Mit dem kräftigen Minus des Montags hat das bullische Lager einen markanten Rückschlag erlitten. Mit dem Bruch der Unterstützung bei 62,30 US-Dollar ist bei Silber ein mehrwöchiges Top vollendet worden, das den Weg nach oben steinig, den nach unten indes leichter macht.
Weder der Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten in den USA noch die neuen Aussagen zum Thema Iran-Krieg bzw. Ölpreis lassen sich als handfeste, positive Fakten ansehen. Geredet wird jetzt, nahe an den US-Zwischenwahlen, zwar viel. Aber von verheißungsvollen Sprüchen lassen sich die Anleger normalerweise nur kurz beeindrucken. Daher mag es überraschen, dass die Edelmetalle, denen viele ja die Rolle eines „sicheren Hafens“ in kritischen Zeiten zubilligen, am Montag so unter Druck gerieten.
Aber nüchtern betrachtet können Edelmetalle, deren Kurse volatiler sind als die der meisten Aktienindizes, schwerlich ein sicherer Hafen sein, es sei denn, man nimmt eine gezielt sehr langfristige Perspektive ein. Und wenn man die Kurse der Edelmetalle als Assets wie alle anderen einordnet, dann gibt es eben auch keine zwingende Verbindung mehr zwischen den gesamtwirtschaftlichen Perspektiven und der kurzfristigen Tendenz z. B. des Silberpreises.
Silber kann unmittelbar positiv auf eine Verschlechterung der Gesamtlage reagieren … aber das muss es nicht. Und wenn man sich von dieser vor allem auf kurzfristiger Ebene nur schwachen Bindung an die Nachrichtenlage löst, bleibt ein Edelmetall, das die Trader ebenso kaufen oder verkaufen, als ginge es um einen Index, ein Währungspaar oder eine einzelne Aktie. Und aktuell waren es eben die Short-Seller, die eine Gelegenheit bekamen … und sie, wie der Chart auf Tagesbasis zeigt, auch nutzten.

Expertenmeinung: Dort sehen wir, dass Silber die Nackenlinie eines seit Anfang August entstandenen Tops bei 62,30 US-Dollar unterboten hat. Eines Tops, das unterhalb der Widerstandszone 70,86/71,57 US-Dollar und der aktuell bei 73,15 US-Dollar laufenden 200-Tage-Linie entstand, deren Überwinden den Weg hin zu einem neuen, größeren Aufwärtsimpuls freigegeben hätte. Das gelang nicht … und mit diesem gestrigen Minus ist der Silberpreis noch einmal ein gutes Stück weiter von einem solchen, mittelfristig bullischen Signal entfernt. Kurz: Die Bären haben jetzt erst einmal alle guten Karten in der Hand.
Und selbst wenn es gelingen sollte, den Kurs zumindest wieder über den Bereich um 62,30 US-Dollar zu heben: Der weitere Weg nach oben wäre steinig, nicht zuletzt, weil vor der Widerstandszone 70,86/71,57 US-Dollar auch noch die gleitenden Durchschnittslinien der letzten 20, 50 und 100 Handelstage als Barrieren im Weg stünden. Damit geht der Blick automatisch auf die Unterseite:
Dort wäre das erste Kursziel der Supportbereich bei 54/56 US-Dollar, gebildet durch die Hochs vom Oktober und November 2025 und die Tiefs der Monate Juni, Juli und August. Aber ein Blick auf das langfristige Chartbild auf Monatsbasis zeigt: Darunter würde eine noch deutlich markantere Unterstützung warten, die aus bärischer Sicht ein ebenso denkbares wie verlockendes Kursziel sein könnte:

Der Bereich um die 50-US-Dollar-Marke. Bei 49,82 US-Dollar wurde im Frühjahr 2011 der bis dahin höchste Kurs des Silberpreises erreicht, auch das vorherige Rekordhoch aus dem Jahr 1980 lag in dieser Zone. Käme Silber dorthin zurück, wäre das der perfekte Pullback auf langfristiger Ebene.
Dass das bedeuten würde, dass sich der Silberpreis gegenüber dem Anfang des Jahres erreichten Rekordhoch mehr als halbieren würde, ist kein Argument dafür, dass es nicht dazu kommen könnte. Denn Silber hat keine objektiven Bewertungsmaßstäbe, es gibt kein zwingendes „zu billig“ oder „zu teuer“. Ob es wirklich zu diesem „perfekten Pullback“ kommen wird, ist nicht vorhersagbar. Dieses Szenario aber deswegen auszuschließen und womöglich sogar gegen die aktuelle Tendenz Long zu gehen, wäre höchst riskant. Denn dass bei Silber nichts unmöglich ist, hat die Super-Hausse, die Ende Januar abrupt zu Ende ging, ja gerade erst belegt.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 28.09.2026 um 21:50 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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