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Börse aktuell

Börse aktuell: Nachrichten, Analysen und Einordnungen zur aktuellen Börsenentwicklung in Deutschland, den USA und an den internationalen Finanzmärkten. Hier erfahren Sie, was aktuell an der Börse geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet das Marktgeschehen und fasst wichtige Börsendaten, Marktentwicklungen und Börsenberichte für Sie zusammen. Mit Börse aktuell erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Börsennachrichten und Einordnungen zu aktuellen Entwicklungen an den Finanzmärkten.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie regelmäßig über die Entwicklungen an den Finanzmärkten. Welche Themen bewegen derzeit die Börse? Welche Ereignisse könnten in der kommenden Woche für Aufmerksamkeit sorgen? Und wie präsentiert sich das aktuelle Marktumfeld – eher von Bullen oder Bären geprägt? In unserer Kolumne ordnen wir die wichtigsten Börsenthemen, Marktdaten und Ereignisse der Woche ein und geben einen Überblick über Entwicklungen, die Einfluss auf den weiteren Börsenverlauf haben könnten.

Börse aktuell vom 19.-25.10.2026

Die Börse handelt die Zukunft? Das stimmt, aber es ist eine ganz spezielle!

von

19.10.2026 | 07:00 Uhr
LYNX bei Google bevorzugen

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Wenn viele Anleger bei extremen Kursimpulsen verwundert den Kopf schütteln, taucht regelmäßig eine vermeintliche Begründung dafür auf: An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Die Kurse nehmen da nur vorweg, was morgen oder übermorgen sein wird. Wirklich, ist das so?

Eigentlich müssten wir es besser wissen. Nicht umsonst sagt man, dass man als Anleger stets in einem Umfeld der Ungewissheit agiert: Man muss Entscheidungen treffen, die sich kurzfristig als perfekt erweisen können, mittelfristig aber womöglich nicht. Einfach, weil sich die Welt immer weiterdreht und sich Dinge ereignen, die das, was heute sicher erscheint, morgen auf den Kopf stellen können.

Allein das bisherige Jahr 2026 war voller Ereignisse, die die Börsen erheblich beeinflusst haben, die aber in dieser Form nicht vorhersehbar waren. Beispiele:

Wer hätte an Neujahr behaupten können zu wissen, dass Mr. Trump den Iran angreifen würde und, wichtiger noch, dass sich diese Entscheidung zu einem bis heute ungelösten Problem für die gesamte Weltwirtschaft entwickeln würde? Wer hätte vorhersagen können, dass an den Märkten Ende Januar auf einmal die „KI-Angst“ in Bezug auf Software-Aktien ausgerufen würde? Dass Ende des ersten Quartals auf einmal die große Halbleiter-Hausse beginnen würde, obgleich man sich auch vorher schon denken konnte, dass die KI-Investitionen in diesen zu Jahresbeginn bereits in etwa absehbaren Dimensionen einen drastischen Nachfrageschub bei Chips auslösen würden?

Trotzdem wird behauptet, die Börse würde die Zukunft vorwegnehmen. Wie soll das gehen? Es geht … wenn man einfach unterstellt, dass das, was nicht vorhersehbar ist, eben doch vorhersehbar ist.

Börse aktuell: Entwicklung SAP, 2025-2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung SAP, 2025-2026 | Quelle: marketmaker pp4

Ein Blick in die Zukunft ist überall zu haben

Aber ist es nicht absurd, so zu denken und zu handeln, wenn man es doch besser wissen müsste? Das ist es. Aber das hält viele nicht davon ab, es trotzdem zu tun. Wofür es durchaus Erklärungen gibt, ein Mysterium ist diese Verhaltensweise keineswegs. Der Hauptgrund liegt auf der Hand: Heute zu wissen, was morgen ist, ist ein äußerst gutes Gefühl, denn es gaukelt einem Sicherheit vor. Und weil sich so viele in allen Bereichen des Lebens wünschen, die Zukunft zu kennen, gibt es seit ewigen Zeiten eine ganze Industrie, die diesen Wunsch „bedient“.

Das beginnt bei Orakeln und Wahrsagern in der Antike, geht weiter mit Tarot, Kaffeesatz und Glaskugel bis hin zu Horoskopen und schlägt sich an den Börsen in Form von Prognosen für alles und jeden nieder. Wirtschaftsforscher sagen Wachstum und Inflationsraten für die kommenden zwei, drei Jahre voraus. Analysten schätzen Umsatz, Marge und Gewinn von Unternehmen nicht nur für das laufende Jahr, sondern für mehrere Jahre in die Zukunft. Banken und andere Geldverwalter setzen Kursziele für alles, ob es Aktienindizes, Rohstoffe oder Einzelaktien sind. Wer glauben möchte, dass die Zukunft ein offenes Buch ist, wird also überall prompt bedient. Doch die Sache hat einen Haken: Es funktioniert nicht.

