Die Quartalszahlen von Aixtron liegen seit drei Wochen auf dem Tisch, trotzdem bewegt sich die Aktie weiter intensiv – und aktuell nach unten. Was treibt diejenigen um, die hier gerade so aktiv sind? Und was steht dabei derzeit im Fokus?
Aixtron ist ein gutes Beispiel dafür, was derzeit an den Aktienmärkten den Taktstock schwingt: Hoffnungen. Die viele wohl lieber als „Erwartungen“ bezeichnen würden, um der Sache das Vage zu nehmen. Aber letzten Endes ist alles, das man schon mal in Sachen Zukunft in eine Aktie einpreist, nicht mehr als eine Wette. Eine Wette darauf, dass die eigene Version dessen, was die Zukunft bringt, die richtige ist.
Aixtron bietet sich als Beispiel deswegen so gut an, weil der Blick zurück auf das zweite Quartal höchst ernüchternd ausfiel, der nach vorne aber optimistisch stimmen kann. Der Umsatz war um 16 Prozent, der Gewinn vor Zinsen und Steuern um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gefallen. Das ist äußerst ungut.
Aber auf der anderen Seite lag der Auftragseingang beeindruckende 80 Prozent höher als im Vorjahr. Und natürlich schaut ein Anleger vor allem nach vorne, weil man sich sagt: Das, was heute ist, ist längst im Kurs eingepreist … das, was kommt, womöglich aber noch nicht. Was zwar logisch klingt. Aber so einfach ist es selten.
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Expertenmeinung: Denn ein steigender Auftragseingang war längst Thema bei Aixtron, weil die Aktie im Sog der Halbleiter-Hausse seit Monaten massiv genau deswegen gekauft wurde. Die Argumentation war an sich auch schlüssig: KI führt zu einer dramatisch steigenden Nachfrage bei Halbleiter-Herstellern. Und das bedeutet, dass die ihre Produktionskapazität ausbauen werden … wofür man wiederum Anlagen benötigt, wie sie Aixtron herstellt. Was bedeutet:
Dieser „Zukunfts-Aspekt“ war bereits in der bis Juni währenden Hausse eingepreist worden. Das Thema, um das es seither geht, ist die Frage: Wie schnell und wie deutlich wird Aixtron am Ende wirklich vom Halbleiter-Boom profitieren … und wie lange würde eine solche starke Nachfrage vorhalten?
Nur, wenn man das sicher wüsste, könnte man klar einordnen, ob die Aktie von ihrer Bewertung her bereits zu teuer oder noch günstig wäre. Und da die Zukunft bekanntlich den Haken hat, ungewiss zu sein, regieren jetzt Vermutungen, Hoffnungen, Befürchtungen … und die Emotionen, die all das andauernd beeinflussen.
Da könnte man leicht zu dem Schluss gelangen, dass man hier in einem Tollhaus unterwegs wäre, in dem man nie weiß, was morgen passiert. Was nicht ganz falsch ist, aber man darf nicht diejenigen vergessen, die in einem solchen Umfeld konsequent ihren Kurs halten. Einen, der nicht von Hoffnungen und Ängsten, sondern rein vom Trend und dem Chartbild geprägt ist.
Und da diese Akteure in Phasen, in denen viele andere nur herumraten, meist das Geschehen dominieren, wird die Sache in dem Moment deutlich besser zu handeln, wenn man sich selbst von Emotionen lösen kann und ins Lager der rein chart- und markttechnisch agierenden Trader wechselt.
Denn das Chartbild weist drei Linien auf, auf die es jetzt ankommen wird und die auch diese konsequent technisch agierenden Trader im Auge haben werden. Auf der Oberseite müsste das letzte Zwischenhoch bei 44,19 Euro überwunden werden, das würde dem Kurs charttechnischen Spielraum an die massivere Widerstandszone 49,23 zu 50,98 Euro bieten und damit erst einmal das Risiko vom Tisch bringen, dass die Korrektur vom Juni und Juli in eine zweite Runde gehen könnte.
Was dann deutlich an Wahrscheinlichkeit gewinnen würde, wenn die beiden jetzt entscheidenden Supportlinien fallen sollten: die aktuell bei 34,20 Euro verlaufende 200-Tage-Linie und das Tief vom 29. Juli bei 31,42 Euro, mit dem diese damals noch auf diesem tieferen Niveau verlaufende 200-Tage-Linie verteidigt wurde. Sollten beide Unterstützungen fallen, wäre das nächste Kursziel aus rein charttechnischer Sicht die Auffanglinie bei 21,58 Euro. Ein Kurslevel, das zwar dem stark gestiegenen Auftragseingang absolut nicht entsprechen würde, aber wie gesagt:
Hoffnungen und Befürchtungen sind wankelmütig … und oft verändern sie sich mit dem Chartbild, das, anders als die Zukunft an sich, etwas bietet, an dem sich Entscheidungen klarer festmachen lassen. Sollten diese beiden Linien brechen, wäre es daher eine eher gewagte Idee, trotz eines charttechnischen Verkaufssignals an der Aktie festzuhalten.

