Die offiziellen Ergebnisse zum ersten Halbjahr stehen zwar erst in der kommenden Woche an, aber am Rande der Luftfahrtschau in Farnborough passte Airbus sein mittelfristiges Gewinnziel nach oben an. Die Aktie reagierte darauf mit Kursgewinnen.
Airbus meldete im Zuge dieser Luftfahrtschau 351 im ersten Halbjahr ausgelieferte Maschinen. Damit hat sich die Taktzahl der Auslieferungen gegenüber dem Jahresbeginn erhöht; das Ziel von 870 Maschinen im laufenden Jahr bleibt dadurch greifbar. Zudem äußerte sich Airbus zum EBIT, d. h. zum Gewinn vor Zinsen und Steuern. Das Ziel, nach 7,13 Milliarden Euro im Jahr 2025 in diesem Jahr 7,5 Milliarden Euro zu erreichen, wurde bestätigt. Zugleich nannte Airbus für 2029 ein EBIT-Ziel von 12 bis 13 Milliarden Euro und kündigte an, in den nächsten drei Jahren eigene Aktien für bis zu fünf Milliarden Euro zurückzukaufen. Die Aktie reagierte mit einem Kursanstieg.
Der Kurs zog um gut sieben Prozent an und gelangte dadurch wieder in den Dunstkreis des im Januar markierten Verlaufsrekords von 221,25 Euro. Eine ganze Reihe von Analysten reagierte umgehend mit einer Anpassung der Kursziele. Diese neuen Ziele bewegten sich in einer Range zwischen 205 und 245 Euro, das durchschnittliche Kursziel steig dadurch leicht auf aktuell 218,61 Euro. Zugleich sind drei Viertel der Analysten, die eine aktuelle Einstufung für Airbus haben, bullisch, das verbleibende Viertel plädiert für „Halten“, zum Verkauf rät momentan niemand. Das sollte doch eigentlich reichen, um die Aktie an und über dieses bisherige Rekordhoch zu heben … oder?
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Expertenmeinung: Seitens der Charttechnik hätten die Bullen zumindest eine ideale Basis dafür. Denn nachdem ein Versuch, sich an und über das bisherige Hoch zu schieben, erst vor wenigen Tagen scharf abgewiesen worden war, drehte die Airbus-Aktie mit dem Rückenwind dieser Gewinnziele genau da wieder nach oben, wo es darauf ankam: auf Höhe der Supportlinie in Form des markanten Zwischenhochs vom Mai bei 191,88 Euro und der knapp darunter, derzeit bei 189 Euro verlaufenden 200-Tage-Linie. Zugleich hat der Stochastik-Oszillator als markttechnischer Indikator im Chart durch die vorgeschaltete Korrektur deutlich zurückgesetzt und würde der Aktie grundsätzlich noch einigen Spielraum bieten, bevor hier überkaufte Levels zu sehen wären.

Aber die Charttechnik allein ist nur ein kurzfristiges Kaufargument. Um deutlicher nach oben zu laufen und aus dieser Aktie wieder einen „Himmelsstürmer“ zu machen, müssten auch die Rahmenbedingungen passen. Und so grandios, wie sich das in Farnborough anhörte, war dieses mittelfristige Ziel eigentlich gar nicht, denn bereits im Vorfeld hatte man seitens der Analysten für 2029 mit einem EBIT von über 12 Milliarden gerechnet.
Zugleich haben zwar mehrere Analysten ihre Kursziele angehoben, aber die Korrekturen nach oben waren eher klein. Und die Aktie ist nicht mehr „billig“: Derzeit käme man auf Basis des bestätigten Gewinnziels für 2026 auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) um 26. Zwar hatte man hier in den letzten drei Jahren auch KGVs um 30 gesehen; in den Jahren davor pendelte die Aktie aber eher um 20.
Und die in der kommenden Woche anstehenden Halbjahreszahlen? Könnten die nicht dafür sorgen, dass die Aktie den „Deckel“ sprengt und über das bisherige Hoch läuft? Das ist zwar denkbar, aber nichts, worauf man wetten sollte. Denn Airbus hat durch die Bestätigung der EBIT-Prognose für 2026 ja bereits angedeutet, dass es zwar gut läuft, zuletzt aber keine Entwicklungen aufgetaucht sind, die die Einschätzungen der Anleger und Analysten auf den Kopf stellen würden.
Fazit: Die Aktie könnte neue Hochs erreichen, aber „the sky is the limit“ dürfte hier vorerst nicht gelten. Sollte es gelingen, das bisherige Monatsverlaufshoch bei 210,96 Euro zu überwinden, könnte erwogen werden, bestehende Long-Positionen mit einem Stoppkurs knapp unter dieser dann als Support fungierenden Chartmarke enger abzusichern, falls ein Anlauf an das Rekordhoch scheitert. Um jetzt noch neu einzusteigen, müsste man sich auf eine länger anhaltende Zugwirkung der günstigen charttechnischen Basis des Anstiegs verlassen … und das wäre mit Blick auf die Tatsache, dass diese neuen Nachrichten gut, aber nicht grandios waren, vielleicht ein wenig gewagt.
Quellenangaben: Auslieferungszahlen Airbus, Handelsblatt-Meldung vom 22.07.2026: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/flugzeugbau-airbus-und-boeing-ueberraschen-mit-lieferzahlen-01/100231274.html
Neue Ziele für den operativen Gewinn, Reuters-Meldung vom 22.07.2026: https://www.reuters.com/business/aerospace-defense/airbus-shares-jump-after-share-buyback-launch-new-guidance-2026-07-22/
Analysten-Einschätzungen: https://finance.yahoo.com/quote/AIR.PA/analyst-insights/