Börse aktuell: Entwicklung HelloFresh, 2019-2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung HelloFresh, 2019-2026 | Quelle: marketmaker pp4

Zu viele Unbekannte machen die „Gleichung Zukunft“ unlösbar

Sich hinzustellen und zu behaupten, dass sich, wenn X eintritt, Y ereignen wird, kann funktionieren, wenn wir von festen Rahmenbedingungen ausgehen, z. B. bei der banalen Erkenntnis: Wenn’s regnet, wird’s nass. Doch ob es nun um die eigene, persönliche Zukunft geht (morgen werden Sie eine Frau im roten Kleid treffen, die Sie dann heiraten werden … meiden Sie in dieser Woche Menschen mit blauen Mänteln … heute sollten Sie das Haus nicht verlassen, ein Unfall droht usw.) oder um eine Gewinnprognose für ein Unternehmen, ein Kursziel, das Wachstum eines Landes oder die Inflationsrate:

All das ist nicht von einigen wenigen, berechenbaren Parametern abhängig, sondern von unglaublich vielen. Das Wohl und Wehe der Wirtschaft hängt von politischen, geldpolitischen und fiskalischen Entscheidungen ab, vom wankelmütigen Verhalten der Verbraucher, bisweilen sogar von der Wetterentwicklung. Kommt es zu Dürren, Hurrikans und Überschwemmungen in vielen Teilen der Welt oder sehen wir ein Jahr mit wenigen Problemen, guten Ernten und freien Transportwegen? Das kann man vorher nicht wissen. Noch weniger vorhersagbar sind Unternehmensgewinne:

Kommt es zu einem massiven Nachfrageschub bei neuen Produkten oder werden einige davon ein Flop? Treffen die Vorstände kluge Entscheidungen oder treffen sie gravierende Fehlentscheidungen? Läuft die Versorgung seitens der Zulieferer reibungslos oder kommt es zu Engpässen? Tauchen Konkurrenzprodukte auf, die den Umsatz unter Druck setzen? Sind die Verbraucher am Ende jeder Produktionskette ausgabefreudig oder halten sie ihr Geld zusammen? Dass die Unternehmen eher selten Ausblicke über das laufende Geschäftsjahr hinaus geben und diese, wenn überhaupt, nicht als Prognosen, sondern als Ziele kommunizieren, ist folgerichtig. Dass Analysten dann trotzdem die Gewinne der kommenden zwei oder drei Jahre vorhersagen, nicht.

Börse aktuell: Entwicklung Infineon, 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Infineon, 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Orakel mit eingebauter Nachjustierung? Ein wenig fragwürdig, könnte man sagen

Deshalb kommt es auch andauernd zu „Anpassungen“ bei Prognosen. Kursziele werden immer wieder angehoben oder gesenkt, egal, ob es da um den Ölpreis, um Gold, einen Index oder um Einzelaktien geht. Notenbanken passen alle drei Monate ihre Prognosen für Wachstum, Arbeitsmarkt und Inflation an. Die Wirtschaftsforscher korrigieren solche Ausblicke ebenfalls regelmäßig. Und sie alle tun das nicht, weil ihre Modellrechnungen anzeigen würden, dass etwas in der Zukunft die Entwicklung verändern wird, sondern weil das, was bereits passiert ist, nicht mehr zu dem passt, was man vorhergesagt hatte. Was bedeutet:

Es ist der Blick über die Schulter, der Blick auf das Vergangene, der dazu führt, dass man den Blick nach vorne anpassen muss. Aber damit tritt man letztlich ja den Beweis an, dass die Zukunft eben doch ungewiss ist und man sie nicht so vorhersagen kann, dass man sich als Anleger auf eine Prognose verlassen könnte. Schlussfolgerung: An der Börse kann man die Zukunft nicht wirklich handeln, weil sie nämlich niemand kennt. Aber welche Art der Zukunft handelt man denn dann?

Börse aktuell: Entwicklung Silber, 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Silber, 2026 | Quelle: marketmaker pp4

An den Börsen handeln die Akteure die Version der Zukunft, die sie gerne hätten!

Die eigene, durch persönliche Hoffnungen und den Depotbestand gebildete Version dessen, was kommen wird. Wir wissen ja, dass der Mensch immer den emotionalen Filter zwischen Fakten und den Kursen darstellt. Letztlich interpretiert jeder von uns neue Nachrichten ganz individuell, einige mehr, andere weniger. Und man neigt einfach dazu, Dinge auszublenden, die einem nicht in das persönliche Bild dessen, was sein soll, passen.

