Skip to main content
DAX
SX5E
SPX
NDX
EUR.USD
MDAX
TDX
INDU
Bitte wählen Sie:

Börse aktuell

Hier erfahren Sie, was an der Börse aktuell geschieht. Unser Börsenexperte Ronald Gehrt beobachtet täglich das aktuelle Börsengeschehen und fasst die neuesten Börsendaten und Börsenberichte wöchentlich für Sie zusammen. Mit Börse aktuell bringen wir die wichtigsten Börsennachrichten auf den Punkt und kommentieren, was momentan an der Börse los ist.

Börse: Aktuelle Nachrichten der Woche

Neues von der Börse: Unsere aktuellen Börsennachrichten informieren Sie jede Woche über die derzeitige Börsenentwicklung. Was beschäftigt die Börse? Was steht diese Woche an? Diktieren Bullen oder Bären die Märkte? Sollten Sie Ihre Investitionen erhöhen oder lieber Gewinne mitnehmen? Wir geben Ihnen die Antworten auf diese Fragen, wagen einen Ausblick auf die kommende Börsenwoche und bewerten anstehende Ereignisse, die Auswirkungen auf den Börsenverlauf haben könnten.


Börse aktuell vom 06.-12.04.2026

Zeit für den Frühjahrsputz – putzen Sie das Depot gleich mit durch!

Von

06.04.2026 | 07:10 Uhr

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Es ist die Zeit für den Frühjahrsputz und das große Unkrautjäten im Garten. Viele mögen es, alles mal wieder so richtig ordentlich zu haben. An den Anleger-Depots geht der Frühjahrsputz indes in der Regel vorbei. Und das, obwohl das so manchem Depot guttun würde. Denn je weniger Unkraut, desto besser die Ernte – diese Faustregel gilt auch für die Börse.

Ich habe schon so manches Anlegerdepot gesehen, in dem es ausschaut wie bei Hempels unterm Sofa. Da kommt zwar immer wieder etwas dazu, aber aufgeräumt wird nie. Abgänge? Keine. Das artet dann bisweilen in ein „Messi-Depot“ aus. Dabei gibt es keinen rationalen Grund, dauerhaft auf einem unstrukturierten Chaos nebst Depotleichen zu sitzen. Aber Ausreden, die gibt es dafür viele.

Depotleichen übersehen … je größer das Chaos, desto leichter fällt das

Auch, die stören doch nicht … das muss man jetzt auch nicht mehr verkaufen … die kommen ja vielleicht wieder: Mit solchen Statements wird gerechtfertigt, dass im Depot einige Positionen herumliegen, die nicht nur uralt, sondern auch dramatisch im Minus sind. Und ja, es stimmt ja, dass Positionen mit drastischem Minus vom Gesamtkapital sukzessiv weniger ausmachen, je tiefer sie fallen. Aber zum einen machen zu viele Positionen ein Depot fatal unübersichtlich. Zum anderen würde ein Unkrautjäten dazu führen, dass das erlöste Geld, und sei es noch so wenig, in andere Positionen angelegt werden könnte, die bessere Perspektiven haben, um eine taugliche Ernte zu bringen.

Börse aktuell: Entwicklung Delivery Hero, Redcare Pharmacy, HelloFresh und MDAX im Vergleich von 2017 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Delivery Hero, Redcare Pharmacy, HelloFresh und MDAX im Vergleich von 2017 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Aber je größer die Zahl der Depotpositionen ist, desto leichter fällt es, die „Leichen“ einfach zu vergessen. Schließlich geht es mit dem Depot insgesamt meist trotzdem vorwärts, das gibt einem das Gefühl, dass das doch so ganz allgemein alles passt. Warum also anfangen, einzelne Positionen „auszurupfen“ … vor allem wenn man nicht weiß, was wirklich raus sollte und was womöglich nur mal eine Schwächephase durchmacht?

Und schon landen wir wieder beim Gartenvergleich. Wenn man nicht konsequent ist, wird man irgendwann vom Löwenzahn, indischem Springkraut oder anderen, vermehrungsfreudigen Gesellen überrannt. Zugleich könnte längst eine schöne Pflanze dort blühen, wo man einem eigentlich längst toten oder todgeweihtem Busch noch seine aller-allerletzte Chance geben wollte. Was den Garten angeht, sind viele da deutlich konsequenter:

Sie reißen eher zu viel als zu wenig heraus und lesen einfach mal im Internet nach, was zu tun ist, wenn man es selbst nicht aus dem Stand einschätzen kann. Bei Depots kann ich diese Konsequenz eher nicht beobachten. Woran könnte das liegen?

