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Infineon Aktie Prognose Infineon: Könnte das der Endpunkt der Korrektur sein?

News: Aktuelle Analyse der Infineon Aktie

In diesem Artikel
Infineon
ISIN: DE0006231004
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Zur Infineon Aktie

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Mehrere Entscheider aus dem KI-Sektor warnten am Wochenende vor Sicherheitsrisiken, die man durch eine Verlangsamung des Entwicklungstempos in den Griff bekommen wolle. Das führte bei Halbleiter-Aktien wie Infineon zu Abgaben. Aber ist das wirklich gerechtfertigt?

Die Basis der immensen Hausse der Halbleiter-Aktien, die Ende März ihren Anfang nahm, lag in den immer größer werdenden Summen, die große KI-Player wie Meta oder Alphabet, aber auch Apple, Amazon oder Microsoft in die Hand nahmen, um im Wettrennen um eine starke Marktposition im Bereich KI nicht abgehängt zu werden. Das führte zu der Annahme, dass die für diese Entwicklung nötigen Halbleiter knapp werden und es selbst dann über einen längeren Zeitraum bleiben würden, wenn die Chip-Hersteller zügig ihre Fertigungskapazitäten ausbauen. Die prognostizierte Folge: mehr Umsatz, höhere Margen, rasant ansteigende Unternehmensgewinne.

Durch die Aussagen einiger Chefs von KI-Unternehmen wie Anthropic oder OpenAI scheint es, als würde diesem Konstrukt der Boden entzogen. Eine Verlangsamung der Entwicklung, um möglichen Gefahren durch KI besser vorzubeugen, bedeutet eine Verlangsamung der Nachfrage bei allem, was mit KI zu tun hat, so scheint es. Also dürften diejenigen, die Aktien aus diesem „Großraum KI“ am Montag verkauften, unterstellt haben, dass es jetzt vorbei sei mit den großen Erwartungen an die kommenden Jahre. Aber ist es wirklich so einfach?

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Infineon Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Zunächst einmal müsste man sich die Frage stellen, ob die Verlangsamung der Entwicklung über Lippenbekenntnisse hinauskommen wird. Denn es ist zumindest fraglich, ob die KI-Entwicklung beim Hauptkonkurrenten China ebenfalls vorsichtiger erfolgen würde. Selbst die reine Befürchtung, dass das nicht der Fall sein könnte, wäre ein denkbares Argument, eine reale Reduzierung des Entwicklungstempos nicht umzusetzen, aus Angst, dass die Hunderte Milliarden US-Dollar, die man bereits investiert hat – und zumeist auf Kredit –, dann vergebens sein könnten.

Hinzu kommt der Umstand, dass „Verlangsamung“ nicht dasselbe ist wie das Streichen von Projekten. Langsamer heißt nicht weniger … und vieles ist längst bestellt oder befindet sich in der Konstruktionsphase. Das gilt vor allem für Rechenzentren, bei denen Infineon mit seinen Chips mit im Boot ist. Zwar wäre auch eine moderate Verringerung des Entwicklungstempos ein Faktor, der mit dem Argument eines länger anhaltenden Nachfrageüberhangs im Chip-Sektor hochgezogene Kurse drücken könnte. Aber das wäre eher dann ein valides Argument, erst einmal den Kopf einzuziehen, wenn Aktien wie Infineon mitten in einer zügellosen Hausse unterwegs wären. Was diese indes, wie der Chart zeigt, nicht ist.

Die Aktie hat vom Rekordhoch, das im Juni bei 88,83 Euro erreicht wurde, bereits um die 40 Prozent korrigiert und damit den Löwenanteil der Ende März begonnenen Kaufwelle zurückgenommen. Mit Blick auf ein durchschnittliches Kursziel von momentan 86,59 Euro seitens der Analysten und ein Verhältnis von 19 „Kaufen“- zu 5 „Halten“-Einstufungen … sowie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 31 für das am 30.9. endende und von 20 für das kommende Geschäftsjahr 2026/2027 (auf Basis der durchschnittlichen Analysten-Schätzungen) … könnte man auch angesichts der Warnung vor einem zu hohen Tempo beim KI-Ausbau den Eindruck bekommen: Es ist langsam genug mit dem Abgabedruck.

