Nicht nur US-Staatsanleihen stehen derzeit unter markantem Verkaufsdruck. Auch die Kurse deutscher Bundesanleihen und ihr Futures-Abbild Bund Future rutschen erheblich ab. Gestern erreichte die Rendite der zehnjährigen Laufzeit den höchsten Stand seit gut 17 Jahren.
Es ist gerade einmal gut viereinhalb Jahre her, dass die deutschen Bundesanleihen mit Laufzeit zehn Jahre aus der jahrelangen Phase des Negativzinses herauskamen … und jetzt sehen wir hier Renditen wie in der Zeit nach dem Platzen der US-Immobilienblase 2008/2009. Am Mittwoch stieg diese Rendite auf 3,44 Prozent. Das bedeutet: Die Kurse der bereits umlaufenden Anleihen und des die Kurse der zehnjährigen Bundesanleihen abbildenden Bund Future rutschen immer weiter ab, um sich der steigenden Marktrendite anzugleichen. Denn da der Zinskupon der Anleihen unveränderlich ist, geht das nur über den Kurs. Was wiederum bedeutet:
Diejenigen, die Bundesanleihen im Depot halten, erleiden Kursverluste. Die wären zwar nicht zwingend ein Problem, wenn man die Anleihen bis zu deren Laufzeitende halten würde, denn dann erhält man den ursprünglichen Nominalwert zurück, sodass es einem egal sein könnte, was der Kurs bis dahin am freien Markt tut. Aber zugleich sehen die Investoren, dass man auf einmal deutlich höhere Verzinsungen erreichen könnte. Nur müsste man dann frisches Kapital aufwenden, um diese höher rentierenden Anleihen zu kaufen … oder die laufenden mit Verlust verkaufen.
Das ist ein problematisches Umfeld, zumal man sich gerade jetzt völlig unsicher ist, wohin die Tendenz in Sachen Zinsniveau und Anleihekurse führen wird. Immerhin würde sich ein Verkauf der abrutschenden Anleihen immer noch lohnen, wenn die Kurse danach weiter fallen bzw. die Renditen noch höher laufen. Die Fragen, die dahingehend im Raum stehen, lauten:
Expertenmeinung: Werden die Notenbanken die Leitzinsen deutlich weiter anheben, obwohl sie dadurch die Basis der zu hohen Inflationsrate, die Ölpreise, nicht beeinflussen können? Und werden diese Ölpreise weiter steigen … womöglich längere Zeit hoch bleiben … sodass sie selbst zum Gegengewicht der Teuerung werden, weil die höheren Energiekosten dazu führen, dass Nachfrage und Preise in anderen Bereichen fallen? Oder kommt es zum Gegenteil, indem das den Konsum derart einbrechen lässt, dass es zu einer Rezession kommt, die so schwer wiegt, dass die Notenbanken entscheiden, lieber eine zu hohe Inflationsrate zu akzeptieren, als durch rapide steigende Leitzinsen eine Wirtschaftskrise zu verschärfen?
In Bezug auf die Antworten hängt vieles am nicht vorhersagbaren Ölpreis. Und dass man da eine Gleichung mit lauter Unbekannten lösen müsste, wissen natürlich auch die großen Notenbanken weltweit. Daher könnte dem heutigen Donnerstag eine Schlüsselrolle für die kurzfristige Tendenz der Anleihemärkte und damit auch des Bund Future, dem Kursbarometer der zehnjährigen Bundesanleihen, zukommen. Denn heute entscheidet die EZB über den Leitzins und wird nicht umhinkommen, einen Ausblick zu liefern.
Bislang ging man davon aus, dass die EZB den Leitzins heute um einen weiteren Viertelprozentpunkt anheben wird, beim Blick nach vorne dann aber so vage wie möglich bleiben wird. Doch der gestern deutlich weiter gestiegene Ölpreis und der sich verstetigende Eindruck, dass die Rohöl-Angebotslage problematisch bleiben wird, könnten die Notenbanker dazu bringen, deutlicher zu werden. Hieße das, dass die Kurse des Bund Future noch weiter in die Knie gehen?
Nicht zwingend, denn das deutliche Minus des Mittwochs bildet die Erwartung, dass es bei der heutigen, zweiten Zinsanhebung nicht bleiben könnte, bereits ab. Möglich wäre es also durchaus, dass ein „buying on bad news“ einsetzt, unterstützt dadurch, dass der Bund Future-Kurs bereits nahe an die untere Begrenzung des mittelfristigen Abwärtstrendkanals herangelaufen ist.

Aber ein Abprallen an diesem unteren Ende des Trendkanals wäre noch kein bullisches Signal. Dafür müsste der Bund Future über die – durch die zur Halbjahreswende entstandene Abwärtstrendlinie verstärkte – Widerstandszone 122,96 zu 123,47 Prozent laufen … und idealerweise der Ölpreis zeitgleich nach unten drehen. Solange das nicht gegeben ist, würde man mit Long-Trades auf den Bund Future weiterhin gefährlich leben.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 09.09.2026 um 21:54 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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