Hören Sie sich die Audioversion dieses Artikels an (KI-generiert).
Der in der Schweiz und den Niederlanden ansässige Chiphersteller STMicroelectronics legte am Donnerstag das Ergebnis des 2. Quartals vor und wies beeindruckende Wachstumsraten aus. Die Aktie fiel jedoch trotzdem … und das deutlich. Eine Reaktion mit Signalwirkung?
STMicroelectronics steigerte den Umsatz im 2. Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 26 Prozent auf 3,49 Milliarden US-Dollar und übertraf dabei die durchschnittliche Prognose der Analysten. Operativ wurde nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum wieder ein Gewinn erzielt, wobei die dabei erzielten 0,31 US-Dollar pro Aktie klar über der Konsensprognose der Experten von 0,25 US-Dollar lagen – ein überproportionaler Anstieg im Vergleich zum Umsatz, basierend auf einer von 33,8 auf 34,8 Prozent gesteigerten Bruttogewinnmarge. Netto erreichte das Unternehmen einen Gewinn von 222 Millionen US-Dollar nach einem Verlust im Vorjahr.
Eigentlich Zahlen, mit denen man hätte zufrieden sein können bzw. sollen. Und wenn auch ein leichtes Übertreffen der Analystenerwartungen nicht zwingend zum Einstieg locken muss: Bei diesen starken Ergebnissen abrupt fallende Kurse zu sehen, mag so manchen überrascht haben. Aber ganz so überraschend ist das nicht. Und das weniger, weil man ein Haar in der Suppe als triftigen Grund ansehen könnte, die Aktie wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen, sondern weil solche Reaktionen in „gehypten“, heiß gelaufenen Bereichen des Aktienmarkts ebenso typisch wie problematisch sind.
Dieses „Haar in der Suppe“ war der Umsatzausblick auf das laufende 3. Quartal, den STMicroelectronics im Zuge dieses Zahlenwerks mitlieferte. Denn das Halbleiterunternehmen sieht hier „nur“ 3,7 Milliarden US-Dollar nach den im 2. Quartal erzielten 3,49 Milliarden US-Dollar. Die Schätzungen der Analysten hatten im Schnitt bei 3,76 Milliarden gelegen.
Minimal weniger als gedacht … das ist ja wirklich kein Beinbruch, zumal eine weiter steigende Gewinnmarge trotzdem zu einem deutlichen Zuwachs beim Gewinn führen könnte. Warum also diese Aufregung in Form eines massiv um 17,7 Prozent abgerutschten Kurses der Aktie?
Expertenmeinung: Genau das ist der problematische Aspekt, der Signalwirkung für andere Halbleiteraktien haben könnte, deren Unternehmen in Kürze ihre Zahlen und aktualisierten Ausblicke veröffentlichen: Die sogenannten „Whisper Numbers“ oder „Flüsterschätzungen“ dürften weit höher gelegen haben. Was steckt dahinter?
Die offiziellen Annahmen der Analysten werden normalerweise so angesetzt, dass sie auch sicher erreichbar sind. Aber je extremer die Kurse in einem von Tradern massiv auf der Hausse-Seite „beharkten“ Sektor steigen, desto höher werden auch die eigenen, subjektiven Erwartungen geschraubt. Nicht zuletzt, weil extreme Kursanstiege positive Überraschungen bei Bilanzzahlen und/oder Ausblicken erfordern, um die durch die Hausse stark verteuerten Bewertungen der Aktien zu rechtfertigen. Diese sogenannten „Whisper Numbers“ sind nirgendwo ablesbar, weil sie in den Köpfen der bullischen Trader verborgen liegen. Aber man sieht an den Reaktionen der betreffenden Aktien nach den Bilanzzahlen, ob sie erreicht wurden. Und hier, bei STMicroelectronics, lagen diese Erwartungen offensichtlich höher.
Das kritische Element dabei ist, dass diese Reaktion kein Einzelfall bleiben könnte. Zwar ist es möglich, dass die meisten der anderen Halbleiterunternehmen diese „Whisper Numbers“ erreichen oder gar überbieten. Aber es ist alles andere als sicher. Und nicht nur bei STMicroelectronics sehen wir ein Chartbild, bei dem die vorherige, extreme Kaufwelle dazu geführt hat, dass die laufende Korrektur der Aktie noch einiges an charttechnischem Abwärtsspielraum hätte, bevor sie auf potenzielle Supportlinien trifft. In diesem Fall wäre die 200-Tage-Linie bei knapp 36 Euro ein solcher Support.

Ein Abwärtspotenzial, das die Aktie nicht ausloten muss, aber könnte … und das sollte als Warnung für den gesamten Sektor dienen. Die Zahlen, die da jetzt anstehen, müssen absolut überzeugen, damit die bereits laufende Korrektur in einen erneuten Aufwärtstrend verwandelt wird. Wenn nicht, könnte STMicroelectronics mit diesem herben Abschlag nach den Zahlen kein Einzelfall bleiben.
Quellenangaben:
Ergebnis des 2. Quartals 2026, 23.07.2026: https://investors.st.com/static-files/bdacd978-231f-4e8c-bfde-f5cc6c53250d
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 23.07.2026 um 20:34 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
Dann abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Börsennewsletter mit aktuellen Börsennews.
