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EUR.USD Prognose Euro/US-Dollar: Der „Krisen-Indikator“ gibt noch keine Entwarnung

Aktuelle Entwicklung des EUR.USD

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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Vorherige Analysen von EUR.USD

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 05.03.2026 um 23:08 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Erstmals seit einem Jahr notiert die Euro/US-Dollar-Relation wieder unter ihrer 200-Tage-Linie. Zudem ist sie an einem markanten, langfristigen Kreuzwiderstand abgeprallt. Beginnt jetzt die Renaissance des US-Dollars?

Euro/US-Dollar: Chart auf Tagesbasis vom 05.03.2026, Kurs 1,1603 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Chart auf Tagesbasis vom 05.03.2026, Kurs 1,1603 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Der rasante Anstieg des Euro in der zweiten Januarhälfte, durch den der Ausbruch aus der die zweite Jahreshälfte 2025 dominierenden Handelsspanne gelang, ist jetzt komplett abverkauft, d.h. der US-Dollar hat das verlorene Terrain zurückgewonnen. Doch damit stellt sich die charttechnische Lage nicht nur neutral dar, der Greenback, d.h. der US-Dollar, hat aus technischer Sicht deutlich gepunktet:

Zum einen, weil das Währungspaar dadurch genau am Kreuzwiderstand aus der oberen Begrenzung des 2022er-Aufwärtstrendkanals und den Jahrestiefs 2010 und 2012 abdrehte. Zum anderen, weil der Ausgangspunkt der Januar-Euro-Rallye, der im Januar genau auf der 200-Tage-Linie lag, zwar wieder erreicht ist, der Kurs dadurch aber jetzt unter diesem gleitenden Durchschnitt notiert. Kurzfristig wäre der Weg nach unten dadurch der leichtere, ein Test der nächstgelegenen Unterstützungslinien bei 1,1469 und 1,1396 US-Dollar ein realistisches Szenario. Aber wird da auch mehr daraus, sprich wäre eine Euro-Short-Position jetzt aussichtsreich?

Euro/US-Dollar: Chart auf Monatsbasis vom 05.03.2026, Kurs 1,1603 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS
Euro/US-Dollar: Chart auf Monatsbasis vom 05.03.2026, Kurs 1,1603 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Expertenmeinung: Da wären zumindest erhebliche Zweifel angebracht. Der US-Dollar zog vor allem in dem Augenblick an, als die militärische Intervention der USA im Iran begann. Kriegerische Handlungen, Unsicherheit, steigende Energiepreise: Das bedeutet Krise und in solchen Fällen gibt es seit eh und je eine Art „Reflex“ am Markt: Man „flieht“ in den Greenback. Die Frage ist jedoch, ob man in diesem Fall Kapital genau dorthin umschichtet, wo es eben nicht wirklich solide untergebracht wäre.

Denn wir sehen genau die Entwicklung, die der US-Präsident vor der Wahl nicht wollte: Keine „Abenteuer“ irgendwo in der Welt mehr. Und schon gar keine, die endlos dauern und ohne wirklichen Effekt bleiben. Doch derzeit lässt sich seitens der USA nicht erkennen, was genau man erreichen will und wie man aus der Sache wieder herauszukommen gedenkt. Und die konjunkturellen Risiken, die sich durch steigende Energiepreise und unsichere Schifffahrtsrouten ergeben, betreffen die US-Wirtschaft ebenso wie den Rest der Welt. Was auch für die Inflationsgefahr gilt, die aus den deutlich angezogenen Öl- und Gaspreisen resultiert. Dass die US-Notenbank in einem solchen Umfeld erst einmal keine Zinssenkungen riskieren dürfte, mag sein. Aber das wäre nur dann ein Pluspunkt für den US-Dollar, wenn es in Europa anders liefe, sprich sich der Zinsabstand zum Euroraum vergrößern würde. Aber das ist, da beide Währungsräume durch diese Entwicklung die gleichen Risiken vor sich haben, nicht zu erwarten.

Über diesen so typischen „Krisenreflex“ hinaus spricht daher erst einmal wenig für eine nachhaltige Wende zugunsten des US-Dollars und somit auch nicht für einen mittel- oder gar langfristigen Abstieg der Euro/US-Dollar-Relation. Und da diese ersten Reaktionen erfahrungsgemäß nur dann in Stein gemeißelt werden, wenn sich solche Argumente zeigen, wäre es womöglich keine schlechte Idee, das Thema Euro Short mit Vorsicht zu genießen und eher auf der Euro-Long-Seite auf die Lauer zu legen.

