Nicht jede KI-Aktie ist gleich riskant. Warum Amazon besonders interessant sein könnte und was die jüngsten Aussagen von AWS verraten.
In den letzten Wochen wurde an der Börse wieder vermehrt darüber diskutiert, ob KI eine Blase ist oder nicht. Das Thema wird in unregelmäßigen Abständen hochgekocht, der Sektor korrigiert und anschließend markieren die meisten Aktien wieder neue Allzeithochs.
Es wäre gut möglich, dass das wieder geschehen wird.
Aber viel wichtiger ist, sich die Geschäftsmodelle innerhalb des Sektors genauer anzuschauen. Zahllose Unternehmen werden in eine Schublade gesteckt, obwohl die Dynamiken und zugrunde liegenden Geschäftsmodelle kaum unterschiedlicher sein könnten.
Drei Geschäftsmodelle, drei völlig unterschiedliche Wetten
Im Kern geht es in dieser Analyse um Amazon, aber nur durch einen Vergleich mit anderen Geschäftsmodellen kann der Unterschied wirklich illustriert werden.
Nvidia und andere Chipproduzenten liefern die entscheidenden Werkzeuge für den KI-Boom. Die Grafikprozessoren des Unternehmens sind für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle von großer Bedeutung. Hinzu kommen Software, Netzwerktechnik und ein eng verzahntes Ökosystem, das den Wechsel zu anderen Anbietern erschwert.
Nvidia profitiert damit unmittelbar von den Investitionen der großen Technologiekonzerne. Das Unternehmen muss nicht selbst herausfinden, welche KI-Anwendung sich letztlich durchsetzt. Solange die Nachfrage nach Rechenleistung steigt, sitzt Nvidia auf einer lukrativen Position.
CoreWeave kauft enorme Mengen an Hardware ein, baut spezialisierte Rechenzentren auf und vermietet KI-Infrastruktur an Kunden. Das Modell kann schnell wachsen, ist allerdings kapitalintensiv und auf Pump finanziert.
Grob unterschiedliche Risiken
Da das Geschäftsmodell über Fremdkapital finanziert ist und man keine bestehende Nutzerbasis hat, muss man über den Preis in den Wettbewerb. Das ist eine potenziell riskante Wette.
Amazon spielt auf einem anderen Feld. Über AWS vermietet der Konzern Rechenleistung und bietet KI-Dienste an, die Unternehmen direkt in ihre Anwendungen integrieren können. Dabei wird vor allem die gigantische bestehende Nutzerbasis monetarisiert.
Gleichzeitig entwickelt Amazon eigene Chips und hat sich damit längst einen weiteren Milliardenmarkt erschlossen.
Der entscheidende Unterschied: Amazon ist nicht allein auf KI angewiesen. Das Cloud-Geschäft profitiert auch von anderen Anwendungen, während Handel und Werbung zusätzliche Ertragsquellen bieten.
Das KI-Cloud-Geschäft und die eigenen Chips können das Wachstum beschleunigen und neue Geschäftsfelder erschließen und können gleichzeitig querfinanziert werden.
Was wäre, wenn
Da die Geschäftsmodelle sehr unterschiedlich sind, sind die Auswirkungen je nach zukünftigem Szenario sehr unterschiedlich.
Nehmen wir beispielsweise an, dass es perspektivisch zu Überkapazitäten bei diversen KI-Chips kommen wird, da die Hersteller in Summe zu viel in die Produktionsausweitung investiert haben.
Das ist ein plausibles Szenario.
Sollte es dazu kommen, könnte der Gewinn von Nvidia stagnieren oder sogar spürbar unter Druck kommen. An der herausragenden Position innerhalb der Branche würde das jedoch voraussichtlich nichts ändern.
Kommt es anschließend zu einem Aufschwung, wäre Nvidia abermals einer der größten Profiteure.
Bei CoreWeave sieht die Sachlage vollkommen anders aus. Kommt es zu einem Abschwung und sinkenden Preisen bei Hardware und Tokens, könnte das zu Abschreibungen führen und möglicherweise auch zu einem Zahlungsausfall. Das Unternehmen könnte plötzlich mit dem Rücken zur Wand stehen.
Diese Gefahr wurde offenbar längst erkannt. Die meisten Anleihen von CoreWeave stehen bei 80 % und bieten eine Rendite von teilweise über 15 %. Der Markt preist eine erhebliche Ausfallgefahr ein.
Wer geht als Sieger vom Feld?
Und dann wären wir bei Amazon, das in diesem Szenario wohl am besten davonkommen würde.
Sinken die Chip-Preise, belastet das das eigene Chip-Geschäft zwar, doch eine nachlassende Profitabilität in diesem Bereich dürfte auf Konzernebene kaum ins Gewicht fallen. Darüber hinaus nutzt Amazon den Großteil der produzierten Chips ohnehin selbst.
Dass die Einkaufspreise für Chips sinken würden, würde wesentlich schwerer wiegen. Dieser Umstand dürfte die sinkenden Token-Preise ausgleichen. Für den Konzern könnte das sogar von Vorteil sein.
Im Kern würde das alles wenig an der Dominanz von AWS im Hyperscaler-Segment ändern.
Das sagt der Finanzchef von AWS
Doch das ist nur ein mögliches Szenario, kommen wir zurück zur aktuellen Lage – und die ist laut AWS-Finanzchef John Felton wohl so gut, wie es kaum jemand erwartet hätte.
Seinen Aussagen zufolge liegt die Amortisationszeit für KI-Server bei weniger als drei Jahren. Das würde bedeuten, dass die Investitionen in diesem Bereich hochprofitabel sind.
Das ist bisher wohl einer der deutlichsten Hinweise darauf, dass sich die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur rechnen.
Dazu passt auch die Entwicklung des operativen Cashflows bei Amazon. Die Investitionen haben bereits zu einer Beschleunigung der Wachstumsdynamik geführt.
Nachdem der operative Cashflow im letzten Geschäftsjahr um 19 % auf 12,89 USD je Aktie gestiegen ist, dürfte im laufenden Geschäftsjahr ein Anstieg um 35 % auf 17,46 USD je Aktie erfolgen.
Amazon kommt demnach auf einen forward P/OCF von 15,0.
Sollte der operative Cashflow im kommenden Jahr wie erwartet um weitere 35 % auf 23,50 USD je Aktie steigen, würde der P/OCF dadurch auf 11,2 sinken.

Gelingt jetzt ein Anstieg über 265 USD, könnte Amazon wieder in Richtung Allzeithoch klettern. Darüber ergeben sich extrapolierte Kursziele bei 300 bis 310 USD.
Fällt die Aktie hingegen unter 250 USD, muss mit einer Ausdehnung der Korrektur in Richtung 235 oder 225 USD gerechnet werden.
--- ---
--- (---%)Displaying the --- chart
Heutigen Chart anzeigen
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 21.10.2026 um 11:10 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
Mehr als 13.000 Investoren & Trader folgen mir und meinen täglichen Ausführungen auf Guidants.
Preisgekrönte Handelsplattform und niedrige Gebühren. Mein Broker ist LYNX.




