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Euro-Bund Prognose Bund Future: Befreit die EZB ihn aus der Dreiecksformation?

News: Aktuelle Analyse des Euro-Bund Futures

In diesem Artikel
Euro-Bund
ISIN: DE0009652644
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Ticker: GBL
|
Währung: EUR
Gültigkeit der Analyse
1 Woche
Erwartung: Neutral

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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Bund Future Juni 2026: Chart vom 27.04.2026, Kurs 125,37 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS | Online Broker LYNX

Übermorgen steht die Entscheidung der EZB zu den Leitzinsen an. Zwar rechnet man mehrheitlich nicht mit einem unmittelbaren Zinsschritt, aber zumindest mit Aussagen dazu, wie es weitergehen soll. Der Bund Future wartet derweil ausbruchsbereit in einer Dreiecksformation.

Der Bund Future repräsentiert die Kurse von Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit am Terminmarkt. Fallen Kurse und Future, bedeutet das, dass die Zinsrenditen dieser Anleihen steigen. Entsprechend erkennt man am Chartbild umgehend, dass der Abstieg des Bund Future seit Anfang März bzw. der entsprechende Anstieg der Anleihe-Renditen steigende Leitzinsen vorwegnimmt.

Bund Future Juni 2026: Chart vom 27.04.2026, Kurs 125,37 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Bund Future Juni 2026: Chart vom 27.04.2026, Kurs 125,37 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS

Denn alleine ein „Auspreisen“ erwarteter, weiterer Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank ist das nicht, weil man mit dem Erreichen der Zwei-Prozent-Marke jetzt einen „neutralen“ Zins erreicht hat, der nur dann verändert würde, wenn ein aktives Bremsen oder Stimulieren der Eurozone-Konjunktur erforderlich wäre. Hier spiegelt der Bund Future also wider, dass man damit rechnet, dass die EZB zukünftig bremsen muss (fallender Bund Future = steigende Anleiherenditen als Vorwegnahme höherer Leitzinsen).

Im ersten Moment wirkt das logisch, immerhin haben die drastisch gestiegenen Ölpreise die Teuerung stark angeschoben. Und eine zu kräftig steigende Inflationsrate hätte normalerweise bremsende Maßnahmen der EZB durch Zinserhöhungen zur Folge. Diesmal auch?

Expertenmeinung: Das ist zumindest fraglich. Denn eine Anhebung des Leitzinses würde ja nur dann eine bremsende Wirkung auf die Inflation haben, wenn eine zu hohe Konsumnachfrage, die zugleich zu einem nennenswerten Teil auf Krediten basiert, dadurch gemindert werden könnte. Und zwar, indem höhere Kreditkosten die Verbraucher davon abhalten sollen, durch die starke Nachfrage steigende Preise bei Waren zu provozieren. Aber das ist es eben nicht, was die Inflation momentan befeuert. Das Problem kommt quasi „von außen“.

Und gegen die steigenden Ölpreise kann die EZB nun einmal nichts unternehmen. Was hieße: Höhere Leitzinsen würden zwar das Wachstum bremsen, derzeit ohnehin, weil teurere Kredite den Verbrauchern jetzt gerade noch gefehlt hätten. Aber es würde nicht zugleich die Inflation so bremsen, dass das Problem – nämlich der sich außer Reichweite der Notenbanken bewegende Ölpreis – dadurch positiv beeinflusst würde. Daher ist diese „Wette“ von Marktteilnehmern auf steigende Zinsen, die sich hier im Bund Future durch den Abwärtsruck von Anfang März widerspiegelt, gewagt.

Weil das vielen offenbar schnell klar wurde, ging der Abverkauf nicht weiter, sondern mündete in eine sehr volatile Dreiecksformation, die eine charttechnische Entscheidung einfordert. Zwingend wäre ein Ausbruch aus dem Dreieck als Reaktion auf die anstehenden EZB-Statements aber nicht, denn vermutlich wird man sich dort hüten, angesichts der nicht vorhersagbaren Perspektiven der Rahmenbedingungen eine klare „Guidance“ abzuliefern. Aber auch, wenn dieses Dreieck daraufhin verlassen werden sollte:

Wenn, sollte man sich dann nur auf reiner Trading-Basis eine Positionierung in Ausbruchsrichtung mit einem eher engen Stop-Loss überlegen. Denn dass der Grund dieser Formation – die Unsicherheit über das, was kommt – nach diesem Donnerstag einer klaren Vorgabe weichen wird, ist zu bezweifeln!

