Der Kurssturz wirft unbequeme Fragen auf. Uber hat die Erwartungen verfehlt und einen schwachen Ausblick vorgelegt. Fangen die Probleme gerade erst an?
Ein Kurssturz mit Fragezeichen
Die Indizes kleben regelrecht an den Allzeithochs, der kleine Rücksetzer im S&P 500 kann kaum als Korrektur bezeichnet werden. Es handelt sich um ein laues Lüftchen. In den letzten Tagen wurden trotzdem einige Kursalarme ausgelöst – und das ist ungewöhnlich, denn normalerweise geschieht das nur während Börsencrashs.
Diese fragwürdige Ehre ist beispielsweise auch Uber zuteil geworden. Die Aktie hat innerhalb weniger Wochen etwa ein Viertel an Wert verloren. Im Vergleich zu vielen anderen Unternehmen sind die Kursverluste moderat, aber in absoluten Maßstäben ist es trotzdem schmerzhaft.
Wer investiert ist, wird sich unweigerlich die Frage stellen, ob das eine gute Idee ist. Vor allem, da die jüngsten Quartalszahlen und der Ausblick nicht sonderlich vertrauenserweckend sind. Obendrein hat der CFO seinen Hut genommen.
Gerät Uber jetzt für längere Zeit in unruhiges Fahrwasser, oder ist es nur ein kurzer Knick in einer intakten Erfolgsgeschichte?
Erwartungen verfehlt
Der Gewinn lag im Schlussquartal mit 0,71 USD je Aktie unter den Erwartungen von 0,78 USD. Mit einem Umsatz von 14,4 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 14,3 Mrd. USD knapp übertroffen.
Obendrein stellt Uber für das erste Quartal nur ein Ergebnis von 0,65 – 0,72 USD je Aktie in Aussicht und hat die Erwartungen in Höhe von 0,76 USD je Aktie ebenfalls verfehlt.
Auf den ersten Blick ist das nicht überzeugend. Dabei wurde scheinbar ignoriert, dass der Umsatz auf Jahressicht um 22 % und der Gewinn um 27 % gesteigert werden konnten.
Aus meiner Sicht ist es sehr viel wichtiger, dass reale Fortschritte erzielt werden – denn dadurch könnte langfristig ein Mehrwert für Anleger geschaffen werden und nicht dadurch, dass arbiträre Konsensschätzungen erfüllt werden.
Dasselbe gilt für den Ausblick. Der mag zwar unter den Erwartungen gelegen haben, entspricht jedoch einem Anstieg der Bookings um 17 – 21 % und im Mittel einem Gewinnsprung von 37 %.
Warum ein zweiter Blick lohnen könnte
Das überzeugendste Argument für Uber liefert jedoch der freie Cashflow, der im Schlussquartal um 65 % auf 2,81 Mrd. USD gesteigert werden konnte und damit weit über dem gemeldeten Gewinn lag.
Die FCF-Marge erreichte einen Wert von 19,5 %.
In Summe konnte Uber den freien Cashflow im Geschäftsjahr 2025 um 42 % auf 9,76 Mrd. USD steigern.
Ob das an der Börse alles wirklich verstanden wird, ist fraglich. Viel wahrscheinlicher ist, dass mal wieder nur Überschriften gelesen werden: „Uber hat schließlich die Erwartungen verfehlt und einen enttäuschenden Ausblick vorgelegt“.
Dabei könnte das große Bild übersehen werden. Uber ist längst kein reines Taxi- oder Ride-Hailing-Unternehmen mehr. Es entwickelt sich zum zentralen Betriebssystem für urbane Mobilität und Logistik.
Uber ist kein Taxi-Unternehmen mehr
Das Management geht fest davon aus, diese Zusagen auch im letzten Jahr des Dreijahresausblicks zu erfüllen. Das ist keine Selbstverständlichkeit in einer Branche, die von intensivem Wettbewerb und regulatorischen Eingriffen geprägt ist.
