Es ist die Zeit für den Frühjahrsputz und das große Unkrautjäten im Garten. Viele mögen es, alles mal wieder so richtig ordentlich zu haben. An den Anleger-Depots geht der Frühjahrsputz indes in der Regel vorbei. Und das, obwohl das so manchem Depot guttun würde. Denn je weniger Unkraut, desto besser die Ernte – diese Faustregel gilt auch für die Börse.
Ich habe schon so manches Anlegerdepot gesehen, in dem es ausschaut wie bei Hempels unterm Sofa. Da kommt zwar immer wieder etwas dazu, aber aufgeräumt wird nie. Abgänge? Keine. Das artet dann bisweilen in ein „Messi-Depot“ aus. Dabei gibt es keinen rationalen Grund, dauerhaft auf einem unstrukturierten Chaos nebst Depotleichen zu sitzen. Aber Ausreden, die gibt es dafür viele.
Depotleichen übersehen … je größer das Chaos, desto leichter fällt das
Auch, die stören doch nicht … das muss man jetzt auch nicht mehr verkaufen … die kommen ja vielleicht wieder: Mit solchen Statements wird gerechtfertigt, dass im Depot einige Positionen herumliegen, die nicht nur uralt, sondern auch dramatisch im Minus sind. Und ja, es stimmt ja, dass Positionen mit drastischem Minus vom Gesamtkapital sukzessiv weniger ausmachen, je tiefer sie fallen. Aber zum einen machen zu viele Positionen ein Depot fatal unübersichtlich. Zum anderen würde ein Unkrautjäten dazu führen, dass das erlöste Geld, und sei es noch so wenig, in andere Positionen angelegt werden könnte, die bessere Perspektiven haben, um eine taugliche Ernte zu bringen.

Aber je größer die Zahl der Depotpositionen ist, desto leichter fällt es, die „Leichen“ einfach zu vergessen. Schließlich geht es mit dem Depot insgesamt meist trotzdem vorwärts, das gibt einem das Gefühl, dass das doch so ganz allgemein alles passt. Warum also anfangen, einzelne Positionen „auszurupfen“ … vor allem wenn man nicht weiß, was wirklich raus sollte und was womöglich nur mal eine Schwächephase durchmacht?
Und schon landen wir wieder beim Gartenvergleich. Wenn man nicht konsequent ist, wird man irgendwann vom Löwenzahn, indischem Springkraut oder anderen, vermehrungsfreudigen Gesellen überrannt. Zugleich könnte längst eine schöne Pflanze dort blühen, wo man einem eigentlich längst toten oder todgeweihtem Busch noch seine aller-allerletzte Chance geben wollte. Was den Garten angeht, sind viele da deutlich konsequenter:
Sie reißen eher zu viel als zu wenig heraus und lesen einfach mal im Internet nach, was zu tun ist, wenn man es selbst nicht aus dem Stand einschätzen kann. Bei Depots kann ich diese Konsequenz eher nicht beobachten. Woran könnte das liegen?
„Wehret den Anfängen“ statt „kaufen und liegen lassen“
Auf Basis dessen, was ich auf die Frage, warum man da nicht mal richtig aufräumt, in den vergangenen Jahren so als Antwort bekam, ließe sich das wiederum mit dem Frühjahrsputz daheim vergleichen: Es ist wie das Putzen hinter einem schweren Kleiderschrank. Den will man nicht mühsam nach vorne wuchten und dazu erst noch alles ausräumen, damit sich das Riesenvieh überhaupt bewegen lässt, wenn doch sowieso keiner dahinter schauen kann. Kann man so machen, wenn man mit „geht doch so“ zufrieden ist. Blöd nur, wenn man dadurch den Schimmel an der Wand nicht bemerkt.

