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Auto1 Group Aktie Prognose AUTO1 Group: Na also, geht doch … oder?

News: Aktuelle Analyse der Auto1 Group Aktie

In diesem Artikel
Auto1 Group
ISIN: DE000A2LQ884
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Ticker: AG1 --- %

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Gültigkeit der Analyse
1 Woche
Erwartung: Neutral
Zur Auto1 Group Aktie

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

Bis Januar hatte ich bei Analysen zur AUTO1 Group darauf hingewiesen, dass die Bewertung gefährlich hoch wurde. Doch dann halbierte sich der Kurs, der Übertreibung nach oben folgte eine nach unten. Gestern kamen Zahlen, die den Weg nach oben zumindest nicht verbauen.

Der Gebrauchtwagenhändler AUTO1 Group wächst stetig weiter. Im ersten Quartal 2026 lag die Zahl der verkauften Fahrzeuge 21,9 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, der Umsatz stieg um 25,4 Prozent. Das ist beeindruckend. Und das Unternehmen hält an seiner Prognose fest, im Gesamtjahr ein um Sonderfaktoren bereinigtes EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 250 bis 275 Millionen Euro zu erreichen (2025: 197,5 Millionen).

Im ersten Quartal 2026 kam das EBITDA auf 59,8 Millionen, mit ein wenig Steigerung käme man also durchaus in der gesetzten Zielregion an. Was aber auffiel, war, dass dieses EBITDA in den ersten drei Monaten nur 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zulegte, ohne dass in der Pressemeldung erläutert wurde, was genau dazu geführt hat, dass der operative Gewinn derart unterproportional zum Umsatzanstieg ausfiel. Was womöglich auch mit dazu beitrug, dass die AUTO1-Aktie eingangs nicht durchstartete, sondern bis zu 6,4 Prozent nachgab. Was sich indes, wie Sie im Chart sehen, im weiteren Verlauf des Mittwochs-Handels änderte – und zwar deutlich.

AUTO1 Group Aktie: Chart vom 13.05.2026, Kurs 20,66 Euro, Kürzel: AG1 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
AUTO1 Group Aktie: Chart vom 13.05.2026, Kurs 20,66 Euro, Kürzel: AG1 | Quelle: TWS

Die aktuellen Kurse, Charts, Dividenden und Kennzahlen zur Auto1 Group Aktie finden Sie hier.

Expertenmeinung: Am Ende des Tages führte ein markanter Aufwärts-Turnaround dazu, dass der Kurs satte 12,9 Prozent höher ins Handelsende ging. Gut möglich, dass der Optimismus auch deswegen siegte, weil die Aktie jetzt eben nicht mehr brenzlig teuer war, sondern – nachdem sich der Kurs in der Spitze zwischen Januar und März mehr als halbiert hatte – mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 30 einem Wachstum, wie man es hier avisiert, angemessen bewertet wäre.

Hinzu kommt, dass die Analysten großenteils trotz der Korrektur bullisch blieben. 11 von 14 Analysten werten hier mit „Kaufen“, das Kursziel liegt mit gut 30 Euro weit über dem aktuellen Kursniveau und nahe am jüngsten Hoch. Das motiviert zum Einstieg. Das Chartbild aber noch nicht.

Und das aktuelle KGV von 30 ist zwar nicht mehr überzogen … aber wirklich billig wäre diese Aktie damit noch nicht. Daher kann die Antwort, ob es nach dem Aufwärtsschwenk des Mittwochs nur noch eine Pflichtübung wäre, das Hoch der Anfang April gestarteten und zuletzt zur Hälfte abverkauften Relief-Rallye bei 21,60 Euro zu überwinden und damit den Weg aus charttechnischer Sicht nach oben freizuräumen, nur „nein“ lauten.

Nein, das ist keineswegs sicher. Ob diejenigen, die am Morgen noch zweifelten und verkauften, durch diesen Turnaround überzeugt wurden, werden erst die kommenden Tage zeigen. Diese Hürde bei 21,60 Euro ist eine, die man gerne klar überboten sehen möchte, bevor man sich über die Long-Seite Gedanken macht. Und es wäre allemal zu überlegen, das dann, wenn, auch nur als charttechnisch geführten Trading-Buy zu tun, denn zwischen 22,56 und 23,16 Euro würde schon die nächste Widerstandszone warten.

