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Adidas galt lange als unantastbar, doch ausgerechnet der größte Erfolg wurde zur größten Schwäche. Läuft gerade das große Comeback?
Vom Branchenprimus zum Krisenfall
Adidas zählt seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Sportartikelherstellern der Welt. Gemeinsam mit Nike und Puma prägte der Konzern den globalen Markt und galt lange als nahezu unangreifbar. Doch die Branche hat sich grundlegend verändert.
Neue Wettbewerber haben profitable Nischen erobert, die großen Absatzmärkte sind weitgehend gesättigt und Modetrends wechseln schneller denn je.
Tatsächlich steckt die gesamte Sportartikelbranche in einem strukturellen Wandel. In Europa und Nordamerika besitzen viele Verbraucher bereits mehrere Paar Sportschuhe und umfangreiche Sportbekleidung.
Zusätzliche Nachfrage entsteht deshalb immer häufiger nur durch Innovationen, neue Modetrends oder höherpreisige Produkte.
Gleichzeitig greifen spezialisierte Marken gezielt einzelne Segmente an. Lululemon dominiert den Yogabereich, On Running wächst im Laufsport rasant und Unternehmen wie Skechers, New Balance oder Asics gewinnen ebenfalls Marktanteile. In China haben sich mit Anta Sports und Li Ning zudem starke heimische Konkurrenten etabliert, die den internationalen Marken zunehmend das Leben schwer machen.
Warum die Erfolgsstrategie plötzlich gescheitert ist
Unter dem früheren Vorstandschef Kasper Rorsted setzte Adidas daher auf eine stark vereinfachte Produktpalette, konzentrierte sich auf wenige globale Bestseller und forcierte den Direktvertrieb über eigene Kanäle.
Gleichzeitig wurden Großhändler zurückgedrängt und der Fokus immer stärker auf Lifestyle-Produkte und modische Kooperationen gelegt. Solange Modelle wie Yeezy oder Superstar gefragt waren, funktionierte diese Strategie hervorragend.
Nachdem die Kooperation mit Kanye West und damit auch Yeezy vor dem Ende standen, zeigten sich jedoch die Schwächen dieses Ansatzes. Hinzu kam, dass die Lebenszyklen der wichtigsten Modelle ausliefen, während neue Innovationen fehlten.
Weil Adidas seine Produktvielfalt deutlich reduziert hatte, konnte das Unternehmen den Rückgang einzelner Bestseller kaum ausgleichen. Hinzu kamen das abrupte Ende der Yeezy-Partnerschaft sowie erhebliche Probleme im chinesischen Markt, wo Adidas in großem Tempo Marktanteile verloren hatte.
Im Fall von Adidas hat das dazu beigetragen, dass der Konzern kurzzeitig rote Zahlen geschrieben hat – nachdem zuvor Milliardengewinne die Regel waren.
Bjørn.
Der Wendepunkt kam Anfang 2023 mit dem Amtsantritt von Bjørn Gulden. Der Norweger hatte zuvor bereits Puma erfolgreich saniert und brachte umfangreiche Erfahrung aus früheren Jahren bei Adidas mit.
Sein Führungsstil unterscheidet sich deutlich von dem seines Vorgänger. Statt komplizierter Kennzahlensysteme und zentraler Steuerung setzt Gulden auf einfache Strukturen, schnelle Entscheidungen und mehr Verantwortung für die regionalen Teams. Unterstützt wird dieser Kurs vom Aufsichtsratsvorsitzenden Nassef Sawiris, der selbst zu den größten Aktionären gehört und damit ein starkes Eigeninteresse am langfristigen Erfolg besitzt.
Gerade in China entwickelt Adidas inzwischen zahlreiche Produkte speziell für lokale Kunden. Rund die Hälfte der dort verkauften Artikel entsteht inzwischen mit regionalem Fokus. Auch in Nordamerika sitzen die verantwortlichen Teams näher am Markt und arbeiten enger mit Händlern, Universitäten und Sportorganisationen zusammen.
Die neue Strategie orientiert sich wieder stärker an den traditionellen Stärken der Marke. Adidas soll nicht länger primär als Modeunternehmen wahrgenommen werden, sondern wieder als Sportmarke mit hoher technischer Kompetenz.
