Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta zünden die größte Geldflut der Wirtschaftsgeschichte. Wer sind die größten Profiteure?
KI-Milliarden fluten die Märkte
Wer den Begriff KI langsam nicht mehr hören kann, dem stehen schwere Zeiten ins Haus. Denn das Thema wird uns nicht mehr verlassen und die gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Auswirkungen werden größer sein als die des Internets.
Die großen Profiteure stehen vielleicht erst am Anfang eines lang anhaltenden Zyklus. Die Welle an Investitionen, die in den letzten 18 Monaten angestoßen wurde, ist in der Menschheitsgeschichte beispiellos.
Im vergangenen Jahr haben Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta etwa 400 Milliarden Dollar investiert und in diesem Jahr werden es voraussichtlich 650–770 Milliarden Dollar werden.
Das Investitionsvolumen dieser vier Unternehmen entspricht mehr als 2 % des Bruttoinlandsprodukts der USA. Die vier Hyperscaler schieben im Alleingang die gesamte US-Wirtschaft an.
Das führt zu einer enormen Nachfrage bei zahllosen Unternehmen, die die für Rechenzentren benötigten Komponenten und Infrastruktur liefern – darunter Chips, Netzwerktechnik, Speicherlösungen und Energieversorgungssysteme.
Diese Anbieter bauen ihrerseits die Kapazitäten aus, investieren und schaffen Arbeitsplätze.
Warum die KI-Story gerade erst beginnt
Die erhöhte Nachfrage dürfte aller Voraussicht nach noch mindestens 2–3 Jahre anhalten. Die meisten der laufenden Bauprojekte für Rechenzentren werden schrittweise bis Ende 2028 online gehen.
Einige besonders große Projekte werden erst 2030 fertiggestellt.
Die Gewinne vieler Unternehmen werden in dieser Zeit erheblich steigen. Daher könnten Aktien wie Applied Materials noch immer interessant sein, obwohl der Kurs bereits massiv gestiegen ist und die Aktie am Allzeithoch notiert.
Das hat vor allem zwei Gründe: Die Bewertung ist im Gegensatz zu vielen anderen KI-Gewinnern noch nicht ausufernd hoch und vermutlich wird das Unternehmen nach wie vor unterschätzt.
Applied Materials schlägt ein Quartal nach dem anderen die Erwartungen. In Q2 lag der Gewinn mit 2,86 USD je Aktie weit über den Prognosen von 2,68 USD. Mit einem Umsatz von 7,91 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 7,68 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 11 % und einem Gewinnsprung von 20 %.
Die zweite Phase der KI-Revolution
Die Beschleunigung des Wachstums von Applied Materials hat aus meiner Sicht gerade erst begonnen und ist das Ergebnis eines spät einsetzenden, aber klaren Wendepunkts im globalen Halbleiter-Investitionszyklus.
Während die Jahre 2023 und 2024 noch von Lagerabbau, schwacher Nachfrage und einer generellen Zurückhaltung bei neuen Fabrikinvestitionen geprägt waren, hat sich das Bild im Laufe von 2025 grundlegend verändert.
In der ersten Phase des KI-Booms stand vor allem die Nachfrage nach Rechenleistung im Vordergrund, weshalb Unternehmen wie Nvidia besonders stark profitierten.
Inzwischen ist der Zyklus jedoch in eine Phase eingetreten, die von einem massiven Ausbau der Fertigungskapazitäten geprägt ist.
Genau an diesem Punkt setzt Applied Materials an, da das Unternehmen die entscheidenden Maschinen für zentrale Prozessschritte in der Chipproduktion liefert, insbesondere für Beschichtung, Ätzung und Materialbearbeitung.
Es hat begonnen
Dem Vorstand zufolge befinden sich mehr als 100 Projekte in der Pipeline oder haben gerade begonnen. Die Nachfrage biete eine Visibilität von mehr als acht Quartalen, was ein anhaltend hohes Wachstum ermöglichen sollte („demand now give it 8 plus quarters of visibility and support continued strong growth“).
Daher wird erwartet, dass der Gewinn im laufenden Geschäftsjahr um 29 % auf 12,20 USD je Aktie steigen wird.
Applied Materials kommt demnach auf eine forward P/E von 33,3.
Im kommenden Geschäftsjahr, das bereits im November beginnt, wird ein weiterer Gewinnsprung um über 30 % erwartet. Dadurch würde die P/E auf 25 sinken.
Burggraben und Geschäftsmodell
Applied Materials ist der größte Anbieter im Halbleiterausrüstungssektor und profitiert von Skaleneffekten, niedrigen Produktionskosten und einem starken technologischen Vorsprung.
Besonders deutlich wird das im Bereich der chemisch-mechanischen Planarisierung, wo das Unternehmen einen weltweiten Marktanteil von rund 70 % hält. Für Wettbewerber ist es daher nahezu unmöglich, den technologischen Vorteil aufzuholen – schließlich kann Applied Materials mehr in Forschung & Entwicklung investieren als alle Wettbewerber zusammen.
Zusätzlich stärkt die enge, langfristige Zusammenarbeit mit Kunden wie TSMC, Samsung oder Intel die Position des Unternehmens, da Maschinen und Prozesse frühzeitig aufeinander abgestimmt werden müssen.
Ein weiterer entscheidender Burggraben sind die extrem hohen Wechselkosten in der Halbleiterindustrie.
Darüber hinaus entstehen starke Netzwerkeffekte durch die große installierte Basis, da Kunden mit zunehmender Nutzung immer stärker auf die Systeme, Services und Wartungsprozesse von Applied Materials angewiesen sind.
Diese breite installierte Basis liefert dem Unternehmen zudem umfangreiche Daten, die sowohl die Wartung bestehender Anlagen als auch die Entwicklung zukünftiger Maschinen verbessern und damit einen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil schaffen.

Daher hatte ich in der Vergangenheit schon mehrfach auf die Aktie hingewiesen. Zuletzt noch bei einem Kurs von 164 USD (Applied Materials: Technologiefestung statt Zykliker). Heute liegt der Kurs bei 406 USD.
Größere Rücksetzer könnten sich als Kaufgelegenheit herausstellen. Fällt die Aktie jetzt unter 377 USD, könnte das eine Korrektur in Richtung 315 USD auslösen.
Gelingt hingegen ein Ausbruch über 444 USD, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit extrapolierten Kurszielen bei 490–510 USD.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 20.05.2026 um 14:20 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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