DAX Prognose DAX: Haben Sie Geduld mit ihm!

News: Aktuelle Analyse des DAX Index

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Vorherige Analysen des DAX Index

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Der DAX hat nach einem schwachen Start in den August kräftig Boden gutgemacht und notiert in Schlagdistanz zum Verlaufsrekord von 24.639 Punkten. Geht er da drüber, ist der Weg aus charttechnischer Sicht frei. Aber reicht die Charttechnik, um die Hausse aufrechtzuerhalten?

Wieso nur die Charttechnik, könnte fragen, wer gerade die Meldung gelesen hat, dass die Mehrheit der DAX-Unternehmen im zweiten Quartal mehr verdient hat als im Vorjahreszeitraum. Das suggeriert, dass die Sache insgesamt ja tadellos läuft und damit auch der DAX-Anstieg gerechtfertigt ist. Aber zum einen wäre das nur bislang der Fall. Dass der Index weitersteigt, würde voraussetzen, dass die Gewinne auch fürderhin steigen. Und das ist nie sicher. Zum anderen kommt es darauf an, ob auch der Gewinn der DAX-Unternehmen insgesamt gestiegen ist und ob dieser Anstieg dann prozentual mit dem Zugewinn des DAX konform ginge. Wenn der Index nämlich stärker zulegt als die Gewinne, wird er eben trotzdem sukzessiv teurer und damit die Chancen auf der Oberseite wackliger.

DAX: Tages-Chart vom 14.08.2025, Kurs 24.377,50 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tages-Chart vom 14.08.2025, Kurs 24.377,50 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Diese Aussage mit mehrheitlich höheren Gewinnen an sich könnte schon auf den Holzweg führen, denn wenn 21 DAX-Unternehmen fünf Prozent mehr verdient hätten, die anderen 19 aber zehn Prozent weniger, stimmt diese Aussage zwar, aber die Fakten wären dennoch nicht bullisch. Wollte ich jetzt selbst genaue Zahlen ausrechnen, würde dieser Artikel an diesem Freitag nicht mehr erscheinen, aber man kann sich ja behelfen. Der DAX ist seit dem Ende des 2. Quartals 2024 bis zum Ende des 2. Quartals 2025 um etwa 31 Prozent gestiegen. Das Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV), das den Kurs durch den Gewinn pro Aktie eines Jahres teilt, liegt derzeit für den DAX insgesamt bei 18,5. Je nachdem, wie man rechnet, waren das vor einem Jahr knapp 14 oder gut 16. Kurz: Egal, wie die Gewinne sich auseinander gedröselt darstellen, der DAX ist aktuell teurer bewertet als vor einem Jahr. Und ein KGV von 18,5 ist außerhalb von Verzerrungen wie Rezessionen sehr hoch.

Aber da könnte man sich fragen, ob es nicht andere Argumente gibt, warum der DAX so stark zugelegt hat und jetzt auf dem Sprung zu erneuten Rekorden ist. Und ja, die gibt es. Nur ist die Antwort auf die Frage, ob es auch wirklich gute Argumente sind, aus meiner Sicht ein Grund, hier wie auf Eiern zu laufen.

Expertenmeinung: Ein Argument ist, dass der DAX immer noch billiger bewertet sei als die US-Indizes. Was zwar rein von der Höhe des KGV stimmt, aber an der anderen Branchenverteilung liegt. Im DAX sind viel mehr Aktien aus Branchen gelistet, die traditionell niedrigere Bewertungen aufweisen wie die Autobauer, die Banken oder Versorger. Berücksichtigt man das, was zwingend wäre, ist der DAX keineswegs billiger als Dow Jones oder S&P 500.