Die Situation wird dadurch noch deutlich spannender, dass die Infineon-Aktie durch das Montags-Minus erneut auf einer charttechnischen Schlüsselunterstützung aufgesetzt hat. Der durch die 200-Tage-Linie verstärkte Supportbereich um 54 Euro wurde zum Wochenstart zwar zeitweise leicht unterboten, konnte aber noch gehalten werden. Sollte es misslingen, diese Zone effektiv zu verteidigen, könnte die Erneuerung des bärischen Momentums genug Eigendynamik entwickeln, um die Aktie bis an den nächsten, markanteren Support in Form des Februar-Hochs bei 48,23 Euro zu drücken.

Infineon Aktie: Chart vom 14.09.2026, Kurs 54,04 Euro, Kürzel: IFX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Infineon Aktie: Chart vom 14.09.2026, Kurs 54,04 Euro, Kürzel: IFX | Quelle: TWS

Sollte es aber gelingen, aus bullischer Sicht im letzten Moment die Kurve zu kriegen, könnte bereits ein Schlusskurs über dem letzten Zwischenhoch bei 60,79 Euro ausreichen, um unter den Marktteilnehmern den Gedanken zu wecken, dass jetzt, nachdem mit diesen Aussagen aus dem KI-Sektor die „bad news“ womöglich vorerst auf dem Tisch liegen, ausgestiegen ist, wer aussteigen wollte. Das hieße, dass der Aktie die potenziellen Verkäufer ausgehen könnten und es sich daher wieder über einen Einstieg nachdenken ließe. Die kommenden Tage könnten für Infineon daher richtungsweisend werden.

Quellenangaben:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/IFX.DE/analyst-insights/

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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 14.09.2026 um 18:54 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.


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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

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Vorherige Analysen der Infineon Aktie

07.09.2026
08:12 Uhr

Infineon: Weiterhin mit dem Rücken zur Wand — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 04.09.2026 um 22:32 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Am Freitag waren in den USA mal wieder die Halbleiter-Aktien auf der Kaufliste. Der deutsche Chiphersteller Infineon zog mit, aber am US-Markt ebenso wie hier sind diese Aktien mit einem starken Tag noch nicht aus der Gefahrenzone zu bekommen … die Situation bleibt kritisch.

Ein solides Plus zum Wochenschluss, das klingt, als könnten sich Anleger, die bei Infineon auf der Long-Seite stehen, entspannt zurücklehnen. Aber tatsächlich ändert dieser eine Kursanstieg nichts daran, dass das bullische Lager mit dem Rücken zur Wand steht.

Die Wand, das ist der Supportbereich aus den Monatstiefs vom Juli (54,06 Euro) und August (53,97 Euro) sowie die mittlerweile dort angekommene, die Relevanz dieser Unterstützungszone verstärkende 200-Tage-Linie (53,39 Euro). Solange diese Zone nicht klar verteidigt wird, muss man sie als Klippe einordnen, über die die Bullen gedrängt werden könnten, wenn es nur zu ein, zwei schwachen Tagen kommen sollte.

Erst wenn die Infineon-Aktie das Verlaufshoch aus dem August bei 65,45 Euro überwunden hätte, ließe sich konstatieren, dass die Bodenbildung vollendet wurde. Dann wäre diese Supportzone, um die es aktuell weiterhin geht, ein stabiler Boden. Bislang aber ist sie es nicht.

Infineon Aktie: Chart vom 04.09.2026, Kurs 56,86 Euro, Kürzel: IFX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Infineon Aktie: Chart vom 04.09.2026, Kurs 56,86 Euro, Kürzel: IFX | Quelle: TWS

Expertenmeinung: Das ist natürlich auch den Tradern klar, die hier eine Short-Chance wittern. Und die wäre nicht nur aus charttechnischer Sicht eine interessante Sache, weil die Aktie dann schnell an die nächste, markante Unterstützung bei 48,23 Euro durchgereicht werden könnte. Das Bären-Lager hätte auch ein Argument, das niedrigere Kurse unterstützen könnte: die Bewertung.

