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Wäre Gold wirklich ein „sicherer Hafen“, müsste der Kurs eigentlich steigen, wenn es am Aktienmarkt kriselt, weil Anleger dann Geld aus Aktien abziehen und es im Gold parken. Doch die Kursbewegungen des Goldpreises gleichen zusehends denen des Aktienmarkts. Warum?
Weil Gold eben letzten Endes doch vor allem ein Asset, ein „Investment-Objekt“, wie alle anderen ist. Zwar bleibt dieser Status des Werthaltigen, des Besonderen erhalten. Aber was das Tagesgeschäft an den Börsen angeht, überwiegen kurzfristige Aktionen derer, die Gold nicht als etwas ansehen, das sie sich in den Tresor legen möchten, sondern als etwas, mit dem man genauso schnell und unkompliziert auf der Long- oder der Short-Seite traden kann wie mit Aktien, Indizes oder anderen Commodities. Also verhält sich der Kurs auch entsprechend.
Dass er dabei derzeit einen auffallenden Gleichlauf mit dem Aktienmarkt aufweist, liegt vermutlich entscheidend daran, dass diejenigen, die zuletzt mit hohen Hebeln und hohem Kapitaleinsatz, zugleich aber mit geringer Barreserve in Derivaten agiert haben, hier genauso durch fallende Kurse weiter unter Druck geraten und ihre Positionen verkleinern müssen wie es z.B. zuletzt im Bereich der Halbleiter-Aktien zu beobachten war. Es geht also weniger um die Frage, ob der Goldpreis, der gestern Abend sogar ein neues Jahres-Verlaufstief markierte, auf diesen unverhofft so weit unter dem bisherigen Rekordhoch von 5.608 US-Dollar liegenden Level gehört. Es geht um die Frage, ob, wie und wann man diese Lawine aufhalten und ins Gegenteil verkehren kann.
Expertenmeinung: Das am 23. März erreichte, bisherige Tief des Jahres bei 4.098,73 US-Dollar ist zum Handelsende des Mittwochs leicht unterboten worden. Bislang lässt sich das noch nicht als signifikanten Bruch einordnen. Aber diese Linie doch noch zu verteidigen, dürfte nicht ganz einfach werden, weil die charttechnische Gesamtsituation derzeit perfekt bärisch daherkommt:

Die Ende März begonnene und bis Mitte April andauernde Gegenbewegung nach oben wurde im Bereich der 20-Tage- und der 50-Tage-Linie gestoppt. Seither führen diese beiden gleitenden Durchschnitte den Goldpreis nah unten. Eine in diesem Verlauf etablierte Abwärtstrendlinie diente Ende Mai erneut als effektiver Widerstand, von dort aus intensivierten sich die Abgaben – parallel zu denen am Aktienmarkt. Das führte dann auch noch zum Bruch der Supportzone 4.382/4.405 US-Dollar und, besonders bedeutsam, der 200-Tage-Linie. Denn an dieser Linie hatte der Goldpreis Ende März nach oben gedreht. Dass sie als Unterstützung „versagt“ hat, könnte das bärische Lager jetzt deutlich mutiger stimmen.
Zusehends nervöser werdende Bullen auf einem ungeordnet wirkenden Rückzug, Bären, die sich auf der Überholspur wähnen und Aktienmärkte, deren Abrutschen auch auf andere Assets ausstrahlt: Das ist eine ungünstige Gemengelage für einen Gegenangriff der Bullen, der dann auch noch zu einer Aufwärtswende führen soll. Dazu müsste es gelingen, Gold über all diese Chartmarken zu heben, an denen der Kurs zuletzt nach unten drehte. Nimmt man die 50-Tage-Linie mit dazu, bräuchte es dafür Schlusskurse über 4.608 US-Dollar. Das zu schaffen ist, Stand heute, ein nicht nur weiterer, sondern auch steinigerer Weg als der an das nächste, unter dem März-Tief liegende, charttechnische Kursziel bei 3.887 US-Dollar.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 10.06.2026 um 22:25 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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