Quellenangaben:
Bilanz des 1. Quartals 2026, 13.05.2026:
https://ir.auto1-group.com/de/nachrichten/auto1-group-erzielt-rekordergebnisse-in-q1-2026/3b1a2ed8-9712-4d8d-b9e0-3aa692bd95b6#
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/AG1.DE/analyst-insights/

Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 13.05.2026 um 22:35 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.


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Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

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Vorherige Analysen der Auto1 Group Aktie

15.04.2026

Auto1: Bis zum Jahreshoch wären es 50 % — Tobias Krieg

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 15.04.2026 um 11:02 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Auto1 hat eine erhebliche Korrektur vollzogen, scheint jetzt aber wieder durchzustarten. Ist jetzt der richtige Einstiegszeitpunkt?

Der lange Weg nach unten und warum dort Gelegenheiten entstehen

Es sah fast so aus, als würde sich Auto1 in die lange Reihe gescheiterter Börsengänge in Deutschland einreihen. Denn nach dem Auftakt auf dem Börsenparkett ging es mit den Kursen über Monate hinweg nur abwärts und die Aktie verlor mehr als 90 % an Wert.

Darauf folgte eine mehr als zweijährige Phase, die ich gerne als „Ausblutung“ bezeichne. Die große Panik ist zwar verflogen, aber Rallyes fallen immer wieder in sich zusammen und am Ende werden neue Tiefs erreicht.
In dieser Phase werfen die meisten Anleger das Handtuch, bis nur noch die investiert sind, die vom Unternehmen überzeugt sind oder die Position längst abgeschrieben haben.
Das ist das Fundament, auf dem nach derartigen Kursverlusten, ein neues Pflänzchen keimt.

Ich hatte Mitte 2024 („Auto1: Ist das die Wende?“) und Anfang 2025 („Turnaround bei Auto1: Diese Zahlen lassen aufhorchen!“) bei Kursen von etwa 7 und 20 Euro darauf hingewiesen, dass der Turnaround bei Auto1 in vollem Gange sein könnte. Anschließend kletterte der Kurs auf mehr als 30 Euro.

Nachdem der Kurs zuletzt wieder zurückgekommen ist, könnten Anleger eine zweite Chance erhalten.

In den USA längst ein Erfolgsmodell

Damals hatte ich aufgezeigt, dass Auto1 endlich den Sprung in die Profitabilität vollzogen hat und die Prognosen vermutlich zu niedrig sind. Diese These hat sich als richtig herausgestellt, doch dazu später mehr.

Darüber hinaus setzt das Unternehmen auf ein altbewährtes Geschäftsmodell aus den USA.

Dort gibt es eine ganze Reihe von großen Autohändlern, die auf faire und transparente Preise setzen, darunter beispielsweise Lithia oder Carvana.

Lithia Motors kauft Fahrzeuge an, checkt sie komplett durch und verkauft sie für einen Festpreis. Der Kunde kann sich sicher sein, dass der Zustand des Fahrzeugs in Ordnung und wie beschrieben ist. Ob er den Preis annimmt oder nicht, ist seine Wahl. Jeder weiß, dass Lithia keine Mondpreise verlangt, denn die Margen sind nicht sehr hoch.

Dadurch hat man eine Vertrauensbasis geschaffen und kann Fahrzeuge auch problemlos online verkaufen. Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber der Anteil der ungesehen über das Internet gekauften Fahrzeuge steigt unaufhörlich.

Auto1 versucht, dieses Konzept auch in Europa umzusetzen. Wenn man damit Erfolg hat, ist das Geschäft stark skalierbar. Der Markt für Gebrauchtwagen ist gigantisch und vermutlich so stark fragmentiert wie kaum ein anderer.

Das Unternehmen betreibt zwei klar abgegrenzte Geschäftsbereiche, die jeweils eine besondere Rolle im Gebrauchtwagenmarkt spielen. Der erste Bereich, das sogenannte „Merchant“-Geschäft, hat sich als bedeutende Großhandelsplattform für Gebrauchtfahrzeuge in Kontinentaleuropa etabliert. Der zweite Bereich, Autohero, kann als europäisches Pendant zu Carvana betrachtet werden und zielt darauf ab, den fragmentierten Einzelhandelsmarkt für Gebrauchtwagen zu revolutionieren.

Endlich schwarze Zahlen

Auto1 konnte den Umsatz in den letzten fünf Jahren von 4,78 auf 8,17 Mrd. Euro deutlich steigern.
Der Sprung in die Profitabilität ist 2024 gelungen. Damals erzielte der Konzern ein Ergebnis von 0,09 Euro, im Geschäftsjahr 2025 waren es bereits 0,35 Euro je Aktie.