Wenn man dann noch überlegt, dass das Gros aller Anleger nur auf steigende Kurse setzt, sind die Weissagungen der Analysten, Banken, Notenbanken etc. Wasser auf die Mühlen der eigenen Hoffnungen. Man will, dass sich die Gewinne vergrößern, statt in Verluste umzuschlagen. Man will, dass alles nach Plan verläuft und man nicht immer wegen plötzlicher Veränderungen der Lage auf der Hut sein muss. Und da wir hier von der Mehrheit sprechen und diese ihre Erwartungen meist auch direkt umsetzt, entsteht hier der typische „Herdentrieb“ der Börsen. Man sieht, dass die Kurse steigen. Man sieht bullische Prognosen. Man folgert, dass diese Prognosen richtig sein müssen, sonst würden ja nicht alle kaufen. Also kauft man weiter, ohne den Rückschluss zuzulassen, dass dieser Kreislauf auch unter Ausschluss der Realität funktionieren kann … und es auch oft tut.

Doch die Zukunft tut eben selten genau das, was man von ihr erwartet, daher kommt es immer wieder zunächst zu massiven Übertreibungen (meist nach oben, aber bisweilen auch nach unten, wie die den Text begleitenden Charts zeigen) und dann zur Rückkehr auf den Boden der Tatsachen. Eine Rückkehr, die, wenn man sich zu sehr darauf verlässt, dass die Zukunft ein Wunschkonzert ist (und man zugleich nicht vorher eingeplant hat, wo der Punkt wäre, an dem es gilt, die Reißleine zu ziehen), schmerzhaft ausfallen kann. Was nicht sein muss.

Fazit: Mit dem „Jetzt“ fährt man besser!

Mit einer Welle mitzuschwimmen, ist grundsätzlich kein Fehler, wenn man weiß, wie man sie einschätzen muss. Wer als Anleger realisiert hat, dass all diejenigen, die einem einen Blick auf das Morgen servieren, in Wirklichkeit nur Vermutungen anzubieten haben, weiß auch: Das ist keine Leiter, auf der man stehen sollte. Dem Trend zu folgen und das mit absoluter Konsequenz, wäre die grundsätzlich sinnvollere Alternative, denn:

Man ist zwar mittendrin in der Herde derer, die wohlklingenden Prognosen folgen. Aber man gehört zu denen, die als Erste bemerken, dass ein Sturm aufzieht oder ein Abgrund naht. Dazu braucht es nicht mehr als einen aufmerksamen Blick auf das, was wirklich passiert, und das konsequente Money-Management eines jeden guten Anlegers, bei dem man den Basisregeln folgt: Den Kapitaleinsatz breit streuen, niemals auf Kredit traden und schon zu Beginn eines Trades eine Exit-Strategie bereithalten, die man den sich verändernden Kursen und Rahmenbedingungen, z. B. durch Stoppkurse, regelmäßig anpasst. Sicher, eine Glaskugel als zusätzliches Tool, das wäre eine feine Sache. Aber nicht, wenn sie eine Zukunft zeigt, die einem zwar gefällt, die aber in Wahrheit ganz und gar anders aussehen könnte.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Informationen zum / zu den auf dieser Seite genannten Produkt(en) finden Sie hier:

PRIIPs / KIDs London-Silber

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 18.10.2026 um 21:59 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Top Flop Aktien – Übersicht der Gewinner und Verlierer

Welche Aktien in den wichtigen Indizes sind in letzter Zeit am meisten gestiegen oder gefallen? Was sind die Top-Aktien 2026? Welche Aktien haben die beste Performance über die letzten 5 Jahre und welche Aktien sind stark gefallen? Hier finden Sie es heraus: DAX Top Flop – MDAX Top Flop – Euro Stoxx Top Flop – Dow Jones Top Flop – Nasdaq 100 Top Flop



Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie über wichtige Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten. Ein Schwerpunkt unserer Berichterstattung liegt auf den großen Aktienindizes wie dem DAX sowie den US-Börsen mit Dow Jones, Nasdaq und S&P 500. Diese Indizes zählen zu den wichtigsten Barometern für die Börsenentwicklung weltweit. Darüber hinaus werfen wir einen Blick auf Aktien, die aktuell im Fokus der Marktteilnehmer stehen, und ordnen relevante Ereignisse an den Börsen ein. So erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Themen der Börse aktuell.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung an der Börse wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören unter anderem Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten sowie Unternehmensmeldungen börsennotierter Gesellschaften. Solche Informationen können sich nicht nur auf Aktienkurse auswirken, sondern auch auf andere Anlageklassen wie ETFs, Optionen oder Futures. Darüber hinaus reagieren häufig auch die Märkte für Anleihen und Rohstoffe auf wichtige Börsennachrichten. Daher beobachten wir neben der Börsenentwicklung auch Zinsen, den Ölpreis sowie den Goldpreis und ordnen diese Entwicklungen im aktuellen Marktumfeld ein.