Um wieder bullisch zu werden, müsste Euro/US-Dollar zwar erst einmal ein gutes Stück steigen und über 1,1928 US-Dollar laufen. Aber je nachdem, wie sich die geopolitische Lage entwickelt, könnte das nicht nur gelingen, sondern womöglich sogar recht schnell gehen. Doch das „könnte“ muss man hier, wie bei unberechenbaren Rahmenbedingungen immer, dick unterstreichen. Einem neuen Aufwärtsimpuls des Euros vorzugreifen, wäre deshalb absolut nicht ratsam.

Aussicht: Neutral

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 24.02.2026 um 22:02 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Ob man einen schwachen US-Dollar für angemessen hält oder nicht, ist das Ergebnis einer subjektiven Beurteilung einzelner Fakten oder schlicht „Ansichtssache“. Daher konzentrieren sich viele Akteure auf die Charttechnik. Und die liefert weiter solide Entscheidungsgrundlagen.

Diese Einschätzung wurde am späten Dienstagabend erstellt und damit vor der „State of the Union“-Rede von US-Präsident Trump. Ob das, was er da sagen wird, den Devisenmarkt in Wallung bringt, muss sich also erst einmal zeigen. Aber oft sind solche Reaktionen eher kurzfristiger Natur. Was auch für andere, eigentlich rational betrachtet trendrelevante Aspekte gilt wie das Zinsniveau im US- und im Euroraum, das Umfeld für Investitionen, das grundsätzliche Vertrauen in die Bonität und anderes mehr. Mittel- und langfristig sind diese Dinge zweifelsohne ein gewichtiger Faktor. Aber für die kurzfristigen Bewegungen am Forex-Markt sind kurzlebige Schlagzeilen wichtiger … und vor allem die Charttechnik.

Expertenmeinung: Dass der US-Dollar in den vergangenen Wochen wieder stärker wurde (die Relation Euro/US-Dollar also fiel), nachdem es gelang, am 27. Januar mit 1,2083 US-Dollar pro Euro den höchsten Stand seit Sommer 2021 zu erreichen, basiert daher weniger darauf, dass sich die Einschätzung am Devisenmarkt hinsichtlich fundamentaler Faktoren entscheidend gewandelt hätte. Diese im Verhältnis zum Euro-Anstieg zuvor bislang ja nur leichte Dollar-Stärke kann an dem immer noch vorhandenen „Reflex“ liegen, tendenziell den US-Dollar zu kaufen, wenn es in Sachen Geopolitik wieder kritischer wird, so wie jetzt in Bezug auf die Drohkulisse der USA gegenüber dem Iran.

Aber wenn wir uns den Chart auf Tages-, vor allem aber auf Monatsbasis ansehen, liegt der Gedanke nahe, dass das reine Trading hier eine mindestens ebenso große Rolle gespielt haben dürfte.

Denn Sie sehen, dass Euro/US-Dollar per Ende Januar die obere Begrenzung der Widerstandszone 1,1876 zu 1,2042 US-Dollar erreicht und zugleich die obere Begrenzung des 2022er-Aufwärtstrendkanals kurz überboten hatte. Damit war ein langfristiges, charttechnisches Kursziel erreicht worden … und das bei zugleich auf Monatsbasis im überkauften Bereich rangierenden, markttechnischen Indikatoren, hier im Chart der Stochastik-Oszillator.

Euro/US-Dollar: Tageschart vom 24.02.2026, Kurs 1,1777 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tageschart vom 24.02.2026, Kurs 1,1777 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Ohne neue Argumente pro US-Dollar dürfte das womöglich eine Zeitlang einen Deckel für den Euro-Anstieg bedeuten. Aber für eine echte Trendumkehr zu Gunsten des US-Dollars müsste mehr passieren … was sich derzeit mit Blick auf einen dem Trump-Lager zugeneigten, anstehenden US-Notenbankchef, die weiter steigende US-Schuldenblase und die unstete, für Investoren problematische Politik im Weißen Haus nicht abzeichnet.

Erst, wenn das Währungspaar die derzeit bei 1,1654 US-Dollar verlaufende 200-Tage-Linie unterbieten sollte, würde das Chartbild tatsächlich langsam in Richtung eines über eine Korrektur hinaus erstarkenden US-Dollars schwenken. Aber solange sich nicht zugleich die Rahmenbedingungen verändern und in das gleiche Horn eines festeren Dollars stoßen, sollte man sogar dann mit Euro-Short-Trades eher vorsichtig sein.