Es geht bei einem Durchputzen des Depotbestands ja nicht alleine um „Depotleichen“, bei denen rational betrachtet ohnehin nichts mehr zu retten ist und die, wenn verkauft, nur wenig Kapital freigeben würden. Es geht auch darum, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Ein regelmäßiger Kontrollgang durch das eigene Depot ist unbedingt ratsam, um sehr frühzeitig zu erkennen, ob da eine Position vom geplanten Kurs abweicht. Denn wie die diesen Beitrag begleitenden Charts sehr deutlich machen, hätte jeder große Absturz bei einer zeitgerechten Überprüfung rechtzeitig aus dem Depot entfernt werden können. Was zu der Erkenntnis führt:
Einmal im Jahr Frühjahrsputz zu machen, ist zwar besser als nie. Aber ein regelmäßiger Gang durchs Lager bzw. Depot hilft, um so zeitig zu erkennen, dass sich „Unkraut“ breitmacht, dass der Schaden erheblich begrenzt werden könnte. Wenn man denn den Wald vor lauter Bäumen noch zu erkennen vermag. Was wäre also für eine sinnvolle Depotpflege von Vorteil?
„Pflegetipps“ für das Anlegerdepot
Kaufen und liegen lassen klingt gemütlich, aber welche Chancen könnte man dann dabei verpassen! Nicht alles wird zu einer Apple oder einer Nvidia. Manches steigt perfekt, dreht dann aber ab, bricht den Trend, verliert jahrelange Gewinne und man steht Jahre später beim „Ausmisten“ verwundert vor einer Aktie im Minus, bei der man bei regelmäßigen Kontrollen eine hervorragende Ernte hätte einfahren können. Welche „Pflegetipps“ könnte man umsetzen, um Wildwuchs zu vermeiden? Letzten Endes ähnliche, wie sie für den heimischen Garten auch taugen würden:

- Vermeiden Sie, dass Ihr Depot zu einem Sammelsurium an unterschiedlichsten Positionen wird, die keine in sich taugliche Struktur aufweisen und bei deren schierer Zahl man den Überblick verliert. Alles mit einem Blick erfassen und prüfen zu können, ist hilfreich. Oft werden da bis maximal zehn Positionen empfohlen, aber das ist natürlich individuell unterschiedlich. Wer breit streuen möchte, könnte sich da ggf. der Vorteile von ETFs bedienen, die ganze Länder oder Branchen breit abdecken, aber nur als eine Position im Depot liegen und so die Bestandspflege erleichtern.
- Machen Sie regelmäßige „Kontrollgänge“, wie Sie es in einem gepflegten Haus oder Garten auch tun würden. So sehen Sie zeitgerecht, ob irgendwo etwas aus dem Ruder läuft, sprich Trends wackeln oder gar brechen oder einzelne Positionen sukzessiv zu Unkraut werden und raus müssen.
- Nutzen Sie die Vorteile von Automatik-Sicherungen in Form von Stop Loss-Verkaufsorders, vor allem, wenn es um spekulative und/oder gehebelte Positionen in Form von hochvolatilen Aktien oder von Derivaten geht, die deutlich mehr Aufmerksamkeit benötigen. Man kann nicht nonstop alles im Auge behalten, wenn man nicht auf einmal beim Gegenteil von „kaufen und liegenlassen“ landen und täglich zehnmal ins Depot schauen will. Dieser „Überspannungsschutz“ will zwar ebenso regelmäßig überprüft und angepasst werden, aber wer nicht gerade kurzfristig tradet (und diese Klientel hat ihre Positionen ja eh immer im Blick), kann das problemlos im Rahmen der vorgenannten Kontrollgänge tun.
Fazit: Regelmäßiges Ausmisten kontra unübersichtliches Chaos
Ich kenne einige Leute, die eine recht drastische Nachlässigkeit in Haus und Garten mit „ich bin halt a bisserl chaotisch“ oder „auf solche Dinge lege ich keinen Wert“ erklären. Das kann man so machen … und solange sich der Besuch nicht mit der Machete zum Kaffeetisch durchkämpfen muss, ist das ja nicht problematisch. Aber wenn es ums Geld geht, kann so manches „Pflänzchen“, das unter anderen verborgen unentdeckt vor sich hin fault, unnötig Probleme bereiten, die man nicht hätte, wenn man sein Depot regelmäßig überprüft und übersichtlich hält. Warum also nicht diese Tage nutzen, um auch im Depot mal einen ordentlichen Frühjahrsputz zu veranstalten?
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Börsenwoche!
Ihr
Ronald Gehrt
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 02.04.2026 um 22:28 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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