Börse: Aktuelle Einordnungen zum Marktgeschehen

Neben Börsennews erhalten Sie auch Einordnungen, die dabei helfen können, das aktuelle Marktgeschehen besser zu verstehen. Die Börse setzt sich aus zahlreichen Märkten zusammen. Unterschiedliche Länder, Branchen und Finanzprodukte werden von verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Faktoren beeinflusst. Dadurch kann es schwierig sein, Entwicklungen und Trends an den Finanzmärkten umfassend zu verfolgen und einzuordnen. Mit Börse aktuell fasst unser Börsenexperte die wichtigsten Börseninformationen zusammen und gibt einen Überblick über relevante Themen und Entwicklungen der kommenden Börsenwoche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

05.10.2026
07:00 Uhr

Parallelen zum Jahr 2000 … wie problematisch ist das? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Micron Technology Inc
Neutral
NASDAQ 100 Index
Neutral
SanDisk Corp.
Neutral
Seagate Technology
Neutral
Crowdstrike Holdings Inc
Neutral
Marvell Technology, Inc.
Neutral
Lumentum Holdings Inc.
Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 03.10.2026 um 15:29 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Die Geschichte wiederholt sich nicht. Dazu gibt es immer zu viele Aspekte, die dann doch anders sind als in einer früheren Phase, auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als würde sich ein Szenario tatsächlich 1:1 wiederholen. Das gilt auch für die aktuelle Situation im Bereich KI und Halbleiter. Sie weist Ähnlichkeiten zu den Monaten vor dem „Dotcom-Crash“ im Jahr 2000 auf, aber es ist auch vieles anders. Ein Vergleich von damals zu heute.

Die Kurse von Aktien einiger weniger Branchen steigen stark, große Bereiche des Aktienmarkts hingegen laufen schlecht. Auch weil man sie als aktuell wenig erfolgversprechend einstuft und die „Hype“-Aktien Kapital binden, das dann in anderen Bereichen fehlt. Damals, vor dem Platzen der Internetblase ab März 2000, nannte man das „New Economy“ und „Old Economy“ … und viele waren davon überzeugt, dass eine völlig neue Zeit anbrechen werde, in der nur die Internet- und Biotech-Unternehmen wirklich großes Wachstum generieren würden. Heute denken einige das von allem, was mit KI zusammenhängt.

Wer damals, vor gut einem Vierteljahrhundert, bereits am Aktienmarkt aktiv war, dürfte diese Ähnlichkeiten erkennen und womöglich beunruhigt sein. Nicht zuletzt, weil die gut 26 Jahre seit dem Beginn der Baisse 2000 – 2003 eine ausreichend lange Zeit sind, um das Geschehen damals und die Umstände, die dazu führten, in Vergessenheit geraten zu lassen. Was der ideale Nährboden wäre, um eine neue Generation von Anlegern in eine selbst gegrabene Grube fallen zu lassen. Aber gibt es heute denn wirklich so viele Parallelen zur damaligen Phase, um vermuten zu dürfen, dass die Sache genauso endet wie damals?

Ist die Frage, ob die Gewinne schon da sind oder erst noch kommen müssten, entscheidend?

Ein Argument, mit dem einige diese Sorgen vom Tisch wischen wollen, ist, dass die Unternehmen, die zuletzt massiv gestiegen sind und jetzt hochvolatil auf und ab springen, ja bereits das Geld verdienen, weswegen man diese Aktien kauft, während man damals auf Gewinne durch das Internet spekulierte, die nur in Ansätzen oder gar nicht existierten. Das klingt beruhigend, aber so einfach ist es in meinen Augen nicht.

Denn ja, das trifft auf viele der Halbleiter-Aktien zu. Aber diejenigen Konzerne, die ihnen die Auftragsbücher füllen und dies mit großenteils geliehenem Geld tun, die müssten mit dem, was sie an KI entwickeln und dafür immer mehr Rechenzentren, immer mehr Entwicklungsaufwand und immer mehr leistungsstarke Chips benötigen, erst einmal wirklich Geld verdienen. So gesehen würde ich da zwischen denen, die wirklich gerade deutliche Umsatz- und Margensteigerungen sehen, und denen, die die KI bei den Verbrauchern in Umsatz verwandeln wollen und müssen, unterscheiden. Bei Ersteren geht es um die Frage, wie lange der Segen anhält, bei Letzteren um die Frage, ob er überhaupt kommt.