„Wehret den Anfängen“ statt „kaufen und liegen lassen“

Auf Basis dessen, was ich auf die Frage, warum man da nicht mal richtig aufräumt, in den vergangenen Jahren so als Antwort bekam, ließe sich das wiederum mit dem Frühjahrsputz daheim vergleichen: Es ist wie das Putzen hinter einem schweren Kleiderschrank. Den will man nicht mühsam nach vorne wuchten und dazu erst noch alles ausräumen, damit sich das Riesenvieh überhaupt bewegen lässt, wenn doch sowieso keiner dahinter schauen kann. Kann man so machen, wenn man mit „geht doch so“ zufrieden ist. Blöd nur, wenn man dadurch den Schimmel an der Wand nicht bemerkt.

Börse aktuell: Entwicklung Hermes, Richemont, LVMH und Kering im Vergleich von 2020 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Hermes, Richemont, LVMH und Kering im Vergleich von 2020 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Es geht bei einem Durchputzen des Depotbestands ja nicht alleine um „Depotleichen“, bei denen rational betrachtet ohnehin nichts mehr zu retten ist und die, wenn verkauft, nur wenig Kapital freigeben würden. Es geht auch darum, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Ein regelmäßiger Kontrollgang durch das eigene Depot ist unbedingt ratsam, um sehr frühzeitig zu erkennen, ob da eine Position vom geplanten Kurs abweicht. Denn wie die diesen Beitrag begleitenden Charts sehr deutlich machen, hätte jeder große Absturz bei einer zeitgerechten Überprüfung rechtzeitig aus dem Depot entfernt werden können. Was zu der Erkenntnis führt:

Einmal im Jahr Frühjahrsputz zu machen, ist zwar besser als nie. Aber ein regelmäßiger Gang durchs Lager bzw. Depot hilft, um so zeitig zu erkennen, dass sich „Unkraut“ breitmacht, dass der Schaden erheblich begrenzt werden könnte. Wenn man denn den Wald vor lauter Bäumen noch zu erkennen vermag. Was wäre also für eine sinnvolle Depotpflege von Vorteil?

„Pflegetipps“ für das Anlegerdepot

Kaufen und liegen lassen klingt gemütlich, aber welche Chancen könnte man dann dabei verpassen! Nicht alles wird zu einer Apple oder einer Nvidia. Manches steigt perfekt, dreht dann aber ab, bricht den Trend, verliert jahrelange Gewinne und man steht Jahre später beim „Ausmisten“ verwundert vor einer Aktie im Minus, bei der man bei regelmäßigen Kontrollen eine hervorragende Ernte hätte einfahren können. Welche „Pflegetipps“ könnte man umsetzen, um Wildwuchs zu vermeiden? Letzten Endes ähnliche, wie sie für den heimischen Garten auch taugen würden:

Börse aktuell: Entwicklung CTS Eventim von 2021 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung CTS Eventim von 2021 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4
  1. Vermeiden Sie, dass Ihr Depot zu einem Sammelsurium an unterschiedlichsten Positionen wird, die keine in sich taugliche Struktur aufweisen und bei deren schierer Zahl man den Überblick verliert. Alles mit einem Blick erfassen und prüfen zu können, ist hilfreich. Oft werden da bis maximal zehn Positionen empfohlen, aber das ist natürlich individuell unterschiedlich. Wer breit streuen möchte, könnte sich da ggf. der Vorteile von ETFs bedienen, die ganze Länder oder Branchen breit abdecken, aber nur als eine Position im Depot liegen und so die Bestandspflege erleichtern.
  2. Machen Sie regelmäßige „Kontrollgänge“, wie Sie es in einem gepflegten Haus oder Garten auch tun würden. So sehen Sie zeitgerecht, ob irgendwo etwas aus dem Ruder läuft, sprich Trends wackeln oder gar brechen oder einzelne Positionen sukzessiv zu Unkraut werden und raus müssen.
  3. Nutzen Sie die Vorteile von Automatik-Sicherungen in Form von Stop Loss-Verkaufsorders, vor allem, wenn es um spekulative und/oder gehebelte Positionen in Form von hochvolatilen Aktien oder von Derivaten geht, die deutlich mehr Aufmerksamkeit benötigen. Man kann nicht nonstop alles im Auge behalten, wenn man nicht auf einmal beim Gegenteil von „kaufen und liegenlassen“ landen und täglich zehnmal ins Depot schauen will. Dieser „Überspannungsschutz“ will zwar ebenso regelmäßig überprüft und angepasst werden, aber wer nicht gerade kurzfristig tradet (und diese Klientel hat ihre Positionen ja eh immer im Blick), kann das problemlos im Rahmen der vorgenannten Kontrollgänge tun.

