Seit dem bisherigen Rekordhoch der Nemetschek-Aktie sind wenig mehr als acht Monate vergangen. Seither hat sich der Kurs mehr als halbiert. Auch der Schnitt der Analysten-Kursziele sank deutlich … aber weitaus weniger stark als die Aktie selbst. Das hat Gründe.
Analysten bewerten die aktuelle Datenlage eines Unternehmens, das Umfeld und die Perspektiven auf Basis bekannter Rahmenbedingungen oder als wahrscheinlich anzunehmender Entwicklungen. Beschränkt man sich auf diese Aspekte, ist es sogar ein wenig überraschend, dass das durchschnittliche Kursziel der die Aktie regelmäßig einstufenden Experten in den vergangenen sechs Monaten überhaupt von 120 auf aktuell gut 98 Euro sank, denn:
Nemetschek, ein Entwickler von Bau- und Architektursoftware, meldete im März für das Jahr 2025 erneut Rekordumsätze und -gewinn. Zugleich lag man mit dem Ausblick eines Umsatzanstiegs zwischen 14 und 15 Prozent und einer von 31,2 Prozent im Vorjahr auf 32 bis 33 zulegenden operativen Gewinnmarge leicht über den Erwartungen der Analysten.
Und während der Gewinn pro Aktie damit das fünfte Jahr in Folge stieg und auch dieses Jahr steigen soll, kam die Aktie vom Verlaufshoch bei 138,50 Euro im August 2025 auf das bisherige, gestern erreichte Korrekturtief von 55 Euro zurück. Das wirkt absurd … und ja, zumindest geht es mittlerweile in diese Richtung. Der Grund:
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Expertenmeinung: Zwar war die erste Phase der Korrektur faktisch angemessen, weil die Aktie trotz des stetigen Anstiegs des Unternehmensgewinns überbewertet war, einfach, weil der Kurs weit schneller nach oben lief als der Gewinn pro Aktie. Aber mittlerweile ist diese Überbewertung eher eine Unterbewertung, denn auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung der Experten für das laufende Jahr käme man hier auf ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 24.
Für Software-Aktien sind KGVs von 30 normal. Und angesichts des im Ausblick des Unternehmens für 2026 avisierten Wachstums des operativen Gewinns um knapp 20 Prozent wäre auch ein KGV von 35 bis 40 drin, sofern keine dunklen Wolken erwarten lassen, dass die Gewinndynamik in Bälde versiegt oder der Gewinn sogar sinkt. Und genau da setzt das Problem an, das die Aktie drückt.
Denn die Aktie fällt gemeinsam mit vielen anderen Software-Titeln weiterhin auf Basis der im Januar aus dem Hut gezauberten „KI-Angst“. Obwohl Nemetschek KI in die eigenen Systeme integriert, wird darauf spekuliert, dass schnellere und einfachere KI-Systeme dazu führen werden, dass Umsatz und Margen bei den „klassischen“ Software-Anbietern in den kommenden Jahren deutlich unter Druck kommen. Diese Karte wird bislang stur weitergespielt … und am Montag kam mit der UBS das erste Bankhaus, das der Nemetschek-Aktie die Einstufung „Verkaufen“ mit Kursziel 56 Euro verpasste und diesen Aspekt der „KI-Verdrängungssorgen“ dabei in die Begründung einarbeitete.
Aber mit diesem Pessimismus steht die UBS bislang noch alleine. Und Nemetscheks 2026er-Ausblick sieht diesen Druck bislang nicht, will heißen: Der Aktienkurs hat eine Krise eingepreist, die noch gar nicht da ist und auch nicht zwingend kommen muss. Und selbst wenn es so käme: Sogar dieses neue, mit Abstand niedrigste Kursziel von allen hatte die Aktie zum Wochenstart im Tagestief bereits erreicht. Ist Nemetschek damit also eine Kaufgelegenheit?
Für einen unmittelbaren Kauf nicht, denn auch wenn die Bewertung mehr als „passt“, die Charttechnik tut es noch nicht. Sie sehen im untenstehenden Chart, dass der Kurs wie an der Schnur gezogen einer vom Rekordhoch ausgehenden Abwärtstrendlinie folgt. An dieser Linie hatte der Kurs Ende März abgedreht, in der vergangenen Woche passierte das erneut. Zumindest über diese bei derzeit 66 Euro mit der 20-Tage-Linie einen Doppel-Widerstand bildende Hürde müsste diese Aktie hinaus, bevor man darüber nachdenken könnte, auch im Fall eines fortbestehenden Gegenwinds durch die „KI-Angst“ mit einem bullischen Chartsignal im Rücken den Einstieg zu wagen.

Wie lange es bis zu einem solchen Befreiungsschlag noch dauert, wie tief die Aktie bis dahin noch fällt – beides ist nicht voraussagbar. Aber dass es lohnen könnte, Nemetschek weit oben in der Watchlist zu haben, dürfte ziemlich unstrittig sein, zumal der Kurs am Montag sein Minus recht deutlich eingrenzen konnte, nachdem die Aktie im Tief im Bereich des markanten September-2023-Tiefs bei 55,52 Euro auf Käufe oder zumindest auf Eindeckungen von Leerverkäufen traf. Ein Indiz, aber noch kein Beleg, dass es hier für die Käuferseite womöglich bald wieder spannend werden könnte.
Quellen:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/NEM.DE/analyst-insights/
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