Zwar sind die Analysten für Infineon derzeit – wie für fast alle Halbleiter-Aktien – auffallend bullisch. 19 von 24 Experten raten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt mit knapp 86 Euro nahe am bisherigen Rekordhoch aus dem Juni. Aber diese Analysten setzen einen jahrelangen und steilen Gewinnanstieg voraus. Der kommen könnte, aber keineswegs muss.

Halbleiter-Aktien sind „Fahrstuhl-Aktien“. Die so heißen, weil der Unternehmensgewinn in dieser Branche hochvolatil ist. Mal saust er rasant nach oben, mal fällt er in beeindruckendem Tempo in den Keller. Aktuell erwartet man seitens der Analysten, dass sich Infineons Gewinn pro Aktie nicht nur im laufenden Jahr mehr als verdoppelt, sondern im am 1.10. beginnenden Geschäftsjahr 2026/2027 noch einmal um 60, im darauffolgenden Jahr dann um 35 Prozent zulegt. Käme es so, wäre die Aktie auf dem derzeitigen Niveau noch recht günstig. Käme es anders, wäre sie auch jetzt noch, nach diesem Abstieg im Sommer, zu teuer.

Und dass man im Fieber der Super-Hausse der Halbleiter-Aktien womöglich zu weit vorgeprescht war, macht schon diese laufende Korrektur deutlich. Die Investitionen in KI und Rechenzentren haben Dimensionen erreicht, die jederzeit dazu führen können, dass Entscheider die Notbremse ziehen. Dann wäre es auch mit diesem ambitionierten Blick in die Zukunft – die man bekanntlich nie sicher vorhersehen kann – in Sachen der Gewinne bei Infineon vorbei. Und solange die Aktie unter Druck bleibt, bleiben die Zweifel, das ist den Bären natürlich klar, daher:

Das Plus des Freitags unterstreicht, dass sich die Käuferseite aus dieser kritischen Chartsituation befreien will. Das war aber noch bei Weitem nicht genug, um das auch zu schaffen. Behalten Sie diese durch die 200-Tage-Linie verstärkte „Klippe“ zwischen 53,39 und 54,06 Euro im Auge.

Quellenangaben:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/IFX.DE/analyst-insights/

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

19.08.2026
08:28 Uhr

Infineon: Nur noch zwei, drei Supportlinien bis zum Bären-Ziel? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 18.08.2026 um 20:42 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Die Quelle der Achterbahn, in der Chip-Aktien und Halbleiter-Ausrüster derzeit unterwegs sind, liegt zwar an der Nasdaq, aber heimische Aktien wie Infineon können sich diesen Impulsen nicht entziehen. Wo könnte ein Punkt erreicht sein, an dem der Spuk vorbei ist?

Momentan ist diese Achterbahn ja übergeordnet abwärts unterwegs. Seit es bei Infineon vor zwei Monaten misslang, das einige Wochen zuvor markierte Jahreshoch zu überwinden, machen sich die Käufer rar. Ein Doppeltopp wurde vollendet, dessen rechnerisches Kursziel bei knapp 64 Euro längst unterboten war, sogar die 200-Tage-Linie war zeitweise sehr nah gekommen, die Linie also, von der aus die große Kaufwelle Ende März begann. Dabei kam es zwar mehrfach zu Gegenbewegungen, aber die wurden schnell wieder abverkauft. Aber Ende Juli kamen die Verkäufer eine Zeitlang nicht zurück – da kam Hoffnung auf. Hoffnung, die momentan schon wieder schwinden dürfte, denn:

Es gelang zwar, die kurzfristige Abwärtstrendlinie sowie die den Abstieg führenden 10-Tage- und 20-Tage-Linien unter sich zu lassen, aber das passierte nicht durch dynamische Kursgewinne, sondern lag nur daran, dass diese Linien noch fielen, während die Infineon-Aktie seitwärts lief. Dabei wurde sie um 65 Euro immer wieder ausgebremst. Ein Kurslevel, der zwar zu diesem Zeitpunkt keinen charttechnischen Widerstand darstellte. Aber jetzt, da aus dem Seitwärts-Geschiebe durch das kräftige Minus des Dienstags (-7,63 Prozent) ein neuer Abwärtsschub wurde, ist dort einer.

