Weltweit werden strategische Ölreserven freigegeben und es wird versucht, die Ölkonzerne davon abzuhalten, die Situation auszunutzen. Zugleich heißt es in Sachen Ölreserve: Wenn nötig, ist mehr da. Doch die Reaktion von Brent Crude Oil und anderen Ölsorten ist auffallend gering.
Es scheint, dass die Trader am Rohölmarkt bezweifeln, dass die Angebots-Engpässe in absehbarer Zeit behoben sind. Dabei wäre es möglich, den Ölbedarf über die weltweit verteilten strategischen Reserven allemal für zwei, drei Wochen alleine zu bestreiten. Und große Förderländer wie die USA oder Norwegen produzieren ungehindert weiter, zugleich muss ja nicht das gesamte Rohöl des Nahen Ostens durch die Straße von Hormus.
Daher hätte man sich eigentlich nicht wundern müssen, wäre der Ölpreis nach dieser „Freigabe-Stafette“ der Ölreserven und den Ankündigungen der USA, die Sache mit der Straße von Hormus zeitnah im Griff zu bekommen, massiven eingebrochen. Doch das passierte nicht, wie der Chart zeigt:

Zwar zeigt der jetzt als „Frontmonat“ dienende Brent Crude Oil-Future mit Liefertermin Juni ein „bearish engulfing pattern“, was auf kurzfristiger Ebene ein potenziell bärisches Signal wäre. D.h. wir sehen hier eine rote Kerze, deren Kerzenkörper den Körper der Vortages-Kerze komplett einhüllt: Im Plus begonnen, im Minus geschlossen, aber:
Expertenmeinung: Es ist ja schon überraschend genug, dass Brent Crude Oil die Woche nach all den Beteuerungen über das Wochenende überhaupt mit einem Plus begann. Und ein Minus gegenüber dem Freitags-Schlusskurs von 2,4 Prozent ist, nachdem man alle Register gezogen hat, um die Preise zu drücken, so mager, dass man das allemal als einen Sieg der Bullen verbuchen könnte. Aber kann denn der Preis gegen ein kurzfristig deutlich unterfüttertes Angebot auf diesem derart hohen Niveau gehalten werden? Kämpft das bullische Lager da nicht auf verlorenem Posten?
Wenn man sich daran erinnert, dass große Trader so gut wie nie grundsätzlich immer nur bullisch oder bärisch sind, sondern sich nach Beurteilung der Rahmenbedingungen und des Chartbilds individuell für eine Seite entscheiden, kann man bezweifeln, dass die Long-Seite des Markts einfach blind ihre Position verteidigt. Wenn so wenige aussteigen, muss das Gründe haben. Und die ließen sich durchaus herleiten:
Man dürfte hier vermutlich Zweifel hegen, dass die Aussage aus Washington, dass man die Straße von Hormus in Kürze wieder frei haben werde, von der Realität bestätigt wird. Gelingt das nachweislich und wird der Verkehr wieder aufgenommen, würde der Ölpreis vermutlich schnell und weit zurückkommen. Bis dahin aber lässt man womöglich all das, was bislang an Statements aus den USA kam und mittlerweile den Charme eines rotierenden Wegweisers hat, Revue passieren und sagt sich: Abwarten, es könnte womöglich sogar noch schlimmer kommen.
Das muss es zwar nicht. Aber wer jetzt auf die Short-Seite setzten wollte, würde eben eindeutig noch gegen den Trend agieren. Dieses gestrige „bearish engulfing pattern“ reichte nicht einmal aus, um Brent Crude an die steilste, gleitende Durchschnittline zu drücken, die derzeit als Leitstrahl der Bullen eingeordnet werden kann. Diese 10-Tage-Linie verläuft aktuell bei 89,40 US-Dollar. Und selbst wenn der Kurs unter diese Linie fallen sollte: Die nächsten gleitenden Durchschnitte sowie das markante 2025er-Hoch, das für diesen aktuellen Juni-Liefertermin bei 72,50 US-Dollar liegt, würden weitere „Sprungtücher“ für die Bullen bieten. All die hektischen, politischen Aktivitäten der vergangenen Tage haben bislang nicht dazu geführt, dass die Bullen nervös werden – das sollte man, sofern man über die Short-Seite nachdenkt, als Warnhinweis im Hinterkopf haben.
Informationen zum / zu den auf dieser Seite genannten Produkt(en) finden Sie hier: PRIIPs / KIDs CME Futures
--- ---
--- (---%)Displaying the --- chart
Heutigen Chart anzeigen






