Die Rheinmetall-Aktie unterbot am Freitag eine wichtige charttechnische Supportlinie. Dabei könnte man denken, dass eine Aktie wie diese in dem derzeitigen geopolitischen Umfeld eher zulegen müsste. Doch der Rheinmetall-Kurs fällt seit Wochen. Wo liegt das Problem?
Diese Aussage aus Washington, man werde sich der verweigerten Hilfe der NATO-Partner in Bezug auf die militärische Sicherung der Straße von Hormus erinnern, mag ja jeglicher rationalen Grundlage entbehren, weil diese ganze Sache in keiner Weise eine Angelegenheit der NATO war und ist. Aber sie erinnert daran, wie rasant die USA als Bündnispartner an Verlässlichkeit verlieren. Und das hätte eigentlich in den vergangenen Tagen Aktien, die mit dem europäischen Verteidigungssektor eng verbunden sind, Auftrieb geben müssen. Aktien wie Rheinmetall also. Hat es aber nicht, wie der Chart zeigt.

Wir sehen hier eine charttechnisch äußerst unerfreuliche Entwicklung. Die Aktie war zwar schon einmal im November/Dezember kurz aus ihrer über 1.483 Euro gelegenen, im Mai 2025 etablierten Handelsspanne nach unten ausgebrochen. Das endete aber als Bärenfalle, der Kurs kam zügig wieder in die vorherige Range zurück und zementierte und verbreiterte damit durch das am 1. Dezember bei 1.410 Euro ausgebildete Zwischentief die untere Zone der Spanne. Jetzt ist aber auch dieses am 1.12. entstandene Tief unterboten. Und darunter findet sich an potenziellen Unterstützungen erst einmal … nichts.
Durch die rasante Aufwärtsbewegung im Frühjahr 2025 konnten sich zwischen dem „Zoll-Schock“-Tief vom vergangenen April bei 933 Euro und der unteren Begrenzungszone der Seitwärts-Spanne keine markanten Umkehrpunkte ausbilden, die sich als Support anbieten würden. Die 200-Tage-Linie ist längst unterboten, so gesehen dürften sich die Bären hier vermutlich schon die Hände reiben. Aber wie kann es überhaupt sein, dass ausgerechnet eine „Defence-Aktie“ wie Rheinmetall in einem Umfeld wie diesem fällt?
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Expertenmeinung: Es ist zwar richtig, dass die Hausse im vergangenen Frühjahr von Gewinnerwartungen begleitet war, die weder Rheinmetall noch andere Rüstungsunternehmen in dem Tempo realistisch erfüllen könnten, um zu verhindern, dass einige, die sich die Trauben selbst zu hoch gehängt hatten, ungeduldig werden und aussteigen, aber:
Einem gähnenden, charttechnischen Abgrund stehen immerhin 15 von 20 die Aktie regelmäßig beobachtende Analysten mit Kaufempfehlungen gegenüber (die anderen fünf werten mit „Halten“. Und das durchschnittliche Kursziel der Experten liegt aktuell mit 2.082,50 Euro weit über dem jetzt erreichten Jahrestief. Kann da denn überhaupt allzu viel anbrennen?
Wären die Kursziele der Analysten eine zwingende Orientierung, wäre die Aktie ja gar nicht erst so weit abgerutscht. Hier dürfte es eher um ein „emotionales“ Problem gehen, und zwar aufseiten der potenziellen Käufer ebenso wie der Verkäufer.
Erstere sehen eine Aktie abrutschen, der man eigentlich viel höhere Kurse zubilligen könnte. Da mag es manchen in den Fingern jucken, aber der schwache Gesamtmarkt mahnt zur Vorsicht. In einem solchen Umfeld gilt für so manche zur in den Markt gelegte Kauforder, mit der ein Trader einen günstigen Kurs „abfischen“ wollte: „vor Erreichen streichen“.
Auf der anderen Seite stehen die Verkäufer, die ebenfalls eine emotionale Motivation haben dürften. Die aber weniger mit der Perspektive von Rheinmetall, sondern weitaus mehr mit ihrer eigenen Sorge zu tun hat, dass die Kurse am Aktienmarkt weiter abrutschen könnten. In solchen Situationen fahren viele Anleger sicherheitshalber den Barbestand hoch. Aber dafür nehmen viele bevorzugt Aktien, an denen noch „Speck dran“ ist, sprich bei denen man im Gewinn liegt. Was zwar nicht rational, aber emotional nachvollziehbar ist, denn es fühlt sich eben weitaus besser an, Gewinne mitzunehmen, als Verluste zu realisieren.
Das aber hieße: Wenn Rheinmetall zu einem wesentlichen Teil deswegen unter diese Unterstützungen gerutscht ist, weil Anleger hier den „Speck“ in Form der Gewinne gesehen und verkauft haben, wäre es a) eher riskant, ausgerechnet hier auf die Short-Seite zu setzen und b) lohnend, die Aktie im Auge zu behalten. Denn sollte es gelingen, diese jetzt zum Widerstand gewordene Zone 1.410 zu 1.500 Euro zurückzuerobern, wäre Rheinmetall zumindest auf kurzfristiger Ebene wieder bullisch, auf mittelfristiger neutral. Nur eines sollte man da auf keinen Fall tun: im festen Vertrauen auf ein „wird schon wieder“ einer solchen Rückkehr in die vorherige Trading-Spanne vorgreifen!
Quellen:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/RHM.DE/analyst-insights/
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