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 27.04.2026 um 18:15 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.


Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Vorherige Analysen der Euro-Bund Aktie

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 24.03.2026 um 21:35 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Seit Beginn des Iran-Krieges fallen die Kurse nicht nur bei den Aktien, sondern auch am Anleihemarkt. Zu Wochenbeginn hatte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen den höchsten Stand seit 2011 erreicht, der Bund Future fällt. Ist man damit auf dem richtigen Dampfer?

Die Grundidee ist im Prinzip ja nachvollziehbar: Die Energiepreise sind massiv gestiegen. Das befeuert die Inflation. Also wird die EZB wohl die Leitzinsen anheben müssen. Die Renditen am Anleihemarkt werden mitziehen, also würden dort die Kurse fallen. Und weil das so logisch wirkt, nimmt man diese Entwicklung seit Anfang März gleich mal vorweg.

Die Rendite für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit hat jetzt die Drei-Prozent-Marke knapp überschritten und liegt damit sogar höher als am Hoch der EZB-Leitzinsen im Jahr 2023. Der Bund Future, das Kursbarometer dieser „Zehnjährigen“ am Terminmarkt, ist entsprechend gefallen (steigende Renditen bedeuten fallende Kurse und umgekehrt). Und auch, wenn der Juni-Kontrakt als aktuellste Laufzeit noch knapp über dem markanten Tief vom Frühjahr 2025 liegt, als die Erwartung von Trumps Zöllen dazu führte, dass die Anleiherenditen anzogen: Er rutscht auf diese bei 124,65 Prozent liegende Marke zu. Ist das nicht völlig überzogen?

Bund Future Juni 2026: Chart vom 24.03.2026, Kurs 125,20 Prozent, Kürzel: GBL | Online Broker LYNX
Bund Future Juni 2026: Chart vom 24.03.2026, Kurs 125,20 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS

Expertenmeinung: Das könnte es durchaus sein. Denn hier preist man bereits steigende Leitzinsen wegen kräftig anziehender Inflationsraten ein, die zumindest fraglich sind. Und das aus mehreren Gründen:

Zunächst einmal müssten die höheren Energiepreise noch mehrere Wochen hoch bleiben und darüber hinaus die berechtigte Erwartung bestehen, dass man vorerst nicht mehr auf die vorherigen Preise für Heizöl, Gas, Benzin und Diesel zurückkehren wird. Dass es dazu kommt, ist möglich, aber keineswegs so sicher, dass man es durch eine Vorwegnahme steigender Zinsen und Renditen durch Short-Trades im Bund Future vorwegnehmen müsste.

Hinzu kommt, dass ein solcher Inflationsschub zugleich massiv negativ auf Unternehmen und Verbraucher wirkt. Zinserhöhungen würden dieses Problem nicht lindern, sondern verschärfen. Davon abgesehen, dass eine solche Gemengelage durchaus dazu führen kann, dass – gerade, weil wir in Europa ja im Vorfeld schon ein schwaches Konsumklima hatten – Preiserhöhungen trotz steigender Kosten bei den Unternehmen nicht in der Breite durchsetzbar sind.

Richtig ist andererseits, dass die Lage in Nahost auch den allgemeinen Güterverkehr beeinträchtigt, die Frachtraten für alle Güter steigen und Lieferketten reißen könnten. Dann hätten wir in der Tat ein ähnliches Szenario wie 2022, aber:

Die EZB gerät jetzt in eine ähnliche Zwickmühle wie die, in der die US-Notenbank bereits festsitzt: Auf der einen Seite die Gefahr einer deutlich nachgebenden Konjunktur, auf der anderen das Risiko steigender Preise. Ersteres spräche für fallende, Letzteres für steigende Leitzinsen. Am Ende könnte das durchaus darauf hinauslaufen, dass die EZB in Sachen Leitzins erst einmal gar nichts tut und der Abverkauf bei deutschen Anleihen sowie im Bund Future damit voreilig war.