Ein anderes Argument bezieht sich auf die Zukunft. Seit Jahresanfang sind nur 11 der 40 DAX-Aktien besser gelaufen als der Index, eine drastisch unausgewogene Verteilung. Und zu diesen Zugpferden gehören die, auf die man seit Ausrufung des großen Schuldenpakets für Infrastruktur und Verteidigung setzt. Diese Aktien sind indes schon so massiv gestiegen, dass die teuer bis überbewertet sind … es sei denn, die großen Erwartungen, die in diesen Kursen stecken, werden wirklich vollumfänglich erfüllt. Das Argument der Bullen ist nicht nur, dass es so kommen wird, sondern dass auch die derzeit unter Druck stehenden Branchen wie die Automobilindustrie, Chemie und Pharma durchstarten und diese bislang hinterherlaufenden Aktien den DAX dann auf immer neue Höhen tragen werden. Das kann so funktionieren, wenn eintritt, wovor bislang aber noch nichts zu sehen ist: dynamisches Wachstum.

Zu diesen eher wackligen Argumenten gesellt sich jetzt auch noch ein in Aufwärtstrends fast immer auftauchender Faktor, der aber nur begrenzt zu ziehen pflegt: die Abrechnung an der Terminbörse. Und die ist heute. In Aufwärtstrends ist es meist so, dass die großen Adressen am Terminmarkt die Abrechnung der Optionen auf Indizes und Aktien zu einem maximal hohen Kurslevel erreichen wollen und, da es hier um entsprechend lukrative Gewinnsummen geht, auch mal aktiv nachhelfen, um das zu erreichen.

Genau das könnte dem DAX seit dem Abriss zur Monatswende wieder Schwung gegeben haben. Das und die Hoffnung, dass, wenn Donald Trump jetzt in Alaska Großes erreicht, am Montag ein immenser Satz der Aktienmärkte nach oben diejenigen belohnen würde, die im Vorfeld auf der Long-Seite aktiv wurden.

Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie er/sie in einem solchen Umfeld agieren möchte. Wichtig ist nur, sich alle Aspekte anzusehen und erst dann zu urteilen. Für meinen Geschmack ist hier derart viel Hoffnung und zugleich Leichtsinn im Spiel, dass ich dem DAX im Augenblick auf einer Risikoskala von 1 bis 10 mindestens eine 8 geben würde. Denn das Zugpferd Terminbörse ist am Montag nicht mehr da … und darauf zu setzen, dass dieses Treffen in Alaska die Lage deutlich und nachhaltig verändert, scheint eine eher riskante Wette zu sein.

Riskant genug, um die Unterseite des DAX auf jeden Fall nicht aus den Augen zu lassen. Das bisherige Monats-Verlaufstief bei 23.391 Punkten und das Juni-Tief bei 23.053 Zählern sind Supportlinien, die in einem so wackligen Umfeld wie diesem unbedingt halten müssen, ansonsten könnte es für die Hausse schnell heißen: Der Lack ist ab.

DAX: Monats-Chart vom 14.08.2025, Kurs 24.377,50 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Monats-Chart vom 14.08.2025, Kurs 24.377,50 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS
Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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Es ist also vorerst ausgestanden, das Zoll-Drama. Zumindest vermutlich, denn erst müssten die EU-Mitgliedsländer diesem „Deal“ ja zustimmen. Aber trotzdem, der DAX hätte mit dieser Nachricht nach oben ausbrechen können. Dass das komplett misslang, könnte Folgen haben.

Er startete stark in den Tag, der deutsche Leitindex. Als der Futures-Handel um 8 Uhr begann, fehlte weniger als ein halbes Prozent bis zum Rekord-Verlaufshoch, das am 10. Juli bei 24.639 Punkten erreicht wurde. Aber dieser Aufwärts-Kurslücke folgten keine Anschlusskäufe, die ihn souverän auf neue Hochs getrieben hätten, sondern Abgaben. Und die hörten, wir sehen das im 15-Minuten-Chart des DAX über den Zeitraum von fünf Tagen, einfach nicht mehr auf.