Aussicht: neutral

Euro/US-Dollar: Wochenchart vom 24.02.2026, Kurs 1,1777 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Wochenchart vom 24.02.2026, Kurs 1,1777 US-Dollar, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS
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Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 26.01.2026 um 21:35 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Im September war der Euro zum US-Dollar in eine massive, langfristige Widerstandszone gelaufen und hatte dort erst einmal abgedreht. Doch jetzt nimmt er einen neuen Anlauf. Ein Ausbruch nach oben hätte Signalwirkung – aber nicht nur positive Folgen für unsere Wirtschaft.

Bei 1,1919 US-Dollar für einen Euro wurde im vergangenen September das 2025er-Jahreshoch erreicht. Gestern war der Kurs mit einem Tageshoch bei 1,1907 US-Dollar fast an dieser Marke dran – und bleibt in Reichweite, die Widerstandszone 1,1789/1,1919 US-Dollar zu überwinden.

Zwar wäre die langfristig entscheidende Zone damit noch nicht bezwungen, die liegt im Bereich 1,1876/1,2042 US-Dollar und setzt sich aus den Tiefs der Jahre 2010 und 2012 zusammen. Hinzu kommt die obere Begrenzung des 2022er-Aufwärtstrendkanals die, wie der Chart auf Monatsbasis zeigt, aus dieser Widerstandszone einen massiven Kreuzwiderstand macht. Aber dass der Euro ausgerechnet jetzt Stärke zeigt, lässt ahnen, warum das so ist, und deutet an, dass ein solcher Ausbruch nach oben keineswegs unrealistisch wäre:

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 26.01.2026, Kurs 1,1873 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 26.01.2026, Kurs 1,1873 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Internationale Investoren werden gegenüber den USA und damit gegenüber der Solidität ihrer Währung und ihres Finanzsystems vorsichtiger und tendieren mehr zum Euro denn zum US-Dollar als zuvor. Doch dieser „Vertrauensbeweis“ könnte für die Eurozone-Wirtschaft äußerst problematisch werden.

Expertenmeinung: Grundsätzlich bedeutet eine starke Währung zwar eine höhere Nachfrage nach den dortigen Assets, seien es Aktien oder Anleihen. Es deutet an, dass internationale Investoren und Unternehmen ihr Geld da in guten Händen wähnen. Aber der daraus ableitbare Vorteil steigender Kurse an den Börsen und der Chance auf neue Arbeitsplätze ist ein „Könnte“. Die Schattenseite einer starken Währung ist hingegen ein Faktum:

Es bremst die Exporteure aus, zumindest wenn die Währung deutlicher zulegt. Dass immer mehr Unternehmen in der Eurozone damit anfangen, bei ihren Bilanzen „währungsbereinigte“ Gewinne auszuweisen, unterstreicht das. Damit will man den Investoren zeigen, dass man eigentlich deutlich mehr verdient hätte, wären die Währungen, mit denen die Waren und Dienstleistungen außerhalb der Eurozone bezahlt wurden, nicht zum Euro weniger wert geworden. Und die Alternative, den Preis im Ausland entsprechend des Abstiegs der Währung anzuheben, ist meist keine gute, weil Konkurrenten aus anderen Währungsräumen das nicht tun müssen und so das verkaufen, was Eurozone-Unternehmen dann zu höheren Preisen nicht loswerden. Es läuft also auf die Alternative sinkender Auslandsumsätze oder sinkender Gewinnspannen hinaus.

Zwar werden dadurch Importe von außerhalb der Eurozone im Gegenzug günstiger, vor allem bei Rohstoffen ist das derzeit von Vorteil, weil die alle in US-Dollar fakturiert werden. Aber normalerweise kann das den Nachteil beim Export im gesamtwirtschaftlichen Bild nicht ausgleichen, zumal so hinzukommt, dass US-Firmen hierzulande Gewinnmargen erzielen oder aber ihre Preise senken können … was den Eurozone-Herstellern zum Schaden gereichen würde.

So betrachtet zeigt die Stärke des Euros zwar, dass die USA in der internationalen Investorengunst an Boden verlieren, und wirkt wie ein „Kompliment“ für die Eurozone. Aber sollte Euro/US-Dollar diese Widerstandszone 1,1876/1,2042 US-Dollar mit dann nächstem Kursziel 1,2349 US-Dollar pro Euro überbieten, wäre das für die Wachstumsperspektiven der Eurozone insgesamt und die Deutschlands mit seinem starken Exportanteil im Besonderen alles, nur nicht erfreulich.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 26.01.2026, Kurs 1,1873 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 26.01.2026, Kurs 1,1873 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS
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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 04.11.2025 um 23:20 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Eigentlich spricht derzeit nicht viel dafür, beim US-Dollar mittelfristig bullisch zu sein. Doch es ist der Euro, der in dem Währungspaar Euro/US-Dollar derzeit schwächelt. Ist das nur ein vorübergehendes „Ausatmen“ … oder könnte der Greenback zu alter Stärke zurückfinden?

