Mehrere Entscheider aus dem KI-Sektor warnten am Wochenende vor Sicherheitsrisiken, die man durch eine Verlangsamung des Entwicklungstempos in den Griff bekommen wolle. Das führte bei Halbleiter-Aktien wie Infineon zu Abgaben. Aber ist das wirklich gerechtfertigt?
Die Basis der immensen Hausse der Halbleiter-Aktien, die Ende März ihren Anfang nahm, lag in den immer größer werdenden Summen, die große KI-Player wie Meta oder Alphabet, aber auch Apple, Amazon oder Microsoft in die Hand nahmen, um im Wettrennen um eine starke Marktposition im Bereich KI nicht abgehängt zu werden. Das führte zu der Annahme, dass die für diese Entwicklung nötigen Halbleiter knapp werden und es selbst dann über einen längeren Zeitraum bleiben würden, wenn die Chip-Hersteller zügig ihre Fertigungskapazitäten ausbauen. Die prognostizierte Folge: mehr Umsatz, höhere Margen, rasant ansteigende Unternehmensgewinne.
Durch die Aussagen einiger Chefs von KI-Unternehmen wie Anthropic oder OpenAI scheint es, als würde diesem Konstrukt der Boden entzogen. Eine Verlangsamung der Entwicklung, um möglichen Gefahren durch KI besser vorzubeugen, bedeutet eine Verlangsamung der Nachfrage bei allem, was mit KI zu tun hat, so scheint es. Also dürften diejenigen, die Aktien aus diesem „Großraum KI“ am Montag verkauften, unterstellt haben, dass es jetzt vorbei sei mit den großen Erwartungen an die kommenden Jahre. Aber ist es wirklich so einfach?
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Expertenmeinung: Zunächst einmal müsste man sich die Frage stellen, ob die Verlangsamung der Entwicklung über Lippenbekenntnisse hinauskommen wird. Denn es ist zumindest fraglich, ob die KI-Entwicklung beim Hauptkonkurrenten China ebenfalls vorsichtiger erfolgen würde. Selbst die reine Befürchtung, dass das nicht der Fall sein könnte, wäre ein denkbares Argument, eine reale Reduzierung des Entwicklungstempos nicht umzusetzen, aus Angst, dass die Hunderte Milliarden US-Dollar, die man bereits investiert hat – und zumeist auf Kredit –, dann vergebens sein könnten.
Hinzu kommt der Umstand, dass „Verlangsamung“ nicht dasselbe ist wie das Streichen von Projekten. Langsamer heißt nicht weniger … und vieles ist längst bestellt oder befindet sich in der Konstruktionsphase. Das gilt vor allem für Rechenzentren, bei denen Infineon mit seinen Chips mit im Boot ist. Zwar wäre auch eine moderate Verringerung des Entwicklungstempos ein Faktor, der mit dem Argument eines länger anhaltenden Nachfrageüberhangs im Chip-Sektor hochgezogene Kurse drücken könnte. Aber das wäre eher dann ein valides Argument, erst einmal den Kopf einzuziehen, wenn Aktien wie Infineon mitten in einer zügellosen Hausse unterwegs wären. Was diese indes, wie der Chart zeigt, nicht ist.
Die Aktie hat vom Rekordhoch, das im Juni bei 88,83 Euro erreicht wurde, bereits um die 40 Prozent korrigiert und damit den Löwenanteil der Ende März begonnenen Kaufwelle zurückgenommen. Mit Blick auf ein durchschnittliches Kursziel von momentan 86,59 Euro seitens der Analysten und ein Verhältnis von 19 „Kaufen“- zu 5 „Halten“-Einstufungen … sowie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 31 für das am 30.9. endende und von 20 für das kommende Geschäftsjahr 2026/2027 (auf Basis der durchschnittlichen Analysten-Schätzungen) … könnte man auch angesichts der Warnung vor einem zu hohen Tempo beim KI-Ausbau den Eindruck bekommen: Es ist langsam genug mit dem Abgabedruck.
Die Situation wird dadurch noch deutlich spannender, dass die Infineon-Aktie durch das Montags-Minus erneut auf einer charttechnischen Schlüsselunterstützung aufgesetzt hat. Der durch die 200-Tage-Linie verstärkte Supportbereich um 54 Euro wurde zum Wochenstart zwar zeitweise leicht unterboten, konnte aber noch gehalten werden. Sollte es misslingen, diese Zone effektiv zu verteidigen, könnte die Erneuerung des bärischen Momentums genug Eigendynamik entwickeln, um die Aktie bis an den nächsten, markanteren Support in Form des Februar-Hochs bei 48,23 Euro zu drücken.

Sollte es aber gelingen, aus bullischer Sicht im letzten Moment die Kurve zu kriegen, könnte bereits ein Schlusskurs über dem letzten Zwischenhoch bei 60,79 Euro ausreichen, um unter den Marktteilnehmern den Gedanken zu wecken, dass jetzt, nachdem mit diesen Aussagen aus dem KI-Sektor die „bad news“ womöglich vorerst auf dem Tisch liegen, ausgestiegen ist, wer aussteigen wollte. Das hieße, dass der Aktie die potenziellen Verkäufer ausgehen könnten und es sich daher wieder über einen Einstieg nachdenken ließe. Die kommenden Tage könnten für Infineon daher richtungsweisend werden.
Quellenangaben:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/IFX.DE/analyst-insights/
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 14.09.2026 um 18:54 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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