Der US-Präsident ändert abrupt seine „Strategie“ gegenüber dem Iran, der US-Finanzminister verkündet mit markigen Worten vage, was man tun will, und der Ölpreis fällt. Doch die Frage, die sich vermutlich alle am Ölmarkt stellen, hat ihre Berechtigung: Reicht das für eine Wende?
Man werde nunmehr beispiellose Maßnahmen zur wirtschaftlichen Isolation des Irans vornehmen, so der US-Präsident in der vergangenen Woche. Und alle, die weiterhin mit dem Iran Handel treiben würden, würden ernsten Konsequenzen entgegensehen. Diese Aussagen sollten am Montagabend in einer Pressekonferenz von US-Finanzminister Bessent konkretisiert werden, doch die versammelten Journalisten sowie die gespannten Anleger bekamen keine klaren Fakten, sondern erneut markige Worte ohne wirklich klare Aussagen zu hören. Der US-Präsident kontaktiere gerade die Länder, die nach seinem Willen den Handel mit dem Iran komplett einstellen sollen. Da die Vereinigten Arabischen Emirate dies bereits getan haben, dürfte es da vor allem um China und die Türkei gehen. Und da kommen bereits die ersten Fragen auf:
Werden sich diese beiden Länder wirklich Trumps Willen aufzwingen lassen, der sich ein Recht nehmen will, das er nicht hat, indem er in den Handel von zwei Ländern eingreifen will, von denen keines die USA ist? Würden die USA ggf. einen Verbündeten (Türkei) oder einen wirtschaftlichen Riesen, mit dem man sich sowieso schon angelegt hat (China), mit Sanktionen belegen, die vermutlich, wie fast immer in solchen Fällen, auch der US-Wirtschaft Nachteile bringen würden?
Und letztlich noch wichtiger ist die Frage: Wird das den Iran wirklich in die Knie zwingen? Kann das dazu führen, dass der seine Ambitionen in Bezug auf die Kontrolle der Straße von Hormus aufgibt und der Schiffsverkehr dort zeitnah wieder frei abgewickelt werden kann? Wobei man zwar aktuell den Eindruck gewinnt, dass die US-Streitkräfte sukzessive mehr Kontrolle über die Meerenge erlangen, aber „sicher“ ist sie noch nicht: Der Schiffsverkehr bleibt eingeschränkt und für eine ausreichende Ölversorgung zu gering. Was auch bedeutet:
Expertenmeinung: Trumps neue Vorgehensweise müsste nicht nur grundsätzlich funktionieren. Für eine Beruhigung der Lage am Ölmarkt und nennenswert sinkende Kurse müsste sie auch schnell funktionieren.
Und da kommen massive Zweifel ins Spiel. Selbst, wenn es gelingen sollte, die Regierungen in Ankara und Peking dazu zu bringen, keinen Handel mit dem Iran zu treiben und ihm zudem keine Plattform für Geldtransfers zu bieten, würde es bei einem Regime, wie man es in Teheran vorfindet, lange dauern, bis man dort tatsächlich einknickt. Zumindest, solange die USA nicht zugleich erneut militärisch agieren würden. Für eine freie Passage durch die Straße vor Hormus könnte das, was Donald Trump als „beispiellosen Wirtschaftskrieg“ ansieht, mittelfristig womöglich funktionieren. Aber nicht kurzfristig.
Daher sollte man den Rückgang bei Brent Crude Oil als Reaktion auf diese Aussagen von US-Finanzminister Bessent lieber nicht überbewerten. Vor allem nicht, weil dieses Minus des Dienstags aus Sicht des bullischen Lagers bislang nichts anderes ist als das Entstehen der Notwendigkeit, für einen Ausbruch über das letzte Zwischenhoch vom Juli (bei 93,66 US-Dollar pro Barrel, bezogen auf den hier abgebildeten Future mit Liefertermin November, der aktuell zur nächstliegenden Laufzeit wird) noch einmal neu ansetzen zu müssen.

Alle wichtigen, potenziellen Supportlinien liegen derzeit noch unterhalb des aktuellen Kurses. Erst, wenn Brent Crude mit Schlusskursen unter 76,76 US-Dollar ein Doppeltopp vollendet hätte, dann die nahe gelegene 200-Tage-Linie bei aktuell 73,63 US-Dollar unterboten und idealerweise auch noch das Juli-Tief bei 67,04 US-Dollar unterschritten hätte, könnte man sagen: Das war sie, die Abwärtswende. Was wir bislang im Chart sehen, ist nichts als eine kleine Chance, dass die Hoffnung auf freie Fahrt in der Passage von Hormus bald mehr ist als Wunschdenken. Und das ist zu wenig, um jetzt bereits für einen weiter steigenden Ölpreis Entwarnung geben zu wollen.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 25.08.2026 um 19:40 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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