Hören Sie sich die Audioversion dieses Artikels an (KI-generiert).
Im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos kamen von Donald Trump zwei Statements, die dafür sorgten, dass ein intraday in kritisches Terrain abgedrifteter DAX seine Verluste zum Handelsende verringerte und nachbörslich mehr als wettmachte. Aber bleibt das auch so?
Am Aktienmarkt geht in Bezug auf den US-Präsidenten der Begriff „TACO“ um: Trump Always Chickens Out oder, zu Deutsch: Trump macht immer einen Rückzieher. Viele Politikexperten warnen zwar davor, sich zu sehr darauf zu verlassen. Aber am Mittwoch lagen diejenigen, die genau darauf gesetzt hatten, wieder einmal richtig.
Schon in seiner Rede am Nachmittag kam eine erste Entwarnung: Er habe, so Trump, nicht vor, in Bezug auf Grönland Gewalt anzuwenden. Wenngleich dieses Szenario einer militärischen Besetzung ohnehin wenig wahrscheinlich war, weil er da mit massivem Gegenwind sogar seitens der eigenen Partei und womöglich auch des Militärs hätte rechnen müssen: Die Marktteilnehmer reagierten binnen Sekundenschnelle, der DAX zog binnen weniger Minuten um ca. 140 Punkte an und verringerte dadurch das zeitweise bis gut 350 Punkte betragende Minus des Tages deutlich.

Am Abend gegen 20:30 Uhr war die Aufwärtsbewegung beim da dann nachbörslichen DAX (und damit in den Charts nicht abgebildet, weil wir dort den regulären Handel bis 17:30 Uhr zeigen) noch deutlich stärker. Da verkündete Mr. Trump, er habe im Gespräch mit NATO-Generalsekretär Rutte eine Rahmenvereinbarung zur Grönland-Thematik erreicht, so dass die am Wochenende gegen die europäischen „Grönland-Widersacher“ angekündigten Zusatz-Zölle nicht mehr notwendig seien. Das war beim DAX einen Aufwärtsimpuls von 300 Punkten in nur einer einzigen Minute wert. In der Spitze erreichte der Index nachbörslich sogar 24.900 Punkte. Sind die Bullen also gerettet?
Expertenmeinung: Rein aus charttechnischer Sicht vorerst ja. Die am Mittwoch am Tagestief bereits gebrochene Unterstützungszone 24.441/24.771 Punkte wurde durch die Rückkäufe im regulären Handel doch noch gehalten, am Abend lief der DAX dann sogar darüber hinaus. Und für den Moment ist diese Reaktion auch rational unterfüttert: Es war diese Androhung weiterer Zölle, die den DAX zum Wochenstart von einem Level über 25.000 Punkten wegbrechen ließ. Die hat der US-Präsident jetzt wieder einkassiert, warum also nicht dorthin zurücklaufen, wo der DAX zuvor notierte?
Die Frage steht aber jetzt im Raum, ob das ein Zug ist, der gerade erst aus dem Bahnhof fährt, so dass man noch aufspringen könnte. Und da sollte man zumindest vorsichtig sein. Dass die Bären jetzt erst einmal klar aus dem Feld geschlagen wurden, heißt nicht automatisch, dass der deutsche Leitindex ab sofort wieder wie auf Schienen steigen müsste. Immerhin ist der DAX im Vorfeld sehr weit gelaufen, ohne dass man bereits wüsste, ob die anstehenden Quartalsbilanzen und Ausblicke auf 2026 das auch untermauern können. Und ob diese von Mr. Trump erwähnte „Rahmenvereinbarung“ für Europa wirtschaftlich als neutral einzuordnen ist, werden wir erst noch erfahren. Dennoch:
Jetzt, nachdem der DAX diese so wichtige Unterstützungszone verteidigen konnte, stur auf Short-Positionen zu beharren, dürfte eine schlechte Idee sein. Aber mit Mann und Maus Long zu gehen, womöglich auch, denn die Entscheidungen in Washington sind unberechenbar. Wer zurückrudert, kann jederzeit auch wieder mit etwas Neuem unangenehm überraschen.
Solange der DAX das gestrige Tagestief (24.349,54 Punkte) nicht unterschreitet, brennt auf der bullischen Seite nichts an, aber bei dieser immensen Volatilität sollte man mit überschaubarem Kapitaleinsatz agieren und nicht vergessen, unter dieses gestrige Tief für den „Fall eines Falles“ einen Stoppkurs zu legen.

--- ---
--- (---%)Displaying the --- chart
Heutigen Chart anzeigen








