Wie geht es weiter mit der Ölversorgung? Die Akteure am Ölmarkt preisen gerade eine Verknappung ein, die über einen kurzen Zeitraum deutlich hinausgeht. Da wirkt es extrem gewagt, dass man dieses Warnsignal am Aktienmarkt ignoriert.

Brent Crude Oil hatte im März zwar kurzzeitig Kurse von 116 US-Dollar ausgewiesen, aber auf den Future bezogen war das eine andere Laufzeit gewesen. Aktuell ist der Future mit Liefertermin Juli die als nächstes endende Laufzeit (der Juni-Kontrakt endet heute). Und bei dieser Laufzeit wurde das März-Hoch jetzt erreicht bzw. sogar ganz leicht überboten. Am Terminmarkt zahlt man also gerade gut 110 US-Dollar pro Barrel für eine Lieferung im Hochsommer. Und das ist eine klare Aussage:
Man geht nicht davon aus, dass der Ölpreis in den kommenden Wochen wirklich deutlich und nachhaltig nach unten abdreht. Und diese Erwartung ist auch nachvollziehbar, denn:
Expertenmeinung: Davon abgesehen, dass die Lage zwischen den USA und dem Iran derzeit wie eingefroren scheint und dadurch weiterhin kein nennenswerter Verkehr durch die Straße von Hormus möglich ist, würde selbst eine zeitnahe Öffnung der Passage die Angebotsverknappung nicht sofort beenden, weil viele Förder- und Logistikeinrichtungen durch die bisherigen Kampfhandlungen so beschädigt sind, dass sich die Reparaturen in Einzelfällen Monate hinziehen können. Und die Lagerkapazitäten der Ölförderer sind begrenzt.
Das gilt nicht nur für den Iran, der offenbar kurz davorsteht, seine Förderung großenteils einstellen zu müssen, weil die Lager voll sind und kein Öl mehr das Land verlassen kann, sondern auch für andere Förderer in der Region, die auf diese Passage angewiesen sind. Dass die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Mitgliedschaft in der OPEC quasi fristlos gekündigt haben, deutet zwar an, dass man dort die Gelegenheit nutzen möchte, fernab von kollektiv entschiedenen Förderquoten bei diesen hohen Preisen so viel wie möglich zu exportieren. Aber das alleine kann den Nachfrageüberhang nicht beseitigen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Ölpreis schnell und weit sinkt, ist daher klein genug, um nicht nur Spekulanten, sondern auch Unternehmen, die ihren Bedarf über die Futures sichern, dazu zu bringen, zu derart hohen Preisen zu kaufen.
Dass der Aktienmarkt diese haushohen Warnsignale einfach ignoriert, ist extrem riskant, zumal die Experten ja zu Recht darauf hinweisen, dass die konjunkturellen Folgen dieser Situation großenteils mit Verzögerung sichtbar werden. Was Brent Crude Oil selbst angeht, lebt man als Trader aber nicht unbedingt weniger gefährlich. Das obige Chartbild ist zwar grundsätzlich klar bullisch. Aber die Nachrichtenlage kann jederzeit starke Ausschläge auslösen – in beide Richtungen. Hier als „normaler“ Anleger mitzumischen, ist also derzeit nicht wirklich angeraten.
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