Aus dieser Überlegung heraus dagegenzuhalten, sprich in den laufenden Abwärtsimpuls hinein einen Long-Trade zu erwägen, wäre dennoch extrem riskant, denn aktuell weiß niemand, was morgen oder übermorgen sein wird. Aber denkt man sich die Gesamtsituation in Ruhe durch, erscheint diese Abwärtsbewegung deutlich gewagter für die Bären, als das Chartbild alleine vermuten ließe.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 08.12.2025 um 19:13 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Der nächste Zinsschritt der EZB wird eine Erhöhung sein, geistert es gerade durch die Medien. Und die Kurse deutscher Bundesanleihen, hier dargestellt am Bund Future, fallen, d. h. die Zinsrenditen der Anleihen steigen. Was ist dran an diesem scheinbar irrationalen Szenario?

Einiges. Es könnte durchaus so laufen. Es wäre zwar sicherlich kaum jemandem, der sich auf Kredit finanziert, recht, aber nachvollziehbar wäre es eben trotzdem. Nur ist das ein deutlich kleineres Problem, als man im ersten Moment beim Wort „Zinserhöhung“ denken könnte.

Isabel Schnabel, Mitglied des EZB-Direktoriums, brachte dieses Thema auf, wies aber auch darauf hin: In naher Zukunft steht das voraussichtlich nicht an. Was es indes bedeutet – wobei sie mit dieser Einordnung in EZB-Kreisen keineswegs alleine steht –, ist: Die Phase der Leitzinssenkungen ist vorbei. Was allerdings niemanden überraschen sollte, denn seit Langem hatte man eine Rückkehr auf den neutralen Zins, den man allgemein für Europa bei zwei Prozent verortet, als sinnvoll angesehen. „Neutral“ heißt, dass ein solcher Leitzinssatz die Konjunktur weder stimuliert noch bremst.

Dass der deutsche Bund Future als Kurs-Barometer für deutsche Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von etwa zehn Jahren derzeit ein bärisches Signal generiert, dürfte daran liegen, dass auf die deutschen Anleihekurse auch noch andere Faktoren drücken.

Expertenmeinung: Da haben wir zum einen den Umstand, dass die EZB die konjunkturelle Situation der Eurozone derzeit als robust einordnet und hervorhebt, dass die Eurozone-Wirtschaft dem durch Trumps Einfuhrzölle ausgelösten, zusätzlichen Druck deutlich besser widerstanden hat, als das anfangs zu befürchten war. Für die gesamte Eurozone ist das auch so. Und für sie, nicht für Deutschland, werden die Leitzinsen „gemacht“. Dass Deutschland hinsichtlich des Wachstums ziemlich am Ende des Eurozone-Zuges dahin zuckelt und Zinserhöhungen daher für uns hierzulande problematischer wären als für Länder mit mehr Wachstum, ist in der Tat eine Belastung.

Bund Future: Chart vom 08.12.2025, Kurs 127,44 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Bund Future: Chart vom 08.12.2025, Kurs 127,44 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS

Zum anderen dürfte auch die Erwartung eines spürbar zunehmenden Angebots bei deutschen Bundesanleihen langsam vorweggenommen werden. Die Finanzierung der deutlich steigenden Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung muss großenteils über den Anleihemarkt laufen. Das steigert mittelfristig das Angebot, während die Schwäche der deutschen Wirtschaft die Nachfrage internationaler Investoren tendenziell bremst. Auch das hat seinen Anteil daran, dass der Bund Future jetzt aus seiner seit April geltenden, breiten Seitwärtsspanne nach unten ausgebrochen ist.

Da das Angebot erst noch real deutlich zunehmen müsste und man das aktuell nur vorwegnimmt … und da höhere Leitzinsen noch nicht aktuell sind … ist es fraglich, ob der Bund Future dadurch wirklich zügig auf das nächste Kursziel auf rein charttechnischer Ebene, das Jahres-Verlaufstief vom März bei 125,64 Prozent, zulaufen wird.

Ein Short-Trade im Bund Future, der damit vice versa auf deutlich steigende Anleihe-Renditen setzt, wäre aus aktueller Sicht bestenfalls ein Gedanke für die Trading-Ebene, für einen weitreichenden, mittelfristig relevanten Abstieg gäbe es momentan noch keine Basis auf der Nachrichtenseite.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
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Gleich drei Faktoren zogen und zerrten in letzter Zeit an den Kursen der Bundesanleihen und ihrem Barometer am Terminmarkt, dem Bund Future. Zuletzt schien es, als würde sich die Sache in Richtung Hausse auflösen. Aber jetzt ringt der Future mit wichtigen Unterstützungen.

