Es ist keine zwei Wochen her, da sah es aus, als hätte der DAX die Kurve gekriegt. Er notierte wieder über 25.000 Punkten, das bisherige Rekordhoch war zum Greifen nah. Doch die Widerstandszone, die bezwungen schien, hielt nicht als Support. Und jetzt wird es wieder eng.
Dass ein wichtiger Widerstand wie das bisherige Rekord-Verlaufshoch (25.508 Punkte) nicht gleich im ersten Anlauf überboten wird, ist nicht ungewöhnlich. Aber um einen zeitnahen neuen und dann idealerweise erfolgreichen Anlauf zu unternehmen, müssen genügend bullische Trader aktiv mit anschieben. Und das werden sie nur tun, wenn sie zuversichtlich sein können, dass sich ihre Käufe kurzfristig auch auszahlen werden. Diese Zuversicht dürfte derzeit wackeln. Und das womöglich erheblich.
Denn ein ideales Szenario für einen zweiten Versuch wäre die erfolgreiche Verteidigung der nächstliegenden Unterstützungen. Das würde den potenziellen Käufern von morgen und übermorgen signalisieren, dass die Bullen weiterhin dominieren und beim ersten Ausbruchsversuch nur von Skeptikern und ihren Gewinnmitnahmen gebremst wurden.
In einer solchen Ausgangslage würden sich viele ausrechnen, dass diese Verkäufer zum einen teils ja schon ausgestiegen sind und weitere potenzielle „Aussteiger“ sich hüten werden, das zu tun, wenn sie sehen, dass schnell ein erneuter Ausbruchsversuch startet. Denn zeitnah wieder zu attackieren, ist ein Signal der Stärke, das andere Marktteilnehmer dazu tendieren lässt, lieber erst einmal mit Verkäufen abzuwarten, ob es nicht doch nach oben hinausgeht und man, wenn, dann zu deutlich höheren Kursen immer noch aussteigen könnte. Und genau da, bei dieser soliden Basis für einen zweiten Anlauf, klemmt es beim DAX jetzt.
Expertenmeinung: Der rasante Anstieg, der den Index intraday über 25.000 führte, wurde beinahe genauso schnell wieder abverkauft. Dadurch landete der DAX am vergangenen Dienstag wieder knapp unter der 200-Tage-Linie. Auch wenn diese Linie derzeit seitwärts läuft und daher nicht das „Gewicht“ hat, als würde sie in Trendrichtung steigen, wäre sie ein perfektes Sprungbrett für einen zweiten Anlauf. Und genau das wurde auch versucht. Nur war dieser Versuch am Mittwoch und Donnerstag auffallend schwach – und am Freitag landete der deutsche Leitindex wieder dort, wo er herkam: knapp unterhalb der 200-Tage-Linie.

Diese Schwäche des bullischen Lagers ist ein klarer Pluspunkt für die Gegenseite, sprich für die Bären. Zwar wäre der DAX dadurch selbst kurzfristig rein vom Chartbild her nur neutral, nicht bärisch. Für ein mittelfristig bärisches Signal müsste er erneut aus der seit einem Jahr dominierenden Handelsspanne herausrutschen, was erst bei Schlusskursen unter 22.943 Punkten der Fall wäre. Aber so ganz aus der Welt wäre das aktuell nicht, denn:

Dem Bären-Lager böte ja nicht nur die Schwäche der Käufer derzeit Rückenwind, sondern auch die Rahmenbedingungen. Dass der DAX ebenso wie die US-Indizes zum Wochenschluss wieder nach unten kippte, lag vor allem daran, dass Donald Trump ohne taugliche Ergebnisse aus China zurückkehrte. Die Weltwirtschaft bleibt dadurch in der Bredouille: US-Einfuhrzölle, der Iran-Krieg, der zum Wochenschluss schon wieder steigende Ölpreis, das zunehmende Risiko reißender Lieferketten und einer Inflation, die sich von den Energiepreisen aus in alle Branchen „durchfrisst“: Man sieht immer mehr Probleme, aber keine Lösungen.
Das bedeutet einen weiteren Punkt für die Bären … und das dürfte vielen, die grundsätzlich bullisch sind, bewusst sein oder zumindest dämmern. Und nichts macht es den Bären einfacher, die Sache für sich zu entscheiden, als Käufer, die verunsichert sind und deswegen an der Seitenlinie bleiben. Noch ist im Chartbild nichts wirklich Entscheidendes angebrannt … aber die Unterseite des DAX wirkt derzeit, als sei sie für die Trader der leichtere Weg.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 15.05.2026 um 22:48 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.






