Porsche stellt den Top-Seller Macan sowie Cayman und Boxster ein. Wie soll diese Lücke geschlossen werden? Vermutlich gar nicht.
Wird hier schamlos kopiert?
Es gab Zeiten, in denen Porsche als profitabelster Autobauer der Welt galt und sich vor Käufern kaum retten konnte. Doch das ist längst vorbei.
In der neuen Welt der Elektromobilität scheint Porsche nicht mehr so ein strahlender Stern zu sein wie einst. Und wen wundert das? Die wohl meisten „Elektro-Plastikbomber“ aus China bieten ähnliche Beschleunigungswerte wie ein Elektro-Porsche.
Darüber hinaus wurde das Design von Porsche von anderen Anbietern scheinbar schamlos kopiert, insbesondere von chinesischen Herstellern.
Teilweise sind die Fahrzeuge kaum zu unterscheiden. Der Zotye SR9 sieht dem Macan zum Verwechseln ähnlich. SAIC Z7, BYD Denza Z und Xiaomi SU7 – um nur einige zu nennen – haben deutliche Design-Parallelen zu Porsche-Modellen wie dem 911er.
Porsche wird das Wasser abgegraben und daher tritt das Geschäft inzwischen auch schon das dritte Jahr in Folge auf der Stelle.
China: Der wichtigste Markt bricht weg
Weltweit lieferte Porsche 2025 rund 279.400 Fahrzeuge aus, zehn Prozent weniger als im Vorjahr.
Damit liegt der Absatz auf dem niedrigsten Niveau seit 2020. Fast die Hälfte dieses Rückgangs geht auf China zurück. Dort brachen die Verkäufe um 26 Prozent auf knapp 42.000 Fahrzeuge ein.
Zum Vergleich: 2021 waren es noch fast 96.000 Einheiten.
Der chinesische Markt für Luxusfahrzeuge leidet unter Kaufzurückhaltung wohlhabender Kunden, verschärft durch die Immobilienkrise und einen aggressiven Wettbewerb bei Elektroautos heimischer Hersteller.
Man sollte sich vergegenwärtigen, dass ein BYD Denza Z so aussieht, als hätte ein 911er ein Kind mit einem Lamborghini gehabt, wobei der Preis in China umgerechnet bei 42.000 Euro beginnt.
Ein Porsche 911 beginnt hingegen bei 136.300 Euro. Bei dieser Preisdifferenz werden sich selbst wohlhabende Chinesen überlegen, ob ein BYD nicht auch ausreicht.
Und genau aus diesem Grund sind die Absatzzahlen dort auch rückläufig.
Europa schwächelt
Es knirscht aber nicht nur in China im Getriebe. Auch in Europa zeigte sich ein klares Minus. In Deutschland sanken die Auslieferungen um 16 Prozent, im restlichen Europa um 13 Prozent. Nur Nordamerika erwies sich mit gut 86.000 Fahrzeugen als stabil. Damit fehlt Porsche derzeit eine echte Wachstumsregion, die die Schwäche in China ausgleichen könnte.
Im Modellmix zeigt sich ein widersprüchliches Bild. Der Macan war mit über 84.000 Auslieferungen erneut das meistverkaufte Fahrzeug. Mehr als die Hälfte entfiel bereits auf die vollelektrische Variante. Gleichzeitig stellte der 911 mit über 51.000 Einheiten einen neuen Absatzrekord auf und behält damit seine Sonderstellung als margenstarker Stabilitätsanker.
Demgegenüber stehen deutliche Rückgänge bei Cayenne, Taycan und den auslaufenden Cayman und Boxster (718).
An dieser Stelle mehren sich für mich persönlich die Fragezeichen. Der Verbrenner-Macan und die Modelle Cayman und Boxster laufen aus, obwohl sie bislang tragende Säulen im Absatz waren.
Besonders der Verbrenner-Macan spielte über Jahre eine Schlüsselrolle beim Volumen und bei der Kundenakquise. Dass Porsche dieses Modell einstellt, obwohl es konzernintern zu den Bestsellern zählt, ergibt für mich auf den ersten Blick überhaupt keinen Sinn und wird schmerzhaft.
Bestseller wird eingestellt
Der Hintergrund ist weniger marktgetrieben als regulatorisch und strukturell. Neue Cybersecurity- und Softwarevorgaben, insbesondere in Europa, lassen sich auf den bestehenden Plattformen nur mit hohem Aufwand umsetzen. Porsche hätte den Verbrenner-Macan technisch tiefgreifend erneuern müssen, ohne die Perspektive, ihn langfristig weiterzuführen.
Daraus ergibt sich jedoch die Frage, wie diese Lücke geschlossen werden soll? Es ist eher nicht anzunehmen, dass die bisher knapp 40.000 jährlichen Käufer des Verbrenner-Macan einfach auf Elektro umsteigen.
Es gibt Menschen, die Verbrenner schlichtweg bevorzugen – es ist sogar ein sehr großer Teil der Autofahrer.
Der Anteil der Elektrofahrzeuge am Gesamtmarkt wächst, aber derzeit (Neuwagenzulassungen Dezember) entfallen nur 22,2 % der Neuwagenzulassungen auf Elektro.
Mehr als ein Viertel der Neuwagenzulassungen sind nach wie vor Benziner, 28,9 % Hybrid, 12,3 % Plug-in-Hybrid und 11 % Diesel.
Wie soll diese Lücke geschlossen werden?
Dieselbe Frage, also wie diese Lücke geschlossen werden soll, stellt sich auch bei Cayman und Boxster.
Im vergangenen Jahr wurden fast 20.000 Caymans und Boxster verkauft.
Die beiden Porsche-Einstiegsmodelle kosteten weniger als die Hälfte eines 911. Ein vollelektrischer Nachfolger ist in Entwicklung, verzögert sich jedoch. Einen direkten Ersatz gibt es nicht.
Und eine Sache dürfte klar sein: Die bisherige Käuferschaft dieser Modelle wird sicherlich nicht plötzlich mehr als das Zweifache (mindestens) ausgeben und sich 911er kaufen.
Die Käuferschicht für Porsche scheint faktisch verloren.

Die zentrale Frage lautet daher, wie Porsche das Volumen stabil halten will, wenn bewährte Verbrennermodelle wegfallen. Die Antwort des Managements ist eindeutig defensiv. Man plane das Volumen realistisch und priorisiere Marge vor Stückzahl.
Gleichzeitig wurde angekündigt, die Elektrifizierungsstrategie zu flexibilisieren und länger als geplant auf Verbrenner zu setzen. Konkrete neue Verbrennermodelle im Macan-Segment sind jedoch nicht in Sicht.
Im Klartext bedeutet das („man plant das Volumen realistisch“) aus meiner Sicht, dass Porsche einen spürbaren Rückgang der Absatzzahlen erwartet.
Wenn Modelle alternativlos auslaufen, die bisher fast ein Viertel der verkauften Fahrzeuge ausgemacht haben, scheint das geradezu vorprogrammiert.
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