3M hat eine schwere Krise hinter sich, doch der Turnaround scheint längst in vollem Gange. Sollte man jetzt noch zuschlagen?
Unsichtbar und doch omnipräsent
3M ist einer dieser Konzerne, die überall sind und trotzdem kaum jemand kennt. Zumindest nicht unter diesem Namen.
Das Produktportfolio umfasst mehr als 60.000 Produkte, die in Branchen wie Elektronik, Transport, Konsumgüter und der industriellen Fertigung zum Einsatz kommen.
Das Unternehmen verkauft überwiegend an Unternehmen, nicht an Endverbraucher. Wer bei 3M kauft, kauft in der Regel keine Commodity, sondern eine Speziallösung – und zahlt dafür auch entsprechend. 3M positioniert sich eindeutig als Anbieter von Premium-Lösungen.
Das größte Standbein ist das Safety-&-Industrial-Segment, auf das etwa die Hälfte der Umsätze entfällt.
Der Bereich umfasst zahllose Produkte, darunter beispielsweise Schleifmittel für Autolackierer, Klebstoffe für die Luft- und Raumfahrt, Schutzausrüstung für Bauarbeiter und Elektroisolierung für Kraftwerke.
Der zweite große Block ist mit etwa 30 % Geschäft der Bereich Transportation & Electronics. Das Segment umfasst beispielsweise Spezialmaterialien für die Automobilindustrie, optische Filme und Klebebänder.
Die restlichen 20 % entfallen auf den Bereich Consumer, also das Geschäft mit Privatkunden.
Dazu gehören vor allem Artikel für den täglichen Gebrauch im Haushalt, im Büro oder für Heimwerkerarbeiten. Typische Beispiele sind Post-it-Notizzettel, Klebebänder der Marke Scotch, Reinigungsschwämme, Schleifpapier oder auch Pflaster.
Die Gesundheitssparte wurde im April 2024 unter dem Namen Solventum abgespalten und eigenständig an die Börse gebracht.
Turnaround mit Ansage
Wer schon länger mitliest, wird sich vielleicht noch an die damaligen Analysen zur Aktie erinnern. 3M ist ein Paradebeispiel dafür, wie antizyklisches Investieren funktioniert.
Die Titel der Analyse vom März 2023 (3M am Abgrund, aber mit 5,91% Dividende) und vom Januar 2025 (Von der Krise zur Chance: 3M meldet sich eindrucksvoll zurück) sind eigentlich schon aussagekräftig genug.
Die damaligen Artikel sind online nicht mehr abrufbar, daher hier einige Auszüge.
Ist es nicht eine Binsenweisheit, dass man Aktien von guten Unternehmen kaufen soll, die vorübergehende Schwierigkeiten haben?
Jeder Börsianer weiß, dass das eine erprobte und erfolgreiche Strategie ist.
Wenn man es aus dieser Perspektive betrachtet, könnte 3M plötzlich interessant sein. Das gilt umso mehr, wenn man weiß, dass das Unternehmen auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurückblicken kann.
In dieser Zeit hat 3M schon so einige Krisen überstanden und ist am Ende stärker daraus hervorgegangen.
[…]
Trotz all der Probleme, die wir gleich noch genauer thematisieren werden, verdient 3M gutes Geld.
[…]
Abschließend könnte man die Situation von 3M vielleicht wie folgt zusammenfassen:
Die Sache ist so haarig, dass ich fast schon Beklemmungen bekomme, wenn ich an die Klagen denke.
Schlimmer kann es kaum kommen, doch das ist eine gute Nachricht. Ist das Worst-Case-Szenario bereits eingepreist und das Sentiment am absoluten Nullpunkt, kann es fast nur noch zu positiven Überraschungen kommen.
Wie aus Angst Hoffnung wurde
Genau dazu ist es gekommen. Ausgehend vom Tief hat sich die Aktie mehr als verdoppelt.
Und das alles, obwohl die geschäftliche Entwicklung keine Freudensprünge auslöst. Es ist schlichtweg nicht zu der Vollkatastrophe gekommen, die die Mehrheit erwartet und eingepreist hat. Das hat ausgereicht.
Inzwischen mehren sich jedoch die Zeichen, dass das Geschäft wieder mehr als passabel läuft und das Unternehmen womöglich unterschätzt wird.
Im letzten Quartal lag der Gewinn mit 2,14 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 2,02 USD. Mit einem Umsatz von 6,03 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 6,02 Mrd. USD knapp übertroffen.
Der Umsatz tritt zwar auf der Stelle, die operative Marge hat sich jedoch von 23,5 auf 23,8 % verbessert.
Der Gewinn konnte auf Jahressicht um 14 % gesteigert werden.
Der Ausblick für das laufende Jahr wurde bestätigt. 3M stellt für 2026 weiterhin einen Gewinn von 8,50 – 8,70 USD je Aktie und einen freien Cashflow von 4,6 – 4,7 Mrd. USD in Aussicht.
Nach dem überraschend starken ersten Quartal hätte man den Ausblick auch erhöhen können, der Vorstand scheint jedoch auf Nummer sicher zu gehen und möchte nichts in Aussicht stellen, was nicht auch sicher erfüllt werden kann.
Da könnte noch mehr drin sein
Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch hoch, dass die Erhöhung nach den Q2-Zahlen oder im Zuge der Hauptversammlung erfolgen wird.
Die Hauptversammlung wird am 12. Mai stattfinden. Die nächsten Quartalszahlen werden voraussichtlich Mitte Juli vorgelegt. Für Trader könnte es eine Option sein, sich im Vorfeld zu positionieren.
Für Investoren sieht es ebenfalls nicht schlecht aus. 3M hat im ersten Quartal einen Gewinnsprung von 14 % erzielt, stellt für das Gesamtjahr jedoch nur 5,5 bis 8,0 % in Aussicht.
Die Konsensschätzungen sehen einen Anstieg des Gewinns um 7 % auf 8,65 USD je Aktie vor.
Die Chancen für positive Überraschungen stehen daher nicht schlecht. Doch selbst wenn das nicht der Fall ist, erscheint die Bewertung moderat.
Den Konsensschätzungen zufolge kommt 3M auf eine forward P/E von 16,7. Unterstellt man, dass der Gewinn im gesamten Geschäftsjahr um 14 % steigt, würde die P/E dadurch auf 15,8 sinken.
Langjährig pendelt die P/E um einen Wert von 18,6. Allerdings basiert dieser Durchschnitt zum größten Teil auf den zurückliegenden Krisenjahren. Daher könnte man argumentieren, dass eine höhere Bewertung zu rechtfertigen ist. Das gilt vor allem, wenn der Gewinn stärker steigt als bisher erwartet wird.
Unter dem seit Mai 2024 amtierenden CEO William Brown dreht 3M an mehreren Stellschrauben gleichzeitig. Die Strategie lautet “back to basics”. Innovationskraft reaktivieren, operative Effizienz steigern und die Marge bis 2027 auf rund 25 % steigern.
3M hat angekündigt, in den nächsten drei Jahren über 3,5 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung zu investieren und dabei mehr als 1.000 neue Produkte auf den Markt zu bringen – sechsmal mehr als in den Vorjahren üblich.

Gelingt jetzt ein Anstieg über 148 USD, könnte das eine Erholung in Richtung 155 USD einleiten. Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit einem Kursziel bei 173 USD.
Fällt die Aktie hingegen unter 139 USD, muss mit einer Ausdehnung der Korrektur in Richtung 125 – 130 oder möglicherweise sogar 118 USD gerechnet werden.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 24.04.2026 um 11:19 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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