Ein besser als erwartet gelaufenes drittes Quartal und ein robuster Start ins laufende Quartal bewogen die DHL Group, ihre Gesamtjahresprognose anzuheben. Gute Nachrichten, die am Freitagabend kamen … und am Montag dann zu Abgaben bei der Aktie führten. Warum?
Die am Freitagabend nach Handelsende gemeldeten, vorläufigen Ergebnisse des dritten Quartals waren respektabel: Der Umsatz hat nach noch ungeprüften Zahlen um gut 12, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) um rund 16 Prozent zugelegt. Das veranlasste den Logistikkonzern, seine 2026er-Prognose nach oben zu korrigieren: Jetzt sieht man das EBIT bei mehr als 7,0 Milliarden Euro, bislang galt hier die Guidance „über 6,5 Milliarden Euro“.
Dabei war DHL Express wieder einmal das Zugpferd des Wachstums, während „Post & Paket Deutschland“ weiter nur leicht über der Nulllinie agiert und zum Vorjahr im dritten Quartal einen gesunkenen Gewinn auswies. Insgesamt präsentiert sich die Entwicklung also besser als im Vorfeld avisiert. Normalerweise würde man in einem solchen Fall damit rechnen, dass die Aktie ein gutes Stück anzieht, doch im Fall der DHL-Aktie ging es in die Gegenrichtung. Was könnte dahinterstecken?
Expertenmeinung: Ein entscheidender Faktor dürfte sein, dass die Aktie bereits am durchschnittlichen Kursziel der Analysten (derzeit bei 56,90 Euro) angekommen war und die Experten für die DHL-Aktie keineswegs überschwänglich sind. Nur ein Drittel der 21 die Aktie aktuell einstufenden Analysten bewertet sie mit „Übergewichten“ oder „Kaufen“, die Mehrheit wertet mit „Halten“, drei haben sogar ein „Verkaufen“-Rating. Was daran liegt, dass die Bewertung über das Kurs-/Gewinn-Verhältnis mit etwa 16 bereits am oberen Ende der in den vergangenen Jahren geltenden KGV-Spanne angekommen ist. Und um eine höhere Bewertung zu rechtfertigen, war die Aufwärtskorrektur des erwarteten Gewinns vor Zinsen und Steuern einfach nicht groß genug.
Womöglich wäre der Montag anders gelaufen, wenn es gleich zu Handelsbeginn genug Kaufinteresse gegeben hätte, um den Kurs aus der seit Beginn des zweiten Halbjahres geltenden Handelsspanne zwischen 54,06 und 58,90 Euro nach oben hinauszutragen.
Da diese Käufe jedoch ausbleiben, dürften sich einige entschieden haben, so nahe am bisherigen Jahresverlaufshoch, das zudem vom bisherigen Rekordhoch (61,38 Euro im Jahr 2021) nicht weit entfernt liegt, besser mal Gewinne zu sichern. Denn jetzt liegen die „Good News“ ja auf dem Tisch, was soll da kurzfristig noch an Argumenten kommen, die einen Ausbruch bewirken, den die Anhebung der Prognose nicht vollbringen konnte?
Damit bleibt die Aktie in dieser Handelsspanne „gefangen“, aber wenn man sich den Chart ansieht, stellt man andererseits fest: Am Ende des Tages wurde ein zeitweise deutlich größeres Minus deutlich eingegrenzt. Nach einem Minus von bis zu 2,4 Prozent standen zum Handelsschluss nur noch -0,9 Prozent zu Buche, wobei der Kurs fast auf den Cent genau auf Höhe der 20-Tage-Linie drehte. Das deutet an, dass die Tür nach oben noch nicht geschlossen ist, „Bärenfutter“ hat dieser Tag nach der Prognose-Anhebung aus der Aktie also noch nicht gemacht.

Nichtsdestotrotz stehen Analysten-Einschätzungen und die bereits nicht mehr günstige Bewertung der Aktie einem weitreichenden Hausse-Impuls eher entgegen. Daher sollte, wer über einen Trade in Ausbruchsrichtung nachdenkt, mit einem konsequent engen Stoppkurs agieren, sofern es zu diesem charttechnischen Befreiungsschlag doch noch kommen sollte.
Quellenangaben:
Vorläufiges Ergebnis des 3. Quartals, 16.10.2026: https://group.dhl.com/de/presse/pressemitteilungen/2026/dhl-group-erhoeht-ergebnisprognose-fuer-das-gesamtjahr-2026.html
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/DHL.DE/analyst-insights/
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Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 19.10.2026 um 21:48 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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