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Amazon erwägt offenbar eine Milliardenübernahme, die den Wettbewerb im All neu ordnen könnte. Kaufpreis von 9 Milliarden oder noch mehr?
Amazon vor milliardenschwerem Satelliten-Coup
Amazon erwägt offenbar ein Milliarden-Gebot für den Satellitenbetreiber Globalstar. Laut Financial Times laufen die Gespräche noch, ein Abschluss ist nicht gesichert – doch allein die Nachricht reicht, um den Markt in Bewegung zu setzen.
Insidern zufolge könnte der Kaufpreis bei rund 9 Milliarden Dollar liegen. Amazon dürfte mit der Übernahme vor allem auf Starlink abzielen und den Druck erhöhen wollen.
Amazon baut seit Jahren unter dem Namen Kuiper, intern teils als „Leo“ geführt, ein eigenes Satellitennetz auf, um in einem Markt mitzuspielen, den aktuell vor allem SpaceX mit Starlink dominiert.
Das Problem: Der Rückstand ist erheblich. Amazon steht unter erheblichem Druck, die Fristen der US-Kommunikationsbehörde FCC einzuhalten, und hat bislang erst 243 Satelliten im Orbit – weit entfernt von den mehr als 7.700, die das Netz in seiner vollen Ausbaustufe umfassen soll.
Durch die Übernahme könnte der Ausbau deutlich beschleunigt werden.
Was Globalstar für Amazon attraktiv macht, liegt auf der Hand. Der Deal würde Amazon sofortigen Zugang zu kritischem Frequenzspektrum in über 120 Ländern und einem funktionierenden Satellitennetz verschaffen.
Das beschleunigt den Netzaufbau erheblich, und zwar genau dort, wo Amazon es selbst nicht schnell genug hinbekommt.
Apple als heimlicher Machtfaktor im Deal
Doch die Transaktion ist komplizierter, als sie auf den ersten Blick scheint, denn Apple sitzt mit am Tisch. Der iPhone-Hersteller hält rund 20 Prozent an Globalstar und hat 2024 etwa 1,5 Milliarden Dollar investiert, um seine Notfall-SOS-Funktion auf iPhones und Apple Watches abzusichern.
Unter dem bestehenden Vertrag beansprucht Apple 85 Prozent der Netzkapazität von Globalstar für Funktionen wie Emergency SOS, Nachrichten via Satellit und Find My Phone.
Wer Globalstar kauft, kauft also ein Unternehmen, das technisch und vertraglich tief verwoben ist.
Das kann jedoch auch ein Vorteil sein, weil Apple indirekt oder ziemlich direkt zur Finanzierung des Deals beitragen würde. Für Apple könnte der schnelle Ausbau und Zusammenschluss mit Amazon auch Vorteile mit sich bringen, denn dadurch dürften sich Service und Verfügbarkeit verbessern.
Die Sache ist aber noch etwas kniffliger, als es auf den ersten Blick erscheint. Der reibungslose Parallelbetrieb von Hochgeschwindigkeitssystemen und den Notfalldiensten von Apple ist technisch kompliziert.
Amazon will dabei wohl auf ein softwarebasiertes System zur dynamischen Spektrumsverwaltung setzen, das automatisch erkennt, wenn ein iPhone eine Notrufverbindung aufbaut, und den eigenen Datenstrom in einen anderen Frequenzbereich verschiebt.
Den Presseberichten zufolge ist das technisch lösbar, allerdings hat die US-Kommunikationsbehörde FCC dabei auch ein Wörtchen mitzureden.
FCC als möglicher Spielverderber
Für Amazon geht es um mehr als nur Satelliten. Die Cloud-Sparte AWS, die bereits annualisierte KI-Umsätze von 15 Milliarden Dollar erzielt, profitiert direkt von einer besseren Vernetzung abgelegener Regionen.
Amazon dürfte sich dadurch auch neue Märkte erschließen wollen.
Ob der Deal in seiner jetzigen Form zustande kommt, ist dennoch offen. Die Verhandlungen können scheitern, sich verzögern oder die FCC könnte dazwischen grätschen.
Für Amazon wäre der Deal ein Versuch, die Lücke zu Starlink zu verringern und verlorene Zeit wettzumachen.
Eine Übernahme erscheint plausibel, und daher reagierte die Aktie von Globalstar auf die Neuigkeiten auch mit einem Kurssprung.
Vorbörslich notiert die Aktie derzeit rund 15 % im Plus bei 84 USD.
Wenn Amazon eine Übernahme sichern will, könnten die in den Presseberichten zitierten 9 Milliarden Dollar womöglich nicht reichen. Denn bei einem Kurs von 84 USD liegt der Börsenwert von Globalstar bereits bei 10,7 Mrd. Dollar.
Realistisch betrachtet spielt es für Amazon kaum eine Rolle, ob der Zukauf 9 oder 12 Milliarden kosten wird.
In beiden Fällen ist es weniger als ein halbes Prozent des Börsenwerts von Amazon. Globalstar sitzt bei den Verhandlungen daher aus meiner Sicht eindeutig am längeren Hebel.

Die Amazon-Aktie notiert vorbörslich ebenfalls leicht im Plus. Der Deal scheint bei allen Seiten gut anzukommen, was einen möglichen Abschluss wahrscheinlicher machen könnte.
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