Aber das kann doch, werden sich viele sagen, nicht auf Dauer so weitergehen, womöglich bis an den Ausgangspunkt der Kaufwelle bei knapp 40 Euro. Was ist denn mit dem Wachstum der Halbleiter-Branche und den bullischen Perspektiven für die kommenden Jahre … die sind doch weiter als Argument vorhanden?

Expertenmeinung: Das ist richtig. Wobei man hinzufügen sollte: Diese Perspektiven bleiben als Argument so lange tauglich, solange sich die Rahmenbedingungen nicht unerwartet zum Negativen verändern, was man besser nie ausschließen sollte. Aber ansonsten hätte man nach einem derart markanten Abstieg durchaus guten Grund, sich zu fragen, ob man nicht langsam mal „unten“ wäre.

Schließlich liegt das Kurs-/Gewinn-Verhältnis der Infineon-Aktie auf Basis der Analysten-Gewinnprognosen für das am 30.9. endende Geschäftsjahr 2025/2026 bei 34. Das ist zwar ein bisschen über dem üblichen Niveau, aber weit weniger als am Jahreshoch der Aktie und nicht zu teuer, sollten sich die Wachstumsprognosen der Analysten erfüllen. Und die glauben weiter daran, was sich in einem durchschnittlichen Kursziel von derzeit 85,80 Euro und einem Verhältnis von 19 „Kaufen“- zu nur 5 „Halten“-Einschätzungen bei den Analysten niederschlägt („Verkaufen“ taucht bei keinem der Experten als Empfehlung auf). Also, wo klemmt es?

Es mag ein wenig salopp klingen, aber: Wie immer, wenn es abwärts geht, wollen zu wenige kaufen und zu viele verkaufen. Und das ist, das ist psychologisch gar nicht mal so überraschend, besonders dann schwer zu drehen, wenn viele Marktteilnehmer sich diese Abwärtsdynamik der Aktie nicht erklären können. Da ist dann immer die Sorge da, dass die anderen, die da aussteigen oder Short-Trades eingehen, mehr wissen als man selbst … und wenn man solche Gedanken hegt, pflegt man eher nicht beherzt zuzugreifen.

Daher wäre es keineswegs eine Überraschung, wenn Infineons Abwärtsbewegung erst dann endet, wenn die Leerverkäufer ihre Positionen schließen, indem sie die vorher leer verkauften Aktien zurückkaufen und das wiederum den Aktienkurs höher zieht. Denn selbst, wenn das dann „nur“ sogenannte Eindeckungen sind: Das wäre ein Indiz dafür, dass diejenigen, die für die Aktie bärisch sind, den Eindruck haben, dass es jetzt genug sei. Und das kann reichen, um Zweifel bei potenziellen, aber zögernden Käufern zu beseitigen.

Und eine Zone, in der diese Bären womöglich tatsächlich ihre Ziele erreicht sehen und die Leerverkäufe schließen, könnte durchaus nahe sein, immerhin ist die Aktie jetzt eben nicht mehr allzu teuer bewertet und die Kursziele der Analysten weit über dem aktuellen Kurs.

Bei 54,06 Euro liegt das bisherige Verlaufstief der Abwärtsbewegung. Bei aktuell 52,05 Euro wartet die 200-Tage-Linie. Und bei 48,23 Euro findet sich das markante Hoch aus dem Februar. Drei Unterstützungslinien, die das Bären-Lager womöglich noch testen würde, dort aber auch die ersten dann ihre Short-Gewinne einstreichen könnten. Zumindest, sofern es beim „Vorlagen-Lieferanten“ Nasdaq nicht zu weiteren, drastischen Abwärtsimpulsen bei Halbleiter-Titeln kommen sollte und/oder der Gesamtmarkt deutlicher ins Rutschen gerät.

