Die Story klang perfekt: starkes Wachstum, großer Markt, skalierbares Geschäftsmodell. Doch dann ist HelloFresh ins Straucheln geraten.
Der Boden unter den Füßen
Dereinst war HelloFresh ein Sternchen am deutschen Börsenhimmel. Am Hoch kratzte der Kurs an der 100-Euro-Marke. Doch von dem Glanz ist wenig übriggeblieben. Aktuell liegt der Kurs nur noch bei knapp über 4 Euro.

HelloFresh wurde mit einer einfachen Idee groß: Kochboxen mit exakt portionierten Zutaten und Rezepten direkt nach Hause liefern. Kunden sparen Zeit beim Einkauf, vermeiden Lebensmittelverschwendung und entdecken neue Gerichte.
Das Unternehmen verdient an wiederkehrenden Abonnements, ergänzt durch Zusatzverkäufe wie Snacks, Fertiggerichte oder Frühstücksoptionen.
Inzwischen geht das Angebot über klassische Kochboxen hinaus. Unter der Marke Factor bietet HelloFresh fertig zubereitete Mahlzeiten an – ein Schritt hin zum Convenience-Markt, der weniger Kochen, aber mehr Bequemlichkeit verspricht.
Das Konzept ist simpel und war aussichtsreich. Hätte HelloFresh die kritische Größe erreicht und genug Kunden dauerhaft gebunden, hätte es ein einträgliches Geschäft werden können.
Leider ist das bisher nicht gelungen.
Die große Hoffnung: Skalierung und Abos
Stattdessen ist HelloFresh ein gutes Beispiel für die Gefahr von Wachstumsaktien geworden.
Solche Unternehmen werden nicht für das bewertet, was sie heute verdienen, sondern für das, was sie morgen verdienen könnten. Der Markt kauft eine Zukunft. Solange die Wachstumsraten hoch sind, funktioniert dieses Narrativ. Umsätze steigen, die Story bleibt intakt, der Kurs folgt. Gewinne spielen in dieser Phase oft eine Nebenrolle.
Das Problem entsteht, wenn genau diese Zukunft nicht eintritt. Bei HelloFresh war die Annahme klar: Immer mehr Haushalte gewöhnen sich dauerhaft an Kochboxen, Skaleneffekte senken die Kosten, und am Ende steht ein hochprofitables Abo-Modell. Doch zwei Dinge passierten gleichzeitig. Das Wachstum verlangsamte sich – und die Profitabilität blieb hinter den Erwartungen zurück.
Das klassische Kochbox-Modell ist logistisch komplex und kapitalintensiv. Gleichzeitig wächst der Wettbewerb im Bereich Fertiggerichte und Lebensmittel-Lieferdienste. Anbieter wie Supermärkte, Lieferdienste und spezialisierte Meal-Prep-Firmen greifen denselben Kunden an – oft mit einfacheren, günstigeren Angeboten.
Hier zeigt sich die zentrale Gefahr: Wachstum allein reicht nicht. Wenn jeder neue Kunde teuer erkauft wird und nicht lange bleibt, entsteht kein nachhaltiger Wert. Das Geschäft dreht sich im Kreis. Marketingkosten ersetzen Kundenverluste, statt echte Skaleneffekte zu schaffen.
Noch kritischer wird es, wenn das Wachstum endet. Dann fällt das Kartenhaus an der Börse zusammen.
Die Bewertung von Wachstumsaktien basiert schließlich auf den zukünftigen Gewinnen. Stellt sich heraus, dass es diese zukünftigen Gewinne nicht geben wird, ist das in etwa so, als würde man ihnen den Boden unter den Füßen wegziehen.
Die Realität: Opfer des eigenen Erfolgs
Man sollte dennoch großen Respekt vor HelloFresh haben. Dem Unternehmen ist es gelungen, den Umsatz binnen zehn Jahren von nahezu null auf über 7 Milliarden Euro zu steigern. Auch wenn das Endziel bisher noch nicht erreicht wurde, handelt es sich um eine herausragende unternehmerische Leistung.
Womöglich ist HelloFresh dem eigenen Erfolg zum Opfer gefallen, da man durch das enorme Wachstum zahllose Nachahmer und Konkurrenten auf den Plan gerufen hat. Wie viele Anbieter für Fertiggerichte sind in den letzten Jahren entstanden? Man kann sie kaum mehr zählen.
Das hat mitunter dazu geführt, dass das Wachstum von HelloFresh zum Erliegen gekommen ist.
Laut dem jüngsten Geschäftsbericht war der Umsatz im Schlussquartal 2025 sogar um 14,4 % auf 1,55 Mrd. Euro rückläufig.
Die Dynamik hat sich im Jahresverlauf sogar verschlechtert, denn im gesamten Geschäftsjahr 2025 lag das Umsatzminus bei 11,8 %.
Dazu haben mehrere Faktoren beigetragen. Die Anzahl der Bestellungen war rückläufig und ebenso die Anzahl der Mahlzeiten.
Das trifft auf den Heimatmarkt und auch auf Nordamerika zu. Obendrein war sowohl das Geschäft mit Kochboxen als auch mit Fertiggerichten rückläufig.
Effizienz statt Expansion
Auf diese Probleme hat das Unternehmen längst mit einem Effizienzprogramm reagiert, das planmäßig verläuft und bereits zu etwa 80 % umgesetzt wurde.
Dadurch konnte das bereinigte EBITDA auf Jahressicht von 399,4 auf 422,8 Mio. Euro gesteigert werden.
Wer sich ein wenig auskennt, weiß aber, dass zwischen EBITDA und Gewinn Welten liegen.
Das Ergebnis je Aktie wird im jüngsten Geschäftsbericht nicht genannt.
Der freie Cashflow war im Schlussquartal jedoch mit -56,7 Mio. Euro negativ und lag im gesamten Geschäftsjahr mit 18,9 Mio. Euro nur knapp über der Null-Linie.
Den Konsensschätzungen zufolge dürfte HelloFresh im Geschäftsjahr 2025 ein Ergebnis von -0,36 Euro je Aktie erzielt haben.
Selbstverständlich gelobt man Besserung. Der Umsatz soll 2026 zwar um weitere 3 bis 6 % zurückgehen, doch es werden weitere Einsparungen in Höhe von 140 Mio. Euro erwartet.
Das AEBITDA soll bei 375 – 425 Mio. Euro liegen.
Den Konsensschätzungen zufolge wird ein Gewinn von 0,20 Euro je Aktie erwartet. Das ist ein echter Hoffnungsschimmer. Gelingt es HelloFresh, sich gesundzuschrumpfen und nachhaltig profitabel zu werden, könnte das eine Renaissance der Aktie einleiten.
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