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq, 1999-2001 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nasdaq, 1999-2001 | Quelle: marketmaker pp4

Aber eigentlich sehe ich in diesem Aspekt das kleinere Risiko. Zumindest auf kurzfristiger Ebene. Denn was da am Ende wirklich an Umsatz und Gewinn in Sachen KI herauskommt, wird sich weder in ein paar Wochen noch Monaten erkennen lassen. Das sieht man in zwei, drei oder sogar mehr Jahren. Bis dahin werden Hoffnungen und Zweifel die Hände der Trader führen, also warum über ungelegte Eier gackern? Ein anderer Aspekt ist meiner Meinung nach entscheidender: die Art und Weise, wie sich die Kurse bewegen.

2000 war es nicht das Thema Internet, das scheiterte, sondern die Spekulation der Trader

Denn es lag damals ja nicht an der Sache selbst, dass die Kurse im Tech-Sektor abdrehten, in den Sinkflug übergingen und auf einmal die geschmähten „Old Economy“-Aktien reumütig wieder eingesammelt wurden … was übrigens grundsätzlich auch heute denkbar wäre, das ist aber ein anderes Thema. Dieser damalige, massive Abwärtsschub entstand meiner Ansicht nach dadurch, dass immer mehr Marktteilnehmer immer emotionaler agierten, sprich es war ein Kontrollverlust zu vieler Anleger, der das Debakel auslöste. Von blinder Euphorie zu blinder Panik ist es eben nur ein kleiner Schritt. Und da stellt sich mir die Frage: Agiert man heute genauso blind emotional wie damals?

Man könnte behaupten: Ja, schließlich ändern sich die Menschen von ihren Verhaltensweisen her nie. Aber, so ließe sich einwenden: Den großen Knall hatten wir ja schon, als die Halbleiter-Aktien im Juni und Juli teilweise dramatisch einbrachen. Der Crash könnte also durch sein, die wildesten Zocker über Bord gegangen … und die Sache geht erst einmal wieder einen kontrollierten Weg. So könnte man denken. Aber ist das auch so?

Börse aktuell: Entwicklung Micron, Marvell, Lumentum und Seagate 2026, Korrektur bei allen von Juni-Juli | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Micron, Marvell, Lumentum und Seagate 2026, Korrektur bei allen von Juni-Juli | Quelle: marketmaker pp4

Die Kursausschläge werden immer stärker … scheinbar

Wenn man sich Aktien ansieht, die Teil dieses KI-/Halbleiter-Booms sind, hätte man keineswegs den Eindruck, dass hier irgendetwas kontrolliert läuft. Die hier als Beispiel ausgewählte Aktie des US-Speicher-Spezialisten SanDisk hatte ihren Kurs zwar im Zuge des „Sommer-Crashs“ mehr als halbiert, weist aber weiterhin sehr oft prozentual zweistellige Tagesveränderungen auf. Da kann von einer wieder eingekehrten Normalität keine Rede sein … oder?

Börse aktuell: Entwicklung SanDisk, 2025-2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung SanDisk, 2025-2026 | Quelle: marketmaker pp4

Es wirkt zwar so, aber das relativiert sich, wenn man den Kursverlauf so darstellt, dass prozentuale Kursveränderungen immer gleich groß gezeigt werden, sprich wenn man die linear am Kurs orientierte Skalierung durch eine logarithmische ersetzt. Dann sehen wir: Ja, bei der SanDisk-Aktie ist die Volatilität sehr hoch, was verdeutlicht, wie stark hier spekuliert wird. Und ja, das erhöht das Risiko für alle, die in Aktien wie diesen aktiv sind. Aber dieser folgende, logarithmische Chart macht deutlich: Das ist nicht erst seit einigen Wochen so, die Trenddynamik war 2025 sogar noch deutlich höher. Aber etwas anderes ist eine hochgezogene Augenbraue wert:

Börse aktuell: Entwicklung SanDisk, 2025-2026, logarithmischer Chart | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung SanDisk, 2025-2026, logarithmischer Chart | Quelle: marketmaker pp4

Wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass seit Juni, kurz vor dem Beginn der massiven Korrektur, immer öfter große Kurslücken zum Handelsstart auftauchen – in beide Richtungen. Das deutet darauf hin, dass die Marktteilnehmer sukzessiv emotionaler agieren … alles rein oder alles raus, sofort zum Handelsstart, und das auffallend oft: So etwas gab es auch im Jahr 2000.