Infineon Aktie: Chart vom 18.08.2026, Kurs 57,24 Euro, Kürzel: IFX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Infineon Aktie: Chart vom 18.08.2026, Kurs 57,24 Euro, Kürzel: IFX | Quelle: TWS

Diese Einschätzung beinhaltet aber eine ganze Reihe an „wenn“ und „falls“, d. h., ob es eine gute Idee wäre, auf Basis dieser Überlegungen gegen eine eherne Börsenregel zu verstoßen, indem man gegen einen noch intakten Abwärtstrend agiert, ist höchst zweifelhaft. Besser wäre es, sich in die Beobachterrolle zu begeben und abzuwarten, ob die Aktie tatsächlich in diesem Bereich aufgefangen wird … und ob sie danach imstande ist, erste Widerstände zu überwinden, die normalerweise von den Bären verteidigt würden. Erst, wenn da dann nichts passiert und Infineon nach oben durchgeht, wäre sie für einen Long-Trade interessant.

Quellenangaben:
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/IFX.DE/analyst-insights/

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

06.08.2026
08:04 Uhr

Infineon: Das hat die Short-Seller nicht beeindruckt — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 05.08.2026 um 22:37 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Infineon konnte am gestrigen Mittwoch, den 05. August, im Rahmen der Ergebnisse zum 3. Geschäftsjahresquartal mit einem Rekordumsatz aufwarten. Der lag sogar über den Prognosen, der Haken war aber: Andere Kennzahlen taten das nicht. Die Aktie fiel … und das genau an entscheidenden Charthürden.

Der KI-Boom führt zu einem knappen Angebot bei Halbleitern. Dass auch Infineon, obgleich nicht ganz unmittelbar mit dem Thema KI verbunden, davon profitieren würde, nahm man im Vorfeld der Ergebnisse zum 3. Quartal des am 30.9. endenden Geschäftsjahres bereits an. Und ja, mit 4,17 Milliarden Euro setzte das Unternehmen solide 13 Prozent mehr um als im Vorjahreszeitraum, die durchschnittliche Prognose lag mit 4,13 Milliarden einen Tick niedriger. Das war soweit gut.

Was den Akteuren aber missfallen musste, war, dass die aus diesem hohen Bedarf an Halbleitern resultierende Fähigkeit, höhere Preise durchzusetzen, sprich die Gewinnmarge zu steigern, nicht so ausgeprägt war wie erhofft: Mit 19,1 Prozent lag die Marge zwar höher als die 18,0 Prozent im Vorjahr, aber nicht so hoch wie gedacht. Das führte dazu, dass auch der Gewinn pro Aktie mit 0,44 Euro leicht unter dem Analysten-Konsens von 0,45 Euro blieb.

Darüber hinaus avisierte Infineon für das laufende, letzte Geschäftsjahresquartal einen Umsatz um 4,7 Milliarden Euro und für das Gesamtgeschäftsjahr 2025/2026 ein Umsatzplus von etwa elf Prozent.

Infineon Aktie: Chart vom 05.08.2026, Kurs 60,08 Euro, Kürzel: IFX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Infineon Aktie: Chart vom 05.08.2026, Kurs 60,08 Euro, Kürzel: IFX | Quelle: TWS

Expertenmeinung: Gut, aber nicht gut genug für eine Aktie, die gerade in einem intakten Abwärtstrend unterwegs ist, weil überzogene Erwartungen jetzt von der Realität eingeholt werden. Das Resultat am Bilanztag war ein Minus von 5,7 Prozent, das klar machte: Die Short-Seller, sprich die Bären, sind mit Infineon noch nicht fertig.

Die Aktie, die am Vorabend der Ergebnisse genau an der kurzfristigen, von Ende Juni stammenden Abwärtstrendlinie geschlossen hatte, drehte dort sowie an der parallel laufenden 20-Tage-Linie nach unten ab und bestätigte den Abwärtstrend damit. Zumindest vorerst.

