Bei Fielmann läuft seit längerer Zeit immer wieder dasselbe Spiel. Das Unternehmen legt Geschäftszahlen vor, die Aktie springt kurz an und dann klappen wieder die Scheuklappen runter.
So scheint es auch dieses Mal wieder zu laufen. Nach den vorläufigen Zahlen zum Geschäftsjahr 2025 ist die Aktie gestern um etwa 7 % gestiegen. Heute herrscht Katerstimmung und die Aktie gibt wieder nach.
Die realwirtschaftlichen Fortschritte spiegeln sich nach wie vor nicht an der Börse wider. Doch das dürfte nicht ewig so bleiben. Solange das Unternehmen auf Kurs bleibt, sollten irgendwann auch die Kurse folgen.
Die Vermutung liegt nahe, dass die Kursschwäche vor allem auf technische Faktoren zurückzuführen ist. Die meisten Anleger schrecken vor Aktien zurück, die seit Jahren auf der Stelle treten.
Vielleicht übersehen sie dabei etwas.
Erfolgreiche Neuausrichtung
Fielmann ist in eine neue Ära eingetreten, doch bisher scheint das nicht im Geringsten gewürdigt zu werden.
Fielmann fertigt einen Großteil seiner Brillen in eigenen Werken. Das sichert Qualität und drückt die Kosten. Diese Vorteile gibt das Unternehmen direkt an die Kunden weiter. Transparente Preise schaffen Vertrauen. Ergänzt wird das Sortiment durch Markenfassungen, Kontaktlinsen, Pflegeprodukte und in ausgewählten Niederlassungen Hörgeräte.
Dieses Modell geriet zuletzt unter Druck. Onlineanbieter wie Mister Spex oder Brille24 greifen mit aggressiven Preisen an. Fielmann reagierte mit einem harten Effizienzprogramm, das Sparmaßnahmen von 125 Millionen Euro umfassen sollte, und einer Expansion in die USA.
Die beiden Maßnahmen waren hart und gewagt, beide scheinen aufgegangen zu sein.
Die Fortschritte sind sichtbar. Terminbuchungen laufen digital. Online-Sehtests ergänzen den stationären Besuch. Die Brillenanpassung wird technologisch unterstützt. Papier verschwindet, Prozesse werden schlanker. Das senkt Kosten und verbessert das Kundenerlebnis zugleich. Fielmann nähert sich wieder dem Anspruch, Kostenführer zu sein.
Nun überträgt Fielmann sein europäisches System auf den US-Markt. Einheitliche Ladenkonzepte, klare Produktauswahl, digitale Tools vor Ort. Dazu eine App mit Terminbuchung und Online-Sehtest. Viele Wettbewerber bieten das nicht.
Die entscheidende Frage lautet: Wie groß kann das US-Geschäft werden? Gelingt es Fielmann, dort ähnliche Marktanteile zu erreichen wie in Teilen Europas, könnte das Amerika-Geschäft langfristig das europäische übertreffen.
Bisher wird das nicht gewürdigt
Fielmann hat eine strategische Neuausrichtung vollzogen, die längst Früchte trägt. Im Geschäftsjahr 2023 wurde ein Gewinnanstieg um 29 % erzielt. Darauf folgte ein weiterer Anstieg um 15 % und wie wir spätestens seit gestern wissen, hat sich dieser Trend auch 2025 fortgesetzt.
Den vorläufigen Zahlen zufolge konnte der Umsatz um 7 % auf 2,44 Mrd. Euro gesteigert werden.
Gleichzeitig hat sich die EBIT-Marge von 10,6 auf 12,8 % verbessert, wodurch das EBIT um 30 % auf 313 Mio. Euro gesteigert werden konnte.
Das Wachstum wurde von allen Regionen getragen, von einem Plus von 4 % in Deutschland, über 5 – 6 % (organisch) in den USA, der Schweiz und Österreich, bis hin zu 10 – 19 % in Spanien, Polen und Tschechien.
Das Nettoergebnis verbesserte sich um 33 % auf 205 Mio. Euro und erreichte damit den bisher höchsten Wert der Unternehmensgeschichte. Der bisherige Rekord wurde 2019 mit einem Nettoergebnis von 177 Mio. Euro erzielt.
Perspektivisch ergeben sich weitere Möglichkeiten für Wachstum und eine gleichzeitig steigende Profitabilität.
Wie wir gesehen haben, wächst Fielmann in allen Regionen organisch und in den USA organisch und durch die erfolgten Zukäufe.
Im US-Geschäft lag die operative Marge 2025 mit 16,2 % deutlich unter dem Niveau in Europa in Höhe von 24,8 %.
Perspektivisch könnte sich die Lücke jedoch schließen. Tatsächlich ist das bereits geschehen, denn im Jahresverlauf konnte die operative Marge bereits deutlich gesteigert werden. Im Schlussquartal wurden 22,9 % erreicht.
Das spricht dafür, dass die Expansion in den USA bisher planmäßig verläuft.
Dem vorläufigen Jahresbericht zufolge dürfte das Ergebnis 2025 um 33 % auf 2,44 Euro je Aktie gestiegen sein.
Fielman kommt demnach auf ein KGVe von 17,7. In den letzten fünf Jahren lag das KGV durchschnittlich bei 29.
Sollte das Ergebnis 2026 wie erwartet um 11 % auf 2,70 Euro je Aktie steigen, würde das KGV dadurch auf 16 sinken.
Die zunehmende Wachstumsdynamik im vierten Quartal und die Margensteigerungen im US-Geschäft sprechen dafür, dass die Schätzungen zu niedrig sein könnten.

Gelingt ein Anstieg über 44 Euro, könnte das eine Erholung in Richtung 47 – 50 Euro einleiten. Darüber käme es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 55 – 58,50 Euro.
Fällt die Aktie hingegen unter 39 Euro, haben die Bullen ihre Chance vorerst vertan.
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