Mit einem Minus von 7,4 Prozent sackte Brent Crude Oil am Tag vor den US-Zwischenwahlen auffällig stark durch. Manch einer mag darin den Beginn einer nachhaltigen Abwärtswende sehen … aber mit solchen Hoffnungen sollte man vorsichtig sein.
Angesichts der vermutlich sehr risikohaltigen Spekulation auf steigende Ölpreise ist es am Vortag der Midterm Elections in den USA nicht unbedingt verwunderlich, dass manch ein hoch gehebelter, long investierter Trader vor der Wahl lieber seine Gewinne mitnimmt. Immerhin gab es da auch einiges mitzunehmen, Sie sehen im Chart, dass der jetzt aktuelle Futures-Termin mit Lieferung im Januar zuvor ein neues Hoch erreicht hatte. Und es ist ebenso wenig überraschend, dass sich da zu wenige fanden, um in fallende Kurse hinein ausgerechnet jetzt neue Long-Trades aufzubauen, um diesen kräftigen Abwärtsschub aufzuhalten. Aber eine Wende ist das noch nicht, nicht einmal aus charttechnischer Sicht.

Denn Brent Crude Oil ist dadurch zwar am oberen Ende einer auf das Frühjahr zurückgehenden Hausse-Begrenzungslinie abgeprallt. Aber die Anfang Juli etablierte Aufwärtstrendlinie ist noch weit entfernt. Erst, wenn diese momentan bei 93 US-Dollar verlaufende Linie fallen würde, könnte man eine mittelfristig relevante Abwärtswende unterstellen. Aktuell hat der Kurs sogar die 20-Tage-Linie noch halten können.
Da müsste also deutlich mehr passieren, bevor die Bullen nicht nur als in Deckung gegangen, sondern als geschlagen gesehen werden könnten. Und dass das vermutlich nicht leicht sein dürfte, deutet sich an, wenn man sich überlegt, was das Motiv hinter dem Montagsabverkauf sein könnte.
Expertenmeinung: Die Überlegung, dass die US-Demokraten, falls sie aus der heutigen Wahl als Sieger hervorgehen, Druck auf die US-Regierung ausüben werden, diesen Iran-Krieg als Hauptfaktor der Angebotsverknappung bei Rohöl zu beenden, ist sicher richtig. Dass das aber unmittelbar nach der Wahl beginnen und dann auch noch schnell gelingen kann, nicht.
Denn davon abgesehen, dass die neuen Kammern des Kongresses erst Anfang kommenden Jahres zusammentreten, kann der US-Präsident mit seinen „Presidential Orders“ agieren, die man zwar in Repräsentantenhaus und Senat ausbremsen könnte, aber das dauert seine Zeit, bei jeder Presidential Order aufs Neue. Und bis neue Machtverhältnisse tatsächlich gegeben sind, könnte Mr. Trump die angeblich militärisch bereits vorbereitete, neue Eskalation in Bezug auf den Iran ungehindert durchführen.
Zumal da ja noch der Iran wäre: Angenommen, man würde im Weißen Haus beschließen, eine Eskalation abzublasen, würde man in Teheran vermutlich die eigenen Bedingungen für die Freigabe der Straße von Hormus und die Eindämmung der Aktivitäten der Huthi-Rebellen noch höher ansetzen, was wiederum einen Rückzieher der USA zu einer derartigen Niederlage gestalten würde, dass man in Washington gar nicht daran denken dürfte, diesen Weg zu gehen.
Für eine echte Trendwende nach unten bräuchte es bei Brent Crude Oil eine Normalisierung des Angebots. Ein Wahlsieg der Demokraten würde dieses Ziel zwar realistischer machen. Aber es wäre eben nicht zeitnah zu erreichen. Zugleich könnte eine Eskalation die Lage sogar noch verschärfen, daher: Diesen Abbau von Long-Trades bei Brent Crude bereits als den Beginn einer größeren Abwärtsbewegung zu feiern, wäre vermutlich ein Fehler. Weitere Abgaben wären auf kurzfristiger Ebene zwar möglich, falls die Wahl in den USA die von einigen vermutete „blaue Welle“ bringen sollte. Aber bis man in Sachen Ölpreis aufatmen kann, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen.
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 02.11.2026 um 22:04 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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