Dadurch ist der Index an das untere Ende der seit drei Wochen geltenden Seitwärts-Spanne gerutscht. Bei 23.922 liegt deren tiefster Punkt. In unmittelbarer Reichweite also. Das dadurch entstandene „bearish engulfing pattern“, eine lange rote Kerze, die den Vortageskerzenkörper komplett einhüllt, ist an sich schon ein Warnsignal. Dass diese Kerze aber an einem Tag entstand, den viele am Morgen wohl als perfekt bullisch erwartet hatten, macht die Sache noch kritischer. Denn jetzt sehen die bullischen Trader, dass ihr Konzept nicht aufgeht. Und das kann, wenn nicht sofort und erfolgreich dagegengehalten wird, für weitere Abschläge sorgen.

Expertenmeinung: Wie groß das Abwärtspotenzial dann wäre, sei dahingestellt, das kommt darauf an, wie intensiv diese Enttäuschung auf das Gemüt bullischer Marktteilnehmer wirkt, ob es zu Gegenwehr kommt und ob diese dann ebenso scheitert oder nicht. Die nächsten charttechnischen Haltelinien im Fall eines Ausbruchs aus der schmalen Seitwärts-Spanne nach unten lägen auf Höhe des März-Hochs bei 23.476 und auf Höhe des Juni-Verlaufstiefs bei 23.053 Zählern. Ob die dann halten, muss man abwarten; sie könnten es, aber wenn nicht, kann im Großen passieren, was wir gestern im Kleinen erlebt haben: Eine Kettenreaktion, ausgelöst nicht dadurch, dass etwas passierte, sondern dadurch, dass etwas ausblieb:

DAX: Intraday-Chart vom 28.07.2025, Kurs 23.970,36 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Chart vom 28.07.2025, Kurs 23.970,36 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Käufe. Der Intraday-Chart ist dabei gut geeignet, die Geschichte dieses Flops zu erzählen. Am Morgen kam es, wie üblich in den vergangenen Tagen, zu einer Kurslücke, dem Anlass angemessen nach oben. Das Rekord-Verlaufshoch war nahe, daher könnten sich viele bereits auf der Long-Seite investierte Akteure gedacht haben, dass man da mit Gewinnmitnahmen lieber noch abwartet, ggf. sogar, wenn es nach oben hinausgeht, noch einmal zukaufen könnte. Doch dann bleiben die Käufe umgehend aus. Wie wir sehen, kam bereits in der ersten Viertelstunde des Handels Abgabedruck auf. Was war passiert?

DAX Index: Tages-Chart vom 28.07.2025, Kurs 23.970,36 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX Index: Tages-Chart vom 28.07.2025, Kurs 23.970,36 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Dass dieser Tag zu einer unliebsamen Überraschung wurde, dürfte zwei Komponenten als Basis haben. Zum einen zeigt der Chart auf Tagesbasis, dass man im Vorfeld keineswegs sorgenvoll den Kopf eingezogen hatte, weil man die angedrohten 20-Prozent-Zölle als realistische Gefahr eingestuft hat. Im Gegenteil, dachten sich viele, dass die Sache schon zu einer Einigung kommen werde und man sowieso als zweites Standbein der Hausse noch die Zugpferde aus dem Bereich des vom Bund geplanten Schuldenbergs hätte. Die Folge waren Wochen mit steigenden Kursen und neuen Rekorden. Und am Sonntagabend wurde dann genau das gemeldet, worauf die Käufer, die im Vorfeld eingestiegen waren, gehofft hatten. Nur waren das offenbar so viele, dass das Volumen an Verkaufsorders das der Kauforders deutlich übertraf, weil zu viele ihren Gewinn einstreichen und zu wenige neu einsteigen wollten. Und wenn so etwas passiert, kann das leicht eine Kettenreaktion auslösen:

Man sieht dann, dass da wider Erwarten nichts vorangeht und wird nervös. Man beginnt, eigene Positionen nicht auszuweiten, sondern zu reduzieren. Und da alle das Gleiche sehen, nämlich abrutschende Kurse, wo man auf steigende gehofft hatte, zieht sich das hin, auf der Zeitachse ebenso wie in Bezug auf die Zahl derer, die dann die Reißleine ziehen. Jetzt wird es damit entscheidend darauf ankommen, ob an diesem unteren Ende der Handelsspanne Käufe kommen, die den DAX wieder nach oben drehen. Bleibt das aus, könnten die nächsten, potenziellen Supportlinien bei 23.476 und 23.053 Punkten schnell angelaufen werden. Aber Vorsicht:

Während der DAX auf der Oberseite erst wieder bullisch würde, wenn der Ausbruch nach oben doch noch gelingt, muss man auf der Unterseite vorsichtiger agieren. Der Index müsste nicht nur aus der Handelsspanne herausrutschen, sondern das muss auf Schlusskursbasis passieren und danach muss ein erfolgreicher Konter ausbleiben.

Diese Vorsicht ist vor allem deswegen vonnöten, weil sich wichtige Konjunkturdaten ab morgen die Klinke in die Hand geben. So kommen morgen die ersten Schätzungen zum Bruttoinlandsprodukt, für Deutschland ebenso wie für die USA. Am Abend steht dann die Entscheidung der US-Notenbank an. Am Donnerstag folgen die Vorab-Inflationsdaten aus Deutschland und am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht für den Juli. Da kann und wird viel los sein, aber für den Moment gilt: Das Standing der Bullen ist mit diesem ins Gegenteil umgeschlagenen Ausbruchsversuch nach oben schon jetzt, noch innerhalb der Handelsspanne, deutlich ungünstiger geworden.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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An den Börsen ist man in eine Wartestellung übergegangen. Bei Rohöl, dem Euro/US-Dollar-Kurs, bei Gold … und bei Aktien. Der Versuch des DAX, sich nach oben abzusetzen, schlug dadurch zwar erst einmal fehl. Aber noch ist offen, ob am Ende eine Bullenfalle daraus wird.

Das Wachstum lässt weiter auf sich warten, eine endgültige Entscheidung, wie sich die Handelsbedingungen mit den USA als wichtigstem EU-Handelspartner zukünftig darstellen werden, ebenfalls. Doch man feierte sogar, dass das Ende der 90-Tage-Frist in Sachen Zölle in eine weitere überging. Obwohl die nur bis zum 1. August reicht.

Und der Abgabedruck nach der „vorläufigen Verhängung“ von 30 Prozent Einfuhrzoll auf alles außerhalb der bereits geltenden höheren Zölle z.B. für Autos, Stahl und Aluminium, die am Wochenende erfolgte, erschöpfte sich am Montag mit einem geringfügigen Minus von 0,4 Prozent beim DAX. Dass der deutsche Leitindex momentan leicht unter dem vorherigen Rekordhoch vom Juni (24.479 Punkte) notiert, ist also noch lange kein Grund, hier bereits einen Fehlausbruch zu unterstellen.

Der könnte zwar tatsächlich erfolgen, aber dazu muss im Chartbild mehr zu sehen sein als ein kleiner Rücksetzer. Und in der Nachrichtenlage etwas, womit viele Akteure offensichtlich nicht rechnen: dass Trump Ernst macht.

Expertenmeinung: Durch diese erneute Mini-Frist, von der noch 16 Tage verbleiben, fühlen sich diejenigen bestätigt, die sicher sind: Das macht der doch nicht, immerhin drücken derart hohe Zölle gegenüber den wichtigsten Handelspartnern die eigene Wirtschaft mit. Vielleicht bekommt diese Klientel recht, aber ich würde mir da angesichts eines emotional entscheidenden Präsidenten, der immens auf seine Außenwahrnehmung bedacht ist, keine Prognose zutrauen. Diejenigen, die in den vergangenen Wochen beim DAX immer weiter gekauft haben und das auch an vielen anderen Märkten tun, trauen es sich offenbar zu. Das ist, vorsichtig formuliert, riskant. Aber eben nicht automatisch zum Scheitern verurteilt. Man muss es abwarten … aber:

DAX: Monats-Chart vom 14.07.2025, Kurs 24.160,64 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Monats-Chart vom 14.07.2025, Kurs 24.160,64 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Abseits davon, dass der DAX auf Monatsbasis markttechnisch immer noch drastisch heiß gelaufen ist und der RSI-Indikator auf Tagesbasis das Warnsignal einer negativen Divergenz zeigt (das neue Hoch des Index wurde nicht durch ein neues Hoch des Indikators bestätigt), ist das große Risiko der Bullen hier ebenso wie z.B. an den US-Börsen, dass ein „Alles wird gut“ inklusive allseits robustem Wachstum der Unternehmensgewinne damit bereits eingepreist ist. Wenn der DAX weiter steigen soll, dann müssen es die Aktien der Branchen richten, die derzeit noch am Boden liegen: Automobile, Chemie, Medizintechnik, Pharma. Das Bemerkenswerte daran:

Genau diese Branchen müssten in einer Hausse eigentlich voranlaufen, weil sie konjunktursensibel sind und dort die steigenden Unternehmensgewinne die Kurse ziehen. Stattdessen laufen die wenigen Titel (nur 10 der 40 DAX-Aktien sind seit Jahresanfang besser gelaufen als der Index selbst), die auf Sondersituationen ausgerichtet sind: Verteidigung, steigende Kreditaufnahme und Infrastruktur. Und die haben, das ist die Krux, bereits ihr Best Case-Szenario für zwei bis drei Jahre eingepreist.

Diese Sache mit der großen Zoll-Wette darf also nicht schiefgehen. Aber wenn es doch schiefgeht und zugleich noch die Trump-Drohung real würde, Länder, die mit Russland Handel treiben, mit 100 Prozent US-Einfuhrzoll zu belegen, falls es nicht binnen 50 Tagen zu einer Waffenruhe in der Ukraine kommt, die Weltwirtschaft aus der Spur wirft, wird es ungemütlich. Nur: Das weiß man alles ja noch nicht. Wie soll man da vernünftig traden?

Indem man fernab von Wetten, Hoffnungen, Vermutungen und Phantasien den Signalen folgt, die der Index selbst abliefert. Sicher, in einer emotionalen Börse, wie wir sie jetzt sehen, sind gleitende Durchschnitte, Trendlinien und Wendepunkte als Widerstand oder Unterstützung weniger zuverlässig als in einem „normalen“ Umfeld. Aber will man nicht blind und unkoordiniert vor sich hin zocken, muss man nehmen, was man bekommt und ggf. eben hinnehmen, dass man eine Position auch mal wieder zurückkauft, wenn eine Stoppmarke nicht hielt, was sie hätte halten sollen.

Dabei ist die Oberseite nicht das Thema – solange der Trend nach oben weist, gilt es nicht, nach Einstiegspunkten zu suchen, denn wer trendkonform agiert, ist längst auf der Long-Seite dabei. Die Frage ist, wann man das besser nicht mehr sein sollte.

DAX: Tages-Chart vom 14.07.2025, Kurs 24.160,64 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tages-Chart vom 14.07.2025, Kurs 24.160,64 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Aktuell ist dahingehend noch nichts angebrannt, bislang hat der DAX ja noch nicht einmal seine 20-Tage-Linie unterboten. Dass er leicht unter dem letzten Hoch notiert, ist nicht dramatisch. Solange der Index nicht unter dem Juni-Verlaufstief bei 23.052 Punkten schließt, wäre immer noch die Chance da, dass irgendeine hingeworfene Bemerkung in Washington die Bullen wieder in Marsch setzt. Erst wenn diese und die darüberliegende Auffanglinien keine Käufe auslösen, ist etwas faul.

Aber eingedenk des Umstands, dass man seit Anfang April ein Szenario tradet, das der Realität in keiner Weise entspricht, kann eine solche, dahingeworfene Bemerkung aus dem Weißen Haus auch das gesamte „Goldilocks-Szenario“, das man derzeit spielt, mit einem Schlag eliminieren, wenn man z.B. in gut zwei Wochen zu hören bekommt, dass diese 30-Prozent-Zölle ab jetzt tatsächlich gelten. Die Regel zu befolgen, dass man dann besonders vorsichtig agieren sollte, wenn zu viele andere es nicht tun, kann aktuell nicht schaden.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Seit fast zwei Monaten geht es mit dem DAX nirgendwohin. Das wird sich in der kommenden Woche wohl ändern, denn irgendeine Entscheidung zum Thema Zölle ist unvermeidbar. Aber dass die US-Börsen trotz dieser Ungewissheit laufen, der DAX aber nicht, ist auffällig.