Politische Stabilität und wirtschaftliche Stärke als ideale Basis für Investoren, seien es internationale Anleger am Aktien- oder Anleihemarkt oder für ausländische Unternehmen, die in Produktion investieren: Das waren lange Zeit entscheidende Pluspunkte für die US-Währung. Und wenn Geld in die USA fließt, muss es in US-Dollars getauscht werden, bevor man es einsetzen kann.

Doch dieser Tage ist das mit der politischen Stabilität so eine Sache. Man mag die EU gerne als zu langsam reagierenden und uneinigen Papiertiger ansehen, aber in den USA weiß man derzeit nie sicher, was morgen sein wird – das ist für Investoren noch problematischer. Und wie stark die US-Wirtschaft derzeit wirklich ist und, wichtiger noch, wie sie sich in ein, zwei Jahren präsentieren wird, weiß man einfach nicht genau. Nicht zuletzt wegen der immer zahlreicheren Konjunkturdaten, die wegen des Shutdowns ausbleiben. Aber einen Pluspunkt hat der US-Dollar momentan angeblich: die Zinsperspektive gegenüber der Eurozone. Ist das so?

Expertenmeinung: Das könnte man so auslegen, aber dann erst einmal nur auf kurzfristiger Ebene. Die eher nicht auf eine umgehende, weitere Leitzinssenkung in den USA hindeutenden Aussagen des US-Notenbankchefs nach der jüngsten Sitzung in der vergangenen Woche wurden so interpretiert, dass der US-Leitzins und mit ihm auch die Renditen der US-Anleihen länger hoch bleiben werden als gedacht. Also, so die Schlussfolgerung derer, die daraufhin beim Greenback Long gingen, stärkt das den US-Dollar. Kurzfristig mag man das so stehen lassen. Aber mittelfristig?

Die EZB hat ihre Leitzinsen bereits auf einen neutralen Level gesenkt, die US-Notenbank muss mit recht hoher Wahrscheinlichkeit nachziehen. Das wird sich in dem insgesamt problematischen Umfeld, in dem sich die US-Wirtschaft bewegt, auch bei einem moderat zu hohen Inflationsniveau eher nicht vermeiden lassen. Und gehen die US-Zinssenkungen weiter, wäre auch dieses kurzfristig den Dollar stützende Argument dahin. Aber:

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 04.11.2025, Kurs 1,1478 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 04.11.2025, Kurs 1,1478 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Rein von der Charttechnik her wäre eine Korrektur des Euro zum US-Dollar allemal drin. Wir sehen, dass die Währungsrelation auf kurzfristiger Ebene knapp ein Topp vollendet hat, das nächste charttechnische Kursziel wäre jetzt das Tief vom 31. Juli bei 1,1404 US-Dollar pro Euro. Unterstützt würde der Korrektur-Gedanke auch dadurch, dass Euro/US-Dollar auf Monatsbasis mit den Kerzen der Monate August, September und Oktober einen „Evening Star“ hervorgebracht hat, der auch noch am oberen Ende des 2020er-Aufwärtstrendkanals liegt.

Doch erst, wenn die bis ins Jahr 2023 zurückreichende Unterstützungszone im Bereich 1,1200/1,1275 US-Dollar fallen sollte, hätte die Schwäche des Euro mittelfristige Relevanz. Und dazu müsste aus heutiger Sicht mehr passieren als einige „hawkishe“ Formulierungen des US-Notenbankchefs.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 04.11.2025, Kurs 1,1478 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 04.11.2025, Kurs 1,1478 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS
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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Es hätte nicht überrascht, wenn der US-Dollar jetzt, da in den USA ein Shutdown für Probleme sorgen wird und diese Situation an sich zeigt, wie zerrüttet die politische Landschaft ist, kräftig abgerutscht wäre. Aber das tat er nicht, denn andere Faktoren hielten dagegen.

