Als Anleger trifft man stets Entscheidungen unter Unsicherheit: Was morgen oder übermorgen die Kurse bewegen wird, kann man nie sicher wissen. Wird die Unsicherheit besonders groß, steigt die Bedeutung eines charttechnisch orientierten Vorgehens, so auch aktuell beim DAX.
Wird aus dem vor zwei Wochen losgetretenen Iran-Konflikt ein länger andauernder Krieg? Werden andere Länder in der Region noch mehr mit hineingezogen, als es jetzt schon der Fall ist? Wird das die Energieversorgung deutlicher beeinträchtigen und wenn ja, wie sehr und wie lange? Fragen gibt es derzeit viele. Antworten keine. Aber die wären nötig, um einigermaßen einschätzen zu können, ob der DAX in den kommenden Tagen, Wochen oder sogar Monaten sein Potenzial eher auf der Ober- oder der Unterseite hätte. Und wie will man solide, treffsichere Entscheidungen fällen, wenn man das nicht weiß?
Nüchtern betrachtet weiß man das ja eigentlich nie. Denn Entwicklungen, die ein vorher als stabil angesehenes Grundszenario von eben auch gleich auf den Kopf stellen, tauchen ja immer mal wieder auf, unverhofft. Das wäre also eigentlich das tägliche Brot eines jeden Anlegers. Nur nimmt man das selten bewusst wahr, weil man grundsätzlich davon ausgeht, dass ein Trend bei kleineren Beben so schnell nicht bricht und man in der Masse derer, die eben diesem Trend folgen, sicher genug ist, um sich da nicht den Kopf zerbrechen zu müssen.

Aber wenn es eben mal anders kommt, die Nachrichtenlage das Geschehen beherrscht und man erkennen muss, dass immer mehr Akteure eher planlos agieren, so dass ein bis dahin recht kontrolliert wirkendes Chartbild zu einem wirren Auf und Ab mutiert, was dann? Woran soll man sich orientieren, wenn die „Herde“ gerade durchgeht?
Expertenmeinung: In solchen Situationen leistet die Charttechnik noch bessere Dienste als sonst. Wobei das keineswegs der Logik entbehrt. Denn je mehr Marktteilnehmer erkennen, dass sich die bisherige Marktstimmung und das überwiegende Denken und Handeln der Mehrheit ins Chaos verabschiedet hat, desto mehr Anleger suchen nach Alternativen. Und da liegt die Charttechnik eben nahe, zumal hoch volatile Phasen oft sehr markante Wendemarken ausbilden. Denn die Angst, etwas zu verpassen und die daraus resultierende Neigung, auch ohne zu wissen, was los ist, einem Impuls zu folgen, ist in einem Umfeld, das von immenser Ungewissheit geprägt ist, besonders groß.
Daher sind die beiden Umkehrpunkte, die der DAX seit Beginn dieses Iran-Krieges ausgebildet hat, besonders bedeutsam. Hier sind scharfe Schwenks zustande gekommen. Und so etwas passiert höchst selten, ohne dass nicht zugleich die Umsätze hoch sin. Und was läge näher, als eine Absicherung in Form von Stop Loss-Orders im Fall eingegangener Long-Trades knapp unter die untere und im Fall von Short-Trades knapp über die obere Wendemarke zu legen?
Damit haben diese beiden Chartmarken, 22.927 Punkte auf der Unter- und 24.367 Punkte auf der Oberseite jetzt die Funktion von Dreh- und Angelpunkten. Zumal beide Marken noch zusätzlich charttechnisch bedeutsam sind. Die Supportmarke, weil der DAX damit fast genau auf Höhe der schon vorhandenen Unterstützung in Form des November-Verlaufstiefs nach oben drehte. Die Widerstandslinie, weil an diesem Tag, an dem der DAX da sein Zwischenhoch markierte, auch versucht wurde, die 200-Tage-Linie zurückzuerobern – was scheiterte.

Der Umstand, dass man außerhalb dieser Range 22.927 zu 24.367 wegen dieser scharfen Wenden mehr Stop Loss-Absicherungen als üblich vermuten darf, intensiviert die Relevanz dieser Linien zusätzlich. Denn würde der DAX diese Marken deutlicher überkreuzen, würde das Auslösen der Stop Loss-Orders den Impuls intensivieren und, wenn die Nachrichtenlage zur Ausbruchsrichtung passt, mit dazu beitragen, ihn zu verstetigen.
Innerhalb dieser breiten Spanne ist der DAX schlicht nicht „einzufangen“. Aber verlässt er sie, hätte man hier ein Chartsignal, das die Chance hätte, tragfähig zu sein. Und darüber hinaus wäre dann die Möglichkeit gegeben, sich durch Stoppkurse ein, zwei Prozent unter der bezwungenen Widerstandslinie bzw. über der gebrochenen Supportlinie deutlich fundierter abzusichern, als man dies innerhalb der aktuellen „Getümmel-Zone“ könnte.
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