Fazit: Regelmäßiges Ausmisten kontra unübersichtliches Chaos

Ich kenne einige Leute, die eine recht drastische Nachlässigkeit in Haus und Garten mit „ich bin halt a bisserl chaotisch“ oder „auf solche Dinge lege ich keinen Wert“ erklären. Das kann man so machen … und solange sich der Besuch nicht mit der Machete zum Kaffeetisch durchkämpfen muss, ist das ja nicht problematisch. Aber wenn es ums Geld geht, kann so manches „Pflänzchen“, das unter anderen verborgen unentdeckt vor sich hin fault, unnötig Probleme bereiten, die man nicht hätte, wenn man sein Depot regelmäßig überprüft und übersichtlich hält. Warum also nicht diese Tage nutzen, um auch im Depot mal einen ordentlichen Frühjahrsputz zu veranstalten?

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 02.04.2026 um 22:28 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Nachricht schicken an Ronald Gehrt
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
Firmendepot für Kapitalgesellschaften

Sie möchten ein Depot für Ihre GmbH, AG oder UG eröffnen und Betriebsvermögen in Wertpapieren anlegen? Informieren Sie sich jetzt über unser Wertpapierdepot für Geschäftskunden: Mehr zum Firmendepot über LYNX



Börse aktuell: DAX, Dow Jones und Co.

Die heutigen Top-News und Börsenmeldungen zum DAX und der Börse USA mit dem Dow Jones, dem Nasdaq und dem S&P 500 als weltweit einflussreiche Indizes bilden einen Schwerpunkt unserer aktuellen Berichterstattung von der Börse. Auch gute Aktien, die momentan sehr stark im Fokus der Anleger stehen und steigende Börsenkurse prophezeien, werden wir Ihnen hier vorstellen. So bekommen Sie einen umfassenden Börsenausblick und können Ihre eigenen Börsenprognosen verifizieren oder falsifizieren.

Börse: Aktuelle Entwicklung und Trends

Die aktuelle Entwicklung und der aktuelle Trend an der Börse werden maßgeblich von Wirtschaftsnachrichten, Konjunkturdaten und Neuigkeiten von börsennotierten Unternehmen bestimmt. Diese wirken sich nicht nur auf Aktienkurse aus, sondern auch auf andere Assetklassen wie börsengehandelte Fonds, Optionen und Futures. Des Weiteren werden durch Börsennachrichten auch die Anleihemärkte und Rohstoffmärkte in Bewegung versetzt. Daher haben wir auch die Zinsen, den Ölpreis und Goldpreis immer im Blick.

Börse: Aktuelle Tipps zum Marktgeschehen

Neben Börsennews bekommen Sie auch hilfreiche Tipps, um das gegenwärtige Marktgeschehen besser zu interpretieren. Der Börsenmarkt setzt sich aus vielen verschiedenen Märkten zusammen. Jedes Land, jede Branche und jedes Finanzprodukt wird von individuellen Faktoren beeinflusst, sodass es schwierig ist, alle Märkte mit ihren jetzigen Chancen und Risiken zu verfolgen und zu analysieren. Mit Börse aktuell liefert Ihnen unser Börsenprofi die Börseninformationen, die wirklich wichtig sind, und zugleich eine kompakte Börsenvorschau der Woche.

Börse aktuell: Die letzten Nachrichten

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 29.03.2026 um 16:32 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Starke Kursschübe prägten das Bild der Börsen in den vergangenen Wochen. Und die kamen bislang großenteils sehr plötzlich, weil derzeit mehr denn je die Nachrichtenlage die Kurse bewegt … und sie ist momentan eben unberechenbar. Das erhöht natürlich das Risiko, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.  Trotzdem stürzen sich viele Marktteilnehmer mutig ins Getümmel. Oder ist es gar nicht der Mut, der sie treibt?

Es gibt aus meiner Sicht zwei übergeordnete Gruppen von Marktteilnehmern in Bezug auf ihre grundsätzliche Vorgehensweise: Die gelassenen, versehen mit Erfahrung, Wissen und Disziplin … und die anderen, die ohne umfassende Kenntnisse, aber mit viel Emotionen, einer festen Marktmeinung und immensen Erwartungen an die Sache herangehen. Natürlich gibt es auch die „Inbetweens“, die sich zwischen diesen beiden Ebenen bewegen. Wobei es aber meiner Erfahrung nach selten zu einem Wechsel von Disziplin zu Emotionen kommt, nicht einmal in einem Marktumfeld wie aktuell, sondern vornehmlich zu einer Verwandlung von „Emotionalen“ in „Disziplinierte“.

