 auf 88 Euro ausgelöst. Seitdem ist die Aktie wieder in eine Seitwärtsbewegung übergegangen.
Der Umsatz konnte im ersten Quartal um 11 % auf 51,4 Mio. Euro gesteigert werden.
Der wesentliche Wachstumstreiber ist nach wie vor der Bereich Cloud und Subscriptions, in dem der Umsatz um 27 % auf 27,0 Mio. Euro geklettert ist.
Gleichzeitig hat sich die EBIT-Marge von 34 auf 35 % verbessert. Das operative Ergebnis erhöhte sich von 15,6 auf 18,2 Mio. Euro, ein Anstieg um 17 %.
Mit Blick auf die makroökonomischen und konjunkturellen Risiken wurde die Umsatzprognose in Höhe von 215 Mio. Euro bestätigt. Der Ausblick für die EBIT-Marge wurde jedoch von mindestens 32 % auf mindestens 34 % erhöht.
Als Grund wurden ein konsequentes Kostenmanagement und weitere Effizienzgewinne aus Prozessoptimierungen und Digitalisierung angeführt.
Im Klartext bedeutet das, dass Atoss ein Umsatzwachstum von 14 % in Aussicht stellt und die Profitabilität wohl höher sein wird als bisher angenommen.
Ausblick und Bewertung
Im Verhältnis dazu und mit Blick auf das erste Quartal scheinen die Konsensschätzungen etwas zu pessimistisch zu sein. Derzeit wird erwartet, dass das Ergebnis von Atoss in diesem Jahr um 5 % auf 3,20 Euro je Aktie steigen wird.
Dabei würde es sich zwar um ein Rekordergebnis handeln, die Chancen stehen jedoch nicht schlecht, dass etwas mehr möglich sein könnte.
Selbst wenn das nicht der Fall ist, und das Momentum erst im kommenden Jahr wieder zunimmt, wird Atoss derzeit nur mit einem KGVe von 25,5 bewertet. Im langjährigen Durchschnitt lag das KGV bei 33.
Nimmt man beispielsweise an, dass der Gewinn in diesem Geschäftsjahr im selben Umfang gesteigert werden kann wie im ersten Quartal, sinkt das KGVe auf 22,9.
Hinzu kommt, dass Atoss keine Nettoschulden und 162,1 Mio. Euro an Liquidität besitzt – und das bei einem Börsenwert von nur 1,3 Mrd. Euro.
Daher wird der Vorstand den Aktionären in der Hauptversammlung am 30. April 2026 eine Ausschüttung in Höhe von 2,28 Euro je Aktie (in Summe 36,3 Mio. Euro) vorschlagen.
Atoss käme demnach auf eine solide Dividendenrendite in Höhe von 2,81 %.

Mit dem Anstieg über 80 Euro hat sich die Lage aus charttechnischer Sicht etwas entspannt. Gelingt jetzt ein Anstieg über 85 Euro, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 92 und 95 Euro.
Fällt die Aktie hingegen wieder unter 80 Euro, muss ein erneuter Rücksetzer in Richtung 73 Euro eingeplant werden.
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