Der Nasdaq 100 hat eine sogenannte „Fahnenstange“ ausgebildet. Das beschreibt eine extrem schnell laufende Hausse, die normalerweise in eine abrupte, scharfe Korrektur mündet. Und allen Fahnenstangen ist eine Aussage gemein: „Diesmal ist das doch was ganz anderes“.
Als Donald Trump im April 2025 mit seinen Einfuhrzöllen eskalierte, sackte der Nasdaq 100 auf 16.542 Punkte ab. Die Zölle sind mittlerweile niedriger, aber noch da. Und die US-Regierung muss dreistellige Milliardenbeträge an die Geschädigten zurückzahlen. Das Geld wird man sich über Anleihen von den Investoren holen müssen. Als der Aktienmarkt auf den Iran-Angriff reagierte, markierte der Nasdaq 100 sein Tief bei 22.841 Punkten. Auch der Iran-Krieg ist noch da. Und die deutlich gestiegenen Ölpreise auch.
Insgesamt ergibt das ein Gesamtbild, das Rezessionsrisiken und eine große Unsicherheit bedeutet. Und die Verbraucherstimmung reflektiert das durchaus. Die jüngsten Ergebnisse der von der Uni Michigan durchgeführten Verbraucherumfrage weisen bei der Einschätzung der aktuellen Lage ein Rekordtief aus. Und diese Michigan-Indizes werden nicht erst seit Kurzem ermittelt, sondern seit 1970.

All das scheint die Anleger nicht zu irritieren. Der Nasdaq 100 saust wie losgelöst nach oben. Und das ist er eigentlich auch: losgelöst von der wirtschaftlichen Realität. Dass das nur für einen kleinen Teil der im Index gelisteten Aktien zutrifft, macht es nicht besser, sondern im Gegenteil brenzliger. Denn wenn man sich ansieht, wie sich die 100 Einzelwerte des Index seit Jahresbeginn darstellen, könnte man überrascht sein:
Expertenmeinung: Zwar sind seit Jahresanfang 38 der 100 Nasdaq-100-Aktien besser gelaufen als der Index, was eine nur geringfügig zu niedrige Marktbreite andeutet. Aber von diesen 38 Aktien laufen nur 14 wirklich stark. Und die weisen in der bisherigen Jahresperformance Kursgewinne zwischen 50 und 500 Prozent auf (in Worten: fünfhundert). Und es sind folgende Branchen, die hier die „Pace“ machen: Halbleiter.
Halbleiter … und? Und nichts. Gut, da sind auch noch ein paar Zulieferer für diese Branche dabei. Aber ansonsten darf man festhalten: Diese ungewöhnlich rasante Hausse wird nur von wenigen Aktien getragen. Und die kommen alle aus einer „Ecke“.
Ja, aber die KI-Aktien? Nvidia, Meta, Alphabet & Co.? Die sind nicht mehr vorne dabei. An ihre Stelle sind Chip-Aktien getreten, denen man unterstellt, dass sie durch diesen KI-Boom extreme Steigerungen bei Umsatz und Marge erzielen werden. Und das auffälligerweise pünktlich zu Beginn des zweiten Quartals, als hätte man das vorher nicht ahnen können. Ganz vorne die AMD-Aktie: Zwei Quartale lief der Kurs seitwärts. Seither, in nur einem halben Quartal, ging es zuletzt um bis zu 120 Prozent nach oben. Da bleibt kein Auge trocken.
Fassen wir mal zusammen: Wir haben ein geopolitisches und konjunkturelles Umfeld, das äußerst problematisch ist. Wir haben einen Index, der ungewöhnlich schnell und weit davonzieht, wobei die markttechnischen Indikatoren – natürlich – heiß gelaufen sind. Wir sind also in einem überkauften Stadium. Die Hausse wird dabei aber nur von einer Branche getragen, dort eskalieren die Kursgewinne dafür dramatisch. Das ist eine charttechnische Fahnenstange, die von einer Zockerwelle befeuert wird, die ihresgleichen nur im Jahr 2000 hatte, bevor die damalige Internetblase zusammenbrach.

Lange genug her, um (wie in ähnlichen Phasen immer) zu behaupten, dass man frühere Situationen dieser Art nicht mit dieser vergleichen könne und eine Bauchlandung deswegen nicht zu befürchten sei? Ich behaupte: ja … und will das auch zum Thema meiner Montags-Kolumne im kommenden LYNX Wochenausblick machen.
Und was jetzt, was tut man da? Eine Fahnenstange hat den Haken, dass man deren Ausdehnung weder von der Größenordnung des Anstiegs noch von ihrer Dauer her vorhersagen kann, schließlich regiert hier die Gier. Eine Emotion also und nicht der Verstand … damit ist die Sache unberechenbar. Nicht mehr zukaufen, ab und an kleine Teilgewinne mitnehmen und die Stoppkurse regelmäßig konsequent nachziehen … das sind die einzig tauglichen Maßnahmen. Und nein, einfach mal auf Verdacht einen Short-Trade einzugehen, das wäre keine taugliche Maßnahme!
Quellenangaben: Marktbeobachtung Nasdaq 100, Verbraucherumfrage der University of Michigan, Marktentwicklung einzelner Indexmitglieder.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 13.05.2026 um 22:35 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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