Was grundsätzlich positiv ist, denn Sie können sich denken, dass die Gruppe der Disziplinierten unter dem Strich weitaus besser abschneidet. Aber nicht jeder schafft es dorthin, viele scheitern und kehren zurück zur Abteilung Bauchgefühl. Und es ist diese Gruppe, um die es heute gehen soll bzw. um eine der Ängste, die man dort oft antrifft und der sich viele vermutlich nicht bewusst sind: FOMO oder, ausgeschrieben: fear of missing out“. Die Angst, nicht dabei zu sein.

Die Angst, etwas zu verpassen ist oft größer als die vor Verlusten

Dass Verluste eine unerfreuliche Sache sind, die man fürchtet, muss man niemandem erklären. Aber ich habe irgendwann realisiert, dass viele (ich eingeschlossen) unbewusst noch von einer deutlich größeren Furcht beherrscht werden: Die Angst, etwas zu verpassen. Oder zwar nicht einfach „irgendetwas“, sondern konkret in Bezug auf die Börse die „big moves“. Die Bewegungen, die richtig große Gewinne bringen. Warum ist das so?

Schon ganz grundsätzlich ist FOMO bei vielen von uns unterschwellig immer mit von der Partie. Denken wir an die Jahre der Jugend, in der viele glaubten, überall dabei sein zu müssen, weil man sonst „das Leben verpasst“. Ob das so gewesen wäre, weiß ich nicht, ich kann nur sagen, dass mein persönliches FOMO einiges an Geld gekostet hat, das ich später, als dieser Trieb, permanent dem vermeintlichen Puls des Lebens hinterherzulaufen nachließ, gut hätte für „vernünftige Dinge“ gebrauchen können.

An der Börse ist diese Problematik deswegen besonders ausgeprägt, weil wir hier lange Phasen sehen, in denen man wenig bis gar nichts verdienen kann. Phasen, in denen die Kurse vor allem seitwärts dümpeln, einen ab und an mit einer Bullen- und Bärenfalle die Laune vermiesen, man ansonsten aber darauf angewiesen ist, zu warten, bis ein starker Trend umfassendere Positionen begünstigt. Der Haken dabei ist: Dass aus einem kräftigen Ruck im Chartbild am Ende ein großer Trend wird, weiß man erst wirklich sicher, wenn er längst läuft.

Börse aktuell: Entwicklung DAX mit Seitwärtsphasen von April 2025 bis März 2026 | Quelle: marktmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX mit Seitwärtsphasen von April 2025 bis März 2026 | Quelle: marktmaker pp4

Deshalb ist es durchaus nachvollziehbar, dass man so früh wie möglich auf einen Zug aufspringen will. Der Kopf rechnet da automatisch mit, man sagt sich: 1.000 Index-Punkte mit geringerem Risiko, die vielleicht drin sein könnten … oder 1.500 mit höherem Risiko, und das ohne Warten, jetzt gleich? Es kostet reichlich Disziplin, Letzteres bleiben zu lassen. Gelingt das nicht, droht man, in eine Spirale zu geraden, denn:

Von FOMO zu „Revenge Trading“

Die Furcht, große Impulse zu verpassen, verleitet zu riskanten Aktionen. Und die enden unerfreulich oft mit Verlust. In einem hoch volatilen Markt einfach aus der Ungeduld heraus mitzumischen, ist letztlich noch weniger erfolgversprechender als am Roulette-Tisch dauernd auf „rot“ oder „schwarz“ zu setzen. Einfach, weil man hier ggf. zwar richtig auf „rot“ gesetzt hat, aber auf einmal schon wieder „schwarz“ gilt, während man sein Geld noch auf „rot“ liegen hat. Dagegen müssten aber doch Stop Loss-Absicherungen helfen?

Ja, grundsätzlich schon. Aber wenn wir uns ansehen, wie oft dieser Tage große Kurslücken zur Eröffnung auftauchen – und das in beide Richtungen – wird schnell klar: Um nicht durch solche Kurslücken weit unterhalb (bzw. bei Short-Trades oberhalb) der gesetzten Stop Loss-Levels „rasiert“ zu werden, müsste man Positionen konsequent zu jedem Ende eines Handelstages schließen. Und das passt so gar nicht zu „FOMO“. Denn es sind ja diese Kurslücken, die die großen Gewinne bringen könnten … vorausgesetzt, man stünde auf der richtigen Seite. Dass man das absolut nicht abschätzen kann, ist rational betrachtet richtig. Aber „FOMO“ und Ratio haben nun einmal keinerlei Berührungspunkte.

