Am Mittwoch hatte der US-Softwarekonzern Salesforce im Rahmen seiner Bilanz auch mit den Bedenken in Bezug auf den von KI ausgehenden Druck auf die Branche aufgeräumt. Das half der SAP-Aktie gestern, aber reicht das, um dem Kurs die Tür nach oben offen zu halten?
Egal, in welchem Sektor ein Software-Unternehmen tätig ist, überall kam seit Ende Januar erheblicher Verkaufsdruck auf. Das Argument: KI-Anwendungen werden vieles, das im Bereich Software bislang teuer bezahlt wird, überflüssig machen. Einige sehr große Adressen spekulierten sogar gezielt auf diese Entwicklung, indem sie in KI-Unternehmen bzw. Halbleiteraktien Long-Positionen aufbauten und zugleich im Software-Sektor à la Baisse spekulierten. Doch mittlerweile hat sich diese bis vor einem Monat noch extrem auseinanderklaffende Schere zwischen KI/Halbleiter- und Software-Aktien zu einem erheblichen Teil geschlossen. Der Grund:
Man hat erkannt, dass die – auch von Salesforce am Mittwochabend vorgezeichnete – Entwicklung einer harmonischen Einbindung von KI in Software-Anwendungen die wahrscheinlichste ist und damit keine Verdrängung, sondern eine Weiterentwicklung zu erwarten ist, die dem Software-Sektor eher Vorteile bringt. Die Salesforce-Aktie legte nach den Bilanzzahlen und diesem optimistisch stimmenden Ausblick deutlich zu, das half am Donnerstag auch der SAP-Aktie. Aber bevor der Kurs am Handelsende doch noch deutlicher zulegte, gestalteten sich die Käufe eher zögerlich. Was nicht unbedingt überrascht, denn das Thema KI ist eine Sache, die Frage nach der Wachstumsperspektive bei SAP eine andere. Und das ist eine Frage, die weiter im Raum steht.
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Expertenmeinung: Denn nicht wenige Experten vermuten, dass das Wachstum des in den letzten Jahren das Zugpferd darstellenden Cloud-Sektors sukzessiv nachlassen wird. Zwar erwarten die Analysten beim Gewinn pro Aktie weiter Steigerungen, im Schnitt liegen die Prognosen für 2027 und 2028 aber „nur“ im Bereich von 15 bis 20 Prozent Gewinnanstieg. Dafür wäre ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis um 30 in Ordnung, alles darüber ginge dann bereits in Richtung „teuer“. Und aktuell weist die Aktie auf Basis der durchschnittlichen 2026er-Gewinnschätzung der Analysten bereits ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis von knapp 27 aus. Da wäre also noch Luft nach oben, aber nicht mehr so viel, dass man nach der jüngsten Rallye unterstellen könnte, dass das Beste erst noch kommen würde.
Zuletzt hatte die UBS unter anderem wegen der Cloud-Thematik zwar das bisherige, gerade erst am 13. Juli von 205 auf 164 Euro gesenkte Kursziel wieder auf 201 Euro angehoben, dafür aber die „Kaufen“-Einstufung in „Neutral“ geändert. Und mit einem Kursziel von 201 Euro bewegt sich der UBS-Analyst nahe am durchschnittlichen Kursziel der 28 die Aktie derzeit einstufenden Experten, das momentan bei 207 Euro liegt.
Zwar wäre es keine Seltenheit, wenn die Anleger nahe gekommene Kursziele und bereits wieder auf fairem Level liegende Bewertungen ignorieren und in Sachen Hausse stur am Ball bleiben. Aber im Fall der SAP-Aktie blicken wir auf eine immens schnelle, weitreichende Rallye zurück, was die Neigung, über Gewinnmitnahmen nachzudenken, befeuert. Zumal diese Kaufwelle den SAP-Kurs jetzt an das untere Ende einer recht massiv wirkenden Widerstandszone befördert hat:

Zwischen 187,32 und 203,00 Euro warten mehrere Widerstandslinien auf die Käufer, unter anderem die obere Begrenzung der Abwärts-Kurslücke, die Ende Januar die vor allem auf der „KI-Angst“ basierende, letzte Phase von SAPs Abwärtstrend eingeleitet hatte. Da müsste der Kurs durch, um dann mit dieser Zone einen soliden Support zu erhalten. Das muss keineswegs im ersten Anlauf gelingen. Aber die Aktie sollte sich unbedingt über dem markanten Zwischenhoch vom Juni bei 173,24 Euro und der aktuell bei knapp 169 Euro verlaufenden 200-Tage-Linie halten. Sollten diese beiden Unterstützungen fallen, wäre das derzeit weiterhin bullische Setup erst einmal passé.
Quellenangaben:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/SAP.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 27.08.2026 um 21:15 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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