Der erste Rallyeschub des Jahres basierte auf dem erneuten Säbelrasseln zwischen den USA und dem Iran. Als sich die Gemüter beruhigten, kam Brent Crude Oil zwar zurück, blieb aber über einer entscheidenden Supportzone, die die Bullen jetzt effektiv als Sprungbrett nutzten.
Die Argumente, die man für den aktuellen Aufwärtsschub bei Rohöl vorbringt, der die Sorte Brent Crude binnen vier Handelstagen um in der Spitze fast sieben Prozent nach oben befördert hat, sind neben den üblicherweise genannten geopolitischen Spannungen auch das besonders kalte Wetter in den USA. Die Kälte erhöht den Energiebedarf. Und auch, wenn andere Weltregionen mit deutlich weniger kalten Füßen dastehen: Die USA sind nun einmal nach Kanada und Saudi-Arabien die Nation mit dem dritthöchsten Energieverbrauch pro Kopf. Im Prinzip wäre diese Argumentation also schlüssig, aber:
Diese ungewöhnlich eisige Phase mit ihren Winterstürmen ist ja nicht von Dauer. Und eine kurzzeitig höhere Nachfrage kann die US-Ölindustrie problemlos stemmen. Und was, so fragt man sich, ist mit den Argumenten, die den Ölpreis bis vor drei Wochen in einer Abwärtstendenz hielten, nämlich zusätzliches Angebot aus Venezuela und eine laut Schätzungen der IEA im Jahr 2026 sinkende weltweite Nachfrage?
Expertenmeinung: Diese Argumente sind natürlich weiter gültig, nur werden sie im Augenblick beiseitegeschoben. Was am Ölmarkt auch nichts Ungewöhnliches ist. Die kurzfristige Spekulation wird meist von der Charttechnik geleitet. Neue fundamentale Faktoren werden bisweilen zwar logisch in den Kursverlauf eingearbeitet, aber keineswegs immer. Was hier zählt, ist das Chartbild und kein „müsste eigentlich“. Und dieses Chartbild zeigt, dass es das bullische Lager ist, das dieser Tage den Taktstock schwingt.

In der letzten Analyse hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass der Abverkauf des vorherigen Kurssprungs vom 15. Januar noch keine Entwarnung bedeutet, weil dieser Rücksetzer zwar an, aber nicht unter die hier seit Monaten dominierende Chartzone geführt hatte. Sie besteht aus den gleitenden Durchschnittslinien der letzten 50, 100 und 200 Handelstage und bewegt sich wie eine Trennwand zwischen bullischem und bärischem Territorium in der Zone zwischen 61,85 und 62,90 US-Dollar nahezu seitwärts.
Und diese Zone wurde auch nicht unterboten. Brent Crude Oil testete diesen Unterstützungsbereich tagelang, ohne dass erkennbar wurde, dass genug Kraft für einen Durchbruch nach unten vorhanden ist. Und kurzfristige Trader, die hier zahlreich unterwegs sind, reagieren da ganz pragmatisch, indem sie sich sagen: Wenn nach unten nichts geht, dann eben nach oben. Brent Crude zog an und bestätigte damit diesen Supportbereich. Aktuell ist die Widerstandszone 67,15 zu 67,85 US-Dollar pro Barrel erreicht. Gelingt es, diese zu überbieten, läge das nächste Kursziel im hier abgebildeten Futures-Frontmonat April (d. h., das ist der Kontrakt mit der als nächstes endenden Laufzeit) bei knapp 70 US-Dollar.
Rein von der Logik her muss Brent Crude Oil dieses denkbare Kursziel zwar nicht unbedingt erreichen oder gar überbieten. Aber wie gesagt: Hier dominieren kurzfristige, eng am Chartbild agierende Trader, daher wäre es äußerst verwegen, oberhalb dieser entscheidenden Zone 61,85 zu 62,90 US-Dollar auf der Short-Seite dagegenhalten zu wollen!
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