Börse aktuell: Entwicklung DAX mit Kurslücken im Jahr 2026 | Quelle: marktmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX mit Kurslücken im Jahr 2026 | Quelle: marktmaker pp4

Dadurch entsteht die Gefahr, dass man, je öfter man schiefliegt und einen Verlust einfährt, nur noch ungeduldiger agiert und noch höhere Risiken eingeht um – so formuliert es der kleine Mann im Ohr – „mein Geld zurückzuholen“. Das nennt sich dann „Revenge Trading“, man will sich mit scheinbar mutigen Hauruckaktionen an dem blöden Markt rächen, der einem ungerechtfertigterweise das Geld genommen hat. Dass da nicht der Markt, sondern die eigenen Emotionen schuld sind, wird so lange übersehen, bis man es geschafft hat, die Emotionen in Sachen Trading dorthin zu befördern, wo sie hingehören: In die Mülltonne.

Wenn Ungeduld zur Normalität wird: der Tickerwurm

Gelingt das nicht, kann die Sache ausarten (ich schreibe immer noch aus eigener Erfahrung) und man wird zum „Tickerwurm“, der sklavisch am Kursmonitor hängt. Früher war das Übertragungssystem telegrafisch, die Kurse „tickerten“ aus einem Telegrafen bei den Brokern, um den die „Würmer“ herumlungerten, daher diese Bezeichnung. Man wird zu jemandem, der nachts mehrmals aus Angst, im asiatischen Handel könnte sich etwas tun, das man zu verpassen droht, auf die Kurse schaut und beim Gedanken, ohne Position ins Wochenende zu gehen, Angstzustände bekommt – trotz der irgendwo schlummernden Erkenntnis, dass solche Positionen in einer Phase wie aktuell halsbrecherisch riskant sind. Aber wie gesagt: Da ist dann die Angst, einen „big move“ zu verpassen längst viel größer als die, einen dicken Verlust zu erleiden.

Eine andere Variante: Der Gerüchteknecht

„FOMO“ führt leicht auch dazu, Marktgerüchten oder noch sehr unsicheren Chancen hinterherzulaufen statt, was nun einmal vernünftiger wäre, erst einmal genau zu hinterfragen, ob das alles wirklich etwas taugen könnte. Ein typisches und recht aktuelles Beispiel wäre der immense Kurssprung bei der Qiagen-Aktie Ende Januar. Der basierte auf einer Meldung der Nachrichtenagentur „Bloomberg“, dass „mit der Angelegenheit vertraute“ Personen erklärt hätten, dass Qiagen aufgrund von neuen Interessebekundungen in Bezug auf eine Übernahme strategische Optionen prüfe, zu denen auch ein Verkauf gehören könnte. Es gab also noch keine Gespräche oder einen avisierten Übernahmepreis pro Aktie, konkret war da überhaupt nichts.

Börse aktuell: Entwicklung Qiagen von Juli 2025 bis März 2026 mit Kurssprung im Januar | Quelle: marktmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Qiagen von Juli 2025 bis März 2026 mit Kurssprung im Januar | Quelle: marktmaker pp4

Nachdem da aber wochenlang nichts weiter passierte, löste sich der Kurssprung in Luft auf. Wer da „oben“ eingestiegen war, dürfte es sehr schnell bereut haben. Was aber keineswegs zwingend dazu führen muss, dass man ab einem solchen Zeitpunkt umgehend hoch diszipliniert und mit der nötigen Vorsicht und Geduld an die Sache herangeht. „FOMO“ ist gar nicht so leicht loszuwerden.

Wie man „FOMO“ wieder loswerden könnte

Die simpelste Methode ist zugleich die, die am wenigsten erstrebenswert wäre: Man macht so lange weiter, bis das Geld irgendwann weg ist. Will man vorher effektiv Mitglied im Lager der Besonnenen werden, würde sich, das war meine persönliche Erfahrung, der schonungslose Blick in den Spiegel anbieten:

Was hat mir meine bisherige Art zu traden eingebracht? Vergleicht man das mit den Trendbewegungen der Märkte, dürften viele das Wort „eingebracht“ schnell gegen „eingebrockt“ tauschen. Denn hat man die Börsen insgesamt im Blick, ist für die Angst, große Trends zu verpassen und den daraus entstehenden Trieb, zu riskante „Wetten“ einzugehen, gar keine Notwendigkeit vorhanden. Irgendwo findet sich immer ein solider Trend. Was zu der Frage führt:

Warum fokussiere ich mich auf nur wenige Bereiche oder sogar nur einen Markt und mache da viele, kurzfristige und gewagte Trades? Wenn die Antwort lautet: Weil das Kapital nicht für mehrere Positionen zugleich reicht, müsste man sich als Lösung zumindest ein konkretes Handelssystem erschaffen und konsequent umsetzen. Wenn die Antwort aber lautet: Weil da am meisten los ist, dann spricht da ein Zocker aus einem, den man am besten umgehend vor die Tür setzt.