Wie üblich, kommt es in der ersten Phase, nachdem erstmals schwarze Zahlen geschrieben werden, zu erheblichen Gewinnsprüngen.

Doch auch abseits davon ist die Entwicklung beeindruckend. Das abgelaufene Geschäftsjahr verlief für das Unternehmen sehr dynamisch. Die Gesamtzahl der verkauften Fahrzeuge stieg um 22,1 % auf 842.271 Einheiten – ein klares Signal für die anhaltend hohe Nachfrage und die wachsende Marktdurchdringung.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Entwicklung im Retail-Segment. Mit einem Plus von 36,4 % auf 101.539 Fahrzeuge wuchs dieses Segment deutlich schneller als das Merchant-Geschäft, das mit 740.732 verkauften Einheiten ebenfalls solide um 20,4 % zugelegt hat.

Dynamische Entwicklung

Der Umsatz konnte um 30,3 % auf 8,17 Mrd. Euro gesteigert werden. Das Bruttoergebnis kletterte um 36,7 % auf 990,6 Mio. Euro und das bereinigte EBITDA sogar um 80,8 % auf 197,5 Mio. Euro. Das unterstreicht die zunehmende operative Hebelwirkung des Geschäftsmodells.

Die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich um 70 Basispunkte auf 2,4 % – in einem margenarmen Markt wie dem Gebrauchtwagenhandel ein relevanter Fortschritt auf dem Weg zur nachhaltigen Profitabilität.

Das Portfolio der Händlerfinanzierung wuchs um 41,3 % auf 303 Mio. Euro, während das Kundenfinanzierungsportfolio über die Plattform Autohero um 50,2 % auf 549 Mio. Euro zulegte. Damit entwickelt sich das Fintech-Segment zunehmend zu einer eigenständigen Ertragssäule, die langfristig zur Diversifikation der Erlösbasis beitragen könnte.

Der Blick nach vorn

Im laufenden Geschäftsjahr dürften sich diese Trends überwiegend fortsetzen.

Auto1 strebt an, das Wachstum des Konzerns nachhaltig weiterzuführen und dabei die bislang erreichten Profitabilitätskennzahlen pro verkauftem Fahrzeug zu verbessern.

Im Hinblick auf die Anzahl an verkauften Fahrzeugen geht der Konzern für das Merchant Segment von 815.000 bis 865.000 Fahrzeugen aus. Im Retail-Segment sollen 125.000 bis 135.000 Fahrzeuge verkauft werden. Insgesamt werden damit 940.000 bis 1.000.000 abgesetzte Fahrzeuge prognostiziert.

Das Wachstum soll durch eine höhere Auslastung der bestehenden Filialen und eine kontinuierliche, schrittweise Erweiterung des gesamten Fulfillment-Netzwerks erreicht werden.

Für das Rohergebnis wird in beiden Segmenten und auch insgesamt ein Anstieg erwartet. Infolgedessen soll das Rohergebnis der Gruppe für 2026 bei 1,1 bis 1,2 Mrd. Euro liegen, was einem Anstieg um 11 – 21 % entsprechen würde.

Das bereinigte EBITDA der Gruppe im Geschäftsjahr 2026 wird zwischen EUR 250 Mio. und EUR 275 Mio. prognostiziert, was einem Anstieg um 27 – 39 % entsprechen würde.

Dazu passen die Konsensschätzungen, die einen Gewinnsprung von 0,35 auf 0,61 Euro je Aktie vorsehen. Dadurch würde das KGV schlagartig von 56,6 auf 32,5 sinken.

Auto1 Aktie: Chart vom 15.04.2026, Kurs: 19,65 EUR – Kürzel: AG1 | Online Broker LYNX
Auto1 Aktie: Chart vom 15.04.2026, Kurs: 19,65 EUR – Kürzel: AG1 | Quelle: TWS

Gelingt jetzt ein Ausbruch über 20 Euro, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 22,50 – 23,50 Euro. Darüber wären Kursgewinne in Richtung 25,50 und möglicherweise sogar 29,50 – 31,00 Euro denkbar.

Fällt die Aktie hingegen unter 18,50 Euro, ist der Ausbruch vorerst gescheitert.

