Strom und die dafür notwendige Infrastruktur werden immer mehr zum Flaschenhals. Genau hier kommt American Electric Power ins Spiel.
Strom wird zum Flaschenhals
Gestern hatte ich in einer Analyse bereits auf Vistra hingewiesen, nachdem die Aktie als eine der größten Positionen von Peter Thiel in den Filings aufgetaucht ist. In seinem Portfolio befand sich mit American Electric Power ein weiterer spannender Wert.
Während Vistra vor allem von steigenden Strompreisen und der eigenen Erzeugungskapazität profitiert, ist American Electric Power noch stärker auf die Infrastruktur dahinter ausgerichtet.
American Electric Power, kurz AEP, ist einer der größten regulierten Stromversorger der USA. Das Unternehmen versorgt rund 5,6 Millionen Kunden in elf Bundesstaaten und betreibt rund 40.000 Meilen Übertragungsleitungen sowie etwa 252.000 Meilen Verteilnetze. Hinzu kommen rund 33 Gigawatt Erzeugungskapazität.
AEP verdient einen großen Teil seines Geldes mit regulierten Netzen. Das Unternehmen baut Leitungen, Umspannwerke und andere Infrastruktur und erhält dafür eine von den Regulierungsbehörden genehmigte Rendite auf die sogenannte Rate Base. Je mehr notwendige Infrastruktur AEP errichtet, desto größer wird diese Ertragsbasis.
Und dass das Stromnetz dringend ausgebaut werden muss, dürfte vollkommen klar sein. Laut ERCOT könnte die Stromnachfrage in Texas von einer heutigen Spitzenlast von 85,5 Gigawatt bis 2032 auf bis zu 368 Gigawatt steigen (ERCOT steht für Electric Reliability Council of Texas, den texanischen Netzbetreiber).
Gigantischer Ausbau notwendig
In Texas wurde sogar ein vorübergehender Stopp für neue Netzanschlüsse von Rechenzentren verhängt, weil das Stromnetz am Limit war. Der Stopp betrifft neue Anträge in der Warteschlange. Bereits genehmigte Projekte sowie Rechenzentren, die eine eigene, vom Netz unabhängige Stromerzeugung bauen, können weitergeführt werden.
Strom wird immer mehr zum Flaschenhals. Die USA stehen vor einem massiven Anstieg des Stromverbrauchs. Künstliche Intelligenz und Rechenzentren sind dabei nur ein Teil der Entwicklung. Auch Industrie, Elektrifizierung und das Bevölkerungswachstum erhöhen die Nachfrage. Für AEP bedeutet das: Es müssen nicht nur mehr Kraftwerke gebaut werden. Der Strom muss auch dorthin transportiert werden, wo er benötigt wird.
Das Unternehmen besitzt das größte Übertragungsnetz der USA und verfügt über mehr als 2.100 Meilen an 765-Kilovolt-Leitungen. Diese extrem hohen Spannungsebenen ermöglichen den Transport großer Strommengen über weite Entfernungen.
AEP betreibt zudem seit mehr als 60 Jahren entsprechende Hochspannungsinfrastruktur. Das Know-how und die vorhandenen Netze sind deshalb ein erheblicher Wettbewerbsvorteil.
Darüber hinaus werden neue Starkstromtrassen in der Regel an bestehende Netze angeschlossen.
78 Milliarden Dollar für den Stromboom
Besonders interessant wird das durch den Boom der Rechenzentren. Ein Hyperscaler kann zwar innerhalb weniger Jahre Milliarden in ein neues Rechenzentrum investieren. Das bringt allerdings wenig, wenn am gewünschten Standort nicht genügend Strom verfügbar ist. Der Engpass verlagert sich damit zunehmend von der Nachfrage auf die Infrastruktur.
Das Unternehmen hat inzwischen Verträge und Vereinbarungen für zusätzliche Stromnachfrage von 69 Gigawatt bis 2030 unterzeichnet. Ein großer Teil davon entfällt auf Rechenzentren und andere energieintensive Kunden. Allein in Texas summieren sich die zusätzlichen Lastvereinbarungen inzwischen auf 41 Gigawatt.
Das ist für einen Versorger eine außergewöhnlich gute Ausgangslage. AEP muss nicht darauf hoffen, dass irgendwann jemand Strom benötigt. Die Nachfrage ist bereits vertraglich zugesichert.
Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, hat AEP massive Investitionen beschlossen. Im Fünfjahresplan sind 78 Milliarden USD vorgesehen. Davon entfallen rund 33 Milliarden Dollar auf Übertragungsnetze, 24 Milliarden auf Erzeugungskapazitäten und 17 Milliarden auf Verteilnetze. Zusätzlich sieht das Unternehmen weitere Investitionsmöglichkeiten von mehr als 10 Milliarden Dollar.
Eine sichere Hausnummer?
Das Geschäftsmodell hat allerdings auch eine Kehrseite. Da die Branche stark reguliert ist, kann AEP nicht einfach die Preise erhöhen. Explosionsartige Gewinnsteigerungen sind daher kaum möglich.
Im Gegenzug sind solide steigende Gewinne durchaus wahrscheinlich. AEP erwartet, dass die Rate Base bis 2030 mit rund 11 Prozent pro Jahr wächst. Gleichzeitig soll der operative Gewinn je Aktie langfristig um 7 bis 9 Prozent jährlich zulegen, wobei das Unternehmen inzwischen sogar mit einer CAGR von mehr als 9 Prozent bis 2030 rechnet.
Den Konsensschätzungen zufolge dürfte das Ergebnis in diesem Jahr um 7 % auf 6,40 USD je Aktie steigen. AEP kommt demnach auf eine forward P/E von 19,7.
Mittelfristig könnte das Wachstum sogar noch etwas höher ausfallen. AEP versucht dieses Problem unter anderem dadurch zu entschärfen, dass die neuen Großkunden einen Teil der zusätzlichen Kosten tragen.
Die Grundidee ist simpel: Wenn Amazon, Google oder andere Großkunden enorme zusätzliche Strommengen benötigen, sollen nicht die privaten Haushalte für die dafür erforderliche Infrastruktur bezahlen.
Das ist nicht nur politisch gewollt. Es verbessert auch die Wirtschaftlichkeit des gesamten Investmentprogramms.
Daher könnte der jüngste Rücksetzer eine Gelegenheit sein. Das gilt vor allem für konservative Dividenden-Investoren. American Electric Power (AEP) zahlt bereits seit Juli 1910 durchgängig und ohne Unterbrechung in jedem Quartal eine Dividende und hat die Ausschüttung in den letzten 20 Jahren nahezu in jedem Jahr erhöht und niemals gesenkt.
Derzeit liegt die Dividendenrendite bei 3,00 %.

American Electric befindet sich in einem stabilen Aufwärtstrend. Kann die Unterstützung bei 124 USD jetzt verteidigt werden, könnte das einen erneuten Anstieg in Richtung Allzeithoch einleiten, also in den Bereich zwischen 135 und 140 USD.
Aus Sicht der Bullen sollte die Aktie nicht unter 114 USD fallen. Denn in diesem Szenario wären die langfristigen Aufwärtstrends nachhaltig durchbrochen.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 19.08.2026 um 11:05 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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