Eine einigermaßen nüchterne Nabelschau bringt in Bezug auf das „FOMO-Leiden“ wohl bei den meisten ein und dasselbe Ergebnis hervor: Man wäre im Nachhinein mit viel weniger Risiko und Hektik viel besser gefahren. Ist diese Erkenntnis erst einmal da, ist man schon mit einem Bein aus der Fallgrube heraus.

Was bleibt, ist, sich regelmäßig auf die Finger zu klopfen, wenn man dabei ist, wieder einmal „mutig“ zu sein und den Pfad der Vernunft zu verlassen. Ich kann nur für mich sprechen, aber in meinem Fall führte das damals zwar zu ein paar Rückfällen, die wurden aber immer weniger. Einfach, weil man mit „FOMO“ oft genug auf der Nase landet, um eine „Entwöhnung“ leichter zu machen. Immer vorausgesetzt, man ist sich bewusst geworden, dass Verluste in Wahrheit eben doch deutlich schlimmer sind, als ab und an tatsächlich einen großen Impuls zu verpassen.

Denn Letztere kommen von alleine immer wieder. Geld, das verloren ist, muss man indes mühsam zurückholen. Und das klappt nicht mit „Revenge Trading“, sondern nur mit genau der Disziplin, die man besser gleich von vornherein hätte walten lassen. „FOMO“? Mit mir nicht mehr.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 21.03.2026 um 23:31 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Nach wie vor ist das Kurs-/Gewinn-Verhältnis – kurz KGV – ein wichtiger Indikator, um einzuschätzen, ob eine Aktie noch kaufenswert sein könnte oder bereits zu teuer ist. Aber es gibt mehrere Aspekte, die man kennen muss, um dieses Tool richtig einzusetzen.

Eine Aktie hat ein niedriges KGV – also ist sie „billig“ und automatisch ein Kandidat für den Einstieg? So einfach ist das … nun auch wieder nicht. Manchmal ist ein niedriger KGV-Level trotzdem zu teuer, manchmal ein hohes KGV kein Grund zur Sorge. Das kommt auf mehrere Faktoren an:

Auf die Branche, zu der eine Aktie gehört … auf das aktuelle und prognostizierte Gewinnwachstum … darauf, welche Gewinne genau für die Berechnung verwendet werden … und zudem ist auch wichtig, ob Sondereinflüsse dieses Kurs-/Gewinn-Verhältnis kurzzeitig verzerren oder nicht. Gehen wir das der Reihe nach durch, zunächst aber, wie es sich gehört, die Definition:

Was genau sagt das KGV aus?

Das Kurs/Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, ist eine Messgröße, die sich aus dem Kurs geteilt durch den Gewinn pro Aktie ergibt. Sie zeigt also an, wie oft man den Gewinn eines Jahres, den das Unternehmen pro Aktie erzielt hat, beim Kauf der Aktien bezahlt. Ähnliche Orientierungen wären das Kurs-/Umsatzverhältnis, das Kurs-/Buchwert-Verhältnis oder die Dividendenrendite. Aber wieso soll das ein Argument sein, eine Aktie zu kaufen oder nicht?

Eine zwingende Messgröße ist nichts von alledem. Denn nichts hindert die Marktteilnehmer, eine vom KGV her eigentlich günstige Aktie trotzdem nicht zu kaufen oder z. B. bei Aktien zuzugreifen, deren Dividendenrendite eigentlich jämmerlich wäre. Oder beispielsweise zu kaufen, obwohl die Aktien viel zu weit über dem Buchwert des Unternehmens liegen. All diese Messgrößen sind Orientierungshilfen und keine unfehlbaren Wegweiser. Was aber für alle Indikationen an den Börsen gilt, auch für die Charttechnik oder die Markttechnik. Denn an der Börse gilt, auch, wenn einem das in Sachen Planungssicherheit nicht gerade zupasskommt: alles kann, aber nichts muss!