Über den Autor

Tobias Krieg ist Chefanalyst bei LYNX Broker und Gründer von LongTerm-Value.
Er ist seit mehr als fünfzehn Jahren an der Börse aktiv, davon mehr als eine Dekade als leidenschaftlicher Vollzeit-Investor. Geprägt durch Vorbilder wie Charlie Munger, Peter Lynch und Bill Miller ist Value Investing der Grundsatz und Growth at a reasonable Price der Wahlspruch.
Denn auch gute Unternehmen können schlechte Investments sein. Ein attraktiver Einstiegskurs zum richtigen Zeitpunkt ist absolut entscheidend.

Analysemethode

Die Aktienanalysen von Tobias Krieg basieren auf einer Kombination aus Charttechnik und Fundamentalanalyse. Dabei liegt der Fokus auf der Bewertung von Unternehmen anhand ihrer finanziellen Kennzahlen, wie z. B. KGV, Cashflow oder Eigenkapitalrendite, sowie auf der Identifikation von überdurchschnittlichen Wachstumspotenzialen zu einem attraktiven Einstiegskurs.

26.02.2026

AUTO1 Group: Noch vor kurzem überbewertet, aber jetzt … — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 25.02.2026 um 19:29 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Der Online-Fahrzeughändler Auto1 ist im Jahr 2025 dynamisch gewachsen und will das gemäß dem gestern im Rahmen der 2025er Bilanz vorgelegten Ausblick auch weiter tun. Aber die Aktie, ohnehin zuletzt massiv abverkauft, fiel trotzdem. So langsam wird es hier interessant.

30,3 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr und ein Anstieg des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 80,8 Prozent: Das sind Zuwachsraten, die beeindrucken. Zwar hatte man dieses starke Wachstum im Zuge der Super-Hausse der Aktie, die im März 2024 bei 3,27 Euro ihren Anfang nahm und den Kurs in den vergangenen Monaten mehrfach über 30 Euro führte, bereits vorweggenommen. Aber erstens lagen diese am Mittwoch vorgelegten Ergebnisse leicht über der durchschnittlichen Analystenprognose. Und zweitens hat sich der Kurs dieser Aktie ja seit dem letzten Ausflug über die 30-Euro-Marke Ende Januar nahezu halbiert.

Hinzu kommt, dass die Auto1 Group weiterhin nach Höherem strebt. Langfristig will man zehn Prozent Marktanteil im europäischen Gebrauchtfahrzeugmarkt erreichen. 2025 war es gelungen, diesen Anteil von 2,6 auf 3,1 Prozent zu steigern. Und für das laufende Jahr will man dahingehend zumindest einen moderaten Schritt tun, indem man mit einem Fahrzeugabsatz plant, der zwischen 11 und 19 Prozent über dem des Jahres 2025 liegt, und beim EBITDA zwischen 25 und 40 Prozent Wachstum erreichen will.

Das klingt gut. Aber für viele ganz offenbar nicht gut genug, denn die Aktie fiel gestern unter auffallend hohen Umsätzen drastisch auf ein erneutes Jahrestief. Gerechnet vom Jahres-Verlaufshoch bei 30,74 Euro hat die Aktie am gestrigen, bei 15,81 Euro gelegenen Tagestief schon gut 48 Prozent verloren. Was ist da nur los?

Expertenmeinung: In meinen Analysen zu dieser Aktie hatte ich im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass die Bewertung zeitweise absurd überzogen war. Da wurden Kurs-/Gewinn-Verhältnisse von weit über 50 erreicht, was nur zu rechtfertigen wäre, wenn die Auto1 Group dieses 2025 erreichte, rasante Wachstumstempo über Jahre hinweg fortführen könnte, was einfach nicht realistisch wäre. Aber jetzt ist diese Bewertung natürlich, nachdem sich der Kurs beinahe halbiert hat, weit niedriger und mit etwa 30 für die durchschnittliche 2026er-Gewinnschätzung der Analysten in einem durchaus akzeptablen Bereich angekommen.  

Darüber hinaus fällt der Kurs entgegen der Einschätzungen der Analysten. Gleich sechs Experten hatten auf die Bilanz nebst Ausblick am Mittwoch sofort reagiert. Die neuen bzw. bestätigten Kursziele lagen in einer Spanne zwischen 30 und 50 Euro, allesamt mit der Einschätzung „Kaufen“. Wo die Aktie notiert, sehen Sie im Chart.