Wichtig ist weniger, warum etwas passiert, sondern wie es passiert

Und nicht nur das wachsende Auftreten großer Kurslücken ist ein Aspekt, den man beobachten muss. Der zweite ist: Das Trading wirkt momentan unkoordinierter als noch im Frühjahr … und so etwas gab es auch in den ersten Monaten des Jahres 2000. Vor allem die US-Halbleiteraktien steigen und fallen nicht mehr in ihrer Gesamtheit. Einige kippen weg, andere steigen zeitgleich rasant, dazwischen bekommen immer wieder die zuvor monatelang massiv verkauften Software-Aktien ihren Auftritt. Es wirkt, als würde das spekulative Kapital immer hektischer hin und her springen. Und das ist es, was die Risiken derzeit erhöhen dürfte.

Börse aktuell: Entwicklung Nasdaq 100, ARM, Crowdstrike und Seagate, September-Oktober 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Nasdaq 100, ARM, Crowdstrike und Seagate, September-Oktober 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Fazit: Das Jahr 2000 ist keine Blaupause … aber dennoch etwas, an das man sich erinnern sollte, weil der Kontrollverlust zu vieler Trader, diese zunehmende Hektik und Emotionalität, die in den Kursbewegungen durchscheint, genau die Mixtur ist, die zu abrupten, starken Bewegungen führen kann. Nach oben, aber eben auch nach unten. Es ist weniger entscheidend, warum die Kurse etwas tun und wie die Rahmenbedingungen aussehen, sondern wie sich die Kurse an sich verhalten. Das jetzt engmaschig im Auge zu behalten, wäre aus meiner Sicht ratsam.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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28.09.2026
07:00 Uhr

Die Ölkrise der 70er Jahre … was kann man aus der Vergangenheit lernen? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Brent Crude Oil Future
Neutral
DAX - Deutscher Aktienindex
Neutral
Dow Jones Industrial Average Index
Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 27.09.2026 um 17:57 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

In einer problematischen Situation würde ein Blick über den Gartenzaun ebenso wie der Blick in die Geschichte oft Hinweise darauf liefern, wie es sich damit umgehen ließe bzw. wie es weitergehen könnte. Doch beides wird verblüffend selten genutzt, womöglich, weil man glaubt, es nicht nötig zu haben, von anderen „abzuschauen“. Dabei zeigt die Geschichte: Meist wäre das eine gute Idee gewesen … und das gilt möglicherweise auch für die aktuelle Entwicklung beim Ölpreis.

Die Börse ändert sich nie, weil sich die Menschen nicht ändern … diese uralte Erkenntnis wird wohl für alle Zeiten wahr bleiben. Schon immer gab es Menschen, die mit wachem Geist für Fortschritt sorgten. Und es gab die anderen, die man besser von Entscheidungen ferngehalten hätte. Wie es auf der Welt läuft, hängt meist entscheidend davon ab, ob Letzteres gelingt. Das gilt für heute ebenso wie für die Zeit vor 50 Jahren. Damals, in den Siebzigerjahren, wurde der Ölpreis auf einmal zu einem immensen Problem, basierend auf erheblichen Turbulenzen in Nahost. Dasselbe erleben wir heute erneut. Ließe sich aus dem Geschehen von damals etwas ableiten, womit sich heute etwas anfangen ließe?

Das Öl-Embargo: Eine Krise aus heiterem Himmel

Seine Basis hatte der aus dem Stand damals stark nach oben geschossene Ölpreis im sogenannten Jom Kippur-Krieg. Im Oktober 1973 griffen Syrien und Ägypten Israel an, mit dem Ziel, die 1967 im Sechs-Tage-Krieg verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Die USA reagierten binnen kürzester Zeit mit einer umfassenden Luftbrücke (Operation Nickel Grass) zur Sicherstellung des von Israel benötigten Nachschubs. Das wiederum führte dazu, dass man bei der OAPEC, wie die heutige OPEC damals hieß, ein Öl-Embargo gegen die USA und andere westliche Staaten, die auf Israels Seite standen, verhängte. Und damit begann eine rasante Preisspirale, wenngleich der Ölexport nicht komplett eingestellt, sondern nur spürbar verringert wurde.

Binnen kürzester Zeit notierte der Ölpreis nahezu viermal so hoch wie zuvor, wie die nachfolgende, aus der Wikipedia entnommene Grafik zeigt, die die Entwicklung des Ölpreises zwischen 1861 und 2014 abbildet, siehe die Quellenangabe unten. Denn damals hatte man zum arabischen Öl zu wenige Alternativen. Die USA, heute von der Menge her der weltweit größte Ölförderer, hatten die eigenen Kapazitäten über Jahrzehnte zurückgefahren, weil das arabische Öl trotz Transportkosten billiger kam. Und die Grafik zeigt auch: Das war nichts, das wie ein böser Traum schnell vorbei gewesen wäre.