Aber gerade weil an der Börse nichts absolut ist, niemand sicher weiß, was übermorgen sein könnte und somit in Sachen „Entscheidungen unter Unsicherheit“ alle im selben Boot sitzen, werden solche Orientierungshilfen umfassend genutzt. Und einige, wie das KGV, wandern in den Werkzeugkasten der Standard-Tools, ebenso wie die Richtwerte, an denen man sich bei dieser Indikation orientieren kann. Denn hier ist „billig“ und „teuer“ immer relativ!

Auf die Branche kommt es an!

Bisweilen liest man, dass der DAX eine Menge Aufwärtspotenzial habe, weil sein KGV (das bei Indizes aus dem KGV-Schnitt der in ihm enthaltenen Einzelwerte ermittelt wird) viel „billiger“ sei als das des Dow Jones. Was nominal stimmt, faktisch aber in die Irre führt. Denn ob ein Index vom KGV her günstig oder teuer ist, hängt immer davon ab, wie stark bestimmte Branchen in ihm gewichtet sind.

Börse aktuell: Entwicklung DAX KGV-Levels von 1984 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung DAX KGV-Levels von 1984 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Einige Branchen haben üblicherweise ein höheres KGV als andere. Das hängt davon ab, ob eine Branche stark wächst und man hier von einem mittel- und langfristigen Wachstumsmarkt sprechen kann. Hinzu kommt die Konjunkturabhängigkeit. Wenn es sich um eine Branche handelt, die sehr stark von konjunkturellen Schwankungen beeinflusst wird, setzt man ein faires KGV eher niedriger an als bei Branchen, die zwar auch stark zulegen, aber vom Auf und Ab der Konjunktur weniger betroffen sind.

Als Beispiele könnte man hier in Bezug auf eher hohe KGVs die Unternehmen nennen, die im Bereich Hardware und Halbeiter eng mit dem Thema KI verbunden sind. Niedrige KGVs finden sich vor allem bei Branchen wie Automobile, Finanzen oder Versorger. Hier sind die Wachstumsraten beim Gewinn gemeinhin nicht mehr so dynamisch, daher sieht man „faire“ KGVs hier niedriger. Bei den Autobauern liegen diese in der Regel unter zehn, meist sogar deutlich darunter, während KI-verbundene Chiphersteller durchaus KGVs von 50 und mehr haben können.

Da im DAX derzeit besonders viele Autobauer, Finanzwerte und Versorger enthalten sind, ist sein KGV niedriger als das des Dow Jones, wo wir mehr Technologietitel finden. Ein direkter Vergleich der KGVs von DAX und Dow Jones ist daher nicht zielführend, man würde schlicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Börse aktuell: Entwicklung Dow Jones KGV-Levels von 2012 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Dow Jones KGV-Levels von 2012 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

Der Blick nach vorne spielt eine entscheidende Rolle

Dabei sind die Gewinne pro Aktie der Vergangenheit kein Faktor für das KGV. Man will ja wissen, ob eine Aktie unter den heutigen Bedingungen günstig oder teuer wäre … und ob sie es womöglich in einem Jahr auch noch ist. Daher ist der Blick nach vorne der, auf den es ankommt. Konkret heißt das:

Von der individuellen Branche, in der eine Aktie einzuordnen ist abgesehen, ist die Prognose zukünftiger Gewinne eine entscheidende Größe für die Beurteilung von „billig“ oder „teuer“. Je dynamischer die Gewinnentwicklung erwartet wird, desto höher „darf“ das KGV sein. Dabei gilt als grobe Faustregel:

Das KGV darf doppelt so hoch sein wie der Schnitt der prozentualen Steigerung des Gewinns pro Aktie im laufenden sowie in den kommenden zwei Geschäftsjahren. Beispiel: Liegt die Prognose für den Gewinn pro Aktie eines Unternehmens für das laufende und die zwei kommenden Jahre bei durchschnittlich 20 Prozent, wäre ein KGV von 40 ein normaler, allgemein akzeptierter Wert.

Das klingt nach einer überschaubaren Sache, aber Vorsicht, wenn es um die Frage geht, wo eine Aktie oder ein Index vom KGV her jetzt steht, was ja für die Beurteilung entscheidend ist, ob von dieser Bewertungskennziffer her noch Luft für den Kurs nach oben wäre oder nicht. Da kann man leicht in die Falle laufen, denn:

Vorsicht Falle: Welche Gewinne werden für das KGV verwendet?