Dass die Auto1-Aktie umgehend wieder an und idealerweise über das jüngste Hoch sausen wird, sollte man besser nicht erwarten. Dass sie einfach so weiter in Grund und Boden verkauft wird, aber lieber auch nicht. Die hohen Umsätze angesichts starker Bilanzdaten und eines eigentlich zufriedenstellenden Ausblicks deuten auf Trading-Aktivitäten bärischer Marktteilnehmer und eine Lawine ausgelöster Stop-Loss-Orders hin und weniger auf eine echte Enttäuschung. Und das Argument, dass gelockerte Umweltauflagen in der EU die Verbraucher in Scharen zurück zu den Neufahrzeugen strömen lassen könnten, wäre, wenn es denn überhaupt taugen würde, jetzt eingepreist, so gesehen:

Auto1 Group Aktie: Chart vom 25.02.2026, Kurs 15,87 Euro, Kürzel: AG1 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
Auto1 Group Aktie: Chart vom 25.02.2026, Kurs 15,87 Euro, Kürzel: AG1 | Quelle: TWS

Solange sich der Kurs wie ein fallendes Messer gebärdet, wäre es hochriskant, einfach mal auf Verdacht zuzugreifen. Aber sobald sich hier andeutet, dass das bärische Lager langsam die Ernte einfährt, indem der Kurs Chartmarken zurückerobert, die in einem von Short-Sellern dominierten Abwärtstrend nicht so leicht zu überwinden wären, sollte man genauer hinsehen.

Aktuell wären es das gestrige Verlaufshoch bei 19,56 Euro sowie die rasant fallende, am Mittwochabend bei 22,15 Euro gelegene 20-Tage-Linie, deren Überwinden ein solches Signal generieren könnte. Vor allem, wenn die 20-Tage-Linie in einigen Tagen im Bereich von 20 Euro ankommen wird und dann mit diesem gestrigen Tageshoch einen Kreuzwiderstand bildet, könnte es spannend werden.

Quellenangaben:

Ergebnis des Geschäftsjahres 2025, 25.02.2026:
https://www.auto1-group.com/de/press/pressrelease/auto1-group-achieves-record-breaking-2025-results

Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/AG1.DE/analyst-insights/

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

10.02.2026

AUTO1 Group: Mit dem Rücken zur Wand — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 09.02.2026 um 18:05 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Die Analysten erwarten Großes vom Online-Fahrzeughändler AUTO1 Group, ihre Kursziele liegen fast alle über dem aktuellen Kurs. Doch die Aktie spielt nicht mit: Die Chance auf einen Ausbruch nach oben wurde vertan, jetzt stehen die Bullen mit dem Rücken zur Wand.

Dass das Konzept eine Erfolgsstory ist, lässt sich kaum anzweifeln: Mit der Ankaufsplattform „wirkaufendeinauto.de“ und der Vertriebsplattform „Autohero“ gelang es dem Unternehmen, zu einer festen Größe im Gebraucht-Fahrzeughandel zu werden. Der Umsatz legte in beeindruckendem Tempo zu, seit 2024 sind zudem die schwarzen Zahlen erreicht. Und wenn die Analysten Recht behalten, wird der Gewinn 2026 weiter zulegen.

Ganz grundsätzlich wären also steigende Kurse und damit auch der Optimismus der Analysten nachvollziehbar. Von den 13 Experten, die diese Aktie regelmäßig einschätzen, sehen sie 11 als kaufenswert an, die beiden anderen plädieren für „Halten“. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 35 Euro, das höchste sogar bei 50 Euro. Doch die Aktie läuft gerade in die entgegengesetzte Richtung. Wer liegt da richtig – die Analysten oder diejenigen, die hier gerade aussteigen oder womöglich sogar, als bärische Trader, leer verkaufen?

Expertenmeinung: Das kritische Element in Bezug auf diese auffallend hohe Zuversicht der Analysten könnte der Automarkt an sich sein. Denn dass es gelingt, hier derart gute Geschäfte zu machen, basiert zu einem nicht unwesentlichen Teil darauf, dass der Neufahrzeugmarkt aufgrund der in den vergangenen Jahren dramatisch nach oben getriebenen Preise unter Druck steht. Doch wenn die großen Automobilkonzerne nicht ernsthaft unter Wasser geraten wollen, müssen sie etwas ändern … und käme es so, könnte AUTO1 womöglich auf hohem Niveau eine hervorragende Marktstellung behalten, aber eher nicht über Jahre hinaus immer weiter wachsen … und das auch noch schnell.

