Die Reaktion der Anleger auf die am 15. Juli vorgelegten Bilanzdaten der ASML Holding war bereits ein Grund, bei diesem bisherigen Hausse-Zugpferd vorsichtiger zu werden. Gestern kam eine Meldung, die die Aktie erneut deutlich drückte. Und jetzt wird es charttechnisch eng.
Die ASML Holding ist der weltweit führende Hersteller von Lithografie-Anlagen für die Halbleiterproduktion. Aufgrund des derzeitigen, durch das Wachstum des KI-Bereichs befeuerten Booms im Halbleitersektor weiten viele Unternehmen ihre Produktionskapazitäten aus … was wiederum zu starkem Wachstum und vollen Auftragsbüchern bei ASML führt.
Dass die Mitte des Monats präsentierten Quartalsergebnisse des niederländischen Konzerns absolut beeindruckend daherkamen, ASML an diesem Tag aber anfänglich kräftige Kursgewinne wieder einbüßte und seither nichts mehr vorangeht, zeigt indes: Kein Trend ist eine Einbahnstraße. Die Aktie war derart schnell und weit gelaufen, dass viele offenbar so hohe Erwartungen an die Bilanzzahlen hatten, dass einigen selbst die da gemeldeten starken Zahlen zu mager waren.
Doch solche Bereinigungsphasen heiß gelaufener Kurse enden irgendwann, die Kurs- und Gewinnfantasie erwacht erneut, die Aktie kann wieder ins Laufen kommen … es sei denn, die Perspektiven entwickeln sich nicht wie vermutet. Und genau diese Möglichkeit stand für ASML zu Wochenbeginn auf einmal im Raum und sorgte für ein kräftiges Minus von 8,4 Prozent. Worum ging es?
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Expertenmeinung: Die US-Informationsplattform „The Information“ berichtete, dass China jetzt mit der Herstellung eigener Lithografie-Anlagen begonnen habe. Wenn das so ist, hieße das nicht nur, dass China großenteils als Kunde für ASML wegfallen könnte. Es hieße auch, dass sich ein zweiter großer Player in diesem Bereich etablieren könnte, der ASML Konkurrenz macht und der, da China oft deutlich billiger produziert, nicht nur auf den Umsatz, sondern auch auf die Margen der Niederländer drücken könnte.
Noch ist zu wenig bekannt beziehungsweise sicher feststellbar, um abschätzen zu können, ob und was sich da für die ASML Holding zusammenbrauen könnte. Aber im Zuge einer Topbildung und nach diesem ersten Dämpfer infolge der Quartalszahlen reagieren Anleger immer nervöser als im Zuge eines voll intakten Aufwärtstrends. Das Resultat:
Dieses Top wurde am Montag mit dem Bruch der Nackenlinie bei 1.487 Euro vollendet. Die nächsten Unterstützungslinien wären die im vergangenen Herbst etablierte Aufwärtstrendlinie bei 1.350 Euro sowie die markante horizontale Unterstützung bei 1.313 Euro. Diese beiden Linien haben mittelfristige Relevanz und sollten daher halten, um die Chancen auf der Oberseite zu erhalten. Zwar würde bei aktuell 1.197 Euro auch noch die 200-Tage-Linie warten und eine Art letztes Sprungtuch für die Bullen darstellen, aber es unterhalb von 1.313 Euro darauf ankommen zu lassen, dass dieser gleitende Durchschnitt schon halten wird, wäre eher gewagt.

Aktuell ist die Aktie auf mittelfristiger Ebene noch neutral, nur kurzfristig bärisch. Aber das wäre kein rationales Argument, um in dieser Situation allzu zuversichtlich die Hand aufzuhalten. Die Bullen hätten erst wieder Sand unter dem Kiel, wenn zumindest die kurzfristige Abwärtstrendlinie mit Schlusskursen über 1.630 Euro bezwungen wurde.
Quellenangaben:
Bloomberg-Artikel zum Thema Lithografieanlagen-Produktion in China, 27.07.2026:
https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-07-27/asml-slides-after-report-of-china-beginning-duv-tool-production
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 27.07.2026 um 22:22 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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