Hören Sie sich die Audioversion dieses Artikels an (KI-generiert).
Die Siemens Energy Aktie rutscht in rasantem Tempo auf die 200-Tage-Linie zu. Eine Linie, die hier das letzte Mal im April 2025 getestet wurde – da hielt sie mit Bravour. Jetzt wird diese Linie noch durch einen zweiten Support verstärkt. Das kann helfen … muss aber nicht.
Bei der vorherigen Analyse des Energieversorger-Ausrüsters am 3. Juni war der mittelfristige Aufwärtstrend noch ein potenzielles Kursziel der Korrektur. Jetzt ist diese zwischen 148 und 152 Euro gelegene Trendzone durchbrochen worden und fungiert damit als Widerstand. Eine Entwicklung, die staunen lässt, schließlich gehörte diese Aktie zu den ganz großen Favoriten im DAX. Und das bei fast durchweg nach oben weisenden Daumen der Analysten.
Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Siemens Energy Aktie finden Sie hier.
Die hatten ihre Kursziele in den vergangenen Monaten mehrheitlich deutlich angehoben. Immerhin verheißt der schnelle Ausbau der Energie-Infrastruktur deutlich steigende Unternehmensgewinne. Und die jüngsten Quartalszahlen bestätigten: Es läuft bei der Siemens-Tochter.
Das durchschnittliche Kursziel stieg in den letzten sechs Monaten von etwa 110 auf jetzt 195 Euro. 19 von 25 die Aktie regelmäßig bewertenden Experten plädieren für „Kaufen“ … und die Aktie? Die fällt wie ein Stein. Alleine in den letzten zwei Handelstagen verlor der Kurs 12,2 Prozent. Was geht da vor sich?

Expertenmeinung: Vermutlich erleben wir hier gerade das „Fight-or-flight“-Phänomen. In einem von Verunsicherung geprägten Umfeld reagieren die meisten Menschen, also auch Anleger, eher instinktiv bzw. emotional: Entweder, man stemmt sich gegen die Gefahr oder man zieht sich aus der Gefahrenzone zurück. Ersteres hatten wir erlebt, als die erste, negative Phase als Reaktion auf den Iran-Krieg und die massiv gestiegenen Ölpreise vorüber war: Die Käufer versuchten, die Verunsicherung „wegzukaufen“. Die meisten US-Indizes erreichten neue Rekorde, Siemens Energy ebenfalls.
Doch dann zeigte sich, dass diese Aufwärtsbewegung nicht in Stein gemeißelt war. Nicht zuletzt, weil die Basis der Unruhe in Form der militärischen Auseinandersetzung im Nahen Osten weiterhin nicht vom Tisch kommt. Erste Akteure begannen, ihre in der „Fight-Phase“ aufgelaufenen Gewinne mitzunehmen, die Siemens Energy-Aktie begann daraufhin Ende April eine Seitwärtsbewegung. Und als der Versuch, sich am 27. Mai nach oben abzusetzen, in einem „bearish engulfing pattern“ endete, sprich schief ging, gingen die ersten in den „Flight-Modus“ über, man begann zu verkaufen, solange die Gewinne noch groß sind.
Dass es dabei ausgerechnet diese Aktie relativ heftig traf, liegt eher nicht an der Aktie selbst. Immerhin sind die Umsatz- und Gewinnperspektiven gut, die Analysten bullisch und die Bewertung spätestens jetzt nicht mehr untypisch teuer. Aber wenn man nervös ist und seine Exposition am Aktienmarkt deswegen reduzieren will, neigen die meisten dazu, dort zu verkaufen, wo man einen Gewinn erzielen kann. Das ist zwar nicht vernünftig, weil schief liegende Positionen weit mehr Aufmerksamkeit in Sachen Ausstieg verdienen … aber man fühlt sich eben besser, wenn man einen Gewinn mitnimmt, statt einen Verlust zu realisieren.
Siemens Energy hätte die Aufwärtstrend-Zone also durchaus halten können, aber wenn die Nerven dünner werden, sind charttechnische Ankerpunkte schnell mal zweitrangig. Und das bedeutet auch, dass die jetzt in Reichweite gelangte Kreuzunterstützung aus dem bisherigen Jahres-Verlaufstief von Ende März bei 130,90 Euro und der 200-Tage-Linie bei momentan 133,88 Euro halten kann … aber nicht muss. Aber:
Wenn wir an den April 2025 denken, als die Aktie diese 200 Tage-Linie letztmalig testete: Das war der Höhepunkt der Panik nach Donald Trumps „Zoll-Schock“ – und trotzdem hatten genug Trader die Ruhe weg, um genau da entschlossen zuzugreifen, wo es darauf ankam. Das muss diesmal nicht erneut so kommen. Aber es ist möglich genug, um sich zu hüten, Siemens Energy im Vorfeld eines Bruchs dieses markanten Supports als potenzielle Basis für Short-Trades sehen zu wollen. Andererseits:
Bevor diese Aktie nicht die in den letzten Tagen gefallenen Supportlinien und die diesen Bereich nach oben abschließende 20-Tage-Linie, gestern bei 165,80 Euro, zurückerobert hätte, ist sie nicht bullisch … einen Support zu verteidigen, alleine würde dafür noch nicht ausreichen. Aktuell würde man also an der Seitenlinie gut aufgehoben sein … ohne indes diese Aktie aus den Augen zu lassen!
Quellenangaben: Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/ENR.DE/analyst-insights/
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 10.06.2026 um 22:25 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.




