Hören Sie sich die Audioversion dieses Artikels an (KI-generiert).
Während die großen US-Indizes längst über die Rekordlevels vor dem Iran-Krieg hinaus sind, tut sich der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 damit noch schwer. Aber immerhin bleibt er bislang in Reichweite für einen Ausbruch … es darf halt jetzt nichts dazwischenkommen.
Aus bullischer Sicht ist dieser im Vergleich z. B. zum Nasdaq 100 viel zu zögerlich wirkende, holperige Anstieg des Euro Stoxx 50 zweifellos ein Ärgernis, andererseits aber nicht überraschend. Unter den 50 hier gelisteten Titeln finden sich zu wenige mit KI und Halbleitern verbundene Unternehmen, um aus dem Index eine Kursrakete machen zu können. Zumal der hier stark vertretene Bereich der Luxusgüter ebenso wie die Aktien der Software-Branche die Aufwärtsdynamik bislang deutlich bremsen.
Auf der anderen Seite könnten gerade diese Bleigewichte an den Füßen der Bullen auch Vorteile haben, wenn es mit den Gipfelstürmern, derzeit vor allem aus dem Halbleitersektor, einmal schnell und scharf abwärts gehen sollte. Schließlich bleiben Korrekturen nie aus. Die alte Faustregel „Runter kommen sie immer“ hat schon ihre Berechtigung, auch, wenn sie eigentlich in der Fliegerei verortet ist. Es fällt sich deutlich weicher, wenn von den 50 Aktien in einem Index nur zwei in die Kategorie von möglicherweise auf Luftlöcher zusteuernden Himmelsstürmern gehören. Konkret wären das Infineon und die ASML Holding.

Die Unterseite könnte also relativ weich gefedert sein, zumal das Chartbild zeigt, dass der Index im Frühjahr genau dort wieder nach oben gedreht hatte, wo es darauf ankam:
Expertenmeinung: Im langfristigen Chart auf Monatsbasis ist als dicke grüne Linie das uralte, aber ewig nicht überwundene Rekordhoch aus dem Jahr 2000 eingezeichnet. Das lag damals bei 5.464 Punkten und wurde nach längerem Ringen erst im vergangenen Herbst klar übertroffen. Diese Chartmarke wurde im Zuge des Kursrutsches im März verteidigt und zementiert damit die Relevanz dieser alten Linie: Solange die hält, bleibt der Index auf mittelfristiger Ebene bullisch. Wird sie das auch … oder stellt sich diese Frage gar nicht, weil der Euro Stoxx 50 ohnehin nach oben ausbrechen wird?

Das wäre zumindest nicht ganz einfach zu bewerkstelligen. Denn dazu müssten entweder die Zugpferde der vergangenen Monate noch einmal stärker anziehen – was dann aber das Risiko einer sehr scharfen Korrektur und damit einer Bullenfalle erhöhen würde. Oder aber die in den vergangenen Monaten erheblich unter Druck geratenen Titel aus den Bereichen Software, Automobile, Versicherungen und teilweise auch Rüstung übernehmen die bullische Rolle. Wobei selbst eine ordentliche Aufwärts-Korrektur der schwächeren Titel ausreichen könnte, um den Euro Stoxx 50 über seinen bisherigen, am 26. Februar erzielten Verlaufsrekord von 6.199,78 Zählern zu ziehen.
Aber die müsste eben erst einmal kommen. Momentan klemmt es da an Argumenten für die Akteure. Ein weiterhin zu hoher Ölpreis, die unsichere geopolitische Perspektive und jetzt auch noch die Androhung einer neuen „Zoll-Runde“ seitens der USA sind nicht gerade dazu angetan, in Branchen der „Old Economy“ eine Einstiegschance wittern zu wollen. Einem Ausbruch nach oben vorgreifen zu wollen, wäre daher riskant … und spätestens im Fall einer klar gebrochenen 200-Tage-Linie, die derzeit bei 5.758 Punkten verläuft, wäre das jetzt noch grundsätzlich bullische Setup noch oberhalb des alten 2000er-Hochs auf kurzfristiger Ebene vom Tisch … und die Bullen, die dann zumindest ihre mittelfristigen Chancen verteidigen müssten, in der Defensive.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 03.06.2026 um 22:00 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
Sie möchten ein Depot für Ihre GmbH, AG oder UG eröffnen und Betriebsvermögen in Wertpapieren anlegen? Informieren Sie sich jetzt über unser Wertpapierdepot für Geschäftskunden: Mehr zum Firmendepot über LYNX