Ein schwaches Wachstum und ein einfach nicht in Schwung kommender, wichtiger Exportmarkt in Form von China: Die Investoren gingen monatelang davon aus, dass die EZB den Leitzins auch dann weiter senken würde, wenn die US-Notenbank es nicht tut. Alleine, weil das Wachstum hier schwächer ist, die Inflation zugleich niedriger. Das bot Luft nach unten … und das wiederum hieße: Anleihe-Renditen runter, Anleihekurse rauf. Und mit Letzteren die des Spiegelbilds zehnjähriger Laufzeiten bei Bundeanleihen am Terminmarkt, des Bund Future.

Als dann auch noch die US-Anleihen unter Druck gerieten, weil die internationalen Investoren Kapital aus dem unberechenbar wirkenden US-Dollar-Raum abzogen und die Dollar-Anleihen unter den Hammer kamen, witterten die Bullen hierzulande Morgenluft: Warum sollte ein Teil des Geldes, das aus US-Anleihen abfließt, nicht in deutsche Anleihen wandern?

Das sorgte für eine kräftige Aufwärtsbewegung im Bund Future, der dabei die markante Hürde 129,39 zu 129,76 Prozent bezwang und sich der durch die 200-Tage-Linie verstärkten Widerstandszone 132,48 zu 132,80 Prozent näherte. Deren Überwinden würde ein mittelfristig relevantes, bullisches Signal bedeuten. Doch knapp darunter fuhr er sich fest, drehte nach unten weg und muss die jetzt als Support dienende Zone 129,39/129,76 Prozent verteidigen. Was lief da für die Bullen schief?

Expertenmeinung: Zum einen hat sich die Sorge, dass Trumps Zölle die Weltwirtschaft abwürgen, zumindest momentan reduziert, sodass der Abfluss von Kapital aus dem Dollar-Raum offenbar erst einmal ausgesetzt ist.

Zum anderen fürchtet man, dass die EZB mit Leitzinssenkungen langsam durch ist. Vielleicht noch ein, zwei Senkungen um ein Viertelprozent, tiefere Zinslevels wären derzeit aber weniger wahrscheinlich. Damit wäre der Rückenwind sinkender Leitzinsen jetzt eher schwach.

Und damit gewinnt der dritte Faktor an Gewicht: Die geplante, immense Neuverschuldung des Bundes, der diese natürlich über Anleihen finanzieren wird. Das wiederum bedeutet:

Ein deutlich steigendes Angebot, das man nur an den Anleger bringen kann, wenn entsprechend höhere Zinskupons angeboten werden, sprich: Der Renditelevel deutscher Bundesanleihen dürfte, bezogen auf diesen Aspekt, tendenziell steigen. Die beiden Faktoren der EZB-Leitzinsen und der Zölle sind aktuell in den Hintergrund getreten, es bleibt dieser Schuldenaspekt – das drückt derzeit den Bund Future.

Aber noch ist diese Sache ja nicht ausgefochten. Wie es in Bezug auf den Welthandel weitergehen wird, ist offen, denn es sind Hoffnungen, die man am Markt in Bezug auf die US-Handelspolitik tradet, Fakten lassen da noch auf sich warten. Sollten sich diese Hoffnungen eintrüben, hätten die Bund Future-Bullen ihre zweite Chance, aber:

Bund Future: Chart vom 19.05.2025, Kurs 130,52 Prozent, Kürzel: GBL | Online Broker LYNX
Bund Future: Chart vom 19.05.2025, Kurs 130,52 Prozent, Kürzel: GBL | Quelle: TWS

Momentan sind sie in der Defensive. Das ist noch kein Chartbild, um beim Bund Future Short zu gehen, keine Frage. Aber eben auch keines, in dem man einfach mal auf Verdacht eine Long-Position aufbaut. Es könnte sich lohnen, diese so wichtige Widerstandszone 132,48 zu 132,80 Prozent als Basis eines Long-Trades im Auge zu behalten. Vorgreifen sollte man einem solchen charttechnischen Befreiungsschlag in diesem Umfeld aber lieber nicht.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.