Uber startet 2026 mit über 200 Millionen monatlich aktiven Nutzern. Diese Basis ist das Fundament für alles, was folgt. Neue Services, neue Preismodelle und neue Technologien lassen sich auf dieser Plattform schneller ausrollen als bei jedem Wettbewerber. Genau deshalb hält das Unternehmen an einem klaren operativen Rahmen fest.
Uber investiert nicht mehr blind und mit Fokus auf Wachstum, sondern mit klarer Renditeerwartung.
Tatsächlich lagert Uber das operative und finanzielle Risiko immer mehr an Partner aus. Statt selbst Fahrzeuge zu entwickeln oder auch nur zu kaufen, versteht sich das Unternehmen als neutraler Marktplatz und Orchestrator. Hersteller, Flottenbetreiber und Technologiepartner liefern die Hardware und Software, Uber liefert Nachfrage, Routing, Abrechnung und Skalierung.
Ein aktuelles Beispiel ist die ausgeweitete Partnerschaft mit WeRide. Gemeinsam wollen die Unternehmen mindestens 1.200 Robotaxis im Nahen Osten auf die Straße bringen. Die Städte Abu Dhabi, Dubai und Riad stehen im Fokus, der Rollout soll bis spätestens 2027 abgeschlossen sein.
Dabei handelt es sich nur um eins von mehreren Beispielen und größeren Projekten. Gemeinsam mit Stellantis will man 5.000 Fahrzeuge auf die Straße bringen.
Fazit:
Uber ist kein Taxi-Unternehmen, sondern ein digitaler Infrastruktur- und Plattform-Anbieter mit einer Kundenbasis von mehr als 200 Millionen Kunden, die in Zukunft mit Partnern monetarisiert werden soll.
Wer Uber heute nur als Fahrdienst sieht, unterschätzt die strategische Tiefe. Es handelt sich vor allem um eine Plattform, die Menschen, Waren und künftig autonome Fahrzeuge effizient miteinander verbindet.
Das Entscheidende dabei ist, dass die Grenzkosten für weitere Anbieter auf der einen Seite und mehr Nutzer auf der anderen gegen null tendieren.
Das macht das Geschäft potenziell vergleichsweise sehr profitabel. Die derzeit erzielte FCF-Marge von etwa 20 % dürfte längst nicht das Ende der Fahnenstange sein.
Ausblick und Bewertung
Den Konsensschätzungen zufolge soll der freie Cashflow im laufenden Geschäftsjahr um 12 % auf 5,16 USD je Aktie steigen.
Dass die Dynamik nach einem FCF-Anstieg um 42 % im letzten Geschäftsjahr und 65 % im Schlussquartal so stark abnehmen wird, ist fraglich.
Sollten die Erwartungen nicht zu niedrig sein, kommt Uber auf einen forward P/FCF von 14,6. In den letzten beiden Jahren lag der P/FCF durchschnittlich bei 25 und nie unter 18.
Daher ist es folgerichtig, dass das Unternehmen inzwischen im großen Stil eigene Aktien zurückkauft.
Im Geschäftsjahr 2025 wurden dafür 6,52 Mrd. USD aufgewendet, wodurch die Zahl der ausstehenden Aktien von 2,141 auf 2,106 Milliarden Stück reduziert werden konnte.
Die Barmittel sind im Jahresverlauf dennoch gestiegen und summierten sich zuletzt auf 7,6 Mrd. USD.

Uber ist zu den zentralen Aufwärtstrends der letzten Jahre zurückgekommen. Jetzt müssen die Bullen beweisen, ob sie die Kraft haben, sie zu verteidigen.
Sollte die Aktie unter 72 USD fallen, muss mit einer Ausdehnung der Korrektur in Richtung 63,50 – 66,50 USD gerechnet werden.
Gelingt hingegen eine Rückkehr über 80 USD, entspannt sich die Lage. Über 82 USD käme es zu einem Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 87 und 90 – 91 USD.
--- ---
--- (---%)Displaying the --- chart
Heutigen Chart anzeigen





