Datenleck, schlechte Zahlen und eine politische Kampagne gegen das Unternehmen. Das Vertrauen der Anleger scheint erschüttert.
Es geht um Geschwindigkeit
Der südkoreanische E-Commerce-Konzern Coupang hat sich in den vergangenen Jahren zu der größten Handelsplattform des Landes entwickelt. Das Unternehmen folgt dabei in vielerlei Hinsicht dem strategischen Bauplan von Amazon: maximale Kundenorientierung, massive Investitionen in Infrastruktur und ein langfristiger Blick auf Marktanteile statt kurzfristiger Gewinne.
Im Zentrum der Strategie steht eine einfache, aber konsequent umgesetzte Idee: Der Kunde soll den bequemsten Einkauf im gesamten Markt erleben. Jede Entscheidung – von der Logistik bis zum Bezahlprozess – wird an diesem Maßstab gemessen. Genau diese kompromisslose Ausrichtung auf Nutzerfreundlichkeit hat das Unternehmen innerhalb weniger Jahre an die Spitze des südkoreanischen Onlinehandels geführt.
Der größte Wettbewerbsvorteil von Coupang ist das Logistiksystem. Das Unternehmen hat über die Jahre hinweg ein dichtes Netz aus Warenlagern und Lieferzentren aufgebaut, das nahezu die gesamte Bevölkerung Südkoreas innerhalb eines Tages erreichen kann. Bestellungen, die am Abend aufgegeben werden, stehen oft schon am nächsten Morgen vor der Haustür.
Diese Geschwindigkeit wird inzwischen von vielen Kunden erwartet und nur Coupang bietet sie.
Vom Onlinehändler zum digitalen Alltagsdienstleister
Die Logistik bildet gleichzeitig die Basis für neue Geschäftsmodelle. Mit der gleichen Infrastruktur liefert Coupang inzwischen Lebensmittel, frische Zutaten und sogar fertig zubereitete Mahlzeiten aus. Damit verschiebt sich die Rolle der Plattform zunehmend vom klassischen Onlinehändler hin zu einem Alltagsdienstleister.
Parallel dazu baut das Unternehmen sein eigenes digitales Ökosystem aus. Ein integriertes Zahlungssystem sorgt dafür, dass der gesamte Kaufprozess innerhalb der Plattform abgewickelt wird. Ergänzt wird dieses System durch das Mitgliedschaftsprogramm Rocket. Gegen eine monatliche Gebühr erhalten Nutzer schnellere Lieferungen, exklusive Rabatte und weitere Vorteile.
Das Modell erinnert stark an Amazon Prime und verfolgt denselben Zweck: Kunden sollen gebunden werden und möglichst viele ihrer täglichen Einkäufe über eine einzige Plattform erledigen.
Die Strategie funktioniert. In Umfragen zur Kundenzufriedenheit erreicht Coupang regelmäßig Spitzenwerte bei Servicequalität, Preisniveau und Benutzerfreundlichkeit. Die App gilt als besonders intuitiv, der Bestellprozess als transparent und zuverlässig.
Ein Ökosystem der Kundenbindung
Diese Faktoren sorgen dafür, dass bestehende Kunden immer mehr Geld über die Plattform ausgeben, während gleichzeitig neue Nutzer hinzukommen.
Trotz dieser operativen Stärke hat die Aktie zuletzt stark an Wert verloren. Seit dem Hoch im Oktober 2025 ist der Kurs um nahezu die Hälfte gefallen. Auslöser waren zwei Ereignisse, die das Vertrauen der Investoren erschüttert haben.

Zum einen enttäuschte das Unternehmen mit seinen Zahlen für das dritte Quartal 2025. Die Expansion in Taiwan verursachte höhere Verluste als erwartet, worunter die Profitabilität litt.
Der wesentlich größere Belastungsfaktor war ein Datenleck, das Ende November öffentlich wurde. Ein ehemaliger Mitarbeiter hatte sich widerrechtlich Zugriff auf interne Systeme und Kundendaten verschafft. In der politischen Debatte wurde der Vorfall schnell zum Skandal hochstilisiert.
Mehrere Regierungsbehörden nahmen Ermittlungen auf.
