Netflix plant eine der bisher größten Übernahmen der Medienbranche. Doch die Frage bleibt: Schafft der Deal langfristigen Mehrwert oder birgt er immense Risiken?
Warum Streaming-Anbieter fusionieren wollen
Netflix hat eine größere Korrektur vollzogen, und das ruft naturgemäß antizyklische Investoren auf den Plan. Krisen produzieren regelmäßig Gelegenheiten. Handelt es sich hier um eine?
Die Lage bei Netflix ist derzeit kompliziert. Operativ läuft es bei dem Streaming-Anbieter gut, doch wie viel zu oft möchte der Vorstand einen gewaltigen Zukauf tätigen. Wer schon länger mitliest, weiß, wie viel ich davon im Allgemeinen halte. In den meisten Fällen wird dadurch kein Mehrwert geschaffen.
Ob die Übernahme von Warner durch Netflix einen Mehrwert für die Aktionäre von Netflix schaffen würde, ist ebenfalls fraglich.
Netflix bietet für die Übernahme der Film- und Streaming-Assets von Warner Bros. Discovery rund 83 Milliarden US-Dollar.
Der Abschluss wird innerhalb von zwölf bis achtzehn Monaten erwartet, dürfte jedoch auf kartellrechtliche Bedenken stoßen.
Strategisch ist der Kauf zwar nachvollziehbar, wirft aber erhebliche Fragen auf.
Strategisch nachvollziehbar, aber riskant
Netflix argumentiert, dass man mit Warner nicht nur Inhalte, sondern ein komplettes Ökosystem aus Studios, Marken, Rechten und bestehenden Abonnenten kauft.
Warner Bros. Discovery verfügt mit Warner Bros. Pictures, HBO, DC, CNN und einem umfangreichen TV- und Filmkatalog über eines der bedeutendsten Content-Portfolios weltweit.
Darüber hinaus ist der Markt für Streaming zersplittert. Aus Sicht der Kunden gibt es zu viele Anbieter. An dieser Front würde eine Kombination von Netflix und HBO sicherlich helfen.
Das ist jedenfalls die optimistische Sichtweise.
Ich kann diese Argumente gut nachvollziehen. Als langjähriger Netflix-Aktionär würde ich es jedoch bevorzugen, wenn eine Reduzierung der Streaming-Anbieter dadurch zustande käme, indem sich die Konkurrenten gegenseitig übernehmen.
Warum soll es dadurch besser werden?
Gleichzeitig darf nicht übersehen werden, dass Netflix bereits heute über einen enormen Content-Bestand verfügt. Die Plattform produziert jährlich Inhalte in Milliardenhöhe.
Die Frage ist daher, ob mehr Content tatsächlich einen zusätzlichen Mehrwert schafft oder ob der Grenznutzen dafür eher gering ist.
Warner Bros. Discovery war selbst nicht in der Lage, seine Inhalte ausreichend zu monetarisieren. Die Integration in Netflix ändert daran nicht automatisch etwas. Inhalte werden nicht wertvoller, nur weil sie unter einem anderen Dach stehen. Entscheidend ist, ob Netflix eine bessere Vermarktungs-, Preis- und Distributionsstrategie hat als Warner selbst.
Hier liegt eines der zentralen Risiken des Deals. Netflix zahlt einen hohen Preis für Assets, deren Ertragskraft in den vergangenen Jahren fragwürdig war.
Der Kauf muss sich langfristig rechnen, nicht nur bilanziell, sondern auch operativ.
Die versprochene Ergebnissteigerung ab dem zweiten Jahr setzt voraus, dass Synergien schnell realisiert, Kosten gesenkt und Umsätze gesteigert werden können.
Mit Risiken und Nebenwirkungen
Ein weiteres Risiko ergibt sich durch die komplexe Integration. Die Unternehmenskultur könnte kaum unterschiedlicher sein. Netflix ist datengetrieben, zentralisiert und stark auf Effizienz fokussiert. Warner Bros. Discovery ist historisch gewachsen, fragmentiert und stark von kreativen Einzelentscheidungen geprägt.
Dass ein Zusammenschluss von zwei großen Anbietern nicht zwingend zu einer Verbesserung der Lage führt, beweist Warner Bros. Discovery höchstpersönlich.
Die Fusion von Warner und Discovery sollte die Ertragskraft erhöhen und das Streaming-Geschäft stärken. Es sollten Synergien realisiert werden – was typischerweise bei Großübernahmen behauptet wird.
Die Realität hat jedoch das Gegenteil bewiesen: Auch gemeinsam strauchelt man.
Paramount hat auch Interesse
Paramount Skydance hatte ein Barangebot von 30 US-Dollar je Aktie für den gesamten Konzern vorgelegt. Dieses Angebot hätte den Aktionären rund 18 Milliarden US-Dollar mehr gebracht als das Netflix-Gebot.
Dennoch lehnte Warner Bros. Discovery dieses Angebot als unterlegen ab und bevorzugte die strategische Kombination mit Netflix. Offiziell wird argumentiert, dass der langfristige Wert durch den Netflix-Deal höher sei als ein reiner Barverkauf.
Ebenso gut könnte der Vorstand vor allem im eigenen Interesse handeln und unter dem Dach von Netflix persönliche Vorteile sehen.
In den letzten Tagen kursierten jedoch immer wieder Presseberichte, wonach einige Top-Manager von Warner Bros. Discovery weiterhin gesprächsbereit gegenüber Paramount Skydance sind, sofern das Angebot erhöht wird.
Der Deal mit Netflix ist demnach längst nicht in Stein gemeißelt.
Mein Fazit ist daher simpel: Für die Aktionäre von Netflix wäre es wohl das beste Szenario, wenn Warner Bros. Discovery von Paramount Skydance übernommen wird. Dadurch würde sich die Zahl der Streaming-Anbieter reduzieren, ohne dass Netflix das finanzielle Risiko tragen müsste.
Dass die vier strauchelnden Anbieter Paramount, Skydance, Warner Bros. und Discovery gemeinsam zum Problem für Netflix werden, erwarte ich nicht.
Netflix hat ein enormes Portfolio an exklusivem Content, der weltweit über 300 Millionen Abonnenten unterhält. Daran ändert auch ein Zusammenschluss von Paramount und Warner nichts.

Netflix ist zu den Vorjahrestiefs und den Unterstützungen zwischen 83 und 87 USD zurückgekommen. Auf diesem Niveau könnte mit erhöhtem Kaufinteresse zu rechnen sein. Ein prozyklisches Kaufsignal würde sich jedoch erst über 93,50 USD ergeben.
Fällt die Aktie hingegen unter 83 USD, wären weitere Kursverluste bis 77 oder 70 USD denkbar.
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