Denn da der Kurs noch in der Nähe der den Abwärtsimpuls enger führenden 10-Tage-Linie blieb, wäre die Möglichkeit, in einem zweiten Anlauf doch noch nach oben auszubrechen und mit Schlusskursen klar über 65 Euro charttechnisch wieder Spielraum bis in den Bereich 74/75 Euro zu erlangen, noch nicht vom Tisch.

Wenn das gelingen soll, müsste es aber zeitnah geschehen, denn wenn nicht umgehend Gegenwehr aufkommt, dürften die Bären keinen Grund sehen, darauf zu verzichten, angesichts der für einen Aufwärtsschwenk nicht gut genug ausgefallenen Bilanzzahlen das unterhalb des bisherigen Korrekturtiefs bei 54,06 Euro entstehende charttechnische Abwärtspotenzial in den Bereich 48,23 bis 50,80 Euro auszuloten.

Quellenangaben:
Ergebnis des 3. Geschäftsjahresquartals, 05.08.2026: https://www.infineon.com/row/public/documents/corporate/press/2026/infpr202608-125d.pdf

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

29.07.2026
08:34 Uhr

Infineon: Wie lange geht dieser Selloff noch weiter? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 28.07.2026 um 20:18 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Im April und Mai ging es mit der Infineon-Aktie nahezu senkrecht aufwärts. Doch nachdem es Ende Juni misslang, das Anfang Juni markierte Rekordhoch zu überbieten, geht die Reise in nahezu gleichem Tempo in die Gegenrichtung. Aber das muss doch irgendwann einmal enden?

Wer mich kennt, weiß, dass meine Sicht auf die Börse und speziell auf die Frage, wann und wo eine extreme Trendbewegung enden wird, immer lautet: Das weiß man vorher nie. Man weiß es auch dann nicht, wenn man, wie im Fall von Infineon, im Chart eine massiv wirkende Kreuzunterstützung sieht, auf die der Kurs rasant zusteuert. Eine Zone, die, bestehend aus Februar-Hoch und 200-Tage-Linie, bei 48,23/49,93 Euro wartet und somit nicht mehr weit entfernt ist. Und die zumindest so aussieht, als müsste sie eigentlich halten.

Infineon Aktie: Chart vom 28.07.2026, Kurs 57,77 Euro, Kürzel: IFX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Infineon Aktie: Chart vom 28.07.2026, Kurs 57,77 Euro, Kürzel: IFX | Quelle: TWS

Der Gedanke, dass das Tief dort liegen könnte, könnte einem kommen, wenn man bedenkt, dass dieses Hoch aus dem Februar direkt entstand, bevor der Iran-Krieg losgetreten wurde, und man damals auch ohne den Halbleiter-Hype dachte, dass ein solches Kursniveau angemessen wäre. Jetzt, da der Ölpreis gerade wieder fällt und man sieht, dass nur die Blase der vor allem in den USA eskalierten Halbleiter-Hausse platzt, der Rest des Aktienmarkts aber eigentlich ganz robust daherkommt, wäre das doch ein Kursniveau, auf dem die Verkäufer langsam zu Käufern werden und die Bären ihre Ernte auf der Short-Seite einfahren könnten … oder?

Expertenmeinung: Das könnte so kommen. Aber es muss nicht – aus drei Gründen. Zunächst ist das Motiv, das aktuell dazu führt, dass Anleger Aktien aus dem Halbleitersektor nahezu panisch verkaufen, genauso wenig in konkrete Zahlen zu pressen wie die Argumente der wilden Kaufwelle zuvor. Die dieser Tage umgehende Sorge, dass sich die großen KI-Investoren schon jetzt übernommen haben und die Nachfrage nach Halbleitern deshalb viel schneller nachlassen wird als zuvor gedacht, ist eben nur eine Vermutung. Vielleicht weniger irrational als die Hausse-Argumentation eines mit dem Lineal fortschreibbaren Nachfragebooms, aber dennoch nicht belegt.