Klassiker statt kurzlebige Modetrends
Gleichzeitig setzt der Konzern auf erfolgreiche Klassiker, die sich modern interpretieren und neu auflegen lassen.
Selbst neue Trends lassen sich häufig mit vorhandenen Designs bedienen, anstatt ständig völlig neue Produktlinien entwickeln zu müssen.
Das reduziert auch das Moderisiko. Zwar bleibt rund die Hälfte des Sortiments von wechselnden Trends abhängig, doch ein Großteil dieser Produkte basiert auf bewährten Klassikern, die bereits seit vielen Jahren erfolgreich verkauft werden.
Parallel investiert Adidas wieder deutlich stärker in den Leistungs- und Profisport. Vor allem im Laufsport erzielt der Konzern mit modernen Wettkampfschuhen wieder beachtliche Erfolge.
Gesponserte Athleten gewinnen internationale Marathons und stärken damit die Glaubwürdigkeit der Marke.
Auch im Basketball baut Adidas seine Präsenz konsequent aus und konnte prominente Spieler wie Anthony Edwards verpflichten.
Solche Investitionen schaffen Aufmerksamkeit für die Marke und fördern gleichzeitig den Verkauf von Bekleidung, die in den vergangenen Jahren gegenüber dem Schuhgeschäft deutlich an Bedeutung verloren hatte.
Gleichzeitig normalisiert Adidas das Verhältnis zu seinen Handelspartnern. Während der frühere Vorstand den Direktvertrieb bevorzugte, verfolgt Gulden einen ausgewogeneren Ansatz. Auch künftig dürfte der Großhandel mit mehr als 60 Prozent den größten Umsatzanteil ausmachen, während der Direktvertrieb unter 40 Prozent bleibt.
Läuft der Turnaround längst?
Operativ zeigt der Turnaround bereits deutliche Fortschritte. Nach dem Verlustjahr 2023 kehrte Adidas schnell in die Gewinnzone zurück. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte das Unternehmen bereits einen Gewinn von 4,28 Euro je Aktie. Im darauffolgenden Jahr stieg der Gewinn sogar auf 7,51 Euro je Aktie. Gleichzeitig verbesserten sich Umsatz und Profitabilität in den meisten Regionen deutlich, obwohl das plötzliche Yeezy-Aus das Geschäft noch belastete.
Auf den laufenden Turnaround hatte ich bereits vor einiger Zeit hingewiesen:
Adidas: Endlich wieder in der Erfolgsspur?
Im laufenden Geschäftsjahr hat sich die positive Entwicklung fortgesetzt. Im ersten Quartal konnte der Umsatz währungsbereinigt um 14 % auf 6,6 Mrd. Euro gesteigert werden.
Gleichzeitig hat sich die operative Marge von 9,9 auf 10,7 % verbessert. Das Betriebsergebnis kletterte um 16 % auf 705 Mio. Euro und der Gewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen um 11 % auf 484 Mio. Euro.
Derzeit wird erwartet, dass der Gewinn um 27 % auf 9,50 Euro je Aktie steigen wird. Damit würde man das bisherige Rekordergebnis von 10,00 Euro je Aktie nur knapp verfehlen – doch es stehen noch drei Quartale aus, in denen Adidas wieder überraschen kann.
Die Halbjahreszahlen werden voraussichtlich am 30. Juli vorgelegt.

Sollten die Erwartungen erfüllt werden, entspricht das einem KGVe von 19,1. Im langjährigen Durchschnitt lag das KGV bei 25,9.
Gelingt jetzt ein Ausbruch über 185 Euro, kommt es zu einem prozyklischen Kaufsignal mit möglichen Kurszielen bei 196–200 und 214–220 Euro.
Kurzfristig ist die Aktie jedoch korrekturgefährdet. Ein mögliches Kursziel auf der Unterseite liegt bei 169 Euro. Darunter kommt es zu einem Verkaufssignal mit möglichen Kurszielen bei 160 und 150 Euro.
Der Inhalt dieses Artikels wurde erstellt am 10.07.2026 um 11:04 Uhr. Sofern nicht anders angegeben, beabsichtigen wir nicht, diesen Artikel zu aktualisieren. In Zukunft können aber Analysen zum selben Finanzinstrument veröffentlicht werden.
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