Seit man Ende März begann, sich gegen den Iran-Krieg zu stemmen, haben die wichtigsten US-Indizes neue Rekorde erreicht, der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 ebenso. Nur der DAX schafft es bislang nicht, sich nach oben abzusetzen. Ein Grund, nervös zu werden?
Wenn wir uns dazu einmal den langfristigen Chart auf Monatsbasis ansehen, lässt sich festhalten: Ein guter Monat war der Juni für den DAX zwar nicht. Aber er hält nichtsdestotrotz Tuchfühlung zum bisherigen Rekordhoch bei 25.507 Zählern. Zugleich ist der deutsche Leitindex endlich aus dieser so lange andauernden, überkauften Lage beim RSI-Indikator auf Monatsbasis heraus. Das langfristige Chartbild würde einem neuen und idealerweise erfolgreichen Anlauf nach oben also nicht im Wege stehen.

Wechseln wir zum DAX-Chart auf Tagesbasis, sehen wir: Auch da ist bislang noch nichts angebrannt. Natürlich sollte man vorsichtig werden, wenn viele Indizes rasant nach oben davonziehen, einige wenige, wie der DAX, aber zurückbleiben. Aber solange es gelingt, ihn über der Kreuzunterstützung aus 200-Tage-Linie und der Verbindungslinie der letzten vier Zwischentiefs im Bereich 24.200/24.250 Punkte zu halten, wäre nach oben nichts unmöglich.

Die Bullen könnten also grundsätzlich guter Dinge bleiben, auch wenn die Zuversicht mit jedem ausbleibenden Erfolg eines Ausbruchsversuchs auf der Oberseite natürlich bröckelt. Es sei denn, es gäbe tiefer gehende, strukturelle Argumente, die so bedeutsam wären, dass sie die Chancen des DAX nachhaltig unterminieren würden. Gibt es die?
Expertenmeinung: Ja und nein. Was den DAX erheblich bremst, ist die starke Gewichtung der Automobilbranche, wo sich die unerfreulichen Nachrichten derzeit hochkant stapeln. Von diesen Aktien ist derzeit keine Zugkraft zu erwarten. Auch andere Titel, die längere Zeit als Zugpferde fungierten, wie z. B. Rheinmetall und SAP, stehen unter Druck und zeigen noch keine Signale für eine Aufwärtswende. Also … Deckel drauf?
Für den Moment ist der Weg nach oben schwierig, aber das muss nicht so bleiben. Denn ein anderer Bremsfaktor könnte dem DAX über kurz oder lang zugutekommen: die geringe Präsenz von Aktien mit Bezug zum KI-Boom. Da sehen wir Infineon als Chiphersteller sowie Siemens Energy und den Neuzugang Hochtief als Unternehmen mit indirektem Bezug zu dieser Thematik. Solange dieser „KI-Hype“ läuft, laufen Indizes, in denen diese Sektoren stärker repräsentiert sind, natürlich besser. Aber kippt der Hype, kann das für den DAX wiederum ein Vorteil sein.
Denn all die Branchen, die wegen der Fokussierung vieler Anleger auf diesen einen Bereich KI ins Abseits der Aufmerksamkeit gerieten, könnten dann aus dem Schatten hervortreten. Und da ist der DAX wiederum stark besetzt: Healthcare, Chemie & Pharma, Rückversicherer, Konsumgüter und andere: Solche DAX-Titel sind momentan meist eher günstig bewertet, weisen gedrückte Kurse auf und im Gegenzug oft solide Dividenden.
Sie müssen nicht, könnten aber ins Laufen kommen, wenn die derzeitigen Publikumslieblinge abdrehen … und können dem DAX dadurch zum Ausbruch nach oben verhelfen. Aber das würde aus aktueller Sicht nur gelingen, wenn der Index weiter Tuchfühlung zum bisherigen Hoch hält, daher: Die Kreuzunterstützung bei 24.200/24.250 Punkten muss halten, ansonsten wird der Weg nach oben erheblich steiniger.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 28.06.2026 um 9:48 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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