Börse aktuell: Preisentwicklung Crude Oil, 1861 - 2014 | Quelle: Wikipdia | Online Broker LYNX
Preisentwicklung Crude Oil, 1861 – 2014 | Quelle: Wikipdia

Zwar endete dieser Jom Kippur-Krieg sehr bald, das Tischtuch zwischen den westlichen Nationen und dem arabischen Raum aber blieb zerschnitten. Hierzulande bleibt diese Zeit vor allem durch die daraufhin wegen der unsicheren Versorgungslage verordneten, vier autofreien Sonntage im November und Dezember 1973 in Erinnerung. Aber damit war es noch nicht vorbei, die zweite Welle folgte ab 1979, ohne dass der Ölpreis in den Jahren zwischen 1974 und 1979 nennenswert zurückgekommen wäre.

Die iranische Revolution: Der zweite Schub der Ölkrise

1979 kam es zum zweiten Preisschub, vor allem ausgelöst durch die sogenannte „iranische Revolution“, die mit der Besetzung der US-Botschaft in Teheran einherging, kurz darauf begann der Iran/Irak-Krieg. Erst ab 1981 begann der Ölpreis wieder nennenswert zu fallen und erreichte Mitte der Achtzigerjahre dann einen Level, der zwar höher lag als in den Sechzigern, aber doch als „erträglich“ zu bewerten war.

Was ist in diesen Jahren an den Börsen passiert? Dieser „Ölpreis-Schock“ hatte eine rezessive Phase eingeleitet. Die Siebzigerjahre waren von dieser Thematik belastet, so gesehen kann es nicht überraschen, dass diese Zeit für den Aktienmarkt keine goldene wurde. Aber es war auch keine Zeit einer Nonstop-Baisse, wie man es in der Zeit der Großen Depression im Anschluss an den Crash von 1929 erlebt hatte. Was passierte damals … und was ließe sich daraus für heute lernen?

Konsequentes Handeln der US-Notenbank … aber ist Konsequenz immer das Richtige?

Dieses Öl-Embargo vom Herbst 1973 traf die USA in einer ohnehin angeschlagenen Lage. Die Wirtschaft kam nicht voran, die Stimmung war, nicht zuletzt nach dem jahrelang und zu diesem Zeitpunkt aussichtslos gewordenen Vietnam-Krieg, nicht gut. Präsident Nixon genoss nur noch wenig Vertrauen und Washington insgesamt war in Bezug auf die Frage, wie man die Sache wieder in Schwung bringen könnte, eher ratlos. Und in diese Situation platzte dieses Zerwürfnis mit dem arabischen Raum und die dadurch entstehende, erhebliche Verknappung von Öl.

Das führte natürlich zu einem heftigen Inflationsschub und der wiederum dazu, dass die US-Notenbank sich genötigt sah, zu handeln … und sie war dabei nicht gerade zimperlich. Der folgende Chart zeigt die Entwicklung der US-Leitzinsen zwischen 1970 und heute. Sie sehen, dass der US-Leitzins bereits vor dem Embargo stark angehoben wurde, danach erfolgte eine erneute Anhebung auf in der Spitze elf Prozent. Doch dann kam es zu erheblichen Zinssenkungen, obwohl das eigentliche Problem in Form des Ölpreises, wie Sie in der ersten Grafik sehen konnten, nicht gelöst war. Warum?

Börse aktuell: Entwicklung Leitzins der USA, 1971 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Leitzins der USA, 1971 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Weil die zu diesem Zeitpunkt entscheidende Basis der zu hohen Inflationsraten (1974 wurden bis zu zwölf Prozent erreicht) in Form des gestiegenen Ölpreises ein politisches Problem war, das durch höhere Zinsen nicht gelöst werden konnte. Ob die Leitzinsen hoch oder niedrig waren, den Ölpreis beeinflusste das nicht. Den Konsum und die Investitionstätigkeit aber schon – negativ. Also entschied man sich, die Zinsen zu senken, um diesen Würgegriff loszuwerden. Sie sehen im Chart aber auch: Einige Zeit später stieg der Leitzins nur umso höher. Waren diese Zinssenkungen also ein Fehler gewesen?

Eher nicht. Denn Ende der Siebzigerjahre war es ja erneut der Ölpreis, konkret der in der obersten Grafik erkennbare, zweite Schub, der schon wieder eine drastisch zu hohe Inflation auslöste. 1980 hatte die Inflationsrate dadurch (leider habe ich dazu keine Grafik, dort beginnen meine Daten „erst“ 1985) zeitweise Raten von über 14 Prozent erreicht. Also: Leitzinsen wieder rauf, diesmal noch drastischer, in der Spitze ging es mit der Fed Funds Rate auf 19 Prozent nach oben. Ein Niveau, das heutzutage erhebliche wirtschaftliche Belastungen auslösen könnte. Und damals? Werfen wir dazu mal einen Blick auf das US-Index-Flaggschiff Dow Jones:

Man gewöhnt sich an alles

Und hier sehen wir etwas Bemerkenswertes. Im Zuge der ersten, im Oktober 1973 entstandenen Ölkrise fielen die Kurse des Dow Jones massiv, steigende Leitzinsen machten die Sache nicht besser. Erst, als die US-Notenbank anfing, die Zinsen wieder zu senken, zog der Index wieder an. Das dann aber nicht langsam, sondern rasant – es gelang, das Niveau, das vor dem Öl-Embargo galt, wieder zu erreichen.

