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Am Dienstag sauste die Bayer-Aktie um 7,34 Prozent nach oben. Am Mittwoch aber verlor sie diesen gesamten Vortages-Gewinn, hatte zeitweise sogar bis zu 12,2 Prozent im Minus gelegen. Das sind keine normalen Kursschwankungen, also: Was passiert hier gerade?
Am Dienstag hatte Bayer eine Meldung veröffentlicht, die ursächlich für dieses immense Auf und Ab war. Es ging um das alles entscheidende Thema, um den Grund, der dafür verantwortlich war, dass die Aktie des Konzerns lange Jahre deutlich tiefer notierte, als sie es von Buchwert, Umsatz und Gewinn hätte tun können: um die Schadenersatzklagen in den USA aufgrund angeblicher Gesundheitsschäden durch den Einsatz von Monsanto-Produkten, die Glyphosat oder PCB enthalten.
Indem Bayer das US-Unternehmen Monsanto übernommen hatte, „erbte“ es auch die Probleme, die durch Monsanto-Produkte wie den Unkrautvernichter „Roundup“ entstanden. US-Kläger forderten Schadenersatz ein, weil sie gesundheitliche Schäden mit Monsanto-Produkten in Verbindung brachten und auf diesen, zumindest auf Basis der rechtlichen Vorgaben einiger US-Bundesstaaten, nicht ausreichend auf mögliche Risiken hingewiesen wurde. Der Knackpunkt der Sache ist, neben der Schwierigkeit, z. B. eine Krebserkrankung klar ursächlich mit einem speziellen, externen Einflussfaktor in Verbindung zu bringen, dass die Kennzeichnungen den Vorgaben der US-Bundesgesetze durchaus entsprachen, nur denen einzelner Bundesstaaten nicht.
Das führte dazu, dass Bayer das Problem als solches vor das oberste US-Gericht, den Supreme Court, gebracht hat, um zu erwirken, dass klar geregelt wird, dass US-Bundesrecht über US-Bundesstaatenrecht steht. Der Supreme Court hat den Fall auch angenommen, aber … und da kommt der Haken … noch nicht darüber entschieden. Der Kurssprung des Dienstags als erste Reaktion auf die Bayer-Meldung fiel indes so aus, als wäre das so. Was genau hat Bayer also gemeldet und wieso verlor die Aktie am Mittwoch den gesamten Vortages-Gewinn wieder?
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Expertenmeinung: Bayer teilte mit, dass Monsanto und damit letztlich Bayer sich mit US-Klägern auf einen Sammelvergleich geeinigt habe. Der umfasst ein Volumen von 7,25 Milliarden US-Dollar, die man für anhängige und noch ggf. anstehende Klagen über die kommenden 21 Jahre auszahlen werde, um diese vom Tisch zu bekommen. Darüber hinaus gebe es noch vertrauliche Vergleiche, über deren Zahl und Höhe nichts konkret verlautbart wurde. Für alles zusammen erhöht Bayer die bereits bestehenden Rücklagen von 7,8 Milliarden um vier auf 11,8 Milliarden Euro.
Die erste Reaktion wirkte, als würden die Käufer daraus schließen, dass dieses jahrelange Damoklesschwert zwar noch einmal tief in die Bilanz schneidet, damit aber endlich verschwunden sei. Aber zwei Aspekte dürften andere dazu bewogen haben, am Folgetag kräftig Kasse zu machen, so umfassend, dass man Mühe hatte, die Verluste zumindest so weit zu reduzieren, dass die Bayer-Aktie am Ende wenigstens nur leicht unter dem Montags-Schlusskurs aus dem Handel ging.
Erstens ist die Supreme-Court-Entscheidung eben noch offen. Nur wenn diese zu Gunsten von Bayer ausfällt, wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass keine neuen Klagen mehr kommen und bestehenden Klagen der argumentative Boden entzogen wird. Zweitens hatte man genau diese Entwicklung ja, nachdem Bayer seit längerer Zeit Optimismus verbreitet hatte, das Problem der US-Schadenersatzklagen zu lösen, im Kurs vorweggenommen. Am Dienstag bekam man letztlich nur eine Bestätigung dessen, worauf die Käufer seit Ende letzten Jahres gesetzt hatten … mit dem Malus, dass die Sache mit dem obersten US-Gericht noch offen ist.
Dass es nach dieser vorangegangenen Hausse und dem initialen Kurssprung des Dienstags zu Abgaben kam, ist also nicht überraschend. Jetzt wird es darauf ankommen, ob es gelingt, den Trend an sich aufrechtzuerhalten. Erst einmal hat das geklappt, indem Bayer gestern am Ende des Tages knapp über der den Bullen als Leitstrahl dienenden 20-Tage-Linie schloss. Aber da hier jetzt sehr viel Optimismus im Kurs eingepreist ist, sollte man zumindest einkalkulieren, dass das womöglich nicht so bleibt. Sollte die Aktie unter dem gestrigen Tagestief (43,30 Euro) schließen, kann das leicht der Beginn einer Korrektur mit nächstem, charttechnischen Kursziel in der Region 36/38 Euro sein.

Quellenangaben: Meldung über einen Sammelvergleich bzgl. US-Klagen, 17.02.2025: https://www.bayer.com/media/monsanto-schliesst-sammelvergleich-zur-beilegung-aktueller–und-kuenftiger-klagen-zu-roundup-glyphosat
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