DAX Index: Chart vom 03.07.2025, Kurs 23.934,13 Punkte, Kürzel: DAX | Online Broker LYNX
DAX Index: Chart vom 03.07.2025, Kurs 23.934,13 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Deutlich höhere Zölle für Exporte zum immens wichtigen Handelspartner USA, das ist ein sehr problematisches Szenario. Und es müssen keinesfalls die zuletzt angedrohten und dann doch erst einmal wieder begrabenen 50 Prozent sein, um die EU in die Bredouille zu bringen. Dass der DAX zuletzt zwar die Vollendung einer Toppbildung im letzten Moment abwenden konnte, unter dem Strich aber seitwärts schaukelt, ist der Beleg dafür, dass den Marktteilnehmern das völlig klar ist.

Und dass der deutsche Leitindex zuvor im April und Mai stärker daherkam als die US-Indizes und neue Rekorde erzielte, die in den USA erst in den letzten zwei Wochen erreicht wurden, ist eben kein Indiz dafür, dass der Index alles, auch höhere Zölle, locker wegstecken könnte. Man kann den Umstand, dass der DAX seit dem April-Crash neue Bestmarken erreichte, sogar als seine Achillesferse interpretieren.

Expertenmeinung: Es sind auffallend wenige Aktien gewesen, die dem DAX zu seinen neuen Höhen verholfen haben. Seit Jahresbeginn bis gestern liefen gerade einmal 10 der 40 DAX-Aktien besser als der Index. Und 14 dieser 40 Aktien liegen im bisherigen Jahressaldo im Minus. Es waren die Aktien, die von dem neuen Schuldenberg profitieren würden, die den Index zogen: Infrastruktur. Rüstung, Banken.

Man klammerte sich an diese Aktien, weil es sonst nichts gab, das sich zum Einstieg angeboten hätte. Autos, Chemie, Pharma, Healthcare … alles dümpelt derzeit vor sich hin und hofft darauf, dass endlich die Nachfragebelebung kommt, auf die man schon so lange – und bislang vergebens – wartet. Da waren Aktien wie Heidelberg Materials, Siemens Energy oder Rheinmetall die Rettung für die Bullen. Da war auf einmal Phantasie drin, die musste man haben. Aber das dachten in den letzten Monaten mangels Alternativen im Index derart viele, dass diese Aktien heiß gelaufen und teuer bewertet sind.

Und das bedeutet: Die 30 DAX-Underperformer müssen nachziehen, je mehr, desto besser. Zwar würde ein „Deal“ mit den USA die Handelsbedingungen wohl kaum gegenüber dem, was war, verbessern. Aber man hätte zumindest die Hoffnung zurück, dass die Belebung der Nachfrage dann, wenn eine Einigung die Unsicherheit der Unternehmen und Verbraucher verringert, endlich kommt. Dann könnten Korrekturen bei den Überfliegern aufgefangen werden, idealerweise sogar überkompensiert werden. Aber wenn nicht, müsste man damit rechnen, dass die Toppbildung, die im Juni gerade noch abgefangen werden konnte, doch noch vollendet wird. Die Bullen brauchen diesen „Deal“ mit den USA also dringend … die kommende Woche wird somit zweifellos spannend!

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
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Vor gut einer Woche hatte der DAX das vorherige Hoch von Ende Mai überboten, doch dieser Anstieg traf auf Gewinnmitnahmen, seither lassen sich die Käufer kaum noch blicken. Jetzt kommt es darauf an, dass die nächstliegenden Unterstützungen halten, sonst wird es hier eng.

