Viele Unternehmen profitieren vom Trend zum bargeldlosen Bezahlen. Aber nur ein Unternehmen bringt eine Kreditkarte für 720 Euro Jahresgebühr an den Mann.
Warum dieses Geschäftsmodell so profitabel ist
American Express ist weit mehr als ein klassischer Kreditkartenanbieter. Das Unternehmen betreibt eines der weltweit profitabelsten Zahlungsnetzwerke und kombiniert drei Geschäftsmodelle miteinander: Es gibt Kreditkarten aus, wickelt Zahlungen über das eigene Netzwerk ab und vergibt Kredite an Karteninhaber.
Dadurch verdient American Express an den Händlergebühren, an Zinseinnahmen sowie an Jahresgebühren und Dienstleistungen. Diese vertikale Integration unterscheidet das Unternehmen von Konkurrenten wie Visa oder Mastercard, die selbst keine Kredite vergeben.
Besonders wichtig ist die Positionierung im Premiumsegment. American Express richtet sich gezielt an einkommensstarke Privatkunden sowie Unternehmen und besitzt mit Karten wie der Platinum oder Centurion eine der stärksten Marken im Finanzsektor.
Während die meisten Kreditkarten heutzutage kostenlos sind, liegt der Preis der Amex Platin bei 720 Euro pro Jahr, welche im Gegenzug aber auch etliche Vorteile bietet wie den weltweiten Zugang zu Hunderten Flughafenlounges.
Premiumkunden als Erfolgsrezept
Diese exklusiven Leistungen unterscheiden American Express klar von der Konkurrenz und können die hohen Jahresgebühren rechtfertigen , die eine stabile Einnahmequelle darstellen.
Die Kunden geben im Durchschnitt deutlich mehr Geld pro Karte aus als bei Wettbewerbern und sind außergewöhnlich loyal. Das sorgt für hohe und wiederkehrende Erträge, obwohl die Bonusprogramme auch erhebliche Ausgaben verursachen.
Ein weiterer entscheidender Wettbewerbsvorteil ist das sogenannte Closed-Loop-Netzwerk. Im Gegensatz zu Visa und Mastercard stehen bei American Express sowohl Karteninhaber als auch Händler in direkter Geschäftsbeziehung mit dem Unternehmen.
Dadurch verfügt American Express über besonders umfangreiche Daten zum Konsumverhalten seiner Kunden, kann Betrug effizient erkennen und seine Angebote gezielt personalisieren. Gleichzeitig behält das Unternehmen einen größeren Teil der Wertschöpfung für sich.
Generationenwechsel geglückt
In den vergangenen Jahren hat American Express zudem bewiesen, dass das Geschäftsmodell auch jüngere Zielgruppen anspricht. Jüngere Kunden machen inzwischen einen bedeutenden Anteil der Neukunden aus und entwickeln sich häufig zu langfristigen Premiumkunden mit steigenden Ausgaben und wachsendem Kreditbedarf.
Gleichzeitig profitiert American Express vom langfristigen Trend hin zum bargeldlosen Bezahlen sowie von einer starken Nachfrage nach Geschäftsreisen und Premium-Reiseleistungen.
Gemeinsam mit Visa und Mastercard bildet American Express im Kreditkartengeschäft ein weltweites Oligopol.
Das ist ein lohnendes Geschäft und schlägt sich in entsprechend starken Geschäftszahlen nieder. In den letzten fünf Geschäftsjahren konnte der Umsatz von 43,15 auf 72,23 Mrd. USD gesteigert werden.
Gleichzeitig wurde die Zahl der ausstehenden Aktien von 789 auf 695 Millionen Stück reduziert.
Der Gewinn kletterte im Gegenzug von 10,02 auf 15,38 USD je Aktie.
Die Zahlen sprechen für sich
Im laufenden Geschäftsjahr hat sich die starke Entwicklung konsequent fortgesetzt. Im ersten Quartal konnte der Umsatz um 11 % auf 18,91 Mrd. USD gesteigert werden. Die Zahl der ausstehenden Aktien war um 2 % rückläufig und der Gewinn kletterte um 18 % auf 4,28 USD je Aktie.
Am 24. Juli hat American Express die Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt. Der Gewinn lag mit 4,53 USD je Aktie weit über den Schätzungen von 4,40 USD. Mit einem Umsatz von 19,6 Mrd. USD wurden die Erwartungen erfüllt.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 11 % und einem Gewinnsprung um 14 %.
Die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr wurde von plus 9 bis 10 % auf 10 % erhöht. Die Gewinnerwartungen in Höhe von 17,30 – 17,90 USD je Aktie wurde bestätigt.
Im Mittel würde das einem Gewinnsprung um 15 % entsprechen. American Express wird demnach mit einer forward P/E von 19. Das ist in Anbetracht der vorliegenden Informationen und den Wachstumsraten vertretbar.
Die Aktie ist niedriger bewertet als der breite Markt, obwohl höhere Gewinnsteigerungen erzielt werden.
Sollte das Ergebnis im kommenden Geschäftsjahr wie erwartet um 14 % auf 20,10 USD je Aktie steigen, würde die P/E dadurch auf 16,7 sinken.

American Express ist übergeordnet klar bullisch, der Aufwärtstrend ist intakt. Gelingt jetzt ein Anstieg über 338 USD, eröffnet das Spielraum bis 350 und 363 USD. Darüber kommt es zu einem Kaufsignal mit Kursziel Allzeithoch.
Für antizyklische Investoren dürfte der Bereich zwischen 320 und 300 USD interessant sein.
Aus Sicht der Bullen sollte die Aktie jedoch nicht unter 290 USD fallen.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 28.07.2026 um 11:01 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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