Cyberangriffe werden komplexer, IT-Landschaften fragmentierter und Sicherheitsanforderungen nehmen zu. Fortinet liefert dafür eine umfassende Antwort.
Big Player im Schatten des Hypes
Fortinet gehört seit Jahren zu den festen Größen im globalen Cybersecurity-Markt. Das Unternehmen hat sich konsequent als Spezialist für Netzwerksicherheit positioniert und deckt heute ein breites Spektrum an Sicherheitsanforderungen ab.
Firewalls, VPN-Lösungen, Endpoint-Schutz, Cloud-Security und Management-Software greifen ineinander und bilden eine integrierte Plattform.
Genau diese Tiefe und Verzahnung unterscheidet Fortinet von vielen Wettbewerbern, die häufig aus Einzellösungen bestehen und erst nachträglich zusammengeführt werden.
Der historische Kern des Geschäfts liegt im Firewall-Segment. Hier ist Fortinet mit rund 55 Prozent Marktanteil einer der bedeutendsten Anbieter. Diese starke Position ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Investitionen in eigene Hardware, spezialisierte Sicherheitsprozessoren und ein konsequent auf Performance optimiertes Betriebssystem.
Während viele Anbieter auf Standardchips setzen, kontrolliert Fortinet einen großen Teil der Wertschöpfung selbst. Das senkt Kosten, erhöht die Marge und erlaubt es, Sicherheitsfunktionen ohne spürbare Leistungseinbußen bereitzustellen. Gerade in großen Netzwerken ist das ein entscheidender Faktor.
Das Ende des klassischen Netzwerks
Gleichzeitig hat sich der Markt fundamental verändert. Unternehmensnetze sind längst nicht mehr klar abgegrenzt. Cloud-Anwendungen, mobile Endgeräte und Homeoffice-Arbeitsplätze haben die klassische Perimeter-Sicherheit weitgehend obsolet gemacht. Fortinet adressiert diesen Wandel mit dem Secure Access Service Edge Modell (SASE).
SASE verbindet Netzwerkfunktionen und Sicherheitsmechanismen in einer cloudbasierten Architektur. Nutzer erhalten sicheren Zugriff auf Anwendungen, unabhängig davon, wo sie sich befinden. Für Unternehmen bedeutet das weniger Komplexität und mehr Kontrolle, gerade in hybriden IT-Umgebungen.
SASE ist ein zentraler Wachstumstreiber im Konzern und verzeichnete zuletzt einen Anstieg der Billings um 40 %.
Neben der klassischen IT rückt ein weiteres Feld zunehmend in den Fokus. Die Absicherung von industriellen Systemen, auch als Operational Technology bezeichnet, gewinnt stark an Bedeutung. Produktionsanlagen, Energieversorger und kritische Infrastrukturen sind heute vernetzt und damit angreifbar.
Fortinet hat früh erkannt, dass industrielle Netzwerke andere Anforderungen stellen als Büro-IT. Spezialisierte Lösungen für OT-Sicherheit erweitern das Portfolio und erschließen neue Kundensegmente mit hoher Eintrittsbarriere.
Allianzen mit Nvidia und Google
Ein weiterer Wachstumstreiber ist das Servicegeschäft. Fortinet verkauft längst nicht mehr nur Hardware und Lizenzen. Managed-Security-Services übernehmen die laufende Überwachung, Analyse und Reaktion auf Sicherheitsvorfälle. Kunden lagern damit einen Teil ihrer Sicherheitsverantwortung aus.
Für Fortinet bedeutet das planbare, wiederkehrende Umsätze und eine engere Kundenbindung. Inzwischen entfallen fast zwei Drittel der Umsätze auf diesen Bereich.
Partnerschaften spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Zusammenarbeit mit Nvidia ist strategisch besonders relevant. Durch die Integration von FortiGate VM auf Nvidias BlueField-3-DPUs wird die Absicherung von KI-Infrastrukturen deutlich leistungsfähiger.
Auch die Kooperation mit Google Cloud stärkt die Position im Cloud-Security-Bereich. Als Unified Security Partner ist Fortinet tief in die Google-Cloud-Umgebung integriert. Besonders hervorzuheben ist die Lösung FortiCNAPP, die Cloud-Risiken ganzheitlich adressiert.
Ausblick und Bewertung
Man sollte meinen, dass diese Positionierung und die Allianzen mit Nvidia und Google dazu führen, dass das Sentiment gegenüber Fortinet entsprechend positiv ist. Doch das ist nicht der Fall, zumindest in der jüngeren Vergangenheit.
Der Kurs entwickelt sich seit geraumer Zeit verhalten, obwohl die Geschäftszahlen überzeugend sind.
Vor wenigen Tagen hat das Unternehmen die Zahlen zum Schlussquartal 2025 vorgelegt.
Der Gewinn lag mit 0,81 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 0,75 USD. Mit einem Umsatz von 1,91 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 1,86 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 15 % und einem Gewinnanstieg um 10 %.
Der Umsatz konnte im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr um 14 % auf 6,80 Mrd. USD gesteigert werden und der Gewinn um 7 % auf 2,42 USD je Aktie.
Das zeigt, dass die Wachstumsdynamik im Jahresverlauf wieder zugenommen hat.
Aufgrund des Geschäftsmodells ist die wohl wichtigste Kennzahl jedoch der freie Cashflow, der um 18 % auf 2,21 Mrd. USD gesteigert werden konnte. Die FCF-Marge verbesserte sich von 31,6 auf 32,5 %.
Die positive Entwicklung dürfte sich auch im Geschäftsjahr 2026 weiter fortsetzen. Fortinet stellt einen Anstieg der Umsätze auf 7,50 – 7,70 Mrd. USD und einen Gewinnanstieg auf 2,94 – 3,00 USD je Aktie in Aussicht.
Das entspricht einem Umsatzplus von mindestens 10 % und einem Gewinnanstieg um 22 %.
Fortinet kommt demnach auf eine forward P/E von 27,9. In den letzten fünf Jahren lag die P/E durchschnittlich bei 40.
Auf Cashflow-Basis ist die Bewertung noch etwas niedriger.

Fortinet hat eine langwierige Korrektur hinter sich, ist übergeordnet jedoch weiterhin bullisch.
Gelingt jetzt ein nachhaltiger Ausbruch über 87 USD, käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 93 und 100 USD.
Fällt Fortinet hingegen unter 81 USD zurück, sind erneute Kursverluste bis zu den Aufwärtstrends oder zur Unterstützung bei 73 USD denkbar.
Unter 73 USD würde sich das Chartbild spürbar eintrüben.
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