Aber genau das scheinen die Analysten großenteils zu erwarten. Denn wenn man sich ansieht, dass man da für 2026 und die beiden Folgejahre einen Anstieg des Gewinns pro Aktie von im Schnitt um die 50 Prozent voraussagt, ist das schon für ein Stirnrunzeln gut. Aber nur, wenn das wirklich so gelingen sollte, wäre eine Bewertung von 37 beim Kurs-/Gewinn-Verhältnis für den geschätzten 2026er-Gewinn, wie sie die Aktie selbst nach dem kräftigen Rutsch der vergangenen Tage noch zeigt, zu rechtfertigen.

AUTO1 Group Aktie: Chart vom 09.02.2026, Kurs 24,36 Euro, Kürzel: AG1 | Online Broker LYNX
AUTO1 Group Aktie: Chart vom 09.02.2026, Kurs 24,36 Euro, Kürzel: AG1 | Quelle: TWS

So ganz überraschend war es daher nicht, dass einige lieber Kasse machten statt weiter zuzukaufen, als sich die AUTO1-Aktie dem 2025er-Hoch bei 31,50 Euro näherte. Das Ergebnis: Der Versuch, nach oben auszubrechen endete genauso, wie er im Herbst 2025 endete: Mit einem Doppeltopp, dessen Nackenlinie die im Chart blau gehaltene 100-Tage-Linie war. Doch diesmal gibt es einen Unterschied:

Während es nach dem ersten Doppeltopp noch gelungen war, den im Herbst 2024 etablierten Aufwärtstrend nach zähem Ringen zu verteidigen und als Basis für diesen jetzt gescheiterten, erneuten Anstieg zu nutzen, ist die Aktie diesmal durch diese Linie durchgerutscht – und das ohne große Gegenwehr des bullischen Lagers. Das steht jetzt mit dem Rücken zur Wand, denn damit wäre die Nackenlinien-Zone eines noch einmal größeren Topps in Reichweite: der Supportbereich 22,56/23,16 Euro. Und da offenbar nicht wenige Akteure der Ansicht sind, dass diese Aktie immer noch eher „teuer“ ist, sollte man sich lieber nicht zu sicher sein, dass diese Unterstützungszone einem Test standhalten wird.

Quellen:
Analysten-Kursziele: https://finance.yahoo.com/quote/AG1.DE/

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

12.01.2026

AUTO1 Group: Charttechnik top, Bewertung flop? — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 11.01.2026 um 13:45 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Das Chartbild des Online-Gebrauchtwagenhändlers AUTO1 Group kommt derzeit deutlich bullisch daher. Das 2025er-Hoch ist bereits in Schlagdistanz und könnte zeitnah überboten werden. Aber sollte man die teure Bewertung deswegen einfach ignorieren?

AUTO1 Group Aktie: Chart vom 09.01.2026, Kurs 30,10 Euro, Kürzel: AG1 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
AUTO1 Group Aktie: Chart vom 09.01.2026, Kurs 30,10 Euro, Kürzel: AG1 | Quelle: TWS

So sollte ein bullischer Chart aussehen: Im November kam es zu einer scharfen Korrektur, in deren Verlauf auch die 200-Tage-Linie gebrochen wurde. Doch knapp darunter wartete ein „Sprungtuch“ auf die Bullen: Die Ende 2024 etablierte, mittelfristige Aufwärtstrendlinie. Gut zwei Wochen lang rang der Kurs mit dieser Linie, dann konnte er sich nach oben lösen. Die Verteidigung dieser wichtigen Linie brachte die Käufer zurück – und zum Ende der Vorwoche wurde die AUTO1-Aktie mit +6,21 Prozent zum Tagessieger im MDAX. Nachdem der Kurs unmittelbar davor präzise an der 20-Tage-Linie nach oben gedreht hatte, ist das ein mögliches Zeichen dafür, dass die Bullen wieder im Geschäft sind.

Jetzt läge das 2025er Jahresverlaufshoch bei 31,50 Euro in unmittelbarer Reichweite. Und da die Aktie sich in einer Zone bewegt, die zuletzt 2021 im Zuge des drastischen Abstiegs nach dem Börsengang (Anfang 2021) gehandelt wurde und damals keine nennenswerten Wendemarken entstanden, die jetzt noch als charttechnische Hürden dienen müssten, wäre der Weg nach oben, auch über 31,50 Euro, grundsätzlich frei. Zumindest aus charttechnischer Sicht.

