Der US-Präsident startet in die Wahlkampfphase zu den am 3. November anstehenden US-Zwischenwahlen. Er ebenso wie sein Vize fielen bereits in den letzten Tagen mit optimistischen Aussagen auf. Die Bullen werden versuchen, das u. a. beim Dow Jones für sich zu nutzen.
Der Ölpreis ist gestiegen, die Renditen der US-Staatsanleihen haben deutlich zugelegt, die US-Notenbank tendiert immer mehr zu einer Leitzinserhöhung, der US-Arbeitsmarkt wirkt wacklig und Probleme bleiben ungelöst. Die US-Verbraucher zeigen sich mehrheitlich unzufrieden mit der derzeitigen Regierung, die deshalb nicht zu Unrecht fürchten muss, bei den in zwei Monaten anstehenden Zwischenwahlen die Mehrheit in einer oder sogar in beiden Kammern des US-Kongresses zu verlieren. Was man natürlich vermeiden will.
Das Problem ist, dass das mit Taten kaum zu bewerkstelligen ist. In Sachen Iran sitzt man in einer selbst gegrabenen Grube, die Zölle haben die USA nicht reich gemacht und die Verschuldung läuft immer mehr aus dem Ruder. Außerdem haben die US-Bürger die von Donald Trump versprochene „Zoll-Dividende“ nie gesehen.
Da ist kurzfristig nicht zu schaffen, was seit Januar 2025 nicht geschafft wurde. Also verlegt man sich auf markige Sprüche. Aus dem Weißen Haus ist zu hören, dass wieder viele Schiffe durch die Straße von Hormus laufen (nachts, weshalb die offiziellen Schifffahrtsdaten sie nicht erfassen), der Benzinpreis in Kürze wieder deutlich fallen wird, die Nahrungsmittelpreise ebenso. Trumps Vize Vance sprach sich am Donnerstag für Zinssenkungen der US-Notenbank aus, Trumps Finanzminister Bessent versucht, am Anleihemarkt einzugreifen und die Renditen der langlaufenden US-Bonds durch verstärkte Käufe zu drücken. Man versucht mit aller Macht, das Gesamtbild rechtzeitig zur Wahl so weit aufzupolieren, dass eine Niederlage abgewendet wird.
Solche Phasen sind nicht selten günstige Phasen für den Aktienmarkt gewesen. Warum, wenn man nicht erwarten kann, dass große Sprüche flaue Fakten wirklich ändern werden?
Expertenmeinung: Letztlich baut man da auf einen rein psychologischen Effekt: Trader mögen nicht daran glauben, dass Wahlkampfsprüche wirklich die Lage verbessern, setzen aber darauf, dass genug andere das glauben, um einen Index wie den Dow Jones im Vorfeld der Wahl ins Laufen zu bekommen. Dadurch könnten zwar wenige glauben, was ihnen versprochen wird, aber viele trotzdem kaufen. Was indes nur funktionieren kann, wenn der Zug bereits anrollt, auf den andere dann aufspringen sollen. Und es scheint, dass genau das gerade versucht wird.
Wir sehen im Chart, dass das US-Index-Flaggschiff am Dienstag an die 50-Tage-Linie gerutscht war, die zusammen mit der 20-Tage-Linie seit Monaten den Leitstrahl der Aufwärtsbewegung darstellt. Diese Linie wurde am Mittwoch dann zwar einigermaßen verteidigt, aber das ist bei Weitem zu wenig, um als Einladung zur Wahlkampf-Rallye zu dienen. Da musste also umgehend etwas vorangehen … und das wurde am Donnerstag angegangen.

Bereits vor Beginn des regulären Handels wurden die Futures „angeschoben“, eine zweite Kaufwelle folgte ca. 90 Minuten nach Handelsstart. Dadurch gelang es, den Index wieder knapp über diese „Schiene“ aus 50-Tage- und 20-Tage-Linie zu tragen. Aber eben nur knapp. Um die Chance deutlich zu verbessern, dass es bis zur Wahl tendenziell aufwärts geht, ist das noch zu wenig. Zumal dieses Plus des Donnerstags zwar mit dem Rückenwind der Aussagen von Trump und Vance, aber ohne Geleitschutz von Ölpreis und US-Anleihe-Renditen zustande kam. Jetzt müssen Anschlusskäufe folgen, idealerweise ein baldiger Ausbruch über das bisherige Verlaufshoch bei 54.744 Punkten.

Das kann klappen, aber es muss nicht. Achten Sie daher weiterhin auf diese beiden derzeit entscheidenden gleitenden Durchschnitte der letzten 50 und 20 Handelstage bei aktuell 52.935 und 53.490 Punkten: Diese Zone darf nicht fallen, sonst könnte die Wahlkampf-Rallye ganz schnell zum Rohrkrepierer werden.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 03.09.2026 um 22:21 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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