Selten wird, wenn ein KGV genannt wird, explizit darauf hingewiesen, auf welchem Gewinn diese Berechnung basiert. Wieso „welcher Gewinn“, würde man natürlich fragen, aber so absurd es klingt (und ist): Oft wird, wenn jemand eine Aktie über den grünen Klee lobt und ihr niedriges KGV preist, nicht der Gewinn des letzten abgeschlossenen Geschäftsjahres als Basis verwendet, auch nicht der der letzten vier Quartale oder die durchschnittliche Analystenschätzung für das gerade laufende Geschäftsjahr, nein:

Da werden die Gewinnprognosen für das kommende Jahr benutzt. Natürlich nur, wenn man zugleich unterstellt, dass dieser Gewinn deutlich höher ist als der aktuelle – denn dann ist das KGV natürlich erfreulich niedrig. Das ist eine massive Verzerrung, daher: Schauen Sie genau hin, welche Gewinne für irgendwelche Kaufargumente für eine Aktie ins KGV einfließen … und wenn das nicht zu erkennen ist, suchen Sie sich Vergleiche. Wenn die gängigen Internetseiten für diese Aktie deutlich höhere KGVs ausweisen (dort nimmt man immer entweder den geschätzten Gewinn des laufenden Jahres oder den der letzten vier Quartale), ist Vorsicht geboten!

Veränderungen & Verzerrungen: Was heute billig ist, kann morgen teuer sein – und umgekehrt

Apropos Verzerrungen: Abrupte Veränderungen der konjunkturellen Lage wie Rezessionen verzerren das KGV oft extrem, wie der folgende Chart zeigt. Zunächst wirkt das KGV günstiger, weil für seine Berechnung ja die Gewinne der unmittelbaren Vergangenheit oder die bisherige Schätzung des laufenden Jahres verwendet werden. Die Kurse aber reagieren auf aktuelle Veränderungen – und diese Veränderungen können sich erst in den Quartals- und Jahresbilanzen kommender Monate niederschlagen und eben erst dann auch ins KGV einfließen.

Danach aber geht es in Sachen Verzerrung bisweilen dramatisch nach oben. Denn vor allem die Gewinne konjunktursensibler Unternehmen wie z. B. Chiphersteller oder Autobauer können in einer Rezessionsphase ganz schnell mal 50 oder mehr Prozent wegbrechen, während die entsprechenden Aktienkurse „nur“ 20 oder 30 Prozent fallen. Das rechnerische Ergebnis: ein deutlich höheres KGV bei den einzelnen Aktien und, in der Folge, auch bei den Indizes.

Börse aktuell: Entwicklung Dow Jones KGV-Levels von 1999 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4 | Online Broker LYNX
Entwicklung Dow Jones KGV-Levels von 1999 bis 2026 | Quelle: marketmaker pp4

In solchen Sondersituationen verliert das KGV seinen Wert als Indikation für ein „billig“ oder „teuer“, weil ein KGV von 100 dann eben nicht bedeuten muss, dass sich der Kurs der Aktie in Kürze halbieren müsste, es kommt darauf an, wann und wie stark die Unternehmensgewinne wieder anziehen … und dazu braucht es dann als Entscheidungshilfe für die Anleger eine regelmäßig aktualisierte Auswertung der Gesamtsituation.

Ein anderer Aspekt, den man im Hinterkopf haben sollte, ist die jederzeit mögliche Veränderung der Branchenperspektive oder denkbare Sondersituationen. Wenn eine Branche, die jahrelang nur wenig Wachstum zeigt und die dazugehörigen Aktien deshalb eher niedrige KGVs auswiesen, plötzlich neue Dynamik erfährt – aktuell beispielsweise der KI-Bereich oder der Verteidigungssektor – sind deutlich steigende Kurse deswegen bis zu einem bestimmten Punkt unterfüttert, weil sich die Erwartungen an das Gewinnwachstum erhöht haben. Auch innerhalb einer Branche können einzelne Unternehmen erheblich andere Gewinnperspektiven haben als der Rest, z.B. galt das für Tesla in der Boomphase der Elektrofahrzeuge.

Aber wie in Bezug auf KGVs auf Basis von Gewinnprognosen kommender Jahre gilt auch hier: Erwartungen taugen nun einmal nicht als verlässliche Messgröße, daher muss man in solchen Fällen immer mit besonderer Vorsicht agieren. Denn bisweilen stellt man irgendwann fest, dass allgemein erhoffte, gewaltige Gewinnsteigerungen in der Realität deutlich weniger drastisch ausfallen und die vorweg eingepreiste Bewertung dadurch zu hoch war.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!

Ihr

Ronald Gehrt

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.