Expertenmeinung: Denn wenn man sich die Bewertung der Aktie ansieht, sollte man zumindest zweimal überlegen, ob man im Fall eines trendbestätigenden Ausbruchs wirklich ein mittelfristiges Investment ins Auge fassen will oder besser wegbleiben bzw. sich lieber auf die kurzfristige Trading-Ebene beschränken möchte.

Sollte die durchschnittliche Gewinnschätzung der Analysten für das Jahr 2026 zutreffend sein, würde der Online-Gebrauchtwagenhändler in diesem Jahr einen Gewinn pro Aktie von 0,65 Euro erreichen. Das entspräche einem Gewinnanstieg von 60 Prozent zum bislang ja auch noch geschätzten 2025er-Gewinn. Zwar ist der Gebrauchtwagenmarkt derzeit stark und AUTO1 hat dort eine solide Position mit zügig wachsendem Marktanteil, so gesehen wäre diese Schätzung nicht unrealistisch, aber:

Würde es so kommen, würde die Aktie am Ende des Jahres ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 45 ausweisen. Allerdings nur, wenn der Kurs auf dem aktuellen Level bliebe. Würde er beispielsweise auf das Startlevel des ersten Handelstages 2021 von 55 Euro steigen, läge dieses KGV bereits bei 85. Und klar dürfte sein: Der Gebrauchtwagenmarkt wird eher nicht auf viele Jahre hinaus noch weiter stark wachsen und zugleich immer höhere Gewinnmargen ermöglichen. Wo da ein Peak erreicht sein könnte, ist zwar nicht vorhersehbar. Aber weitere zwei, drei Jahre mit sehr starkem Wachstum, die es bräuchte, um diese hohe Bewertung zu rechtfertigen, sind zumindest fraglich.

Einige Analysten glauben zwar daran … so dürfte die Anhebung des Kursziels von 37 auf 39 Euro durch Goldman Sachs am Freitag ihr Scherflein zum starken Kursanstieg zum Wochenschluss beigetragen haben. Aber nicht alle sind so optimistisch, der Kursziel-Schnitt liegt mit derzeit 33 Euro nicht mehr allzu weit über dem aktuellen Kurs. Fazit:

Charttechnisch sieht die Aktie momentan hervorragend aus, aber hier wird sehr viel Wachstum vorweggenommen, das in diesem nicht wirklich vorhersagbaren Markt keineswegs so grandios ausfallen muss, wie manche es aktuell unterstellen. Wer von dieser Wachstumsstory überzeugt ist, mag das hohe KGV ignorieren, aber wer dahingehend eine Augenbraue hochzieht, sollte die Aktie aktuell besser im Bereich des spekulativen Tradings verorten.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

05.12.2025

AUTO1 Group: Die Bullen kriegen den Ball nicht weg — Ronald Gehrt

Gültigkeit der Analyse: 1 Woche
Erwartung: Neutral
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 04.12.2025 um 23:17 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.

Eine alte Börsenregel besagt: Wenn ein Kurs auf gute Nachrichten nicht reagiert, wie er sollte, ist allerhöchste Vorsicht geboten. Bei der AUTO1 Group gab es gestern solche guten Nachrichten … aber nach anfänglichen Kursgewinnen landete die Aktie am Ende im Minus.

Der Online-Gebrauchtwagenhändler hatte am Donnerstag gemeldet, dass der Finanzierungsrahmen für den Ankauf von Fahrzeugen deutlich erweitert wurde. Man habe bis November 2027 die Möglichkeit, einen Fahrzeugbestand von bis zu 1,6 Milliarden Euro zu finanzieren, so die AUTO1 Group. Durch die Erweiterung von 6 auf 13 finanzierende Banken habe man den Finanzrahmen um 45 Prozent vergrößert. Die ideale Basis für starkes Wachstum … so sahen das diejenigen, die am Morgen bei der Aktie zugriffen.

