Ein kräftiges Plus von 8,83 Prozent sorgte am Donnerstag dafür, dass die Siltronic-Aktie knapp oberhalb der 200-Tage-Linie nach oben drehte. Damit ist aus Sicht der Bullen ein Anfang gemacht, was das Korrekturende angeht. Die Basis dafür ist indes eher wacklig.
Auslöser der Käufe waren die vor Handelsbeginn vorgelegten Ergebnisse des zweiten Quartals bzw. des ersten Halbjahres. Das Argument der Käufer war, dass das zweite Quartal deutlich besser lief als das erste und Siltronic eine anziehende Nachfrage nach Wafern meldete. Und natürlich birgt eine steigende Nachfrage das Potenzial, sich bei Margen und Gewinn massiv zu verbessern. Gerade ein Zulieferer für eine selbst schon hochvolatile Branche wie die Halbleiterbranche kann da schnell sehr viel an Dynamik aufbauen.
Der Haken bei dieser in den gestrigen Kursgewinnen manifestierten Zuversicht ist aber, ebenso wie bei der Super-Hausse der Aktie im April und Mai: Noch ist das mit der Gewinndynamik eben nicht der Fall. Und wo der Gewinn pro Aktie als Messlatte für einen gerechtfertigten Kurs der Aktie am Ende einer erhofften Wachstumsphase bei den von Siltronic produzierten Wafern landen wird, ist in keiner Weise vorhersehbar.
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Expertenmeinung: Derzeit lässt sich festhalten, dass der Umsatz im ersten Halbjahr unter dem des Vorjahres liegt, der des zweiten Quartals aber immerhin mit 321,6 Millionen Euro über dem des ersten Quartals, als 306,5 Millionen Euro erreicht wurden. Hinzu kommt, dass Siltronic die operative EBITDA-Marge im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal leicht von 21,2 auf 21,6 Prozent steigern konnte. Nimmt man das gesamte erste Halbjahr, landete die EBITDA-Marge jedoch mit 21,4 Prozent sehr deutlich unter der des Vorjahreszeitraums, als 24,4 Prozent erzielt wurden.
Hinzu kommt: Siltronic hielt im Großen und Ganzen an der bisherigen 2026er-Prognose fest. Die EBITDA-Marge erwartet man weiterhin in einer Spanne zwischen 20 und 24 Prozent. Nur beim Umsatz sieht man jetzt eine leichte Aufhellung und prognostiziert einen niedrigen bis mittleren prozentualen Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Dies in Kombination mit der Aussage, dass die Kapazität für 300-mm-Wafer voll ausgelastet sei und sich die Nachfrage nach 200-mm-Wafern im laufenden zweiten Halbjahr deutlich belebe, deutet an: Mehr Produktion allein bringt keine Explosion beim Gewinn, solange die Margen nicht erheblich anziehen.
Einige Analysten sind dennoch immens optimistisch. Gegenüber der unten verlinkten Quelle, die noch den Stand vom Donnerstagmorgen abbildete, sind jetzt vier von zehn Analysten für Siltronic bullisch. Aber andere bleiben vorsichtig bis skeptisch … und das wäre auch in Bezug auf die Aktie selbst angebracht, denn:
Dass der Kurs knapp über seiner 200-Tage-Linie (65,15 Euro) und der wichtigen Unterstützungszone zwischen 59,20 und 61,76 Euro nach oben drehte, ist ein Anfang aus Sicht der Bullen, keine Frage. Aber eben auch noch nicht mehr als das. Im Vorfeld wurde eine „hängende“ Schulter-Kopf-Schulter-Formation vollendet. An deren Nackenlinie ist die Aktie jetzt von unten herangelaufen, aber sie muss sie und die darüber liegende Widerstandszone überwinden, bevor sie wieder als bullisch gelten könnte. Dazu braucht es Schlusskurse über 85 Euro. Und bevor das nicht gelungen ist, ist das, was sich am Donnerstag abgespielt hat, trotz aller Dynamik der Käufe erst einmal nur eine Gegenbewegung innerhalb eines noch intakten Abwärtstrends.

Quellenangaben:
Ergebnis des 2. Quartals 2026, 30.07.2026: https://www.siltronic.com/de/presse/presseinformationen/wafernachfrage-unterstuetzt-umsatzausblick-fuer-2026.html
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/WAF.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 30.07.2026 um 22:09 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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