Zweitens sind extreme Kursbewegungen, mit denen man hier konfrontiert ist, sehr emotional geprägt. Bei derart starken Gewinnen und Verlusten, die hier in kürzester Zeit auflaufen, werden viele von Gier und Angst geleitet. Und selbst erfahrene, kurzfristig agierende Trader, die normalerweise sehr konsequent und geradlinig handeln, entscheiden dann öfter spontan und aus dem Bauch heraus. Da kann die Charttechnik leicht einmal in den Hintergrund treten, und Chartmarken, die in einem weniger hektischen Umfeld funktionieren würden, können als Wendepunkte versagen.

Und drittens weist der Trend derzeit sehr klar abwärts und wurde gerade erst durch den Abverkauf der Gegenbewegung in der Vorwoche und das Erreichen neuer Korrekturtiefs bestätigt. Diejenigen Trader, die hier auf der Short-Seite aktiv sind, könnten zwar auf Höhe dieser Kreuzunterstützung bei 48,23/49,93 Euro ihre Leerverkäufe eindecken und dadurch einen Aufwärtsschub auslösen. Aber ob es so kommt und, wenn ja, ob ein solcher Richtungswechsel dann vorhält, ist auch von den Rahmenbedingungen abhängig, die zu diesem Zeitpunkt gelten werden. Und da man nicht einmal weiß, ob und wann diese Zone erreicht wird, ist es rein logisch unmöglich, darüber ein Urteil abzugeben. Also?

Also wäre man bei derart extremen Bewegungen gut beraten, es genauso zu machen, als hätte man einen Aufwärtstrend vor sich. In einer Hausse würde man ja eher nicht aussteigen, bevor man nicht durch den Bruch einer entscheidenden Unterstützung vermuten dürfte, dass die Party vorbei ist. Wenn eine Widerstandslinie erreicht wird, steigt man eher nicht aus … sie könnte ja überwunden werden. Warum sollte man, wenn der Trend in die Gegenrichtung weist, anders denken und handeln?

Was konkret hieße, dass man nicht an womöglich fragilen Unterstützungen kauft, sondern erst dann, wenn es genug Hinweise darauf gibt, dass die Bären nicht mehr dagegenhalten können oder wollen, indem Widerstände überboten werden, an denen man normalerweise mit Gegendruck der Leerverkäufer rechnen müsste. Im Fall von Infineon würde es da – momentan – um die Zone von 64,50 bis 69,80 Euro gehen, wo die 10-Tage- und die 20-Tage-Linie, die kurzfristige Abwärtstrendlinie und das Hoch der letzten, abverkauften Gegenbewegung nach oben einen Kreuzwiderstand bilden.

Für Anleger, die unbedingt versuchen wollen, das „Tief abzufischen“, wäre es eine harte Übung in Disziplin, so etwas abzuwarten. Aber da all diese Marken außer dem letzten Zwischenhoch, das im weiteren Verlauf an Relevanz verlieren wird, sukzessive nach unten laufen, kommen dem Geduldigen die entscheidenden Widerstände ja mit der Zeit entgegen.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

20.07.2026
08:16 Uhr

Infineon: Hat die Aktie nicht langsam genug korrigiert? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 17.07.2026 um 22:28 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Am Tagestief des Freitags hatte Infineon gut 55 Prozent der Ende März begonnenen Rallye korrigiert. Die jüngste Kursbewegung rückt damit die technische Ausgangslage in den Fokus.

Wenn man in einer dynamisch haussierenden Aktie investiert ist, tut man sich naturgemäß eher schwer damit, zu welchem Zeitpunkt auch immer und egal, wie heiß gelaufen Kurs und markttechnische Indikatoren sein mögen, ein „zu teuer“ zu konstatieren. Man will, dass die Aktie weiter steigt, und zögert alleine deswegen damit, Gewinne zum Teil oder ganz mitzunehmen, weil die Angst, man könnte zu früh ausgestiegen sein, die Wahrnehmung dominiert. Beginnt eine solche Aktie aber abzurutschen, sieht die Sache anders aus.