Sollte es nicht doch noch zu einer überraschenden Einigung zwischen Republikanern und Demokraten kommen, wird das Scheitern der Haushaltsverhandlungen und die daraus resultierende Schließung von Behörden unter anderem dazu führen, dass die morgigen US-Arbeitsmarktdaten nicht kommen. Und, wenn die Sache sich zieht, auch keine Zahlen zur US-Inflation. Das ist hochproblematisch. Und dass man nicht einmal imstande ist, die kleinen Schritte aufeinander zuzugehen, um den geplanten Übergangshaushalt durchzubringen, der dann immerhin wieder Zeit bis zu dessen Auslaufen gebracht hätte, ist ein Aspekt, der gegen die USA als Ziel für Investitionen spricht. Und das ist ja nicht der einzige.

Was derzeit im Weißen Haus passiert bzw. losgetreten wird, dürfte dem Gros potenzieller Investoren quer im Magen liegen. Politische Verlässlichkeit und Stabilität, früher ein großer Pluspunkt des US-Dollar-Raums, ist derzeit nicht gegeben. Und der Shutdown unterstreicht das. Das hätte den Greenback zum Euro eigentlich drücken müssen. Und nicht nur das.

Denn während die offiziellen US-Arbeitsmarktdaten vermutlich ausfallen, kamen am Mittwoch die privat von ADP ermittelten Zahlen zu den im Privatsektor neugeschaffenen Arbeitsplätzen sehr wohl. Und fielen fatal aus. Statt der im Vorfeld geschätzten 52.000 neuen Jobs im September, meldete ADP einen Stellenabbau um 32.000. Und nicht nur das, das August-Ergebnis wurde von +54.000 auf -2.000 revidiert. Was hieße: Die Zinssenkungen der US-Notenbank müssten weitergehen. Und das zügig. Was wiederum den Zinsvorteil der US-Anleihen gegenüber denen des Euroraums schmälern würde: auch ein Argument für einen schwächeren US-Dollar. Aber am Ende des Tages ging das Währungspaar zum Vortag kaum verändert aus dem Handel. Wieso?


Expertenmeinung: Ein Argument dürfte gewesen sein, dass die US-Wirtschaft trotz des wackligen Arbeitsmarkts und der politischen Unsicherheit deutlich stärker daherkommt als gedacht. Zumindest in Bezug auf die offiziellen Wachstumszahlen. Die letzte Berechnung des US-Bruttoinlandsprodukts des zweiten Quartals hatte vergangene Woche einen Anstieg von 3,8 Prozent in der annualisierten Rate ausgewiesen. Und der GDPNow-Tracker der regionalen US-Notenbank von Atlanta meldet derzeit für das jetzt beendete dritte Quartal, zu dem erste Berechnungen Ende Oktober anstehen, ein Wachstum von erneut 3,8 Prozent.

Wie verlässlich solche Zahlen sind, sei mal dahingestellt. Aber sie suggerieren, dass das Wachstum der USA brummt … und ließen den Schluss zu, dass es, würde es nicht diese Unsicherheitsfaktoren geben, erst recht stark wäre. Und das wiederum spricht für einen starken US-Dollar.

Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 01.10.2025, Kurs 1,1735 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Monats-Chart vom 01.10.2025, Kurs 1,1735 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS

Es wäre denkbar, dass der US-Dollar zum Euro doch noch schwächer geht, wenn der Shutdown sich länger hinzieht und die Gräben in Repräsentantenhaus und Senat dadurch noch viel tiefer werden. Aber für den Moment hat diese ausgebliebene, negative Reaktion des Greenbacks den Deckel, der auf der Euro/US-Dollar-Relation liegt, noch schwerer gemacht.

Es ist ja durchaus eine massive Charthürde, an welcher das Währungspaar bislang hängen geblieben ist, dieser Kreuzwiderstand aus den Tiefs der Jahre 2010 und 2012 und der oberen Begrenzung des 2022er-Aufwärtstrendkanals im Bereich 1,1876/1,2042 US-Dollar pro Euro. Im September schlug ein zweiter Ausbruchsversuch nach dem ersten vom Juni/Juli fehl, jetzt wurde die Chance, sich nach oben abzusetzen, erneut liegen gelassen. Noch gibt das Chartbild kein euro-bärisches Bild ab. Aber der nächste Schub der US-Dollar-Schwäche sollte jetzt besser einen klaren Beleg im Chartbild haben, bevor man auf ihn setzt. Und da wäre es durchaus angebracht, ein „großes“ Signal einzufordern, sprich einen signifikanten Ausbruch über diesen „Deckel“ bei 1,1876/1,2042 US-Dollar.

Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 01.10.2025, Kurs 1,1735 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Euro/US-Dollar: Tages-Chart vom 01.10.2025, Kurs 1,1735 USD, Kürzel: EUR.USD | Quelle: TWS
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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.