AUTO1 Group Aktie: Chart vom 04.12.2025, Kurs 23,94 Euro, Kürzel: AG1 | Quelle: TWS | Online Broker LYNX
AUTO1 Group Aktie: Chart vom 04.12.2025, Kurs 23,94 Euro, Kürzel: AG1 | Quelle: TWS

Und ein Kursanstieg war auch höchste Zeit, denn die Aktie hing seit knapp zwei Wochen an der Unterstützungszone 22,56 zu 23,16 Euro und der zuletzt bereits knapp darüber verlaufenden, mittelfristigen Aufwärtstrendlinie fest und vermochte sich nicht nach oben zu lösen. Eine Rückeroberung der 200-Tage-Linie, derzeit bei 25,13 Euro, hätte bedeutet, dass da endlich wieder Land in Sicht gewesen wäre … und eine effektive Verteidigung des Aufwärtstrends die Basis für einen neuen Hausse-Impuls hätte werden können.

Und genau dazu schickte sich der Kurs am Donnerstagmorgen auch an, lief nahe an die 200-Tage-Linie heran … und drehte ab. Wobei da nicht nur leichte Abgaben auftauchten, sondern genug Verkaufsdruck, um das anfängliche Plus zum Handelsende in ein Minus von 2,2 Prozent zu verwandeln. Was dazu führte, dass die AUTO1 Group-Aktie weiterhin in der Gefahrenzone festsitzt.

Expertenmeinung: Ein gescheiterter Versuch, sich nach oben abzusetzen, ist aus psychologischer Sicht kritisch, weil das die Bereitschaft, einfach unverdrossen erneut zu kaufen, deutlich mindert. Und das weiß auch das bärische Lager. So hätte man jetzt auf der Seite der Short-Seller die Chance, den Sack zuzumachen und die Aktie durch diese umkämpfte Supportzone nach unten hinaus zu drücken. Und aus charttechnischer Sicht wäre das allemal verlockend, denn die nächste Unterstützung von Belang läge in Form des abverkauften Kurssprungs vom Mai bei 19,05 Euro und damit lukrativ weit entfernt.

Und wenn die Chance, den Ball aus der eigenen Hälfte zu bekommen, auch noch durch diese positive Meldung über einen deutlich vergrößerten Finanzierungsrahmen befeuert wird und trotzdem scheitert, wittern die Bären natürlich erst recht Beute. Zumal ein denkbarer Grund für diesen Abwärts-Turnaround ihnen grundsätzlich in die Karten spielen würde.

Denn es wäre möglich, dass diejenigen, die in die initialen Gewinne hinein ausstiegen, die Entwicklung dafür zum Anlass genommen haben, die die Kurse der Autobauer gestern nach oben zogen: eine sich abzeichnende Aufweichung des „Verbrenner-Verbots“. Denn in dem Moment, in dem Neufahrzeuge wieder für mehr Käufer attraktiver und durch weniger Regularien womöglich auch billiger anzubieten wären, könnte das den zuletzt wegen der hohen Neuwagenpreise so florierenden Gebrauchtwagenmarkt unter Druck setzen. Und nur, wenn die Nachfrage weiter stetig steigen sollte, wäre der höhere finanzielle Rahmen der AUTO1 Group auch ein wirklich hilfreiches Tool für weiteres Umsatz- und Gewinnwachstum.

Noch ist natürlich offen, ob sich diese Aufbruchsstimmung bei den Aktien der Automobilindustrie verstetigen wird oder ein Strohfeuer bleibt. Sollte aber Ersteres der Fall sein, könnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis bei der AUTO1-Aktie einem gescheiterten Ausbruch nach oben ein gelungener nach unten folgt.

Über den Autor

Nach dem Abitur 1984 studierte der gebürtige Hamburger an der Universität der Bundeswehr Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss an seine Dienstzeit als Offizier begann seine Zeit als Analyst und Finanzjournalist. Seit 1996 war und ist er als Redakteur, Referent und Kolumnist in zahlreichen Funktionen aktiv, seit 2016 ist er unter anderem Analyst bei LYNX. Gehrt ist ein Allrounder, der in der fundamentalen, d.h. volks- und betriebswirtschaftlichen Analyse ebenso sattelfest agiert wie in den verschiedenen Disziplinen der Technischen Analyse wie Chart- und Markttechnik und Sentinentanalyse.

Analysemethode

Die Analysen von Ronald Gehrt basieren auf einer Kombination fundamentaler Fakten und Daten mit der aktuellen chart- und markttechnischen Situation des/der hier vorgestellten Index/Rohstoffs/Währungspaars/Aktie. Bilanz- und Konjunkturdaten sowie wirtschafts- und finanzpolitische Fakten, Nachrichten und/oder Statements werden als Grundlage zur Beurteilung der charttechnischen und markttechnischen Perspektive des untersuchten Werts analysiert.

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