Börse aktuell: Entwicklung Dow Jones, 1971 - 1984 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Dow Jones, 1971 – 1984 | Quelle: marketmaker pp4

Auffällig ist dann die zweite Phase steigender Ölpreise. Nachdem die Jahre bis 1979 nicht gerade gut gelaufen waren, kam es im Herbst 1979 zu dieser zweiten Ölkrise und zeitnah zu erneut drastisch steigenden Leitzinsen. Aber Sie sehen im Chart, dass der Dow Jones das verblüffend gut weggesteckt hatte. Was auch für den deutschen Aktienmarkt gilt, den Sie hier in Form des DAX sehen. Mit zurückgerechneten Kursen wohlgemerkt, denn den DAX gibt es de facto erst seit Anfang 1988. Wie ist das möglich?

Diese relativ robuste Reaktion der Aktienmärkte in der zweiten Ölkrise basierte nicht zuletzt darauf, dass man zum einen nicht ganz so aus allen Wolken fiel wie 1973, weil sich die Beziehungen zum arabischen Raum und vor allem zum Iran schon länger verschlechtert hatten. Und zum anderen darauf, dass man die 1973 noch sehr hohe Abhängigkeit von Öllieferungen der OAPEC bzw. OPEC verringert hatte. Zugleich liefen aktive Bemühungen, die Wogen zu glätten (was unter anderem zum Camp David-Abkommen führte), sodass der Schock weniger tief ging als 1973. Ließe sich darauf in Bezug auf die heutige Situation etwas lernen?

Börse aktuell: Entwicklung DAX, 1970 - 1983 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX, 1970 – 1983 | Quelle: marketmaker pp4

Zinsen und Politik in der Ölkrise … eine Blaupause für heute?

Aus meiner Sicht durchaus. Die Parallelen sind ja zahlreich, die Konfliktseiten die gleichen wie damals, erneut geht es um Öl, erneut reagieren die Notenbanken auf einen dadurch entstandenen Inflationsdruck. Meiner Ansicht nach kann man aus diesem Blick in die Geschichte vor allem zwei Dinge mitnehmen:

Die Lage ließe sich deutlich besser verkraften, was die Aktienmärkte angeht, wenn man einen echten, politischen Willen sehen könnte, das Verhältnis auf eine stabile Basis zu bringen. Das war 1973 nicht der Fall, ab 1979 dann schon eher. Der Unterschied im Kursverhalten der Aktienmärkte ist auffällig. Wie es heute, zumindest bislang, läuft, wissen wir ja.

Und eine Reaktion der Notenbanken stur nach dem Lehrbuch ist grundsätzlich problematisch. Damals konnte man erkennen, dass höhere Leitzinsen die Ursache der zu hohen Inflation nicht lösen würden und hob sie dennoch an. Als man diesen aus meiner Sicht bestehenden Fehler zu beseitigen begann, erholten sich die Börsen wieder. Heute wird bislang erneut nach „Schema F“ reagiert, mit dem gleichen Risiko wie damals, zwar die Inflation nicht loszuwerden, aber die Konjunktur abzuwürgen.

Wir konnten zwar Ende der Siebzigerjahre auch beobachten, dass man an den Börsen deutlich ruhiger bleibt, wenn man sich mit einer Situation konfrontiert sieht, mit der man rechnen musste und die nicht mehr neu ist. Eine vergleichbare Gelassenheit sehen wir auch heute. Aber ohne einen glaubhaften Willen, diese Krise zu lösen und mit Notenbanken, deren Maßnahmen das Risiko bergen, mehr zu schaden als zu nutzen, bewegen wir uns vermutlich nur in einem Schwebezustand der Hoffnung. Vor allem der zweite „Öl-Schock“ Ende der Siebziger dürfte da eine Botschaft senden, die für uns aktuell von Bedeutung wäre: Man könnte solche Probleme lösen. Aber man müsste es auch wollen.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Quellenangaben:
Quelle der Grafik 1, Wikipedia, ergänzt durch eigene Kommentierungen: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Crude_oil_prices_since_1861.png
Historischer Hintergrund der Ölkrise, Quelle Federal Reserve: https://www.federalreservehistory.org/essays/oil-shock-of-1973-74

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Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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