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Bund Future Juni 2026: Chart vom 27.04.2026, Kurs 125,37 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Übermorgen steht die Entscheidung der EZB zu den Leitzinsen an. Zwar rechnet man mehrheitlich nicht mit einem unmittelbaren Zinsschritt, aber zumindest mit Aussagen dazu, wie es weitergehen soll. Der Bund Future wartet derweil ausbruchsbereit in einer Dreiecksformation.
Der Bund Future repräsentiert die Kurse von Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit am Terminmarkt. Fallen Kurse und Future, bedeutet das, dass die Zinsrenditen dieser Anleihen steigen. Entsprechend erkennt man am Chartbild umgehend, dass der Abstieg des Bund Future seit Anfang März bzw. der entsprechende Anstieg der Anleihe-Renditen steigende Leitzinsen vorwegnimmt.

Denn alleine ein „Auspreisen“ erwarteter, weiterer Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank ist das nicht, weil man mit dem Erreichen der Zwei-Prozent-Marke jetzt einen „neutralen“ Zins erreicht hat, der nur dann verändert würde, wenn ein aktives Bremsen oder Stimulieren der Eurozone-Konjunktur erforderlich wäre. Hier spiegelt der Bund Future also wider, dass man damit rechnet, dass die EZB zukünftig bremsen muss (fallender Bund Future = steigende Anleiherenditen als Vorwegnahme höherer Leitzinsen).
Im ersten Moment wirkt das logisch, immerhin haben die drastisch gestiegenen Ölpreise die Teuerung stark angeschoben. Und eine zu kräftig steigende Inflationsrate hätte normalerweise bremsende Maßnahmen der EZB durch Zinserhöhungen zur Folge. Diesmal auch?
Expertenmeinung: Das ist zumindest fraglich. Denn eine Anhebung des Leitzinses würde ja nur dann eine bremsende Wirkung auf die Inflation haben, wenn eine zu hohe Konsumnachfrage, die zugleich zu einem nennenswerten Teil auf Krediten basiert, dadurch gemindert werden könnte. Und zwar, indem höhere Kreditkosten die Verbraucher davon abhalten sollen, durch die starke Nachfrage steigende Preise bei Waren zu provozieren. Aber das ist es eben nicht, was die Inflation momentan befeuert. Das Problem kommt quasi „von außen“.
Und gegen die steigenden Ölpreise kann die EZB nun einmal nichts unternehmen. Was hieße: Höhere Leitzinsen würden zwar das Wachstum bremsen, derzeit ohnehin, weil teurere Kredite den Verbrauchern jetzt gerade noch gefehlt hätten. Aber es würde nicht zugleich die Inflation so bremsen, dass das Problem – nämlich der sich außer Reichweite der Notenbanken bewegende Ölpreis – dadurch positiv beeinflusst würde. Daher ist diese „Wette“ von Marktteilnehmern auf steigende Zinsen, die sich hier im Bund Future durch den Abwärtsruck von Anfang März widerspiegelt, gewagt.
Weil das vielen offenbar schnell klar wurde, ging der Abverkauf nicht weiter, sondern mündete in eine sehr volatile Dreiecksformation, die eine charttechnische Entscheidung einfordert. Zwingend wäre ein Ausbruch aus dem Dreieck als Reaktion auf die anstehenden EZB-Statements aber nicht, denn vermutlich wird man sich dort hüten, angesichts der nicht vorhersagbaren Perspektiven der Rahmenbedingungen eine klare „Guidance“ abzuliefern. Aber auch, wenn dieses Dreieck daraufhin verlassen werden sollte:
Wenn, sollte man sich dann nur auf reiner Trading-Basis eine Positionierung in Ausbruchsrichtung mit einem eher engen Stop-Loss überlegen. Denn dass der Grund dieser Formation – die Unsicherheit über das, was kommt – nach diesem Donnerstag einer klaren Vorgabe weichen wird, ist zu bezweifeln!
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 27.04.2026 um 18:15 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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