Es ist seit ewigen Zeiten das gleiche Spiel: Solange das Momentum einer Aufwärtsbewegung hoch bleibt, kann das Fundament des Trends so marode sein, wie es will, es kümmert die Käufer nicht. Sie sehen weiter steigende Kurse nicht als Ergebnis ihres eigenen Handelns und das der „Masse“, sondern als Beweis dafür, dass der Trend berechtigt und fundiert ist. Erst wenn die Dynamik ausbleibt, beginnen die ersten, sich zu fragen, wann man vielleicht auch mal Kasse machen könnte. Und schauen dafür auf das, was sich außerhalb des Kursmonitors tut. Das Problem der DAX-Bullen aktuell ist dabei:

DAX: Wochen-Chart vom 12.06.2025, Kurs 23.771,45 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Wochen-Chart vom 12.06.2025, Kurs 23.771,45 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Es tut sich nicht allzu viel Gutes. Die steigenden Staatsausgaben in den Bereichen Infrastruktur und Verteidigung haben mehr als reichlich Eingang in die Kurse gefunden, wenn man an die immensen Kursgewinne von Aktien wie Rheinmetall, Siemens Energy oder Heidelberg Materials denkt. Hier könnten jederzeit auch große Korrekturen auftauchen, ohne dass diese Aktien zeitnah wieder als „billig“ eingeordnet werden könnten. Und in Bezug auf die andere große „Baustelle“ tut sich, wenn man sich nicht von den Headlines aus Washington blenden lässt, unerfreulich wenig:

Expertenmeinung: Auch in London ist man beim wichtigsten Element, den Handelsbeziehungen der USA zu China, offenbar nur marginal vorangekommen. Experten fürchten, dass es hier nicht um Wochen geht, was eine Einigung betrifft, sondern um Monate und womöglich sogar Jahre. Und direkt bezogen auf Deutschland und die EU erklärte der US-Handelsminister gerade erst am Donnerstag, dass eine Einigung da besonders kompliziert sei und sich hinziehen werde. Unterlegt wird dieses ernüchternde Szenario von neuen Drohungen des US-Präsidenten und seiner Überlegung, nach den Stahl- und Aluminium-Zöllen auch die im Automobilsektor weiter nach oben zu schrauben.

Doch erst, wenn die derzeit schwindende Dynamik des Aufwärtstrends einem Abwärtsimpuls weicht, der seinen Namen verdient, dürfte das die bullischen Trader ernsthaft nervös machen. Zwar ist mit der 20-Tage-Linie am Donnerstag ein Support gebrochen worden, der in den vergangenen Wochen gleich zweimal als Impulsgeber für erneute Käufe funktioniert hatte. Aber die wichtigere Unterstützungszone blieb bislang unangetastet:

DAX: Tages-Chart vom 12.06.2025, Kurs 23.771,45 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
DAX: Tages-Chart vom 12.06.2025, Kurs 23.771,45 Punkte, Kürzel: DAX | Quelle: TWS

Es geht um den Unterstützungsbereich zwischen 23.275 und 23.476 Punkten. Eine Zone, die, wenn sie fallen sollte, als nächstes Kursziel die Linie bei 22.226 Punkten freigeben würde. Und es ist eine Zone, die auch psychologisch bedeutsam wäre. Denn zum einen geht es da um das alte, bis Mitte Mai das Rekordhoch stellende Hoch aus dem März, zum anderen um das Verlaufstief vom 23. Mai, als Trumps 50-Prozent-Zolldrohung gegenüber der EU den DAX zu Boden schickte, zum Handelsende aber das vorgenannte, alte Hoch vom März verteidigt wurde.

Würde ein zweiter Test der alten Hochs schiefgehen, indem dieses Verlaufstief des 23. Mai bei 23.275 Punkten auf Schlusskursbasis unterboten wird, kann das durchaus der Auslöser sein, um die jetzt eher noch verhalten aufkommende Nervosität in Angst zu verwandeln, denn Gründe gäbe es dafür auf diesem „luftigen“ Kursniveau grundsätzlich genug.

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.