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Diesmal könnte mehr dahinterstecken als nur ein kurzfristiger Kurssprung. Ist Airbnb endlich auf der Überholspur?
Der Börsengang von Airbnb liegt schon einige Jahre zurück und bisher hat er den Aktionären wenig Glück gebracht. Nach einer ersten starken Phase brach der Kurs von über 200 auf unter 100 USD ein und hat sich bis heute nicht erholt.
In den letzten Wochen und Monaten ging es mit dem Kurs jedoch sukzessive bergauf und die jüngsten Quartalszahlen haben einen deutlichen Kurssprung ausgelöst. Ist das der endgültige Durchbruch? Bleiben die Bullen dieses Mal dauerhaft am Hebel?
Skalierbares Plattformgeschäft
Airbnb gehört zu den bekannten Plattformen für die Vermittlung von Unterkünften, die von einfachen Zimmern bis hin zu luxuriösen Villen reichen. Zusätzlich hat sich das Unternehmen mit “Airbnb Experiences” diversifiziert, auf denen lokale Gastgeber Erlebnisse wie Stadtführungen, Kochkurse oder Abenteueraktivitäten anbieten.
Ein weiteres wichtiges Produkt ist “Airbnb for Work”, das sich an Geschäftsreisende richtet und Unterkünfte mit spezifischen Arbeitsannehmlichkeiten vermittelt.
Das Geschäftsmodell von Airbnb ist ein typisches Plattformgeschäft. Je mehr Anbieter auf der Plattform aktiv sind umso attraktiver ist es auch für die Reisenden. In den meisten Fällen führt das dazu, dass sich im Internet zwischen einem und drei Anbieter etablieren und den Markt weitgehend beherrschen, und so ist es auch geschehen.
Airbnb verdient hauptsächlich an jeder über die Plattform vermittelten Buchung. Gäste buchen Unterkünfte, Gastgeber stellen sie bereit und Airbnb kassiert eine Servicegebühr. Das Unternehmen muss deshalb weder Hotels bauen noch Wohnungen kaufen.
Das Geschäft ist daher gut skalierbar, nicht kapitalintensiv und inzwischen profitabel.
Airbnb will mehr als Ferienwohnungen
Airbnbs größter Vorteil ist aber nicht einfach die Zahl der Unterkünfte. Entscheidend ist die Kombination aus Marke, Angebot, Bewertungen, Daten und Netzwerkeffekten.
Airbnb erweitert sein Angebot über klassische Unterkünfte hinaus um Experiences und Services. Gleichzeitig werden Hotels zunehmend auf die Plattform gebracht. Im Gegenzug bieten die Konkurrenten wie Booking und Expedia immer mehr Ferienwohnungen an.
Die langfristige Vision von CEO Brian Chesky ist damit eher eine umfassende Reiseplattform als ein reines Ferienwohnungsportal. Auch an dieser Stelle gehen Booking und Expedia einen ähnlichen Weg.
Das diese Strategie aufgeht, zeigen die Geschäftszahlen. Seit dem Börsengang im Jahr 2021 konnte der Umsatz von 5,99 auf 12,24 Mrd. USD gesteigert werden. Gleichzeitig hat sich die Profitabilität deutlich verbessert.
Der freie Cashflow kletterte in dieser Zeit von 3,51 auf 7,40 USD je Aktie.
Der Kurs liegt heute trotzdem in etwa auf demselben Niveau wie beim Börsengang.
Das allgegenwärtige Thema: KI
KI könnte bei Airbnb gleich an mehreren Stellen für einen Hebel sorgen. Sie kann die Suche und Personalisierung verbessern, Preise optimieren und vor allem den Kundenservice automatisieren.
Das zeigt sich bereits in den Zahlen. Im ersten Quartal 2026 wurden mehr als 40 % der über den AI Assistant eingeleiteten Kundenanfragen ohne menschlichen Mitarbeiter gelöst. Das hat dazu beigetragen, die Supportkosten pro Buchung um 10 % zu senken.
Für ein Plattformgeschäft ist das besonders interessant, denn das eröffnet die Möglichkeit für überproportional steigende Gewinne.
Das ist definitiv nicht der einzige Faktor, der zu den starken Quartalszahlen beigetragen hat, aber eine Stellschraube, die man als Investor im Auge behalten sollte.
Die große Überraschung
Der Gewinn lag in Q2 mit 1,37 USD je Aktie weit über den Erwartungen von 1,20 USD. Mit einem Umsatz von 3,60 Mrd. USD wurden die Analystenschätzungen von 3,58 Mrd. USD ebenfalls übertroffen.
Auf Jahressicht entspricht das einem Umsatzplus von 17 % und einem Gewinnsprung um 27 % auf 816 Mio. USD. Da gleichzeitig Aktienrückkäufe laufen, konnte das Ergebnis je Aktie sogar um 33 % gesteigert werden.
Der freie Cashflow verbesserte sich von 1,04 auf 1,25 Mrd. USD, die FCF-Marge lag bei stattlichen 35 %.
In der näheren Zukunft dürfte sich die starke Entwicklung fortsetzen. Der Gesamtwert aller Buchungen („Gross Booking Value“) kletterte im letzten Quartal um 16 % auf 27,2 Mrd. USD.
Dem Vorstand zufolge hat die Dynamik spürbar zugenommen. Die eigenen Erwartungen wurden bei allen wichtigen Kennzahlen übertroffen. Besonders stark entwickelte sich das Geschäft in den USA, Frankreich, Großbritannien und Australien.
Prognose hoch
Daher wurde der Jahresausblick angehoben. Airbnb erwartet für 2026 nun mindestens ein Umsatzwachstum im mittleren Zehnerprozentbereich („growth to at least mid-teens“). Zuvor hatte das Unternehmen lediglich ein Wachstum im niedrigen bis mittleren Zehnerprozentbereich („low-to-mid-teens“) in Aussicht gestellt.
Den Konsensschätzungen zufolge dürfte der freie Cashflow im laufenden Jahr um 21 % auf einen Rekordwert von 8,98 USD je Aktie steigen.
Airbnb kommt demnach auf einen forward P/FCF von 20,6. Damit liegt die Bewertung in etwa auf dem Niveau der Vorjahre.
Der eigentliche Hebel für Investoren ergibt sich daraus, dass die Erwartungen zu niedrig sein könnten und dadurch, dass sich das Wachstum in den Folgejahren fortsetzen dürfte, was letztlich zu einer Neubewertung der Aktie führen könnte.

Mit dem Ausbruch über 170 USD wurde ein prozyklisches Kaufsignal ausgelöst, dass einen erneuten Anstieg zu den Hochs bei 210 – 220 USD möglich erscheinen lässt.
Fällt die Aktie jedoch zeitnah unter 170 USD zurück, muss mit einer Korrektur in Richtung 163 oder 154 USD gerechnet werden.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 12.08.2026 um 15:35 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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