Dabei ist offensichtlich, was hier geschehen ist. Daher wiederhole ich es noch mal: Ein ehemaliger Mitarbeiter hat sich widerrechtlich Zugriff auf interne Systeme und Kundendaten verschafft.
Es handelt sich dabei also um keine Verfehlung von Coupang selbst.
Politisch ausgeschlachtet
Darüber hinaus hatte das Datenleck einen sehr begrenzten Umfang. Interne Untersuchungen ergaben, dass tatsächlich nur rund 3.000 Konten betroffen waren – bei mehr als 33 Millionen registrierten Nutzern. Der Schaden für die Kunden blieb somit marginal.
Von der Politik wurde der Vorfall jedoch ausgenutzt, um öffentlichkeitswirksame Härte gegenüber „Big Tech“ zu demonstrieren. Typische Symbolpolitik.
Doch Politik und Medien haben eine kurze Halbwertszeit. Man kann nicht ewig über dieselben Themen berichten. Irgendwann wendet sich die Öffentlichkeit neuen Themen zu und skandalisiert eine Woche später wieder etwas anderes. Wir alle kennen das.
Am Ende entscheiden die Kunden über den Erfolg des Unternehmens – und die jüngsten Geschäftszahlen deuten keineswegs darauf hin, dass sie sich von Coupang abwenden würden.
Im letzten Quartal konnte der Umsatz um 11 % auf 8,8 Mrd. USD gesteigert werden, in lokaler Währung lag das Plus bei 14 %.
Damit lag das Wachstum nur knapp unter dem der vorherigen Quartale. Im gesamten Jahr konnte der Umsatz um 14 % auf 34,5 Mrd. USD gesteigert werden, in Won waren es plus 18 %.
Datenleck und die Verluste in Taiwan
Dem Geschäftsbericht zufolge hat das Datenleck und die damit einhergehende negative Berichterstattung das Wachstum und die Profitabilität im vierten Quartal belastet.
Das Nutzverhalten habe sich im ersten Quartal jedoch wieder erholt.
Natürlich sind dadurch auch direkte Kosten entstanden. Um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden, wurden entsprechende Maßnahmen ergriffen.
Hinzu kamen Veränderungen im Working Capital sowie steigende Investitionen in Infrastruktur und Technologie.
Unterm Strich hat sich der freie Cashflow im letzten Jahr auf 527 Mio. USD nahezu halbiert. Damit ist Coupang weiterhin solide profitabel, obwohl die Expansion in Taiwan und andere Wachstumsinitiativen aktuell noch enorme Summen verschlingen.
Im letzten Jahr hat der Bereich Developing Offerings ein Umsatzwachstum von 38 % auf 4,9 Mrd. USD verzeichnet, allerdings auch einen Verlust (negatives EBITDA) von 995 Mio. USD eingefahren.
Expansion um jeden Preis?
Coupang könnte mit kleinen Anpassungen 2 Mrd. USD im Jahr verdienen, wenn man sich dazu entschließen würde, die Expansion in Taiwan einzustellen. Das zeigt, was das Kerngeschäft bereits abwirft.
Wer heute bei einem Börsenpreis von 33,7 Mrd. USD einsteigt, kauft demnach ein wachsendes und dominantes Kerngeschäft zu einem P/FCF von etwa 17 und gleichzeitig eine Wachstumsoption in Taiwan.
Perspektivisch könnte Coupang in Taiwan eine ähnliche Position erreichen wie im Heimatmarkt. Entwicklungskosten für die Plattform, Payment-Systeme et cetera fallen in diesem Szenario nur einmal an, können aber doppelt genutzt werden, was die Profitabilität auf der Konzernebene noch weiter steigern könnte.
Darüber hinaus ist Taiwan ein attraktives Ziel für eine derartige Expansion. Mit 24 Millionen Einwohnern ist das Potenzial entsprechend groß und ebenso wie Südkorea ist die Bevölkerungsdichte hoch. Die Bären werden umgekehrt argumentieren. Für sie ist Coupang mit einem P/FCF von etwa 60 überbewertet und die Expansion fraglich, da sie auf unbestimmte Zeit Geld verschlingen wird.
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