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Ist der DAX zu teuer bewertet? Könnte das Platzen zu großer Hoffnungen ihn auf eine deutlich tiefere Ebene drücken? Das ist aktuell womöglich gar nicht so entscheidend. Wichtiger dürfte sein, wie sich der Index im Kursverlauf präsentiert. Und da kann er aktuell nicht überzeugen.
Angenommen, Ihnen wäre völlig bewusst, dass der DAX-Index insgesamt ungewöhnlich teuer bewertet wäre. Dass es eine Schere zwischen der wirtschaftlichen Lage nebst ihrer Perspektive und dem Verlauf des Aktienmarkts gäbe. Nicht zuletzt, weil untypisch wenige Aktien ihn höher ziehen, was die Hausse auf dünne Beine stellt? Was wäre, wenn Sie zudem wüssten, dass der DAX auf Monatsbasis, also im langfristigen Zeitraster, seit Monaten tief in der markttechnischen Überhitzungszone notiert … Sie aber gerade massiv Long investiert wären? Würden Sie deswegen verkaufen oder gar die Seiten wechseln?
In einer solchen Gemengelage – und die liegt jetzt vor – würde ein Anleger zwar ein wenig unruhig, weil ihm klar ist, dass das Abwärtsrisiko höher ist als sonst. Aber er würde sich, zu Recht, vermutlich sagen: “Entweder erkennen das die anderen Anleger nicht oder sie machen es wie ich: Weiter kaufen, aber eben ein wenig behutsamer.” Denn wäre das nicht so, wäre der DAX nicht da, wo er jetzt ist. Denken und handeln genug Marktteilnehmer so, geht ein Aufwärtstrend auch gegen eigentlich problematische Rahmenbedingungen weiter, einfach, weil mehr Geld in einen Index hinein als hinaus fließt. Ein Perpetuum Mobile?
Nein. Das denkt man in solchen Phasen immer, aber die Börsengeschichte weiß: Auf Dauer ging das nie gut. Zwei Faktoren könnten die Hausse brechen. Entweder ein äußerst drastisches, negatives Ereignis. Oder eine Veränderung im „Flow“, in der Struktur der Kursbewegungen, die andeutet, dass man sich der Begleitung anderer in Bezug auf fortwährende Käufe nicht mehr sicher sein kann. Und Letzteres etabliert sich meiner Ansicht nach gerade.

Expertenmeinung: Im Chart auf Monatsbasis fällt nicht nur auf, dass der DAX ungewöhnlich kräftig überkauft ist. Wir sehen hier auch, dass der deutsche Leitindex zwar im Januar aus seiner monatelangen Handelsspanne nach oben ausbrach, zum Monatsschluss aber wieder in die alte Range zurückfiel. Der Februar ist noch jung, aber würde er genau jetzt enden, wäre ein erneuter Versuch, sich nach oben abzusetzen, misslungen. Das würde psychologisch entmutigend wirken. Das bullische Lager muss also zusehen, dass zeitnah wieder etwas vorangeht, wenn ihm die Käufer nicht von der Fahne gehen sollen. Und das gilt auch für die kurzfristige Ebene auf Tagesbasis:

Wenn ein fulminanter Start in ein Börsenjahr relativ bald auf eine Korrektur trifft, ist das noch kein Beinbruch. Nicht einmal, wenn dabei der bisherige Gewinn in wenigen Tagen wieder dahin ist … sofern die Käufer dagegenhalten und klar machen: Wir bleiben hier die dominierende Seite. Aber das gelang beim DAX nicht. Die Gegenbewegung „verhungerte“ deutlich unter dem vorherigen Rekordhoch und landete auf Schlusskursbasis sogar wieder in der alten, das zweite Halbjahr 2025 dominierenden Handelsspanne. Da wurden die Käufer zwar umgehend erneut aktiv … aber wiederum erfolglos. Das Erreichen des vorherigen Zwischenhochs traf vergangene Anfang der Woche sofort auf Verkaufsdruck … und gestern testete der DAX bereits das Jahres-Verlaufstief, das in der Woche zuvor bei 24.266 Punkten ausgebildet wurde.
Diese Supportlinie hielt zwar am Donnerstag. Aber wenn man mehrfache Versuche, sich nach oben zu befreien, scheitern sieht, schrumpft natürlich die Motivation, für den nächsten Versuch mit ungewissem Ausgang eigenes Kapital ins Rennen zu schicken.
Ob dieses Scheitern der Bullen am Dienstag bereits „dieses eine Mal zu viel“ war, wird sich erst herausstellen. Aber dieses Kursverhalten unterminiert bullische Zuversicht. Und sollte der DAX das Vorwochentief unterbieten, wäre er schon mittendrin in der alten Handelsspanne und nahe dran an der wichtigen, aktuell bei 24.017 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie. Und ob es da dann angesichts dieses Chartbilds zu effektiven Käufen kommt, die den DAX umgehend aus der charttechnischen Gefahrenzone tragen (was man unterstellen könnte, wenn das Verlaufshoch dieser Woche bei 25.099 Punkten auf Schlusskursbasis überwunden würde), ist fraglich genug, um hier jetzt auf der Hut zu sein.
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