Vor gut einer Woche hatte Mr. Trump mitgeteilt, er habe einen Angriff auf den Iran abgesagt, weil gute Fortschritte bei den Verhandlungen erreicht wurden. Doch auf ein Ergebnis wartet man bislang vergeblich. Die Skepsis steigt, wie man am Chartbild von Brent Crude Oil sieht.
Heute, spätestens morgen solle es so weit sein, dann hätte man eine Einigung mit dem Iran in Bezug auf die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus erreicht, hieß es Anfang vergangener Woche. Seither hört man nichts mehr – und die Kurse der wichtigsten Rohöl-Sorten ziehen wieder an.
Wie so oft wollte man an ein gutes Ende der Nahost-Misere glauben, als es am vorvergangenen Wochenende seitens Donald Trump hieß, die Sache sei so gut wie geregelt. Wieder einmal startete Brent Crude Oil mit einer Abwärts-Kurslücke in die Woche, wie es schon in der Woche zuvor der Fall gewesen war. Aber wenn viel angekündigt und nichts geliefert wird, werden solche Aussagen irgendwann ignoriert. Was man am Montagabend sehen konnte, denn:
Am Abend europäischer Zeit erklärte der US-Präsident, allein die USA hätten die Kontrolle über die Straße von Hormus, zudem habe die US-Marine bereits die gesamte Passage von Minen geräumt. Brent Crude Oil reagierte auf dieses Statement in keiner Weise. Denn mittlerweile ahnen auch die Bären am Ölmarkt, dass derartige Statements mehr Wahlkampf als faktenbasiert sind. Zumal von keiner Seite eine Bestätigung dafür kam und sich die Zeichen mehren, dass diese Verhandlungen, so es sie denn hinter verschlossenen Türen geben sollte, scheitern.

Expertenmeinung: Dass der Iran und der Oman derzeit Gespräche über die konkrete Nutzungsaufteilung der Straße von Hormus führen und man in Teheran prüft, wie sich für die Passage Gebühren kassieren ließen, unterfüttert die Zweifel, zumal derzeit die westlich gelegene Passage aus dem Roten Meer nach Süden durch die Huthi-Rebellen ebenfalls unsicher geworden ist.
Ebenfalls ein Argument für das Bullen-Lager sind kolportierte Tendenzen seitens der zuletzt durch den Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate geschwächten OPEC, die Fördermengenerhöhung für den Rest des Jahres auszusetzen.
Aber auch wenn Brent Crude Oil seit einigen Tagen wieder anzieht: Ein klares, bullisches Signal ist zwar nahe, aber noch nicht vollzogen. Der Kurs hat jetzt die derzeit am höchsten notierende der wichtigen gleitenden Durchschnittslinien erreicht bzw. leicht überboten: die bei 87,25 US-Dollar verlaufende 100-Tage-Linie. Sie klar zu überbieten, wäre aus charttechnischer Sicht ein erster, wichtiger Schritt hin zu einem neuen Aufwärtstrend, aber dem muss der zweite, entscheidende folgen:
Der Ausbruch über die seit Anfang Mai geltende Abwärtstrendlinie sowie das letzte markantere Zwischenhoch von Ende Juli, das im hier abgebildeten Futures-Kontrakt mit Liefertermin Oktober bei 95,30 US-Dollar wartet. Erst darüber hätten die Bullen das Ringen gewonnen … aber gegen sie zu wetten hieße, darauf zu setzen, dass im Hintergrund gerade entscheidende Schritte in Richtung einer Bereinigung der Lage in der Straße von Hormus gelingen. Und das scheint auf Basis der momentanen Nachrichtenlage ein gewagtes Unterfangen zu sein.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 10.08.2026 um 23:17 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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