Ein „Jetzt ist sie billig“ ist da schnell im Kopf … und oft auch schnell in einen Kauf umgesetzt, auch wenn der kurzfristige Abwärtstrend noch voll intakt ist. Das geschieht einfach, weil das vorherige Hoch schon so weit entfernt ist, dass mancher Trader die Distanz vom aktuellen Kurs zum Hoch als potenziellen Gewinn rechnet und sich sagt: Das lohnt sich. Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung.

Zum einen könnte die Aktie zwar wieder an das alte Hoch steigen, muss es aber keineswegs. Immerhin haben solche scharfen Korrekturen, wie sie derzeit die Infineon-Aktie zeigt, normalerweise gute Gründe, die sich nicht einfach in Luft auflösen. Zum anderen laufen Abwärtsbewegungen bei hoch volatilen Aktien mit einem dann auch naturgemäß hohen Anteil an sehr kurzfristig und hoch spekulativ agierenden Tradern genauso emotional und unberechenbar ab wie die Rallyes zuvor. Dass bereits viel des vorherigen Anstiegs korrigiert ist, kann die Aktie auffangen, muss es aber nicht. Wie aber könnte man die Sache sonst angehen?

Ein Blick auf die Analystenmeinungen wäre da in der Regel nicht hilfreich. Denn je höher eine Aktie steigt, desto höher gehen viele Experten mit ihrem Kursziel, auch wenn neue Fakten in Form aktueller Bilanzdaten noch gar nicht vorliegen. Das gilt auch für Infineon: Die Ergebnisse des dritten Geschäftsjahresquartals bzw. zweiten Kalenderquartals stehen hier erst am 5. August an. Zudem aktualisieren Analysten ihre Einschätzungen ja nicht alle paar Tage, sodass man nicht weiß, ob einzelne Experten ihre Meinung zu der Aktie womöglich in Kürze dem gesunkenen Kurs anpassen werden.

Wenn man also realisiert, dass ein „zu billig“ genauso eine subjektive Meinung ohne Anspruch darauf, von der Realität umgesetzt zu werden, ist wie ein „zu teuer“, man aber Ersteres leichter glaubt, ist die Größenordnung der bisherigen Korrektur kein tauglicher Maßstab für die Frage, ob man zugreifen könnte oder nicht. Das gilt auch für die Bewertungen, denn gerade bei Wachstumstiteln schaut man da auf die kommenden Jahre … obwohl man wissen müsste, dass absolut nicht abschätzbar ist, ob z. B. Infineon in Kürze massiv vom KI-Boom erfasst wird und der Gewinn pro Aktie deshalb durch die Decke geht … oder eben nicht. Also?

Also wäre der bessere Weg, sich von der die Wahrnehmung beeinflussenden, immensen Dynamik der Kursbewegungen zu lösen und einfach genau das zu tun, was man bei jeder „normalen“ Aktie auch tun würde: Abwarten, ob eine Aufwärtswende gelingt. Und zwar, indem dafür relevante Widerstandslinien überboten werden, was andeuten würde, dass die Verkäufer erst einmal „durch“ sind und aktiv Short agierende Trader nicht mehr dagegenhalten wollen oder können.

Infineon Aktie: Chart vom 17.07.2026, Kurs 63,66 Euro, Kürzel: IFX | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Infineon Aktie: Chart vom 17.07.2026, Kurs 63,66 Euro, Kürzel: IFX | Quelle: TWS

Im Fall der Infineon-Aktie wäre das momentan der Widerstandsbereich 74/75 Euro, zusammengesetzt aus der Nackenlinie des unlängst vollendeten Tops und der 20-Tage-Linie. Das wäre zwar ein gutes Stück über dem derzeitigen Kurs. Aber wenn man sich ansieht, dass die vorherige Kaufwelle keine potenziellen Supportlinien herausgebildet hat, sodass das Abwärtspotenzial aus rein charttechnischer Sicht bis hinunter in die Region 48/49 Euro reichen würde, sollte man sich dringend überlegen, diese Geduld und Disziplin erfordernde Variante in Sachen Einstieg zu präferieren, statt vertrauensselig ins fallende Messer zu greifen.

Quellenangaben: Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/IFX.DE/analyst-insights/

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv. Seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d. h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentimentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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